{"id":118903,"date":"2020-11-11T07:22:00","date_gmt":"2020-11-11T06:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=118903"},"modified":"2022-11-17T12:52:42","modified_gmt":"2022-11-17T11:52:42","slug":"das-fraunhofer-spin-off-projekt-ecopals-will-kommunale-mullberge-fur-nachhaltigere-strasen-nutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/das-fraunhofer-spin-off-projekt-ecopals-will-kommunale-mullberge-fur-nachhaltigere-strasen-nutzen\/","title":{"rendered":"Das Fraunhofer Spin-off Projekt EcoPals will kommunale M\u00fcllberge f\u00fcr nachhaltigere Stra\u00dfen nutzen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.fraunhoferventure.de\/de\/news\/presse-2020\/ecopals\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textwithasset_606955\/imageComponent\/image.img.4col.large.jpg\/1630114167680\/Ecopals.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.fraunhoferventure.de\/de\/news\/presse-2020\/ecopals\/jcr:content\/fixedContent\/pressArticleParsys\/textwithasset_606955\/imageComponent\/image.img.jpg\/1630114167680\/Ecopals.jpg\" alt=\"\" width=\"390\" height=\"490\"\/><\/a><figcaption>\u00a9 EcoPalsDas Gr\u00fcnderteam von EcoPals (v. l.: Jonas Varga, Gudrun Gr\u00e4be und Fabien Matthias)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Das Beben, das letztlich zur Gr\u00fcndung des Fraunhofer Spin-offs EcoPals\u00a0f\u00fchrte, erfasste die den Abiturienten Fabien Matthias 2015 in Nepal. Fabien arbeitete als Englisch-Lehrer f\u00fcr eine Entwicklungshilfe-Organisation, als die gesamte Region des s\u00fcdlichen Himalaya von einem verheerenden Erdbeben ersch\u00fcttert wurde. Hunderte verloren ihr Leben, Hunderttausende Unterkunft, Arbeit und Zukunftsperspektiven. Auch die Schule, in der Fabien rund 150 Jungen und M\u00e4dchen unterrichteten, wurde besch\u00e4digt und mit ihr die in Nepal seltene Chance, sich mit Bildung und Ehrgeiz selbst aus der Armut heraus zu arbeiten. Die Region blieb wochenlang abgeschnitten von internationaler Unterst\u00fctzung, Hilfszusagen f\u00fcr den Wiederaufbau der Schule blieben aufgrund von Missmanagement und fehlender Logistik unerf\u00fcllt. Doch der Abiturient wollte sich nicht mit dem Ende ihres Schulprojektes abfinden. Er startete gemeinsam mit Jonas Varga und weitere Kommilitonen seine erste Gr\u00fcndung, eine NGO f\u00fcr effektive Soforthilfe vor Ort.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einheimische und eine wachsende weltweite Unterst\u00fctzer-Community arbeiteten zusammen, um nicht nur den Wiederaufbau von Zerst\u00f6rtem zu leisten, sondern Mikro-Unternehmen in den Krisenregionen selbst zu f\u00f6rdern, mit denen neues Wachstum, nachhaltige L\u00f6sungen f\u00fcr gravierende soziale Probleme und neue Chancen f\u00fcr die einheimische Bev\u00f6lkerung entwickelt werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Erfolg und auch die bisweilen schmerzhaften Lerneffekte bei den Projekten vor Ort, hatten auch das Denken der Gr\u00fcnder selbst ver\u00e4ndert: Kleine, agile Unternehmen hatten sich in ihrer Arbeit als wirkungsvolle Probleml\u00f6ser erwiesen, die nicht nur die Versorgung f\u00fcr den Augenblick lieferten, sondern die vorhandenen Energien und Talente der Einheimischen nutzten, um neue Zukunftsperspektiven zu schaffen. Diese Erkenntnis machte aus den beiden engagierten Sozialwissenschaftlern \/ \u00d6konomen mehr und mehr unternehmerisch denkende \u201eSocial Entrepreneurs\u201c, die soziale Ziele mit cleveren Gesch\u00e4ftskonzepten erreichen wollten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Systemische Probleml\u00f6sung: Der Asphalt der Zukunft mit Plastikm\u00fcll?<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des gro\u00dfen Bebens fehlte es den Nepalesen nicht an Hilfsbereitschaft aus dem Ausland, nicht an engagierten Helfern oder Spenden an Nahrungsmitteln oder medizinischen G\u00fctern. Ein systemisches Problem, mit dem die lokale Bev\u00f6lkerung in Nepal seit jeher k\u00e4mpfte, waren die zu kleinen und schlecht gewarteten Stra\u00dfen, welche die regionale Versorgung vor allem in Krisenzeiten kaum zulie\u00dfen. Die beiden jungen Sozial-Unternehmer hatten w\u00e4hrend ihres Hilfseinsatzes selbst erfahren, dass dieses Grundproblem mit regionalen Ressourcen gel\u00f6st werden musste, um den entlegenen Regionen Perspektiven f\u00fcr eine sichere Zukunft zu bieten. Eine Ressource, die in Nepal schnell wuchs und noch kaum erschlossen war, bilden die riesigen M\u00fcllkippen, auf denen \u00fcberwiegend Einweg-Plastik deponiert wurde. Die Flaschen und Beh\u00e4lter aus Multilayer-Plastik, dem verbreiteten Verbund verschiedener Plastik-Varianten, konnte nicht mit den bekannten Verfahren recycelt und wiederverwertet werden. K\u00f6nnten die gigantischen Berge unseres Zivilisationsm\u00fclls zur Ressource f\u00fcr den Ausbau des Stra\u00dfennetzes in Nepal werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser utopisch anmutenden Idee begannen Jonas und Fabien mit Forschungs- und Technologie-Monitoring und Machbarkeitsanalysen in Nepal und an weltweiten Technologiezentren. Forschungen eines indischen Professors lieferten erste Anhaltspunkte, dass Plastik-Elemente das erd\u00f6lbasierte Bitumen in Stra\u00dfenbau-Asphalt gr\u00f6\u00dftenteils ersetzen konnte und sogar interessante neue Materialeigenschaften versprach. Nach ersten Forschungsergebnissen w\u00e4re eine Steigerung der Lebensdauer in Nepal im Vergleich zu den bisher verwendeten Asphaltvarianten um bis zu 50% m\u00f6glich. 10% des Bitumens k\u00f6nnten durch Plastikm\u00fcll ersetzt werden und somit nicht nur 1.1 Tonnen CO<sup>2<\/sup>&nbsp;pro eingebaute Tonne Plastik einsparen, sondern auch den Aufbau einer Recycling-Infrastruktur vor Ort erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Innovation aus der Schublade: Fraunhofer-Technologie findet Gr\u00fcnder<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Idee, Plastik als Rohstoff f\u00fcr den Stra\u00dfenbau zu nutzen, ist keineswegs neu. Die Neuartigkeit besteht in der Verwendung von recycelten Kunststoffen. Ein Forscherteam des Fraunhofer-Institut f\u00fcr Chemische Technologie (ICT) in Karlsruhe wies die M\u00f6glichkeit bereits vor mehreren Jahren im Zuge eines Industrieprojekts auf und erprobte Methoden des Bitumen-Ersatzes durch Plastik. Doch Technologie und Forschungskompetenz schienen ihrer Zeit voraus zu sein und der Industriepartner verfolgte die Idee nicht weiter obwohl am Fraunhofer-Institut sogar eine Teststra\u00dfe gebaut wurde. Ein konkretes Anwendungsszenario konnte trotz offenkundiger Vorteile im Jahr 2009 offensichtlich nicht gefunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00e4nderte sich, als die beiden Studenten mit ihrer Gesch\u00e4ftsidee auf die Fraunhofer-Forscher Gudrun Gr\u00e4be und Torsten M\u00fcller trafen. Schnell bildete sich ein fachlich spezialisiertes und hoch motiviertes Team, welches das gemeinsame Ziel Kunststoffabf\u00e4lle im Stra\u00dfenbau einzusetzen und somit die Recycle-Quote zu erh\u00f6hen bis heute verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden jungen Gr\u00fcnder bewarben sich beim Bootcamp des AHEAD-Programms und konnten sich nach erfolgreichem Pitch ihrer Idee die Erstfinanzierung sichern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Asphalt neu gedacht: Das Gesch\u00e4ftsmodell der guten Idee<\/h3>\n\n\n\n<p>EcoPals ist nun ein Spin-off-Projekt im Rahmen des AHEAD-Programms von Fraunhofer Venture. Das Team aus Forschern und Gr\u00fcndern arbeitet in der 2. Phase des Programms an der Marktvalidierung und verfolgt inzwischen ein bin\u00e4res Gesch\u00e4ftsmodell: Neben der technologie-basierten Probleml\u00f6sung in Nepal hat das Team im AHEAD-Programm ein zweites Standbein identifiziert, das f\u00fcr die Asphalt-Industrie weltweit interessant werden k\u00f6nnte:&nbsp;Mit Fraunhofer-Technologie lassen sich die Produktionskosten f\u00fcr hochwertigen Stra\u00dfenasphalt signifikant senken, weil der Rohstoff \u2013 nicht-recycelbares Plastik&nbsp;&nbsp;\u2013 im \u00dcberfluss vorhanden ist und als Deponiem\u00fcll sogar Kosten verursacht.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Erfolg des Projekts muss das EcoPals-Team nun beweisen, dass sie die Herausforderungen einer Gr\u00fcndung von der guten Idee bis hin zum marktf\u00e4higen Produkt meistern k\u00f6nnen. F\u00fcr das Betreuer-Tandem Dominik Malter und Thomas Meier von Fraunhofer Venture bedeutet das, echtes Kundeninteresse und Zahlungsbereitschaft mit einem Pilotkunden nachzuweisen. \u201eDas EcoPals-Team hat mit viel Engagement aus einer spannenden Idee eine interessante Gesch\u00e4ftsperspektive entwickelt. Der entscheidende Meilenstein ist nun, gemeinsamen mit einer Kommune, einem Asphalt-Zulieferer, einem Stra\u00dfenbau-Unternehmen und mit Playern der Abfallwirtschaft ein erstes Stra\u00dfenbauprojekt zu realisieren\u201c, so Dominik Malter, der EcoPals als Investment Manager begleitet. Dieser Use-Case w\u00fcrde nicht nur den Product-Market-Fit nachweisen, sondern auch zeigen, dass aus bisher ungenutzten Forschungsergebnissen mit dem richtigen Gesch\u00e4ftsmodell und einem engagierten Team, spannende Spin-offs mit zus\u00e4tzlichem gesellschaftlichen Mehrwert entstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Beben, das letztlich zur Gr\u00fcndung des Fraunhofer Spin-offs EcoPals\u00a0f\u00fchrte, erfasste die den Abiturienten Fabien Matthias 2015 in Nepal. Fabien arbeitete als Englisch-Lehrer f\u00fcr eine Entwicklungshilfe-Organisation, als die gesamte Region des s\u00fcdlichen Himalaya von einem verheerenden Erdbeben ersch\u00fcttert wurde. Hunderte verloren ihr Leben, Hunderttausende Unterkunft, Arbeit und Zukunftsperspektiven. 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