{"id":118843,"date":"2022-11-21T07:14:00","date_gmt":"2022-11-21T06:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=118843"},"modified":"2022-11-17T11:21:49","modified_gmt":"2022-11-17T10:21:49","slug":"man-muss-neu-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/man-muss-neu-denken\/","title":{"rendered":"&#8220;Man muss neu denken&#8221;"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Fr\u00fcher hat der \u00f6sterreichisch-bayerische Unternehmer Frank Obrist CO2-freie Klimaanlagen f\u00fcr die Autoindustrie entwickelt. Jetzt will Obrist das f\u00fcr die Erderw\u00e4rmung verantwortliche Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re holen. &#8220;Es reicht nicht, klimaneutral zu werden&#8221;, sagt der 61 Jahre alte Firmenchef, &#8220;die Menschheit muss in den kommenden Jahrzehnten einen Teil der emittierten Treibhausgase wieder aus Atmosph\u00e4re entfernen.&#8221; Sein Konzept will Obrist heute auf dem Weltklimagipfel auf Einladung der UN-Organisation UNIDO Politikern und Experten vorstellen. Dabei helfen sollen ausgerechnet Autos, die einen Verbrennermotor an Bord haben. Klingt auf den ersten Blick v\u00f6llig paradox, bei genauerer Betrachtung scheint seine Vision von der klimapositiven Individualmobilit\u00e4t aber gar nicht so abwegig. Prominente Wissenschaftler unterst\u00fctzen jedenfalls die k\u00fchnen Ideen des \u00d6sterreichers, der seit Mai seine Firmenzentrale im bayerischen Lindau am Bodensee hat.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-12.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-118846\" width=\"768\" height=\"345\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-12.jpeg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-12-300x135.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-12-150x67.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-12-768x345.jpeg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-12-400x180.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Prominente Unterst\u00fctzer<\/h3>\n\n\n\n<p>Franz Josef Radermacher, seit 20 Jahren im Club of Rome und seit einiger Zeit auch Berater von UN-Generalsekret\u00e4r Guterres in Klimafragen, spricht von einer &#8220;super Idee&#8221;. Robert Schl\u00f6gl, der als einziger Wissenschaftler in Deutschland zwei Max-Planck-Institute leitet und n\u00e4chstes Jahr Pr\u00e4sident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung wird, arbeitet mit Obrist eng zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schl\u00f6gl hat wesentliche Vorarbeiten f\u00fcr das Projekt geleistet. Der Spezialist f\u00fcr chemische Energiekonversion hat beim Thyssenkrupp-Konzern, der in Duisburg das gr\u00f6\u00dfte Stahlwerk Europas betreibt und allein hier f\u00fcnf Prozent des deutschen CO2-Aussto\u00dfes verursacht, eine industrielle Produktionsanlage f\u00fcr Methanol aufgebaut. Die erzeugt mit einem Elektrolyseur zun\u00e4chst Wasserstoff, in einem zweiten Schritt kommt CO2 aus den Hoch\u00f6fen dazu. Daraus entsteht der Alkohol Methanol, der als Treibstoff verwendet werden kann. &#8220;Mit unserer Anlage in Duisburg haben wir bewiesen, dass man Methanol auf diesem Weg industriell skaliert, also in riesigen Mengen herstellen kann,&#8221; sagt Schl\u00f6gl.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technologisches Neuland<\/h3>\n\n\n\n<p>Obrist will noch zwei Schritte weiter gehen. Der erste: Er will das CO2 nicht aus Industrieanlagen nehmen, sondern aus der Umgebungsluft. Wenn dann das so erzeugte Methanol im Motor verbrannt wird, entsteht nur so viel CO2, wie zuvor aus der Luft genommen wurde. Solche Antriebe gelten als klimaneutral: Die Menge des Treibhausgases bleibt trotz der Verbrennung gleich. Doch auch das geht Obrist nicht weit genug. &#8220;Wir m\u00fcssen anfangen, den Mist, den wir in den letzten Jahrzehnten freigesetzt haben, wieder zur\u00fcckzuholen.&#8221; Sprich: die CO2-Konzentration in der Atmosph\u00e4re reduzieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret will Obrist einen Teil des bei der Methanolproduktion aus der Luft gefilterten Kohlendioxids in festen Kohlenstoff umwandeln, diesen einlagern und so der Atmosph\u00e4re dauerhaft entziehen. Das hat Schl\u00f6gl in Duisburg noch nicht gemacht. Der Chemiker spricht von einer Herausforderung, die aber l\u00f6sbar sei. &#8220;Ich halte die Idee f\u00fcr sehr sinnvoll. Auf diese Weise kann man eine Kohlenstoffsenke bauen und so den Zielen des Pariser Klimaabkommens n\u00e4her kommen.&#8221; &nbsp;Auch Radermacher unterst\u00fctzt die Idee von Obrist: &#8220;Wir m\u00fcssen j\u00e4hrlich zehn Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosph\u00e4re entfernen, das Konzept von Obrist kann dabei helfen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">E-Fuels statt BEV<\/h3>\n\n\n\n<p>Paradoxer Weise k\u00f6nnten dazu auch Autos beitragen. Obrist will das gr\u00fcne Methanol in einem von ihm entwickelten Antriebsstrang einsetzen. Seine Firma hat ein herk\u00f6mmliches batterieelektrisches Auto (BEV) umgebaut. Die gro\u00dfe Batterie wurde durch eine ganz kleine ersetzt und ein kleiner Methanolmotor eingebaut, der als Generator l\u00e4uft und kontinuierlich einen Gro\u00dfteil des Fahrstroms an Bord erzeugt. Die Vorteile des Konzepts: Dieses Elektroauto mit Verbrennermotor ist dank dem kleinen Akku viel billiger als herk\u00f6mmliche BEV, es hat eine gr\u00f6\u00dfere Reichweite und braucht keine teure Schnellladeinfrastruktur.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Mein Ziel ist bezahlbare Elektromobilit\u00e4t f\u00fcr jedermann auf der Welt&#8221;, sagt Obrist. Radermacher sieht das \u00e4hnlich. Das BEV sei &#8220;ein Nischenprodukt f\u00fcr die Wohlhabenden in den reichen L\u00e4ndern. Konzepte mit sogenannten E-Fuels sind viel sinnvoller, weil sie \u00fcberall auf der Welt umsetzbar sind.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Billiger Solarstrom aus W\u00fcstenstaaten<\/h3>\n\n\n\n<p>Kritiker wenden dagegen ein, dass der Energieaufwand bei der Produktion dieser synthetischen Kraftstoffe viel zu hoch sei. &#8220;Um ein Verbrennerauto mit E-Fuels anzutreiben, braucht man am Ende f\u00fcnfmal so viel Solar- und Windstrom wie f\u00fcr den Betrieb eines Elektroautos &#8211; und dann wird das Ganze auch f\u00fcnfmal so teuer. In Deutschland werden wir so viele Solaranlagen und Windr\u00e4der gar nicht aufstellen k\u00f6nnen,&#8221; wendet etwa Volker Quaschning ein. Er ist Experte f\u00fcr regenerative Energiesysteme an der Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Obrist will seine CO2-Senke gar nicht in Deutschland aufbauen. Er will die Produktionsanlagen im Sonneng\u00fcrtel der Erde ansiedeln &#8211; also in Staaten mit gro\u00dfen W\u00fcsten, in denen die Sonne an fast allen Tagen des Jahres scheint, weshalb die Effizienz der Solaranlagen viel h\u00f6her ist als in Deutschland. In den Golfstaaten des Nahen Ostens etwa kostet die Kilowattstunde Solarstrom schon heute weniger als einen Cent. Bei diesen Preisen, sagt Obrist, spiele es keine Rolle, dass man f\u00fcnfmal mehr gr\u00fcnen Strom f\u00fcr mein Antriebskonzept braucht als bei einem BEV. Denn das BEV k\u00f6nne in Deutschland nur mit dem knappen und deshalb teuren gr\u00fcnen Strom fahren, den man vor Ort produzieren kann. Sein Konzept aber k\u00f6nne den billigen gr\u00fcnen Strom aus anderen Teilen der Welt nutzen und baue zudem eine Kohlenstoffsenke auf. Und auch wenn es paradox klingt: &#8220;Sie wird umso gr\u00f6\u00dfer, je mehr wir mit Autos fahren, die diesen Treibstoff nutzen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-118845\" width=\"720\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-2.png 960w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-2-300x169.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-2-150x84.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-2-768x432.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/11\/image-2-400x225.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><figcaption>So k\u00f6nnte eine Solarfabrik in der W\u00fcste aussehen &#8211; Animation der Firma Obrist.&nbsp;<em>Bild: Obrist<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8220;Gro\u00dfe Chance f\u00fcr Afrika&#8221;<\/h3>\n\n\n\n<p>&#8220;Wir m\u00fcssen neu denken: Mit dem Autofahren kann man der Atmosph\u00e4re CO2 entziehen&#8221;, sagt auch Radermacher. Bis es soweit ist, m\u00fcssen aber noch zwei gewaltige Probleme gel\u00f6st werden: Die Produktionsanlagen in der W\u00fcste gibt es bislang nur als Computeranimation. Sie zu bauen, wird viele Milliarden kosten, daf\u00fcr m\u00fcssen sich noch Investoren finden. Und auch das Elektroauto mit Verbrennermotor gibt es bislang nur als Prototypen. Obrist hat zwar schon mit vielen gro\u00dfen Herstellern gesprochen, aber noch keinen \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, sein Antriebskonzept in Serie zu bauen. Auch daf\u00fcr will er bei seinem Auftritt bei der Weltklimakonferenz werben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass er \u00fcberhaupt dort sprechen darf, verdankt er einer Einladung der UN-Organisation UNIDO, die die industrielle Entwicklung in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern f\u00f6rdert. Bei der Er\u00f6ffnung des Tech-Zentrums von Obrist in Lindau Ende Mai bezeichnete die UNIDO-Vertreterin Katarina Barunika die Herstellung von gr\u00fcnem Methanol als &#8220;gro\u00dfe Chance f\u00fcr Afrika&#8221;. Die sonnenreichen L\u00e4nder w\u00e4ren ideal, um dort gr\u00fcnen Kraftstoff f\u00fcr die Energieversorgung der Zukunft zu produzieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher hat der \u00f6sterreichisch-bayerische Unternehmer Frank Obrist CO2-freie Klimaanlagen f\u00fcr die Autoindustrie entwickelt. Jetzt will Obrist das f\u00fcr die Erderw\u00e4rmung verantwortliche Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re holen. &#8220;Es reicht nicht, klimaneutral zu werden&#8221;, sagt der 61 Jahre alte Firmenchef, &#8220;die Menschheit muss in den kommenden Jahrzehnten einen Teil der emittierten Treibhausgase wieder aus Atmosph\u00e4re entfernen.&#8221; Sein [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"CO2 einzusparen ist das Klimaschutz-Gebot der Stunde - doch reicht das? Ein \u00f6sterreichisch-bayerischer Unternehmer meint: nein - und t\u00fcftelt an weitergehenden Methoden","footnotes":""},"categories":[5571],"tags":[10744,15905,15357,11841,10743],"supplier":[6955,21333],"class_list":["post-118843","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-co2-based","tag-carboncapture","tag-efuels","tag-klima","tag-kreislaufwirtschaft","tag-useco2","supplier-unido","supplier-obrist"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118843","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=118843"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118843\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=118843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118843"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=118843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}