{"id":118734,"date":"2022-11-18T07:35:00","date_gmt":"2022-11-18T06:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=118734"},"modified":"2022-11-15T14:46:06","modified_gmt":"2022-11-15T13:46:06","slug":"andreas-wimmer-import-gruner-energien-notwendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/andreas-wimmer-import-gruner-energien-notwendig\/","title":{"rendered":"Andreas Wimmer: &#8220;Import gr\u00fcner Energien notwendig&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/fileadmin\/user_upload\/tugrazInternal\/News_Stories\/Planet_research\/2022\/Andreas_Wimmer_1_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.tugraz.at\/fileadmin\/_processed_\/1\/5\/csm_Andreas_Wimmer_1__53c6ceee64.jpg\" alt=\"Andreas Wimmer ist von Wasserstoff als Speichermedium \u00fcberzeugt. \" width=\"666\" height=\"333\" title=\"Bildquelle: LEC GmbH, Foto geopho\"\/><\/a><figcaption>Andreas Wimmer ist von Wasserstoff als Speichermedium \u00fcberzeugt. Bildquelle: LEC GmbH, Foto geopho<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wenn Sie gefragt werden, ob man heute schon mit Wasserstoff ein Auto betanken oder die Wohnung heizen kann \u2013 was antworten Sie?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Andreas Wimmer:<\/strong>&nbsp;Ich w\u00fcrde antworten, dass beide F\u00e4lle aktuell noch keine praktikablen Einsatzgebiete f\u00fcr Wasserstoff sind. Eine Zumischung von Wasserstoff im Erdgasnetz und damit der Einsatz f\u00fcr Heizzwecke ist zwar heute bereits m\u00f6glich, die Verwendung von reinem Wasserstoff im privaten Bereich liegt aber doch noch in ferner Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was fehlt denn dazu noch?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wimmer:&nbsp;<\/strong>Eine gro\u00dffl\u00e4chige Wasserstoffinfrastruktur aufzubauen ist eine riesige Herausforderung und wird noch einige Zeit auf sich warten lassen. Die Frage ist ja, ob das kurz- bis mittelfristig \u00fcberhaupt Sinn macht. Gr\u00fcner Wasserstoff sollte aufgrund der aktuell noch begrenzten Verf\u00fcgbarkeit als erstes dort eingesetzt werden, wo die Effekte am gr\u00f6\u00dften sind. Es geht also insgesamt darum, Wasserstoff m\u00f6glichst sinnvoll und effektiv f\u00fcr die Umwelt einzusetzen. Als erstes f\u00e4llt mir dazu nicht unbedingt der Individualverkehr oder das Heizsystem von privaten Haushalten ein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sondern?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wimmer:<\/strong>&nbsp;Vor allem die gr\u00f6\u00dferen industriellen Prozesse, wie etwa die Stahlerzeugung. Wasserstoff wird aber auch f\u00fcr die saisonale Energiespeicherung eine wesentliche Rolle spielen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6nnte uns der Wasserstoff aber L\u00f6sungen in der aktuellen Energiekrise anbieten?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wimmer:<\/strong>&nbsp;Nicht direkt, da Wasserstoff und wasserstoffbasierte Kraftstoffe genauso wie die Elektrizit\u00e4t ja nur Transportmittel f\u00fcr Energie sind. Neben der Frage des Energietransports wird aber viel mehr die Frage nach der Art der Energieerzeugung entscheidend sein. In Europa m\u00fcssen wir uns dar\u00fcber bewusst sein, dass unsere M\u00f6glichkeiten wohl nicht ausreichen werden, dass wir gen\u00fcgend erneuerbare Energie herstellen k\u00f6nnen, um den Bedarf aus allen Bereichen zu stillen. Wir werden also weiterhin Energie importieren m\u00fcssen. Im Falle der erneuerbaren Energien bedeutet das den Import aus Gegenden, in denen Solar- und Windenergie im \u00dcberschuss vorhanden sind. Das hei\u00dft aber nicht, dass wir nicht auch lokal handeln m\u00fcssen. Die wichtigen Ans\u00e4tze sind: Energiesparen, Effizienz erh\u00f6hen und Alternativen zu fossilen Energietr\u00e4gern finden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von welchem Bedarf sprechen wir da?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wimmer:<\/strong>&nbsp;Von der Mobilit\u00e4t \u00fcber den Transport, die Industrie und die Landwirtschaft bis hin zu den Haushalten: Der Bedarf an erneuerbaren Energien f\u00fcr den Ersatz von fossilen Energietr\u00e4gern wird enorm sein! Ein Vergleich aus dem Transportbereich: In Australien befindet sich gerade eine Solar- bzw. Windkraftanlage in Bau, die mit einer Leistung von circa 26 Gigawatt Energie in Form von Wasserstoff und Ammoniak produzieren wird. Die mit dieser Anlage produzierte Menge an Energietr\u00e4gern ist zwar sehr gro\u00df, man k\u00f6nnte damit aber lediglich ein Prozent des im Marinesektor ben\u00f6tigten Kraftstoffbedarfs abdecken. Und der Marinesektor wiederum nimmt nur etwa drei Prozent des gesamten weltweiten Energiebedarfs in Anspruch.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum sind Sie trotzdem von Wasserstoff \u00fcberzeugt?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wimmer:&nbsp;<\/strong>Vom Wirkungsgrad her sind rein elektrische Systeme immer noch die bevorzugte L\u00f6sung. Aber die ben\u00f6tigten Batteriespeicher sind durch die begrenze Speicherkapazit\u00e4t f\u00fcr viele Anwendungen \u2013 wie etwa die Hochseeschifffahrt \u2013 nicht geeignet. Die chemische Speicherung in Form von Wasserstoff bzw. wasserstoffbasierten Kraftstoffen, wie etwa Ammoniak, machen da viel mehr Sinn. So kann Energie auch \u00fcber sehr weite Strecken transportiert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum Ammoniak?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wimmer:&nbsp;<\/strong>Grunds\u00e4tzlich kann Kraftstoff am effektivsten in fl\u00fcssiger Form transportiert werden. Das ist bei Wasserstoff zwar auch m\u00f6glich, erfordert aber eine Abk\u00fchlung auf eine Temperatur von minus 253 Grad Celsius. Das ist sowohl aus energetischer Sicht als auch wegen der Abdampfverluste f\u00fcr viele Anwendungen keine sinnvolle M\u00f6glichkeit. Ammoniak liegt hingegen bei sehr geringem Druck und bei Umgebungstemperatur in fl\u00fcssiger Form vor. Nachteilig ist zwar dessen Toxizit\u00e4t, aber die Industrie arbeitet schon lange damit und hat viel Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie sieht es hier mit Wandlungsverlusten aus?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wimmer:<\/strong>&nbsp;Nat\u00fcrlich gibt es immer Verluste, wenn von einer Energieform in eine andere bzw. in ein Speichermedium gewandelt wird \u2013 also etwa von Elektrizit\u00e4t zu Wasserstoff oder von Wasserstoff zu Ammoniak. Generell kann man sagen, dass ein&nbsp;Trade-Off&nbsp;zwischen Speicherdichte und Energieaufwand besteht. Das bedeutet auch, dass auf Basis von Wasserstoff produzierte diesel- oder benzin\u00e4hnliche Synthese-Kraftstoffe, die die Nutzung der vorhandenen Betankungs-Infrastruktur zulassen w\u00fcrden, den h\u00f6chsten Energieeinsatz bed\u00fcrfen. Hier gilt es, geeignete Kompromisse zu finden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ist das derzeit gr\u00f6\u00dfte Missverst\u00e4ndnis rund um Wasserstoff?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wimmer:&nbsp;<\/strong>Dass weder Strom noch Wasserstoff und dessen Derivate unmittelbar unsere grunds\u00e4tzliche Energieproblematik l\u00f6sen k\u00f6nnen! Diese werden zwar essentiell f\u00fcr den Transport und die Speicherung von Energie sein, die Kernfrage wird aber bleiben, woher die gro\u00dfen Energiemengen kommen, die zu deren Generierung notwendig sein werden. Dazu werden insbesondere auch techno-\u00f6konomische Betrachtungen des Gesamtsystems \u2013 wie wir sie unter anderem am LEC durchf\u00fchren &#8211; entscheidend sein.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dieses Forschungsprojekt ist im&nbsp;Field of Expertise&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/forschung\/forschungsschwerpunkte-5-fields-of-expertise\/sustainable-systems\/ueberblick-sustainable-systems\/\" target=\"_blank\">\u201eSustainable Systems\u201c&nbsp;<\/a>verankert, einem von f\u00fcnf strategischen Schwerpunktfeldern der TU Graz.<\/strong><\/em><br><em>Mehr Forschungsnews&nbsp;finden Sie auf&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/tu-graz\/services\/news-stories\/planet-research\/aktuelle-artikel\/\" target=\"_blank\">Planet research.<\/a>&nbsp;Monatliche&nbsp;Updates&nbsp;aus der Welt der Wissenschaft an der TU Graz erhalten Sie \u00fcber den Forschungsnewsletter&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/tu-graz\/services\/news-stories\/tu-graz-research-monthly-forschungsnewsletter\/\" target=\"_blank\">TU Graz&nbsp;research monthly.<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontakt<\/h3>\n\n\n\n<p>Andreas WIMMER<br>Ao.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn.<br>Institut f\u00fcr Thermodynamik und nachhaltige Antriebssysteme<br>Tel.: +43 316 873 30100<br>E-Mail: <a>wimmer@tugraz.at<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieses Interview mit Andreas Wimmer ist Teil des TU Graz Dossiers&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.tugraz.at\/tu-graz\/services\/news-stories\/tu-graz-dossiers\/gruener-wasserstoff-hype-oder-hoffnungstraeger\" target=\"_blank\">\u201eGr\u00fcner Wasserstoff &#8211; Hype oder Hoffnungstr\u00e4ger?\u201c<\/a>. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Sie gefragt werden, ob man heute schon mit Wasserstoff ein Auto betanken oder die Wohnung heizen kann \u2013 was antworten Sie? Andreas Wimmer:&nbsp;Ich w\u00fcrde antworten, dass beide F\u00e4lle aktuell noch keine praktikablen Einsatzgebiete f\u00fcr Wasserstoff sind. 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