{"id":11767,"date":"2009-07-09T00:00:00","date_gmt":"2009-07-08T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20090709-01n"},"modified":"2009-07-09T00:00:00","modified_gmt":"2009-07-08T22:00:00","slug":"kompostierung-mit-positiver-energiebilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kompostierung-mit-positiver-energiebilanz\/","title":{"rendered":"Kompostierung mit positiver Energiebilanz"},"content":{"rendered":"<p><i>Kaskadennutzung hei\u00dft die derzeit favorisierte Form der Nutzung Nachwachsender Rohstoffe \u2013 Biomasse wird erst stofflich genutzt, bevor sich nach der Nutzungsdauer der Nawaro-Produkte eine energetische Verwertung anschlie\u00dft.  Die Kompostierung als stoffliche Verwertung von Biomasse produziert zwar D\u00fcnger und Humus zur Schlie\u00dfung des N\u00e4hrstoffkreislaufs, wegen der auf den ersten Blick ung\u00fcnstigeren Energiebilanz der Kompostierung wird die energetische Verwertung biogener Reststoffe politisch vorgezogen. zu Unrecht, wie Vertreter der Kompostbranche meinen. Ihr Untersuchungen ergeben eine deutlich positive Energiebilanz der Kompostierung:<\/i>  <\/p>\n<p><b>Vor dem Hintergrund aktueller energiepolitischer Diskussionen stehen Kompostierungsanlagen zur Verarbeitung von Bioabf\u00e4llen landauf und landab in Verdacht, die in den Bioabf\u00e4llen enthaltenen energetischen Potenziale ungenutzt zu lassen, ja geradezu zu verschleudern. Vor allem im Vergleich zu alternativen Behandlungsverfahren kommt der Eindruck inzwischen schon wie eine Tatsache daher. Zu Unrecht, fand die Regionale G\u00fctegemeinschaft Kompost Bayern, und hat in Anlagen ihrer Mitglieder nachgerechnet.<\/b><\/p>\n<p>Der auch f\u00fcr die Praktiker vor Ort \u00fcberraschende Befund: Kompostierungsanlagen weisen unter dem Strich eine positive Energiebilanz auf. Und dies sind keine Einzelf\u00e4lle. Das Ergebnis hat sich inzwischen bei \u00fcber 20 Produktionsanlagen best\u00e4tigt. Das Bild von Kompostanlagen als &#8220;Energieverschwender&#8221; muss ganz offensichtlich revidiert werden. <\/p>\n<p>Bei n\u00e4herer Betrachtung kommen Energiegutschriften bei der Verwertung von Bioabf\u00e4llen \u00fcber Kompostierungsanlagen nicht wirklich \u00fcberraschend. Im Zuge der Optimierung der Stoffstromlenkung f\u00fcr differenzierte Verwertungswege wurden in den letzten Jahren in praktisch allen Anlagen Ma\u00dfnahmen ergriffen, die zu vielf\u00e4ltigen Kombinationen der stofflichen und der energetischen Verwertung f\u00fchrten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang die Aufbereitung von Garten- und Parkabf\u00e4llen in einen Stoffstrom zur Kompostierung und einen Stoffstrom zur thermischen Nutzung. <\/p>\n<div style=\"float:right;margin-left:10px;\">\n<table border=\"0\">\n<tr>\n<td><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20090709-01\/Bild_3.png\" align=\"left\" BORDER=\"0\" ALT=\"Gr\u00f6\u00dfere Abbildung siehe pdf-Dokument unten\"\/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size:10px;\" align=\"left\">Gr\u00f6\u00dfere Abbildung siehe pdf-Dokument unten<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werden inzwischen auch relevante Mengen an holzreichen Siebr\u00fcckst\u00e4nden aus der Fraktionierung von Kompost zu Fertigprodukten gewonnen und ebenfalls der thermischen Nutzung zugef\u00fchrt, was einen deutlichen Effekt in Richtung einer positiven Energiebilanz bewirkt. Die Vorgehensweise bei der Berechnung der Energiebilanz ist in nebenstehender Tabelle veranschaulicht. <\/p>\n<p>Mit der Ausschleusung heizwertreicher Fraktionen gehen die entsprechenden Mengen und die in ihnen enthaltenen Nutzenpotenziale, wie etwa Humus bildende Stoffe und Pflanzenn\u00e4hrstoffe, f\u00fcr eine stoffliche Verwertung allerdings verloren. Aus diesem Grunde gilt es, die Abtrennung von Stoffstr\u00f6men zur thermischen Nutzung nicht zu maximieren sondern auf Anteile mit hohen Heizwerten zu beschr\u00e4nken und auf solche, die z.B. aufgrund von Fremdstoffgehalten f\u00fcr eine weitere stoffliche Verwertung ungeeignet sind. <\/p>\n<p>Eine weitere Einschr\u00e4nkung ergibt sich aus dem Bedarf an Strukturmaterialien f\u00fcr die Kompostierung. Bei der Kompostierung von organischen Haushaltsabf\u00e4llen (Biotonne) m\u00fcssen Strukturmaterialien d.h. holzreiche Bestandteile in ausreichender Menge zugemischt werden. Unterbleibt dies, ist eine aerobe Rottef\u00fchrung nicht mehr gew\u00e4hrleistet mit der Folge, dass z.B. Emissionen klimarelevanter Gase wie Methan deutlich zunehmen. Die vermeintlich &#8220;klimafreundliche&#8221; Wirkung der thermischen Nutzung holzreicher Bestandteile von Bioabf\u00e4llen kann sich so, wenn sie \u00fcbertrieben wird, schnell in ihr Gegenteil verkehren. <\/p>\n<p>Dies vorausgeschickt, ging es bei den Untersuchungen in erster Linie darum, die tats\u00e4chliche Praxis in Kompostierungsanlagen zu verifizieren. Behandlungsanlagen lassen sich nicht &#8220;\u00fcber einen Kamm&#8221; scheren. Es gibt nicht &#8220;die&#8221; Kompostierungsanlagen und auch nicht &#8220;die&#8221; Verg\u00e4rungsanlagen. Die Unterschiede zwischen den Anlagen sind viel zu gro\u00df. Allgemeine Annahmen f\u00fchren allzu oft zu Ergebnissen, die die Wirklichkeit nicht ad\u00e4quat widerspiegeln. Die Praxis vor Ort ist h\u00e4ufig ganz anders. Um dies nachzuvollziehen, wurden die Rechnungen zur Energiebilanz nicht f\u00fcr &#8220;die Kompostierung&#8221; im Allgemeinen gemacht, sondern jeweils f\u00fcr die einzelnen tats\u00e4chlichen Produktionsanlagen. <\/p>\n<p>Bei der Kompostierung muss man sich vor Augen halten, dass die vom Rottek\u00f6rper im Verlauf der Kompostierung abgegebene W\u00e4rme in energetischer Hinsicht keineswegs so nutzlos verschwendet ist, wie es im ersten Augenblick aussieht: <\/p>\n<ul>\n<li>Die W\u00e4rmefreisetzung bewirkt eine Trocknung des Rottegutes. Ohne verlustreichen Umweg \u00fcber die Steckdose dient die \u00dcberschussenergie der aeroben Mikroben in Form von W\u00e4rme dazu, das im angelieferten Bio-Rohstoff enthaltene Wasser zu verdampfen und somit seinen Wassergehalt von ca. 65 \u2013 80% auf 35 \u2013 45% abzusenken. Daraus abgeschiedene Siebreste zur thermischen Nutzung haben demzufolge auch einen wesentlich h\u00f6heren Heizwert, was die Effizienz ihrer energetischen Verwertung deutlich verbessert. <\/li>\n<li>Die W\u00e4rmefreisetzung bei der Kompostierung bewirkt eine Hygienisierung der Bioabf\u00e4lle, wie sie nach der Bioabfallverordnung vorgeschrieben ist. W\u00fcrden die Bioabf\u00e4lle mit anderen Verfahren behandelt, bei denen es zu keiner oder keiner ausreichenden Selbsterhitzung des Rottegutes kommt, m\u00fcsste die zur Hygienisierung erforderliche Energie zus\u00e4tzlich eingesetzt werden, etwa f\u00fcr eine Pasteurisierung (Zerkleinerung und Erhitzung auf 70 \u00b0C f\u00fcr eine Stunde). Auch diese energetische Leistung kann der Kompostierung gutgeschrieben werden (was in der Beispielrechnung nach Abbildung 1 allerdings nicht ausgewiesen ist, da innerhalb der Systemgrenzen). <\/li>\n<li>Schlie\u00dflich tr\u00e4gt die W\u00e4rmenutzung durch den beschleunigten Abbau und Umbau der Stoffe mit dazu bei, aus den Bioabf\u00e4llen vermarktungsf\u00e4hige Produkte herzustellen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei den Betrachtungen zur Energiebilanz ist es von Bedeutung, die Systemgrenzen aufzuzeigen, die den Berechnungen zugrunde liegen. Die Systemgrenzen f\u00fcr die hier vorgestellte Energiebilanz sind f\u00fcr alle eingetragenen Stoffe (Input-Seite), die zur Produktion ben\u00f6tigt werden, wie Energie und die Bio-Rohstoffe, am Werkstor gezogen. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Output-Seite sind die Systemgrenzen erst bei der Anwendung der Kompostprodukte im Garten oder auf dem Acker, beziehungsweise f\u00fcr die Stoffe zur energetischen Verwertung am Ort der \u00dcbergabe der erzeugten Energie (Strom, W\u00e4rme) an den Verbraucher (z.B. \u00f6ffentliche Netze, Produktionsanlagen, etc.) gesetzt. Auf der Output-Seite wurde also auch der Energieaufwand ber\u00fccksichtigt, um die Produkte an ihren Anwendungsort zu transportieren. <\/p>\n<p>Derzeit ist die G\u00fctegemeinschaft dabei, die hier vorgestellte Berechnung der Energiebilanz von Bioabfallbehandlungsanlagen auf eine gro\u00dfe Anzahl von Anlagen aus der Mitgliedschaft anzuwenden. Dabei hat sich bereits gezeigt, dass diese Anlagen bislang allesamt positive Energiebilanzen aufweisen. <\/p>\n<p>Durch eine optimierte Stoffstromtrennung vor, w\u00e4hrend und nach der Produktion k\u00f6nnen relevante Mengen von Brennstoffen ausgeschleust und f\u00fcr die thermische Verwertung aufbereitet werden. Dadurch entstehen Energiegutschriften, die auch nach Abzug des Energieverbrauchs durch die Produktion und den Transport der Produkte immer noch weit im positiven Bereich erhalten bleiben. <\/p>\n<p>In der Gesamtbewertung sollte dieser Aspekt, dass die Energiebilanz eines Verwertungs- bzw. Produktionsverfahrens nur ein Teil der notwendigen Gesamtbetrachtung darstellt, allerdings nicht \u00fcbergewichtet und im Auge behalten werden. Schon die Einbeziehung einer CO<sub>2<\/sub> Bilanz in die Bewertung kann, durch die dort anzusetzenden CO<sub>2<\/sub> Gutschriften f\u00fcr die stofflichen Nutzwerte wie Humus- und Torfsubstitution, in der Bewertung deutliche Verschiebungen zugunsten der stofflichen Verwertung bewirken. <\/p>\n<p>Ergebnisse der laufenden Ausweitung der Bilanzierung sollen auf dem Humustag der Bundesg\u00fctegemeinschaft Kompost im Herbst diesen Jahres vorgestellt werden. In die Untersuchungen sollen dann auch Verg\u00e4rungsanlagen (als Vorschaltanlagen vor der Kompostierung) einbezogen und die Betrachtungen um CO<sub>2<\/sub>-Bilanzen der jeweiligen Anlagen erg\u00e4nzt werden. An dem Konzept, die Auswertungen in konkreten Anlagen unter den jeweils tats\u00e4chlich vorliegenden Verh\u00e4ltnissen durchzuf\u00fchren, soll auf jeden Fall festgehalten werden. <\/p>\n<p><i><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20090709-01\/Positive_Energiebilanz_durch_differenzierte_Verwertung_HUK_1_09_23.pdf\" >Diesen Artikel als pdf-Dokument herunterladen<\/a><\/i><\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>Manfred Schmidt<br \/>T+E Humuswerk Bechhofen<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:schmidt@altmuehl-humus.de\">schmidt@altmuehl-humus.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><i>Kaskadennutzung hei&szlig;t die derzeit favorisierte Form der Nutzung Nachwachsender Rohstoffe &ndash; Biomasse wird erst stofflich genutzt, bevor sich nach der Nutzungsdauer der Nawaro-Produkte eine energetische<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1329],"class_list":["post-11767","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-bundesguetegemeinschaft-kompost-ev"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11767"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11767\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11767"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=11767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}