{"id":117534,"date":"2022-10-27T07:20:00","date_gmt":"2022-10-27T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=117534"},"modified":"2022-10-24T12:13:07","modified_gmt":"2022-10-24T10:13:07","slug":"wenn-plastikverpackungen-auf-dem-acker-wachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wenn-plastikverpackungen-auf-dem-acker-wachsen\/","title":{"rendered":"Wenn Plastikverpackungen auf dem Acker wachsen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Plastik oder Glas \u2013 es ist die Gretchenfrage vor dem K\u00fchlregal. Jede Woche m\u00fcssen sich Konsumentinnen und Konsumenten aufs Neue entscheiden, woraus sie ihre Kuhmilch trinken m\u00f6chten \u2013 sofern sie \u00fcberhaupt Kuhmilch trinken.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-24-um-12.07.36-1024x644.png\" alt=\"\n\nWer umweltschonend einkaufen will, achtet auch auf Verpackungsmaterialien. F\u00fcr Nachhaltigkeitsbewertungen ist der CO2-Fu\u00dfabdruck aber erst der Anfang.\n\" class=\"wp-image-117550\" width=\"708\" height=\"445\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-24-um-12.07.36-1024x644.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-24-um-12.07.36-300x189.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-24-um-12.07.36-150x94.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-24-um-12.07.36-768x483.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-24-um-12.07.36-400x251.png 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-24-um-12.07.36.png 1203w\" sizes=\"auto, (max-width: 708px) 100vw, 708px\" \/><figcaption>Wer umweltschonend einkaufen will, achtet auch auf Verpackungsmaterialien. F\u00fcr Nachhaltigkeitsbewertungen ist der CO2-Fu\u00dfabdruck aber erst der Anfang. Foto: imago images\/AGB Photo<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Tetra Pak besteht zwar aus Karton, ist aber vor allem bei langlebigen Lebensmitteln wie Haltbarmilch und Saft mit Polypropylen vulgo Kunststoff und Aluminium beschichtet. Die beiden Materialien garantieren Luftdichte und lange Haltbarkeit. Die Glasflasche hingegen hinterl\u00e4sst einen gr\u00f6\u00dferen CO2-Fu\u00dfabdruck w\u00e4hrend der Produktion, kommt als Mehrwegflasche aber h\u00e4ufiger zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Konsumentinnen und Konsumenten fr\u00f6stelnd vor dem K\u00fchlregal Argumente w\u00e4lzen, kommen Studien zu einem klaren Ergebnis: Glas-Einwegflaschen verursachen zehnmal mehr CO2 als Tetra Pak. Glas-Mehrwegflaschen hingegen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Tetra Pak, genauso wie PET-Flaschen. Der Messwert liegt zwischen 100 und 114 Gramm CO2 pro Liter Milch.<\/p>\n\n\n\n<p>Sebastian Gollnow vom Institut f\u00fcr Abfall- und Kreislaufwirtschaft an der Boku Wien greift trotz des knappen Ausgangs lieber zu Mehrwegflaschen. Sein Argument: Es geht nicht nur um Treibhausgasemissionen, sondern auch um Wiederverwertung und dadurch weniger Materialaufwand.<\/p>\n\n\n\n<p>Werde kein Kunststoff verwendet, falle das Problem des Littering und damit die Umweltverschmutzung durch Kunststoffprodukte und Mikroplastik weg, sagt der Forscher. Bei Glas funktioniere die Sammlung sehr gut. Au\u00dferdem sei es weniger kleinteilig und gelange deshalb nicht so leicht in die Umwelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gollnow ist es gewohnt, Dinge ganzheitlich zu betrachten, er berechnet \u00d6kobilanzen f\u00fcr Verpackungen. Daher wei\u00df er auch, dass es ganz ohne Verpackung meist nicht geht. Der CO2-Fu\u00dfabdruck der verpackten Produkte, etwa eines Liters Kuhmilch, sei meist viel gr\u00f6\u00dfer als der der Verpackung \u2013 und diese wiederum braucht es, um die Milch zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6kobilanzen umfassen neben dem CO2-Fu\u00dfabdruck auch Umweltkategorien wie etwa Ressourcenverbrauch. Bei Kunststoff betrifft das fossile Rohstoffe, bei Bio-Kunststoff aus nachwachsenden Materialien wie Zuckerrohr, Kartoffeln und Mais spielt zudem der Wasser- und Ackerbedarf eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kunststoff vom Feld<\/h3>\n\n\n\n<p>Doch sind Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen das bessere Plastik? &#8220;Nicht unbedingt&#8221;, sagt Manfred Tacker. Er ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Circular Analytics. Das Unternehmen f\u00fchrt Nachhaltigkeitsbewertungen von Verpackungen durch. Nachwachsende Rohstoffe, etwa Zuckerrohr, ben\u00f6tigen Ackerfl\u00e4che. Damit stehen sie in direktem Wettbewerb zur Lebensmittelproduktion.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Zuckerrohrfelder in Brasilien werde zwar angeblich weder Regenwald geschl\u00e4gert, sagt Tacker, noch st\u00fcnden die bewirtschafteten Fl\u00e4chen in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion, weil diese Felder ohnehin daf\u00fcr nicht tauglich seien. &#8220;Das l\u00e4sst sich aber freilich schwer \u00fcberpr\u00fcfen&#8221;, sagt Tacker.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunststoff aus Zuckerrohr ist f\u00fcr Tacker &#8220;keine L\u00f6sung, die man forcieren muss&#8221;. Coca-Cola hat die sogenannte Plant Bottle bereits 2009 in geringer St\u00fcckzahl getestet. Die Flasche bestand zu 30 Prozent aus Zuckerrohr und zu 70 Prozent aus Erd\u00f6l. Was f\u00fcr Tacker gegen Plastik aus Zuckerrohr spricht: Der Fl\u00e4chen- und Wasserverbrauch ist h\u00f6her, ebenso das Eutrophierungspotenzial und damit die Verschmutzung von Gew\u00e4ssern durch D\u00fcnger.<\/p>\n\n\n\n<p>Der CO2-Aussto\u00df sei je nach Berechnungsmethode h\u00f6her oder auch niedriger. &#8220;Verschiedene Studien liefern keine eindeutige Aussage. Kunststoff aus Zuckerrohr ist derzeit eher etwas f\u00fcrs Marketing als f\u00fcr Nachhaltigkeit&#8221;, sagt Tacker.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Kunststoffverpackungshersteller Alpla mit Sitz in Vorarlberg kann Flaschen aus Zuckerrohr produzieren, macht das laut eigener Aussage aber nur auf Nachfrage. Der daf\u00fcr ben\u00f6tigte Mix aus dem Kunststoff HDPE und Zuckerrohr mache das Recycling schwierig.<\/p>\n\n\n\n<p>Alpla ist zudem in einem Joint Venture mit dem schwedischen Unternehmen Billerud Korsn\u00e4s im Start-up Paboco \u2013 The Paper Bottle Company investiert. Paboco entwickelt derzeit eine Flasche aus Papier. Der Bierkonzern Carlsberg hat bereits 8000 dieser Papierflaschen bef\u00fcllt und testet sie in ausgew\u00e4hlten L\u00e4ndern Europas.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Inneren besteht die Flasche laut Carlsberg aus Bio-Kunststoff, sogenanntem PEF; die \u00e4u\u00dfere H\u00fclle ist aus Holzfaser von Paboco \u2013 alles sei nachhaltig und recycelbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Experte Tacker sieht es trotzdem kritisch \u2013 wie auch Waschmittelverpackungen, deren \u00e4u\u00dfere H\u00fclle aus Karton ist, wobei das Waschmittel selbst aber in einem Beutel aus Kunststoff verpackt ist. Damit es recycelbar ist, m\u00fcsste der Konsument oder die Konsumentin das Papier vom Kunststoff trennen \u2013 das macht allerdings kaum jemand. &#8220;Das ist ein Schwachpunkt&#8221;, sagt Tacker.<\/p>\n\n\n\n<p>Landet das gesamte Produkt im Papierm\u00fcll, wird der Kunststoff verbrannt statt recycelt und wertvolle Ressourcen gehen verloren. Wichtig seien aber kreislauff\u00e4hige L\u00f6sungen. Aus abfallwirtschaftlicher Sicht ist so ein Produkt laut Tacker deshalb nicht ausgereift. Man m\u00fcsse Verpackungen am St\u00fcck wegwerfen und recyceln k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">PET versus Papier<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Vergleich zu Plastikflaschen aus 100 Prozent PET werde bei der Papierflasche zwar Kunststoff eingespart, daf\u00fcr ben\u00f6tige man mehr Papier und habe eine Verpackung, die man m\u00fchsam auseinanderklauben muss. &#8220;Die Papierflasche ist der PET-Flasche hinsichtlich Kreislauff\u00e4higkeit und damit auch im Sinne der Nachhaltigkeit unterlegen&#8221;, sagt Tacker. &#8220;Die Entwicklung darf aber nicht stehen bleiben.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Sebastian Gollnow sollte die Hauptmotivation ohnehin sein, den Kunststoffverbrauch zu senken. Neben alternativen Verpackungen k\u00f6nne man Material durch Recycling reduzieren und L\u00fccken in Produktkreisl\u00e4ufen schlie\u00dfen. Damit w\u00fcrde auch das K\u00fchlregal keine unangenehmen Fragen mehr aufwerfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plastik oder Glas \u2013 es ist die Gretchenfrage vor dem K\u00fchlregal. Jede Woche m\u00fcssen sich Konsumentinnen und Konsumenten aufs Neue entscheiden, woraus sie ihre Kuhmilch trinken m\u00f6chten \u2013 sofern sie \u00fcberhaupt Kuhmilch trinken. Der Tetra Pak besteht zwar aus Karton, ist aber vor allem bei langlebigen Lebensmitteln wie Haltbarmilch und Saft mit Polypropylen vulgo Kunststoff [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Zuckerrohr, Papier und Karton sind nachwachsende Rohstoffe, die Plastikverpackungen teilweise bereits ersetzen k\u00f6nnen. Nachteile haben aber auch die Bio-Alternativen","footnotes":""},"categories":[5572,17143],"tags":[10763,11841,13453,13159,10453,11567,12344],"supplier":[5052,13745,21196,16899,7625,835],"class_list":["post-117534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","category-recycling","tag-biokunststoffe","tag-kreislaufwirtschaft","tag-kunststoffe","tag-mikroplastik","tag-recycling","tag-umwelt","tag-verpackungen","supplier-alpla-werke-alwin-lehner-gmbh-co-kg","supplier-billerudkorsnaes","supplier-circular-analytics","supplier-paper-bottle-company-paboco","supplier-tetra-pak-inc","supplier-universitaet-fuer-bodenkultur-wien-boku"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117534"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117534\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=117534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117534"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=117534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}