{"id":11729,"date":"2009-07-27T00:00:00","date_gmt":"2009-07-26T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20090727-01n"},"modified":"2009-07-27T00:00:00","modified_gmt":"2009-07-26T22:00:00","slug":"lego-biologie-designerzellen-als-minifarbiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/lego-biologie-designerzellen-als-minifarbiken\/","title":{"rendered":"&#8220;Lego-Biologie&#8221;: Designerzellen als Minifarbiken"},"content":{"rendered":"<p><b>Damit sich die Synthetische Biologie weiterentwickeln kann, m\u00fcssen Wissenschaft und Industrie gemeinsam Standards entwickeln, fordert Dr. Sybille Gaisser vom Fraunhofer ISI. Ziel der Synthetischen Biologie ist, im Labor hergestellte biologische Komponenten in eine leere Zellh\u00fclle einzuf\u00fcgen, damit diese k\u00fcnstliche Zelle beispielsweise Medikamente oder Kraftstoffe produziert. Neben der wissenschaftlichen betrachtet Gaisser die politische Seite: Als einer der Ersten in Europa hat das Fraunhofer ISI Im Projekt TESSY das Thema unter strategischen Gesichtspunkten untersucht. Einen Teil der entwickelten Roadmap stellte Gaisser auf dem Weltkongress der Industriellen Biotechnologie vor.<\/b><\/p>\n<p>Die Synthetische Biologie ist eine Verbindung zwischen Natur- und Ingenieurwissenschaften: Im Labor synthetisch hergestellte und gut charakterisierte Komponenten werden in eine Zelle oder sogar leere Zellh\u00fclle eingef\u00fcgt. Diese k\u00fcnstlich hergestellten Zellen sollen in der Zukunft eine Vielzahl an Stoffen produzieren k\u00f6nnen. Im Prinzip funktioniert das wie ein Baukasten-System weshalb diese Wissenschaft auch als &#8220;Lego-Biologie&#8221; bezeichnet wird. Im Prinzip. Denn in der Praxis ist das noch nicht vollst\u00e4ndig gelungen.<\/p>\n<p>Da die ersten Anwendungen aber schon in etwa f\u00fcnf Jahren zu erwarten sind, m\u00fcsse der Dialog mit Wirtschaft und Politik schon jetzt beginnen, betont Dr. Sibylle Gaisser vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr System- und Innovationsforschung ISI, die die Studie TESSY (Towards a European Strategy for Synthetic Biology) geleitet hat. Standard- und Patentfragen m\u00fcssten gekl\u00e4rt werden, um die Industrie mit ins Boot zu holen und somit breite Anwendungsm\u00f6glichkeiten zu schaffen. Das ist einer der wichtigen Schritte, die die Forscher des Fraunhofer ISI in ihren Handlungsempfehlungen fordern.<\/p>\n<p>Momentan sind die Wissenschaftler vorranging mit Grundlagenforschung besch\u00e4ftigt, die daf\u00fcr sorgen soll, dass die Synthetische Biologie in naher Zukunft auch praktisch und nicht nur im Prinzip funktioniert. Daf\u00fcr werden einzelne DNA-Elemente charakterisiert. Etwa 3500 von diesen Bausteinen liegen momentan in der Registry of Standard Biological Parts (BioBricks) bereit, mit denen beim International Genetic MachinesWettbewerb (IGeM) experimentiert werden kann. Bereits hier stellt sich die Patentfrage, denn die Datenbank ist ein sogenanntes open-source-Projekt, in dem geistiges Eigentum nicht im Vordergrund steht. Allerdings sind in dieser Datenbank auch Komponenten zu finden, die eigentlich urheberrechtsgesch\u00fctzt sind. &#8220;Es besteht ein gro\u00dfer Kl\u00e4rungsbedarf. Die Patentfrage ist extrem wichtig, wenn wir in der Synthetischen Biologie weiterkommen wollen&#8221;, betont Sibylle Gaisser. Es brauche weltweite Klarheit, um die Industrie mit ins Boot holen und um bald Anwendungen in gro\u00dfem Rahmen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Diese Regularien sind aber nicht nur f\u00fcr die Industrie wichtig, sondern auch die Wissenschaftler selbst brauchen sie dringend, um in diesem sehr interdisziplin\u00e4ren Feld strukturiert weiterforschen zu k\u00f6nnen. So muss beispielsweise die Risikobewertung bei der Herstellung k\u00fcnstlich hergestellter Organismen nach neuen Kriterien im Vergleich zur herk\u00f6mmlichen Gentechnik erfolgen.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt m\u00fcssen Politik und Wissenschaft die \u00d6ffentlichkeit fr\u00fchzeitig in den Dialog einbeziehen, denn &#8220;die Synthetische Biologie hat einen Reifegrad erreicht, bei dem das Thema diskutierbar ist&#8221;, so Gaisser. &#8220;Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass hier versucht wird, willk\u00fcrlich Leben neu zu schaffen.&#8221; Gemeinsam mit der \u00d6ffentlichkeit m\u00fcsse man die Anwendungen identifizieren, die von allen getragen werden k\u00f6nnen. Wenn die \u00d6ffentlichkeit nicht dahinter stehe, habe eine neue Wissenschaft keine Chance.<\/p>\n<p>In einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wird das Thema schon l\u00e4nger diskutiert: Was n\u00fctzt Synthetische Biologie den Menschen? Was wollen wir erreichen? Deutschland steht hier am Anfang der Diskussion. In den USA hingegen gibt es bereits seit Jahren viele Aktivit\u00e4ten, diese Technologie wird dort auch von der Industrie unterst\u00fctzt &#8211; in der EU ist sie ein eher \u00f6ffentlich gef\u00f6rdertes Forschungsfeld. Da die &#8220;Lego-Biologie&#8221; in der Europ\u00e4ischen Union im Gegensatz zu den USA eher verstreut stattgefunden hat und bisher unkoordiniert ablief, gab die EU im Jahr 2007 das TESSY-Projekt beim Fraunhofer ISI in Auftrag. Ziel des Ende 2008 beendeten Projekt war es, eine Strategie-Roadmap f\u00fcr dieses innovative Forschungsfeld zu entwickeln.<\/p>\n<p>Auf dem Weltkongress der Industriellen Biotechnologie, der vom 19. bis zum 22. Juli im kanadischen Montr\u00e9al stattfand, pr\u00e4sentierte Sibylle Gaisser vom Fraunhofer ISI die Synthetische Biologie aus globaler Perspektive: Wo stehen Europa und die Welt, welche Schritte sind als n\u00e4chstes zu tun? Themen sind wichtige Aspekte der Standardisierung und das Patentrecht sowie der Dialog zwischen Wissenschaft mit Wirtschaft, Politik und \u00d6ffentlichkeit. Ziel ist es, die von TESSY vorgelegte Roadmap in die Tat umsetzen und zu diskutieren, was der Einzelne beitragen kann.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><br \/>EU-Projekt: <a href=\"http:\/\/www.tessy-europe.eu\/\" >Towards a European Strategy for Synthetic Biology (TESSY)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Damit sich die Synthetische Biologie weiterentwickeln kann, m&uuml;ssen Wissenschaft und Industrie gemeinsam Standards entwickeln, fordert Dr. Sybille Gaisser vom Fraunhofer ISI. 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