{"id":11666,"date":"2009-05-16T00:00:00","date_gmt":"2009-05-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20090516-02n"},"modified":"2009-05-16T00:00:00","modified_gmt":"2009-05-15T22:00:00","slug":"politikwechsel-elektro-statt-bio-mobil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/politikwechsel-elektro-statt-bio-mobil\/","title":{"rendered":"Politikwechsel: Elektro- statt Bio-Mobil"},"content":{"rendered":"<p><b>Bei der Elektromobilit\u00e4t herrscht Aufbruchstimmung, auf dem Biokraftstoffmarkt dagegen Resignation: Die Beimischquote wird gesenkt, in Reinform ist Biodiesel und Pflanzen\u00f6l dank der Energiesteuer kaum noch gefragt.<\/b><\/p>\n<p>Gegen die Stimmen der Opposition hat der Bundestag Ende April ein Gesetz zur \u00c4nderung der Biokraftstoff-F\u00f6rderung beschlossen. Mit diesem soll \u2013 wohl nicht zuletzt wegen der herben Kritik infolge der &#8220;Teller-oder-Tank-Diskussion&#8221; \u2013 beim Ausbau des Biospritmarktes kr\u00e4ftig auf die Bremse getreten werden: Die Biokraftstoff-Gesamtquote wird r\u00fcckwirkend zum 1. Januar 2009 von 6,25 auf 5,25 Prozent des Benzin- und Dieselabsatzes gesenkt. Von 2010 bis 2014 wird die Quote auf 6,25 Prozent festgeschrieben, anstatt wie bisher geregelt, bis 2015 auf acht Prozent anzusteigen. Damit wird der in den Koalitionsverhandlungen 2005 erzielte Kompromiss, die Quote als Kompensation f\u00fcr die schrittweise Reduzierung der Steuerbeg\u00fcnstigung zu erh\u00f6hen, aufgek\u00fcndigt. <i>(Hinweis der Redaktion: Nachdem der Bundesrat am 15. Mai den Vermittlungsausschuss angerufen hat, steht die Entscheidung des Bundestages weiter in der Diskussion. Die L\u00e4ndervertretung will die Quote planm\u00e4\u00dfig erh\u00f6hen und doch noch eine Steuersenkung f\u00fcr Biodiesel und Pflanzen\u00f6l durchsetzen.)<\/i> <\/p>\n<p>Die Bundesregierung argumentiert, dass erst auf europ\u00e4ischer Ebene Kriterien f\u00fcr die Nachhaltigkeit festgelegt werden m\u00fcssten. Au\u00dferdem wird das Zur\u00fcckdrehen des Bioanteils mit der Nichteinf\u00fchrung von zehnprozentigem Ethanol (E10) begr\u00fcndet. Zur Erinnerung: Im M\u00e4rz 2008 kritisierte der ADAC \u00f6ffentlichkeitswirksam, dass \u00fcber eine Million Alt-PKW E10 nicht vertragen, weshalb die Fahrer auf das teurere Super-Plus h\u00e4tten umsteigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><b>Biokraftstoffe: Quote runter, Steuern rauf<\/b><br \/>Der Biospritanteil am Benzin soll von 2010 bis 2014 nur 2,8 anstelle von 3,6 Prozent betragen. Immerhin konnte die Biodiesellobby Teilerfolge verbuchen: Die Dieselquote wird wie geplant von f\u00fcnf auf sieben Prozent angehoben. Au\u00dferdem ist geplant, die n\u00e4chste Steuerstufe auf reinen Biodiesel von sechs auf drei Cent zu halbieren. Pflanzen\u00f6lkraftstoff hat dagegen keine Lobby: Hier erh\u00f6ht sich der Satz unver\u00e4ndert um acht Cent. Damit sind 2009 auf beide Dieselsubstitute 18 Cent Energiesteuer aufzuschlagen. Der Bundesrat hatte sich noch gegen diese Pl\u00e4ne gestellt: Er forderte ein dreij\u00e4hriges Aussetzen der vorgesehenen Steuerstufen f\u00fcr Biodiesel und Pflanzen\u00f6l, was jedoch von der Bundesregierung zur\u00fcckgewiesen wurde. &#8220;W\u00e4hrend wir uns in den Bereichen W\u00e4rme und Strom durch die Entscheidungen der Gro\u00dfen Koalition im Wesentlichen auf einem guten Weg befinden, hat die Bundesregierung auf dem Biotreibstoffmarkt ein Tr\u00fcmmerfeld hinterlassen&#8221;, beklagt Helmut Lamp, Vorsitzender des Bundesverbands Bioenergie. <\/p>\n<p>&#8220;Seit der Besteuerung der reinen Biokraftstoffe hat sich die Zahl der Biodiesel-Tankstellen mehr als halbiert \u2013 von 1900 auf weniger als 900&#8221;. Auf dem Kongress &#8220;Kraftstoffe der Zukunft&#8221; Ende 2008 in Berlin hatte Lamp ein d\u00fcsteres Bild des deutschen Biokraftstoffmarktes gezeichnet. F\u00fcr den Aufbau einer Biodieselproduktion in einem n\u00f6rdlichen Bundesland seien vor drei Jahren \u00fcber vier Millionen Euro Investitionshilfe gezahlt worden. Vor einem Jahr sei dort der Betrieb eingestellt worden und dies sei kein Einzelfall, was hei\u00dft, dass innerhalb k\u00fcrzester Zeit Millionen von Steuergeldern verbrannt worden seien! <\/p>\n<p>Deutsche Spediteure tanken seit der Steuer auf Pflanzen\u00f6l und Biodiesel, wenn es irgendwie geht, im Ausland, vorzugsweise in \u00d6sterreich und Belgien, sagte Lamp: &#8220;Wir sch\u00e4tzen, dass f\u00fcr ann\u00e4hernd zwei Milliarden Euro im Ausland getankt wird. Noch vor einigen Jahren zeichnete sich ab, dass ausl\u00e4ndische Fuhrunternehmer auf Biosprit umr\u00fcsten, um in Deutschland tanken zu k\u00f6nnen.&#8221; Mittlerweile herrsche in der Branche jedoch eine gewisse Resignation.<\/p>\n<p>Knapp 3,3 Millionen Tonnen Biodiesel wurden noch 2007 in Deutschland abgesetzt, dazu 0,77 Millionen Tonnen Raps\u00f6lkraftstoff. So konnten 13 Prozent des Dieselmarktes substituiert und der Klimagasaussto\u00df um etwa neun Millionen Tonnen reduziert werden. Nur der Ethanolmarkt in Brasilien erreicht einen noch h\u00f6heren Marktanteil und CO<sub>2<\/sub>-Minderungseffekt. Mit dem weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Biokraftstoff-Erfolg geht es aber schon wieder bergab: Nach neuesten Statistiken wurden 2008 nur 2,8 Millionen Tonnen Biodiesel abgesetzt. Davon ging der Verkauf von Reinbiodiesel von 1,8 auf 1,2 Millionen Tonnen zur\u00fcck. Bei Raps\u00f6l-Kraftstoff sank der Absatz auf 0,4 Millionen Tonnen, das Minus betr\u00e4gt satte 46 Prozent. Die Energiesteuer und hohe Kosten f\u00fcr die Rapssaat haben die Tankstellenpreise f\u00fcr Biodiesel und Pflanzen\u00f6l in die H\u00f6he getrieben und letztere unattraktiv werden lassen.<\/p>\n<p>Einen gro\u00dfen Schnitt sieht das neue Gesetz dann f\u00fcr 2015 vor: Von da an werden die gesetzlichen Quoten auf ihren Netto-Beitrag zur Treibhausgasverminderung umgestellt. Die verpflichtende CO<sub>2<\/sub>-Reduktion soll von drei Prozent \u00fcber 4,5 Prozent ab 2017 auf sieben Prozent im Jahr 2020 ansteigen. Mit diesem Schemenwechsel geht die Bundesregierung parallel mit der neuen EU-Richtlinie f\u00fcr erneuerbare Energien. Letztere sieht im Verkehrssektor bis 2020 einen Anteil von zehn Prozent aus erneuerbaren Quellen vor, wobei die jetzt marktverf\u00fcgbaren Biokraftstoffe der ersten Generation, also Biodiesel, Pflanzen\u00f6l und Ethanol, davon nur noch sechs Prozent ausmachen sollen.<\/p>\n<p><b>Eine Million Elektroautos<\/b><br \/>Die vier Prozent Differenz im EU-Mengenziel sollen durch Wasserstoff- und Elektroautos, die mit erneuerbarer Energie angetrieben werden, sowie mit Biokraftstoffen der zweiten Generation erbracht werden. In Deutschland wird bereits an der Entwicklung von BtL-Kraftstoff (biomass to liquid) aus Stroh und Restholz gearbeitet. Nun hat die Politik mit der Elektromobilit\u00e4t, die bald auf breiter Basis eingef\u00fchrt werden soll, offenbar einen neuen Liebling gefunden: Ende 2008 veranstalteten die vier Bundesministerien f\u00fcr Forschung, Wirtschaft, Umwelt und Verkehr in Berlin eine &#8220;Nationale Strategiekonferenz Elektromobilit\u00e4t&#8221;. Gemeinsam mit Wissenschaft und Industrie wird nun ein auf zehn Jahre angelegter nationaler Entwicklungsplan erarbeitet. Ziel: Bis 2018 sollen eine Million Elektroautos auf deutschen Stra\u00dfen surren, Deutschland dadurch Vorreiter bei der Elektromobilit\u00e4t werden.<\/p>\n<p>&#8220;Alle ziehen an einem Strang&#8221;, berichtete die Autobild: &#8220;Daimler, Volkswagen, BMW, Continental, Vattenfall, RWE, Evonik, Twike, EcoCraft Automotive, RUF und die Hochschule Bochum arbeiten gemeinsam mit den zust\u00e4ndigen Ministerien daran, m\u00f6glichst schnell m\u00f6glichst viele Elektrofahrzeuge auf die Stra\u00dfen zu bringen. Dabei liefern die Autobauer die Fahrzeuge zu, die Energiekonzerne sorgen f\u00fcr Strom und vor allem Stromtankstellen.&#8221; Kleines Manko: In der offiziellen Pressemitteilung zur Strategiekonferenz wurde nicht eindeutig und unmissverst\u00e4ndlich formuliert, dass der Strom f\u00fcr die Mobilit\u00e4t ausschlie\u00dflich von erneuerbaren Quellen kommen darf. <\/p>\n<p>Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erkl\u00e4rte, dass ein Elektroauto nur mit \u00d6kostrom zum &#8220;echten Nullemissionsfahrzeug&#8221; wird. Wie jedes Auto stehen Elektrofahrzeuge rund 23 Stunden am Tag. W\u00e4hrend dieser Zeit k\u00f6nnen sie mit dem Stromnetz verbunden sein. Dadurch kann ein Teil der Batteriekapazit\u00e4t dieser Fahrzeuge zur besseren Integration der schwankenden Einspeisung von Strom aus Wind und Sonne genutzt werden. Wenn wenig Wind weht oder keine Sonne scheint, k\u00f6nnen die Fahrzeuge einen Teil des vorher gespeicherten Stroms aus Erneuerbaren Energien ins Netz speisen. Ist das Angebot aus Erneuerbaren Energien besonders hoch, kann eine zeitweise \u00dcberproduktion in den Autos zwischengespeichert werden. Trotz dieser Aussichten eines intelligenten Speichermanagements muss bef\u00fcrchtet werden, dass mit der zus\u00e4tzlichen Stromnachfrage durch Individualverkehr f\u00fcr den Verbleib der Atomenergie wieder ein Hintert\u00fcrchen ge\u00f6ffnet wird. Nicht umsonst warnte Dietmar Sch\u00fctz vom Bundesverband Erneuerbare Energie: &#8220;Wer die geplante Einf\u00fchrung von Elektrofahrzeugen missbraucht, um eine Laufzeitverl\u00e4ngerung der Atomkraftwerke zu fordern, hat die Chancen nicht verstanden, die im Zusammenspiel von Elektromobilit\u00e4t und Erneuerbaren Energien liegen.&#8221;<\/p>\n<p><i><b>Veranstaltungshinweis: Erster Deutscher Elektro-Mobil-Kongress<\/b><br \/><\/i><i>Am 16. und 17. Juni 2009 treffen im World Conference Center in Bonn (Alter Bundestag) Referenten f\u00fchrender Automobilunternehmen auf Pioniere der Elektromobilit\u00e4t. Ingenieure und Entwickler stellen neue Elektro-Motoren, aktuelle Batterientechnik sowie Detaill\u00f6sungen zu elektronischen Steuerungen oder Klimatechnik vor. Energieversorger und Netzstrategen arbeiten an Konzepten, eine fl\u00e4chendeckende Stromversorgung der kommenden Anforderungen des Verkehrsmarktes \u00f6kologisch und energieeffizient zu entwickeln. Politiker, Wissenschaftler und \u00d6kologen diskutieren \u00fcber Rahmenbedingungen, damit die technologische Revolution im Verkehrssektor so schnell wie m\u00f6glich und nachhaltig Realit\u00e4t wird.<\/p>\n<p>Verpassen Sie nicht das wichtigste Event zum Thema Elektromobilit\u00e4t im Jahr 2009! Infos unter <a href=\"http:\/\/www.e-mobil-kongress.de\/\" >www.e-mobil-kongress.de<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Bei der Elektromobilit&auml;t herrscht Aufbruchstimmung, auf dem Biokraftstoffmarkt dagegen Resignation: Die Beimischquote wird gesenkt, in Reinform ist Biodiesel und Pflanzen&ouml;l dank der Energiesteuer kaum noch<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1014,187,279,81,6352,39,1190,477,202],"class_list":["post-11666","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-adac-ev","supplier-bundesministerium-fuer-bildung-und-forschung-bmbf","supplier-bundesministerium-fuer-umwelt-naturschutz-und-reaktorsicherheit","supplier-bundesministerium-fuer-verkehr-bau-und-stadtentwicklung","supplier-bundesministerium-wirtschaft-energie","supplier-bundesverband-bioenergie-ev-bbe","supplier-bundesverband-erneuerbare-energien-bee-ev","supplier-deutscher-bundesrat","supplier-deutscher-bundestag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11666"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11666\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11666"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=11666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}