{"id":11653,"date":"2009-05-22T00:00:00","date_gmt":"2009-05-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20090522-04n"},"modified":"2009-05-22T00:00:00","modified_gmt":"2009-05-21T22:00:00","slug":"agrarenergie-potenzial-noch-nicht-ausgeschoepft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/agrarenergie-potenzial-noch-nicht-ausgeschoepft\/","title":{"rendered":"Agrarenergie: Potenzial noch nicht ausgesch\u00f6pft"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Landwirtschaft kann einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien leisten, wenn Biomasse effizienter genutzt und die technischen Anlagen optimiert werden. Das ist das Ergebnis der Tagung &#8220;Die Landwirtschaft als Energieerzeuger&#8221; am 4. und 5. Mai in Osnabr\u00fcck, die das Kuratorium f\u00fcr Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) mit Unterst\u00fctzung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) nach 2004 zum zweiten Mal ausgerichtet hat.<\/b><\/p>\n<p>Mehr als 30 Referenten stellten den aktuellen Wissensstand zur Erzeugung und energetischen Nutzung von Biomasse vor. Neben der Bereitstellung von Energiepflanzen informierten sich die 120 Teilnehmer aus Wissenschaft, Praxis, Industrie, Beratung, Politik und Verwaltung \u00fcber die Bereiche Biogas, Biobrennstoffe, Biokraftstoffe, solare Energie und Energiedienstleistungen.<\/p>\n<p>\u00dcber 70 Prozent der erneuerbaren Energien stammen bereits heute aus Biomasse. &#8220;Unsere heimischen Ressourcen sind aber bei weitem noch nicht vollst\u00e4ndig erschlossen. Wir k\u00f6nnen insbesondere mehr Biomasse f\u00fcr W\u00e4rme, Kraft-W\u00e4rme-Kopplung und Biogas bereitstellen, als wir das jetzt tun und damit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der in der EU vereinbarten Energie- und Klimaziele leisten&#8221;, betonte Dr. Werner Kloos von Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Die Bundesregierung m\u00f6chte bis 2020 den Energiebedarf zu 18% aus erneuerbaren Energien decken. Das neue Aktionsprogramm des BMELV zum Ausbau der Bioenergienutzung &#8220;Energie f\u00fcr morgen \u2013 Chancen f\u00fcr l\u00e4ndliche R\u00e4ume&#8221; sei ein weiterer wichtiger Schritt dorthin.<\/p>\n<p><b>Neue Energiepflanzen mit Potential<\/b><br \/>Die Kosten der Bereitstellung von Biogassubstraten, Biobrennstoffen und Biokraftstoffen sind ein wichtiger betriebswirtschaftlicher Faktor und sie steigen tendenziell \u2013 dies machte Henning Eckel vom KTBL deutlich. &#8220;Bei einer Biogasanlage mittlerer Gr\u00f6\u00dfe k\u00f6nnen die Substratkosten 50 Prozent der Gesamtkosten ausmachen&#8221;, unterstrich Eckel beispielhaft. Mais sei aus \u00f6konomischer Sicht nach wie vor konkurrenzlos g\u00fcnstig. Die Nutzung von Gr\u00fcnlandaufwuchs in Biogasanlagen ist wegen der hohen Erntekosten und vergleichsweise niedriger Ertr\u00e4ge derzeit wirtschaftlich kaum realisierbar.<\/p>\n<p>Als neuartige Energiepflanze mit einem Potential von 20 bis 25 Tonnen Trockensubstanz pro Hektar und Jahr stellte Ulrike Jeche von der KWS Saat, Einbeck, die Hirse (Sorghum) vor. Die tropische Herkunft der Art bedinge einerseits ihre Trockenheitstoleranz, die den Anbau auch bei Regenmangel erm\u00f6gliche. Andererseits gef\u00e4hrde die K\u00e4lteempfindlichkeit junger Sorghumbest\u00e4nde den Anbau in Deutschland. Dennoch ist Jeche zuversichtlich, dass die Pflanzenz\u00fcchtung diese H\u00fcrden, \u00e4hnlich wie vor 30 Jahren beim Mais, erfolgreich nehmen wird.<\/p>\n<p>Chinaschilf, auch unter dem Namen Miscanthus bekannt, ist ein \u00fcberdauerndes S\u00fc\u00dfgras und liefert nach Auskunft von Klaus Mastel von Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg durchschnittlich 12 bis 17 Tonnen Trockenmasse je Hektar und Jahr. &#8220;Das erste Jahr nach der Pflanzung entscheidet \u00fcber Erfolg oder Misserfolg der Kultur&#8221;, fasste er zusammen. Hochwertiges Pflanzgut, eine ausgewogene Wasserversorgung und das Ausschalten der Unkrautkonkurrenz seien hier besonders wichtig.<\/p>\n<p>Neben den gebr\u00e4uchlichen Nawaro-Substraten f\u00fcr Biogasanlagen gibt es eine Vielzahl biogener Reststoffe und Abf\u00e4lle, die sich zwar gut zur Energiegewinnung eignen, aber nicht eingesetzt werden d\u00fcrfen, weil sonst der NawaRo-Bonus der gesamte Anlage nach dem EEG unwiederbringlich verloren gehen w\u00fcrde. Dr. Ute Schultheiss vom KTBL beschrieb und bewertete solche potentiellen Biogassubstrate.<\/p>\n<p><b>Alter Technologie- oder neuer G\u00fclle-Bonus?<\/b><br \/>In der Sektion &#8220;Biogas&#8221; stand die Weiterentwicklung der Anlagen im Mittelpunkt. Dr. Waldemar Gruber von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen forderte die bauliche Verbesserung der Biogasanlagen im Bezug auf S\u00e4ureresistenz und Stabilisierung der Materialien f\u00fcr die Feststoffeinbringung, um hohe Folgeinvestitionen in den ersten Jahren zu vermeiden. &#8220;Wer eine Biogasanlage erfolgreich betreiben will, braucht entweder den G\u00fclle-Bonus oder erhebliche \u00dcbersch\u00fcsse aus einer effizienten W\u00e4rmenutzung oder am besten beides&#8221;, ist Ulrich Keymer von der Bayerischen Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft \u00fcberzeugt. Auch Trockenfermentationsanlagen w\u00fcrden versuchen, 30% Wirtschaftsd\u00fcnger in Form von Mist zu ergattern oder, wenn G\u00fclle verf\u00fcgbar ist, genau rechnen und sich die Gewissensfrage stellen: Alter Technologie- oder neuer G\u00fclle-Bonus?<\/p>\n<p>Eine h\u00e4ufige und wirtschaftliche Form der Abw\u00e4rmenutzung aus der Stromerzeugung mit Biogas stellt die Heizung von Gew\u00e4chsh\u00e4usern dar. \u00d6konomisch sinnvoll w\u00e4re auch die Versorgung von Molkereien mit ihrem gro\u00dfen und kontinuierlichen Warmwasserbedarf. Dies berichtete in Osnabr\u00fcck Dr. Anke Niebaum vom KTBL. Die Einspeisung von Biogas ins Erdgasnetz birgt noch Potential. Nur 14 von rund 3800 landwirtschaftlichen Biogasanlagen in Deutschland speisen ihr Produkt ins Erdgasnetz ein. Grundvoraussetzung daf\u00fcr ist es, dass das Biogas in seinen chemischen und physikalischen Eigenschaften die Qualit\u00e4t des handels\u00fcblichen Erdgases erreicht, betonte Dr. Christian B\u00f6se von der E.ON Bioerdgas, Essen.<\/p>\n<p>Von einer Sonderstellung Deutschlands bei Biogas gegen\u00fcber anderen L\u00e4ndern berichtete Michael Beil vom Institut f\u00fcr Solare Energieversorgungstechnik, Hanau. &#8220;\u00dcber 75 Prozent des in Europa erzeugten Biomethans wird als Fahrzeugkraftstoff verwendet&#8221;, hob er hervor. Auch dass, wie hierzulande, vor allem landwirtschaftliche Substrate vergoren werden, ist in der EU eine Ausnahme und nicht die Regel. So wird Biogas in Frankreich und Gro\u00dfbritannien fast ausschlie\u00dflich aus Kl\u00e4rschlamm und M\u00fcll hergestellt.<\/p>\n<p><b>Holz- und Getreideverbrennung mit weniger Staubemissionen m\u00f6glich<\/b><br \/>Die Besonderheiten der Holzproduktion auf Agrarfl\u00e4chen erl\u00e4uterte Dr. Volkhard Scholz vom Leibnitz-Institut f\u00fcr Agrartechnik, Potsdam- Bornim. Hervorstechende Vorteile dieses Verfahrens seien die stabilen Ertr\u00e4ge bei geringem Aufwand f\u00fcr Pflanzenschutz und D\u00fcngung sowie das gro\u00dfe CO<sub>2<\/sub>-Minderungspotential. &#8220;Pappeln sind wirtschaftlicher als Weiden, denn sie liefern bei gleichem Aufwand mehr Trockenmasse je Hektar und Jahr&#8221;, f\u00fchrte Scholz aus. Er nannte 10 Tonnen Trockenmasse pro Hektar und Jahr als realistische Ertragsperspektive.<\/p>\n<p>&#8220;Bei Holz als Energietr\u00e4ger ist nach wie vor die traditionelle Verbrennung von Scheiten in den Einzelfeuerst\u00e4tten der Haushalte das am weitesten verbreitete Verfahren&#8221;, stellte Peter Turowski vom Technologie- und F\u00f6rderzentrum Straubing fest. Er berichtete von neuen \u00d6fen, die weniger Schadgase aussto\u00dfen, den Bedienkomfort verbessern, sowie die Staubemissionen reduzieren und die Energieeffizienz steigern.<\/p>\n<p>Holz l\u00e4sst sich aber auch, wie praktisch jede andere Biomasse, zu Pellets verarbeiten. Diese wecken auf dem Bioenergiemarkt als standardisierte, leicht handhabbare Sch\u00fcttg\u00fcter mit definierten Eigenschaften zunehmendes Interesse, berichtete Dr. Stephan Sternowsky von der Firma Amandus Kahl, Reinbek. Wichtigste Kostenfaktoren sind der Einkauf der Biomasse, deren Aufbereitung und Pelletierung sowie die Trocknung.<\/p>\n<p>Die Verbrennung von Getreidestroh und \u2013k\u00f6rnern steht im Vergleich zu anderen Biofestbrennstoffen noch am Anfang, &#8220;aber es gibt inzwischen Feuerungsanlagen, welche speziell f\u00fcr die Verbrennung von Halmfr\u00fcchten entwickelt worden sind&#8221;, berichtete Thomas Hering von der Th\u00fcringer Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft, Jena. Diese neue Technik erm\u00f6glicht nach seiner Aussage sehr gute Ausbrandergebnisse und geringe Staubemissionen. Allerdings seien die Anlagen wegen geringer St\u00fcckzahlen noch relativ teuer.<\/p>\n<p><b>Zukunft der dezentralen \u00d6lm\u00fchlen ungewiss<\/b><br \/>Die energetische Verwertung von Halmgut k\u00f6nnte also zunehmen &#8209; im Gegensatz zum Einsatz von Raps\u00f6lkraftstoff. Rechtliche Rahmenbedingungen schw\u00e4chen zurzeit den Absatz und Markt f\u00fcr Raps\u00f6lkraftstoffe. &#8220;Die Zukunft der dezentralen \u00d6lm\u00fchlen ist ungewiss&#8221;, beschrieb Dr. Edgar Remmele vom Technologie- und F\u00f6rderzentrum in Straubing die aktuelle Situation der \u00d6lm\u00fchlen in Deutschland. Zahlreiche Stilllegungen zwingen die Betreiber vorhandener \u00d6lm\u00fchlen, neue Absatzm\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen. Der hart umk\u00e4mpfte Markt f\u00fcr Speise\u00f6l, nur 0,3% des Raps\u00f6ls wurde 2006 hierf\u00fcr aufgewendet, biete nur wenigen M\u00fchlen eine lohnende Alternative.<\/p>\n<p>Die Weiterentwicklung der Fotovoltaikanlagen birgt noch Potential. Dar\u00fcber waren sich die Referenten der Sektion &#8220;Solare Energie&#8221; einig. &#8220;Der Einsatz kristalliner Module hat sich \u00fcber die Jahre bew\u00e4hrt&#8221;, so Stefan Blome von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. D\u00fcnnschichtmodule sind noch wenig verbreitet, da sie technisch etwas unsicher und im Preis deutlich teuerer sind.<\/p>\n<p><b>Landwirte als W\u00e4rmedienstleister<\/b><br \/>Mit steigenden Roh\u00f6lpreisen wachsen auch die Chancen der Landwirte, sich als W\u00e4rmedienstleister ein weiteres Standbein aufzubauen, so Helmut D\u00f6hler vom KTBL. Da Landwirte meist \u00fcber die ben\u00f6tigten Fl\u00e4chen, Lagerm\u00f6glichkeiten und Maschinen verf\u00fcgten, h\u00e4tten sie klare Vorteile gegen\u00fcber der Konkurrenz. Interessant seien Nahw\u00e4rmenetze in Kommunen mit hoher W\u00e4rmebedarfsdichte, d.h. \u00e4ltere Geb\u00e4ude mit schlechter D\u00e4mmung sowie Gro\u00dfabnehmer wie Firmen und Hotels.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><br \/>Tagungsband <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-buchbesprechung-die-landwirtschaft-als-energieerzeuger-2\/\" >Die Landwirtschaft als Energieerzeuger<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Landwirtschaft kann einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien leisten, wenn Biomasse effizienter genutzt und die technischen Anlagen optimiert werden. 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