{"id":11594,"date":"2009-03-04T00:00:00","date_gmt":"2009-03-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20090304-03n"},"modified":"2014-06-15T20:21:02","modified_gmt":"2014-06-15T18:21:02","slug":"rat-zur-stofflichen-nutzung-nachwachsender-rohstoffe-gegrndet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/rat-zur-stofflichen-nutzung-nachwachsender-rohstoffe-gegrndet\/","title":{"rendered":"&#8220;Rat zur Stofflichen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe&#8221; gegr&uuml;ndet"},"content":{"rendered":"<p><b>Am 17. Dezember 2008 haben zwanzig Experten aus Industrie, Verb\u00e4nden und Forschungseinrichtungen den &#8220;Rat zur Stofflichen Nutzung Nach-wachsender Rohstoffe&#8221; in H\u00fcrth im Rheinland gegr\u00fcndet. Seine Aufgabe ist es, die Politik \u00fcber die Verwendung Nachwachsender Rohstoffe in der industriellen Produktion zu informieren und dahingehend zu beraten, wie die stoffliche Nutzung zuk\u00fcnftig in allen neuen Regularien der energetischen Nutzung gleichgestellt werden kann. Dabei geht es nicht darum, die alten, sektoralen Instrumente zur F\u00f6rderung der energetischen Nutzung auf die stoffliche Nutzung zu \u00fcbertragen, sondern neue politische Rahmenbedingungen zu entwickeln, welche die m\u00f6glichst effiziente und nachhaltige Nutzung von Agrarressourcen sicherstellen.<\/b> <\/p>\n<p>Seit der Ratsgr\u00fcndung wurde diese Pressemitteilung gemeinsam entwickelt, w\u00e4hrend parallel weitere Experten hinzukamen.<\/p>\n<p>Land- und forstwirtschaftliche Rohstoffe werden vielf\u00e4ltig genutzt, vor allem als Lebens- und Futtermittel, aber zunehmend auch f\u00fcr Bioenergie, z.B. in Form von Holzpellets oder Biokraftstoffen. \u00dcbersehen wird dabei oft, dass es noch einen vierten Bereich gibt, der eine ganz erhebliche Bedeutung f\u00fcr eine nachhaltige industrielle Entwicklung hat, von der Politik und \u00d6ffentlichkeit bisher aber kaum wahrgenommen wird: Die stoffliche, materielle Nutzung von Rohstoffen aus Acker und Forst in der Industrie.<\/p>\n<p>Aktuelle Analysen der nova-Institut GmbH zeigen die Bedeutung der stofflichen Nutzung: In Deutschland werden insgesamt 76 Mio. Tonnen Agrar- und Forstrohstoffe als Nachwachsende Rohstoffe genutzt, davon 56% stofflich und 44% energetisch. Wichtigste stoffliche Anwendungen sind: Zellstoff und Papier, Verpackungsmaterialien, Bau- und D\u00e4mmstoffe sowie M\u00f6bel, Textilien, Tenside, Farbstoffe, Schmierstoffe, Kunststoffe, Reifen usw. und insbesondere auch die Industrielle Biotechnologie. In vielen dieser Nutzungen spielen Nachwachsende Rohstoffe eine zentrale Rolle, sparen gro\u00dfe Mengen an fossilen Rohstoffen und Kohlendioxid-Emissionen, sichern und schaffen neue Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Die Untersuchungen zeigen aber auch, dass die sektorale F\u00f6rderpolitik in der EU und in Deutschland w\u00e4hrend der letzten zehn Jahre einseitig auf die F\u00f6rderung der energetischen Nutzung gesetzt hat. Bedingt durch die starke F\u00f6rderung der Bioenergie konnten sich die Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr Energiepflanzen innerhalb von zehn Jahren um den Faktor zehn auf ca. 1,8 Mio. Hektar vergr\u00f6\u00dfern, w\u00e4hrend die stoffliche Nutzung im selben Zeitraum stagnierte. Seit Abschaffung der obligatorischen Fl\u00e4chenstilllegung stehen alle Nutzungen in unmittelbarer Konkurrenz zueinander. Die schlechter gestellte stoffliche Nutzung bietet den Landwirten nur niedrige Renditen und droht Fl\u00e4chen zu verlieren. Besonders ernst sieht es z.B. im Holzbereich aus. Die stark gef\u00f6rderte Verbrennung von Holz(pellets) entzieht der Holzwerkstoffindustrie zunehmend die Rohstoffe. Dies war wohl kaum beabsichtigt, schafft doch die Holzwerkstoffindustrie erheblich mehr Wertsch\u00f6pfung, Arbeitspl\u00e4tze und CO<sub>2<\/sub>-Entlastung als die Verbrennung von Holz.<\/p>\n<p>Die aktuelle Politik f\u00fchrt so zu einer Fehlallokation wertvoller nat\u00fcrlicher Ressourcen zum Nachteil der stofflichen Nutzung mit negativen \u00f6konomischen, sozial- und umweltpolitischen Folgen. Ein Grund f\u00fcr diese Ungleichbehandlung ist die Vielfalt der stofflichen Nutzung in Form von hunderten, wenn nicht tausenden Produktlinien und die Inhomogenit\u00e4t der Akteure, die ohne abgestimmte Interessenvertretung in zahlreichen Verb\u00e4nden organisiert sind \u2013 im Gegensatz zum Energiebereich, wo eine vergleichsweise &#8220;\u00fcberschaubare Vielfalt&#8221; herrscht und welcher strukturell besser aufgestellt ist. Der stoffliche Bereich wird deshalb leicht \u00fcbersehen und Fehlsteuerungen werden kaum wahrgenommen.<\/p>\n<p>Der Politik werden nun aber die Nebenwirkungen ihrer einseitigen Fokussiertheit auf die F\u00f6rderung der Bioenergie und speziell der Biokraftstoffe zunehmend bewusster. Daher werden neue Wege gesucht, die stoffliche Nutzung entsprechend ihrer \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Bedeutung sowie anhand ihrer Nachhaltigkeit zu f\u00f6rdern und anderen Nutzungen gleichzustellen.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck haben am 17. Dezember 2008 zwanzig Experten aus Industrie, Verb\u00e4nden und Forschungseinrichtungen in H\u00fcrth im Rheinland den &#8220;Rat zur Stofflichen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe&#8221; gegr\u00fcndet. Seine Aufgabe ist es, die Politik \u00fcber die Verwendung Nachwachsender Rohstoffe in der industriellen Produktion zu informieren und dahingehend zu beraten, wie die stoffliche Nutzung zuk\u00fcnftig in allen neuen Regularien der energetischen Nutzung gleichgestellt werden kann. Dabei geht es nicht darum, die alten, sektoralen Instrumente zur F\u00f6rderung der energetischen Nutzung auf die stoffliche Nutzung zu \u00fcbertragen, sondern neue politische Rahmenbedingungen zu entwickeln. Im Vordergrund steht dabei eine m\u00f6glichst nachhaltige und effiziente Nutzung von Agrarressourcen. Hierzu z\u00e4hlt auch die F\u00f6rderung der Kaskadennutzung, bei der die energetische erst nach der stofflichen Nutzung erfolgt.<\/p>\n<p>Mitglieder des Beirates sind f\u00fchrende Experten aus Unternehmen, Verb\u00e4nden und Instituten, die im Bereich der stofflichen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe aktiv und kompetent sind. Zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern und Erstunterzeichnern im Januar und Februar 2009 z\u00e4hlen:<\/p>\n<ul>\n<li>Dr. Severin Beucker (Borderstep Institut f\u00fcr Innovation und Nachhaltigkeit, Berlin)<\/li>\n<li>Dr. Karsten Block (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Haus D\u00fcsse)<\/li>\n<li>Dr.-Ing. Christian Bonten (FKuR Kunststoff GmbH, Willich)<\/li>\n<li>Dr. Stefan Bringezu (Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie GmbH)<\/li>\n<li>Volker Capitain (Tate &#038; Lyle)<\/li>\n<li>Michael Carus (nova-Institut f\u00fcr \u00d6kologie und Innovation GmbH, H\u00fcrth)<\/li>\n<li>Dr. Sebastian Elbe (SPRINTconsult, Darmstadt)<\/li>\n<li>Bernd Frank (Badische Naturfaseraufbereitung GmbH, Malsch)<\/li>\n<li>Dr. Karlheinz Hill (VP Care Chemicals Technology, Cognis GmbH, D\u00fcsseldorf)<\/li>\n<li>Carmen Hock-Heyl (Hock GmbH + Co. KG\/Thermo-Hanf, N\u00f6rdlingen)<\/li>\n<li>Dr. B\u00e4rbel H\u00fcsing (Fraunhofer-Institut f\u00fcr System- und Innovationsforschung, Karlsruhe)<\/li>\n<li>Dr. Stephan Kabasci (Fraunhofer-Institut f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, Oberhausen)<\/li>\n<li>Dr. Klaus-D. Kibat (Verband Deutscher Papierfabriken e.V., Bonn)<\/li>\n<li>Martina Kolarek (Ingenieurb\u00fcro Materialien Rohstoffe Nachhaltigkeit, Berlin)<\/li>\n<li>Dr. Hans Korte (Innovationsberatung Holz und Fasern, Wismar)<\/li>\n<li>Dr. Ulrich M\u00e4rz (ECO SYS Gesellschaft f\u00fcr Analytik und Projektmanagement mbH, Schopfheim)<\/li>\n<li>Bernd Merzenich (Pyramid Bioplastics Guben GmbH, Guben)<\/li>\n<li>Dr. Andreas M\u00fcller (Phytowelt Green Technologies GmbH, K\u00f6ln)<\/li>\n<li>Dr. Donal Murphy-Bokern (Murphy-Bokern Konzepte, Lohne-Ehrendorf)<\/li>\n<li>Prof. Dr.-Ing. J\u00f6rg M\u00fcssig (Hochschule Bremen \u2013 Biologische Werkstoffe)<\/li>\n<li>Prof. Dr. Martin Patel (Universit\u00e4t Utrecht, Die Niederlande)<\/li>\n<li>Dr. Andreas Plescher (Deutscher Fachausschuss f\u00fcr Arznei-, Gew\u00fcrz- und Aromapflanzen, Artern)<\/li>\n<li>J\u00f6ran Reske (european bioplastics e.V., Berlin)<\/li>\n<li>Dr. Peter Sauerwein (Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V., Gie\u00dfen)<\/li>\n<li>Christopher Straeter (Forschungsgemeinschaft Biologisch Abbaubare Werkstoffe e.V. (FBAW), Hannover)<\/li>\n<li>Joachim Wolpers (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, M\u00fcnster)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Beirat wird koordiniert von Michael Carus, dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der nova-Institut GmbH, der sich seit vielen Jahren f\u00fcr die st\u00e4rkere Beachtung der stofflichen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe einsetzt.<\/p>\n<p>Weitere Akteure aus dem stofflichen Bereich sind herzlich willkommen, im Rat mitzuwirken. <\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>Michael Carus<br \/>nova-Institut GmbH<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:michael.carus@nova-institut.de\">michael.carus@nova-institut.de<\/a><\/p>\n<p><i><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20090304-03\/09-03-04_Rat_stoffliche_Nutzung_nova-Institut.pdf\" >Diesen Text als pdf-Dokument herunterladen<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Am 17. 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