{"id":115871,"date":"2022-09-22T07:26:00","date_gmt":"2022-09-22T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=115871"},"modified":"2022-09-19T15:44:54","modified_gmt":"2022-09-19T13:44:54","slug":"holz-als-alternative-zum-teuren-gas-platte-oder-pellet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/holz-als-alternative-zum-teuren-gas-platte-oder-pellet\/","title":{"rendered":"Holz als Alternative zum teuren Gas: Platte oder Pellet?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Das Gas wird knapp, her mit dem Holzofen! Knapp 650.000 Pelletheizungen stehen inzwischen in deutschen Kellern, 150.000 mehr als vor zwei Jahren. Tendenz: steigend. Genauso&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Energiewende-in-Hamburg\/!5878900\/\">sieht es bei Strom- und W\u00e4rmekraftwerken aus, die jetzt mit Pellets statt mit Kohle Energie gewinnen<\/a>. Das Europaparlament will diese Entwicklung stoppen und die energetische Nutzung von Holz begrenzen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"624\" height=\"312\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/29345742-1.jpg\" alt=\"Was tun mit dem Holz? Hacken in Bagem\u00fchl in der Uckermark\" class=\"wp-image-115887\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/29345742-1.jpg 624w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/29345742-1-300x150.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/29345742-1-150x75.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/29345742-1-400x200.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 624px) 100vw, 624px\" \/><figcaption>Was tun mit dem Holz? Hacken in Bagem\u00fchl in der Uckermark&nbsp;Foto: Christian Thiel<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Umstritten ist, inwieweit Holzenergie tats\u00e4chlich zum Klimaschutz beitr\u00e4gt. Umweltverb\u00e4nde oder der prominente F\u00f6rster Peter Wohlleben rechnen vor, dass Holz\u00f6fen eine schlechtere Klimabilanz h\u00e4tten als \u00d6lheizungen. Dies ist zwar richtig, doch \u201ees setzt als nachwachsender Rohstoff nun einmal nur das Kohlendioxid frei, das es zuvor w\u00e4hrend des Wachstums der B\u00e4ume gespeichert hat\u201c, sagt Sebastian R\u00fcter vom Institut f\u00fcr Holzwissenschaften am Th\u00fcnen-Institut in Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Fossile Rohstoffe wie \u00d6l und Kohle geben bei der Verbrennung hingegen vor Jahrmillionen gespeichertes CO<sub>2<\/sub>&nbsp;frei \u2013 eine der Haupt\u00adursachen der Erd\u00aderhitzung. Solange immer nur so viel Holz genutzt wird, wie gleichzeitig nachw\u00e4chst, ist die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz ann\u00e4hernd ausge\u00adglichen. R\u00fcter h\u00e4lt den zugespitzten Vergleich \u201eHolzofen \u2013 \u00d6lheizung\u201c daher f\u00fcr populistisch. Der Trend zum Pellet\u00adkraftwerk, in dem Millionen Tonnen Holz k\u00fcnftig Kohle ersetzen sollen, sei trotzdem falsch. \u201eDas l\u00e4sst sich mit heimischem Holz nicht machen\u201c, sagt R\u00fcter, \u201eau\u00dferdem muss es mittlerweile darum gehen, Emissionen zu verringern\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Geht es nach dem Umweltausschuss des Parlaments, soll Holz in der neuen Richtlinie f\u00fcr erneuerbare Energien (im Jargon abgek\u00fcrzt mit RED III) nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Zwar w\u00fcrden k\u00fcnftig alle Energietr\u00e4ger gebraucht, auch Biomasse, sagt Markus Pieper (CDU), Bericht\u00aderstatter f\u00fcr RED III im Parlament.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6belholz, Spanplatte, Kaminholz<\/h3>\n\n\n\n<p>Aber es mache \u201ekeinen Sinn, hochwertiges Rundholz zu verbrennen, wenn es in Holzh\u00e4usern nachhaltig verbaut werden kann\u201c. Notwendig sei das Kaskadenprinzip, also eine gestaffelte Nutzung. Holz sollte zun\u00e4chst als Bau- oder M\u00f6belholz genutzt werden, dann als Papier oder Spanplatte und erst zuletzt als Pellets oder Kaminholz.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerolf B\u00fccheler, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Fachverbands Holzenergie, h\u00e4lt die Vorgaben f\u00fcr \u201everheerend f\u00fcr die W\u00e4rmewende\u201c und in der Praxis nicht umsetzbar. F\u00fcr die energetische Holznutzung w\u00fcrden \u201ealleine schon aus Kostengr\u00fcnden nur die Holzsortimente genutzt, f\u00fcr die sich keine andere Nutzungsm\u00f6glichkeit ergibt\u201c, sagt er \u2013 und erntet Widerspruch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir befinden uns gerade in einer Extremsituation\u201c, sagt Anemon Strohmeyer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Verbands der Deutschen Holzwerkstoffindustrie. Der russische Krieg in der Ukraine verst\u00e4rke eine langfristige Entwicklung. \u201eBev\u00f6lkerung und Industrie treffen derzeit Investitions- und Transformationsentscheidungen sehr schnell und zum Teil getrieben von Panik, kein Gas mehr zu bekommen\u201c, sagt Strohmeyer.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie stellen auf erneuerbare Energieerzeugung um \u2013 und zwar vielfach auf Biomasse. \u201eDie Nutzung in der Kaskade funktioniert nicht mehr\u201c, sagt sie, und berichtet etwa von Herstellern von Spanplatten, denen langj\u00e4hrige Lieferanten die Vertr\u00e4ge k\u00fcndigen, weil die Pelletproduktion lukrativer ist. \u201eRED III ist eine hervorragende Gelegenheit, zu entscheiden, wie wir Holz k\u00fcnftig nutzen wollen\u201c, sagt Strohmeyer. F\u00fcr alle sei nicht genug da.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gesch\u00e4ftsmodell wie Erd\u00f6lraffinerien<\/h3>\n\n\n\n<p>Gegenwind bekommt die Holzenergiebranche nicht nur von M\u00f6belbauern. Im sachsen-anhaltischen Leuna baut das finnische Unternehmen UPM Biochemicals gerade eine Bioraffinerie, die verschiedene Chemikalien f\u00fcr Verpackungen, Textilien oder Kosmetik auf Basis von Laubholz produzieren und Ende 2023 in Betrieb gehen soll. Mit einer Gesamtkapazit\u00e4t von 220.000 Tonnen bildet sie das Gesch\u00e4ftsmodell von Erd\u00f6lraffinerien ab \u2013 in ungleich kleinerem Ma\u00dfstab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Anlagen sind erst in Planung und Aufbau\u201c, sagt Klaus Richter, Holzwissenschaftler an der TU M\u00fcnchen und Mitglied des Bio\u00f6konomierats der Bundes\u00adregierung, \u201ewir befinden uns derzeit in einer \u00dcbergangsphase\u201c. Es sei wichtig, angesichts der derzeitigen Energiekrise keine falschen Pfadabh\u00e4ngigkeiten zu schaffen und gro\u00dfe Kapazit\u00e4ten etwa f\u00fcr Holzpelletkraftwerke aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Einsatz von bisher energetisch genutztem Waldholz in Bioraffinerien h\u00e4lt er f\u00fcr sinnvoll: \u201eDie Molek\u00fclketten, die von der Natur geschaffen wurden, kann man dort hochwertig einsetzen.\u201c Zudem seien Bioraffinerien, in denen Holz in seine Bestandteile Lignin und Zellulose zerlegt und diese dann weiterverarbeitet werden, Abnehmer auch f\u00fcr Holzarten jenseits der Fichte. \u201eIm Zuge des klimabedingten Waldumbaus wird es mehr B\u00e4ume geben, die sich nicht als klassisches Bauholz eignen\u201c, sagt Richter, \u201ederen hochwertige Verwendung in Bioraffinerien ist auch f\u00fcr Waldbesitzer interessant\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Umweltverb\u00e4nden wird bei all den Anspr\u00fcchen \u2013 Holz als Energielieferant, Baumaterial, Papier- und k\u00fcnftig auch noch als Chemierohstoff \u2013 angst und bange. \u201eDer Wald ist in Klimazielen weltweit als CO<sub>2<\/sub>-Senke einberechnet\u201c, sagt Kenneth Richter, Referent f\u00fcr Bioenergie beim Naturschutzbund Nabu. Aktuell wandele er sich durch \u00dcbernutzung und Klimaextreme in vielen Regio\u00adnen zu einer CO<sub>2<\/sub>-Quelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Senkenfunktion sei&nbsp;<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Waldpartnerschaften\/!5860684\/\" rel=\"noreferrer noopener\">nur durch weniger Einschlag und bodenschonende Bearbeitungsmethoden zu erreichen<\/a>. Schon jetzt sei die Nachfrage durch Pelletkraftwerke und -heizungen so hoch, dass sich in Osteuropa oder den USA Kahlschl\u00e4ge auch f\u00fcr Feuerholz lohnten. Eine Energieform, die zu einer Nettozunahme der CO<sub>2<\/sub>-Konzentration in der Atmosph\u00e4re beitr\u00e4gt, d\u00fcrfe nicht als erneuerbare Energie gef\u00f6rdert werden, sagt Richter.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Mittwoch stimmt das EU-Parlament \u00fcber seine Position zu RED III ab, dann beginnen Verhandlungen mit dem Rat der EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission. Eine Einigung wird gegen Jahresende erwartet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gas wird knapp, her mit dem Holzofen! Knapp 650.000 Pelletheizungen stehen inzwischen in deutschen Kellern, 150.000 mehr als vor zwei Jahren. Tendenz: steigend. Genauso&nbsp;sieht es bei Strom- und W\u00e4rmekraftwerken aus, die jetzt mit Pellets statt mit Kohle Energie gewinnen. Das Europaparlament will diese Entwicklung stoppen und die energetische Nutzung von Holz begrenzen. Umstritten ist, [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Energie ist so teuer, dass inzwischen sogar M\u00f6belholz im Kraftwerk landet. 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