{"id":115741,"date":"2022-09-20T07:20:00","date_gmt":"2022-09-20T05:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=115741"},"modified":"2022-09-15T12:28:52","modified_gmt":"2022-09-15T10:28:52","slug":"so-wird-mulchfolie-zum-dunger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/so-wird-mulchfolie-zum-dunger\/","title":{"rendered":"So wird Mulchfolie zum D\u00fcnger"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Am Gr\u00fcndungsort und Hauptsitz der Carbonauten in Giengen an der Brenz macht man sich st\u00e4ndig Gedanken dar\u00fcber, wie sich Materialien \u201erethinken\u201c lassen \u2013 zum Beispiel Kunststofffolien, wie sie als Mulchfolien in der Landwirtschaft oder Bau- und Abdeckfolien in der Bauindustrie zum Einsatz kommen. In einem gemeinsamen Projekt mit der Hochschule Aalen arbeitet Carbonauten an einer Alternative, die fossile Mulchfolien durch biologisch abbaubare, mit Biokohlenstoffen gef\u00fcllte Mulchfolien ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/carbonauten_folie_boden.jpeg-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-115764\" width=\"721\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/carbonauten_folie_boden.jpeg-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/carbonauten_folie_boden.jpeg-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/carbonauten_folie_boden.jpeg-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/carbonauten_folie_boden.jpeg-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/carbonauten_folie_boden.jpeg-400x225.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/09\/carbonauten_folie_boden.jpeg.jpg 1120w\" sizes=\"auto, (max-width: 721px) 100vw, 721px\" \/><figcaption>Am Ende ihre Lebens kann die Mulchfolie einfach zerkleinert in den Boden eingebracht werden, wo die Biokohlenstoffe dauerhaft CO2 binden und den \u201eSuperd\u00fcnger Terra Preta\u201c bilden.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aus Mulchfolie wird ein Superd\u00fcnger<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese neu entwickelte Mulch- oder Abdeckfolie macht Schluss mit Mikroplastik und Treibhausgasemissionen und ist dabei kosteng\u00fcnstiger als die herk\u00f6mmliche Variante, die sie ersetzen soll. Und nach Ende ihres Lebenszyklus kann sie einfach zerkleinert in den Boden eingebracht werden, wo die Biokohlenstoffe dauerhaft CO<sub>2<\/sub>&nbsp;binden und den \u201eSuperd\u00fcnger Terra Preta\u201c bilden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Intelligenter Einsatz von Kunststoff<\/h3>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Tobias Walcher ist Studiendekan f\u00fcr Kunststofftechnik, Leichtbau und Polymertechnologie an der Hochschule Aalen. Neben der \u00f6rtlichen N\u00e4he zum Hauptsitz der Carbonauten verbinden den Dozenten und das Start-up ein differenzierter Blick auf das Thema Kunststoff: \u201eKunststoff hat ein Imageproblem\u201c; sagt Prof. Walcher, \u201eund das nat\u00fcrlich teilweise zurecht. Niemand kann bestreiten, dass Mikroplastik nicht in die Natur geh\u00f6rt, dass fossile Rohstoffe knapp werden und die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen auch in dieser Branche sinken m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Imageproblem macht sich an seiner Fakult\u00e4t auch durch gesunkene Studierendenzahlen bemerkbar, was er bedauert. \u201eKunststoffe haben zugleich ein gro\u00dfes Potenzial, zum Beispiel f\u00fcr den Leichtbau im Automobil, was gerade bei der Elektromobilit\u00e4t ein gro\u00dfes Thema ist. Ich w\u00fcnsche mir daher einen intelligenten Einsatz dieses fantastischen Materials Kunststoff, statt einer Verteufelung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Defossilisierung als zentrale Voraussetzung<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.k-zeitung.de\/drimage\/920\/0\/12213\/-\/sites\/default\/files\/ww\/2022-08\/carbonauten_cristian-hedesiu_cto.jpeg\" alt=\"Cristian Hedesiu, CTO bei den Carbonauten Polymers: \u201eWir m\u00fcssen die Vorz\u00fcge von Kunststoffen nutzen, um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.\u201c\" width=\"632\" height=\"463\"\/><figcaption>Cristian Hedesiu, CTO bei den Carbonauten Polymers: \u201eWir m\u00fcssen die Vorz\u00fcge von Kunststoffen nutzen, um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.\u201c<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>So sieht es auch Cristian Hedesiu, CTO bei den Carbonauten Polymers. Der Polymerexperte war \u00fcber 20 Jahre in f\u00fchrenden Positionen in globalen Mineral\u00f6lunternehmen t\u00e4tig. Mit diesem Wissen arbeitet er heute an der nachhaltigen Transformation der Kunststoffindustrie. \u201eWir m\u00fcssen die Vorz\u00fcge von Kunststoffen nutzen, um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen\u201c, betont Cristian Hedesiu, \u201eund die Defossilisierung der Kunststoffindustrie ist daf\u00fcr eine zentrale Voraussetzung.\u201c Genau daran arbeiten die Carbonauten seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 2017.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Negative CO<sub>2<\/sub>-Emissionen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der&nbsp;<a href=\"https:\/\/carbonauten.de\/carbonauten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Carbonauten&nbsp;<\/a>Torsten Becker und Christoph Hiemer nutzen hierf\u00fcr das Verfahren der trockenen Destillation, um aus Biomasse wie Pflanzenresten oder Lebensmittelabf\u00e4llen Biokohlenstoffe herzustellen. Diese haben gleich mehrere Vorz\u00fcge: Bei ihrer Herstellung speichern diese CO<sub>2<\/sub>&nbsp;und zwar das \u00c4quivalent von bis zu 3,3 Tonnen pro 1 Tonne Biokohlenstoff. Somit senken sie die Treibhausbilanz jedes Produkts, f\u00fcr das sie verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem entsteht bei dem Verfahren \u00fcbersch\u00fcssige grundlastf\u00e4hige und klimaneutrale Energie. Und nicht zuletzt sind die Biokohlenstoffe ein kosteng\u00fcnstiges Material, da sie aus Abfallprodukten hergestellt werden. In Verbindung mit Bindern wie biogenen und fossilen Polymeren k\u00f6nnen die Biokohlenstoffe bis zu 60 % Anteil an Masterbatches und Compounds einnehmen, die dann entweder biologisch abbaubar oder dauerhaft stabil sind. Carbonauten NET Materials nennen sie diese Materialien, was f\u00fcr Negative Emissionstechnologie steht. Der ganzheitliche Ansatz des&nbsp;<a href=\"https:\/\/carbonauten.de\/technologie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Carbonauten Systems<\/a>&nbsp;macht Materialien, Lebensmittel und Energie nachhaltig und billig.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Karbonfolie f\u00fcr Bau und Landwirtschaft<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese Materialien k\u00f6nnen die Basis f\u00fcr viele diverse Produkte sein, vom Biokoks bis hin zu Kunststoffen, Bau- und D\u00e4mmmaterialien oder Verpackungen. Prof. Dr. Walcher war von dieser Idee sofort begeistert: \u201eAus Abfallprodukten einen Werkstoff zu machen, der dann auch noch CO<sub>2<\/sub>&nbsp;speichert, ist ein gro\u00dfartiges Vorhaben und ein Beispiel f\u00fcr intelligente Kunststoffl\u00f6sungen, in denen ich die Zukunft der Branche sehe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mulchfolie wird nach Verwendung in den Boden eingearbeitet<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.k-zeitung.de\/drimage\/920\/0\/12214\/-\/sites\/default\/files\/ww\/2022-08\/carbonauten_folie_reststoff.jpeg\" alt=\"Die Biokohlenstoffe werden mittels trockener Destillation aus Biomasse wie Pflanzenresten oder Lebensmittelabf\u00e4llen hergestellt und speichern dabei CO\" width=\"666\" height=\"445\"\/><figcaption>Die Biokohlenstoffe werden mittels trockener Destillation aus Biomasse wie Pflanzenresten oder Lebensmittelabf\u00e4llen hergestellt und speichern dabei CO2 .<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Im Rahmen einer Masterarbeit forscht einer seiner Studierenden derzeit an einer Rezeptur f\u00fcr eine Karbonfolie aus den Biokohlenstoffen der Carbonauten und Biopolymeren f\u00fcr den Einsatz etwa als Mulchfolie in der Landwirtschaft oder als Abdeckfolie in der Bauindustrie. \u201eIhr gro\u00dfer Vorzug ist einerseits, dass sie zu weiten Teilen aus Abfallprodukten entsteht, was das Produkt kosteng\u00fcnstig macht\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Walcher. \u201eZudem ist sie aber auch noch ein gutes Beispiel f\u00fcr ein zirkul\u00e4res System.\u201c Denn durch die Verwendung der Biokohlenstoffe und Biopolymere kann die Folie nach Verwendung einfach in den Boden eingearbeitet werden und wirkt dann als Bodenhilfsstoff.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist eine deutliche Verbesserung gegen\u00fcber bisherigen Plastikfolien, die nach Verwendung entsorgt oder verbrannt werden, was weder f\u00fcr die Umwelt noch das Klima noch den Geldbeutel optimal ist\u201c, erkl\u00e4rt Cristian Hedesiu. \u201eUnd genau da setzen wir an: Gut f\u00fcr Klima und Umwelt darf nicht teuer hei\u00dfen, Nachhaltigkeit darf kein Luxus sein, unsere L\u00f6sungen m\u00fcssen immer \u00f6kologisch und \u00f6konomisch \u00fcberzeugen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Zukunft ist zirkul\u00e4r<\/h3>\n\n\n\n<p>Kunststoff hat eine Zukunft, daran besteht kein Zweifel. Aber die Herausforderungen der Menschheit machen den Umschwung zur Kreislaufwirtschaft unausweichlich. Prof. Dr. Walcher: \u201ePlastik kann Bio sein \u2013 wie im Fall unserer gemeinsam entwickelten Karbonfolie \u2013 muss es aber nicht. Wichtig ist, dass wir die Technologie so weiterentwickeln, dass Kunststoffe immer im System zirkulieren, idealerweise im Sinne des Upcycling. F\u00fcr die Landwirtschaft und Bauindustrie machen wir da momentan einen guten Anfang.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Gr\u00fcndungsort und Hauptsitz der Carbonauten in Giengen an der Brenz macht man sich st\u00e4ndig Gedanken dar\u00fcber, wie sich Materialien \u201erethinken\u201c lassen \u2013 zum Beispiel Kunststofffolien, wie sie als Mulchfolien in der Landwirtschaft oder Bau- und Abdeckfolien in der Bauindustrie zum Einsatz kommen. 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