{"id":114423,"date":"2022-08-24T07:14:00","date_gmt":"2022-08-24T05:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=114423"},"modified":"2022-08-16T09:49:23","modified_gmt":"2022-08-16T07:49:23","slug":"nextvegoil-produziert-palmol-ersatz-aus-maisabfallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nextvegoil-produziert-palmol-ersatz-aus-maisabfallen\/","title":{"rendered":"NextVegOil produziert Palm\u00f6l-Ersatz aus Maisabf\u00e4llen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Palm\u00f6l ist eines der meistverwendeten pflanzlichen \u00d6le. Das g\u00fcnstige Produkt wird in vielen Bereichen der Lebensmittelindustrie eingesetzt, es kann aber auch zur Produktion von Biokraftstoffen verwendet werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"401\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-12.png\" alt=\"Im Projekt NextVegOil soll aus Abf\u00e4llen der Maisernte biotechnologisch mithilfe des Pilzes Ustilago maydis ein Pflanzen\u00f6l erzeugt werden, das in Zukunft Palm\u00f6l ersetzen kann. Dieses \u00d6l kann dann beispielsweise zur Herstellung veganen K\u00e4ses eingesetzt werden.\" class=\"wp-image-114425\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-12.png 1280w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-12-300x94.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-12-1024x321.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-12-150x47.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-12-768x241.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-12-400x125.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><figcaption>Im Projekt NextVegOil soll aus Abf\u00e4llen der Maisernte biotechnologisch mithilfe des Pilzes Ustilago maydis ein Pflanzen\u00f6l erzeugt werden, das in Zukunft Palm\u00f6l ersetzen kann. Dieses \u00d6l kann dann beispielsweise zur Herstellung veganen K\u00e4ses eingesetzt werden. (<strong>\u00a9<\/strong> RWTH Aachen \/ Kira Kaufmann, Marcel Mann, Jochen B\u00fcchs)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch die Palm\u00f6lherstellung hat weitreichende \u00f6kologische Folgen: Um Anbaufl\u00e4chen zu schaffen, werden gro\u00dffl\u00e4chig tropische Regenw\u00e4lder abgeholzt und dort Palmen-Monokulturen angepflanzt. Wertvolle \u00d6kosysteme gehen dadurch verloren, die Artenvielfalt leidet stark. Dadurch ist zum Beispiel auch die Population des Menschenaffen Orang-Utan auf den indonesischen Inseln Borneo und Sumatra stark gef\u00e4hrdet. Dar\u00fcber hinaus muss das in den Tropen erzeugte Palm\u00f6l \u00fcber sehr weite Strecken zu den Nutzern in Europa und den USA transportiert werden, mit entsprechenden Klimafolgen. Wird Palm\u00f6l f\u00fcr Biokraftstoffe eingesetzt, steht dies in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung.<\/p>\n\n\n\n<p>Erheblich nachhaltiger, ressourcen- und umweltschonender w\u00e4re es, ein dem Palm\u00f6l \u00e4hnliches Produkt regional in der N\u00e4he des Verbrauchers herzustellen \u2013 aus pflanzlichen Reststoffen, die weder als Nahrungsmittel noch anderweitig als chemischer Rohstoff f\u00fcr die Industrie kosteneffizient genutzt werden k\u00f6nnen. Genau dieses Ziel verfolgt das nordrhein-westf\u00e4lische Forschungskonsortium NextVegOil.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Forschenden haben eine M\u00f6glichkeit gefunden, mittels des Pilzes&nbsp;<em>Ustilago maydis<\/em>&nbsp;ein mikrobielles \u00d6l zu erzeugen, das dem pflanzlichen Palm\u00f6l sehr \u00e4hnlich ist \u2013 also eine \u00e4hnliche Zusammensetzung der enthaltenen Fetts\u00e4uren hat, was dessen Eigenschaften bedingt \u2013 und sich somit wahrscheinlich als Lebensmittel eignet. Im Laufe des Projekts soll die Fermentation von Maisstroh \u2013 das weder gegessen noch verf\u00fcttert werden kann \u2013 im gro\u00dfen Ma\u00dfstab etabliert werden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Ustilago maydis<\/em>\u00a0ist sonst kein Freund der Landwirtschaft: Der einzellige Pilz verursacht die Pflanzenkrankheit \u201eMaisbeulenbrand\u201c; f\u00fcr den Menschen ist der Pilz aber unbedenklich, in Mexiko ist er eine Delikatesse. \u201eWas f\u00fcr die einen zum Schaden ist, k\u00f6nnen wir f\u00fcr unsere Ziele nutzen: Weil der Pilz so gut an den Mais angepasst ist, ist er auch bestens geeignet, um Maisreste zu verwerten\u201c, betont <strong>Prof. Dr. Michael Feldbr\u00fcgge vom Institut f\u00fcr Mikrobiologie der HHU<\/strong>, einer der beteiligten D\u00fcsseldorfer Forscher, und weiter: \u201eDer Pilz, der nat\u00fcrlicherweise auch andere biotechnologisch relevante Stoffe wie Biotenside produziert, ist genetisch und biotechnologisch gut erforscht. Deshalb wissen wir, wo wir ihn f\u00fcr unsere Zwecke einsetzen k\u00f6nnen.\u201c<\/p><p>Prof. Feldbr\u00fcgges Kollege <strong>Prof. Dr. Markus Pauly vom Institut f\u00fcr pflanzliche Zellbiologie und Biotechnologie der HHU<\/strong> erg\u00e4nzt: \u201eAuch beim Mais gibt es noch z\u00fcchterisches Potential, um den Pflanzenreststoff ohne transgene Methoden f\u00fcr eine solche Stofftransformation durch den Pilz zu optimieren.\u201c.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Forschenden haben herausgefunden, dass&nbsp;<em>Ustilago maydis<\/em>&nbsp;statt der Tenside auch \u00d6l herstellen kann, wenn der Syntheseweg des Pilzes auf genetischer Ebene gezielt unterbrochen wird. Dies konnte bereits im kleinen Ma\u00dfstab gezeigt werden. Das Fetts\u00e4ureprofil dieses \u00d6ls ist demjenigen des Palm\u00f6ls sehr \u00e4hnlich und somit sehr vielversprechend als Ersatzprodukt. In den kommenden Jahren wollen die D\u00fcsseldorfer Forschenden nun den Pilz so optimieren, dass das von ihm erzeugte \u00d6l noch besser die Eigenschaften des Palm\u00f6ls abbildet. Dar\u00fcber hinaus arbeiten sie an biotechnologischen Verfahren, um den Rohstoff Maisstroh optimal im Fermenter umsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die weiteren Projektpartner an der RWTH Aachen befassen sich mit den n\u00e4chsten Schritten hin zu einer wirtschaftlich darstellbaren Herstellung des Palm\u00f6l-Ersatzes. Sind in D\u00fcsseldorf die optimalen Parameter f\u00fcr die Maisbiomasseaufarbeitung und f\u00fcr den Pilz gefunden, geht es in der Folge an die gro\u00dftechnische Umsetzung des Fermentationsprozesses. Die so mikrobiell hergestellten \u00d6le m\u00fcssen dann genau analysiert und so aufgereinigt werden, dass sie lebensmittelkonformen Standards entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den biologisch-technischen Aspekten kommt ein wirtschaftswissenschaftlicher Teil hinzu: In Bochum werden parallel die Wirtschaftlichkeit der Prozessketten analysiert und die M\u00e4rkte untersucht, auf denen das Palm\u00f6l-Ersatzprodukt abgesetzt werden kann. Um den Piloteinsatz des Produkts geht es dem Projektpartner Formo, einem biotechnologischen Startup, der unter Verwendung von mikrobiellem \u00d6l veganen K\u00e4se herstellen will.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eAllen am Projekt Beteiligten ist es wichtig, dass wir dem herk\u00f6mmlichen Palm\u00f6l ein nachhaltiges Produkt entgegensetzen k\u00f6nnen: regional, aus nachwachsenden Rohstoffen, mit einer guten Klimabilanz. Und dar\u00fcber hinaus eines, das nicht mit der Lebensmittelproduktion konkurriert, da die Ausgangsstoffe als Reststoffe sowieso anfallen\u201c, betonen <strong>Prof. Feldbr\u00fcgge und Prof. Pauly.\u00a0<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1266\" height=\"720\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-28.jpeg\" alt=\"Der einzellige Pilz Ustilago maydis (links: mikroskopische Aufnahme) ist der Erreger der Pflanzenkrankheit Maisbeulenbrand (rechts: Foto einer befallenen Pflanze). Der Pilz kann genetisch so ver\u00e4ndert werden, dass er mikrobielles \u00d6l produziert.\" class=\"wp-image-114426\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-28.jpeg 1266w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-28-300x171.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-28-1024x582.jpeg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-28-150x85.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-28-768x437.jpeg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/08\/image-28-400x227.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1266px) 100vw, 1266px\" \/><figcaption>Der einzellige Pilz Ustilago maydis (links: mikroskopische Aufnahme) ist der Erreger der Pflanzenkrankheit Maisbeulenbrand (rechts: Foto einer befallenen Pflanze). Der Pilz kann genetisch so ver\u00e4ndert werden, dass er mikrobielles \u00d6l produziert. (<strong>\u00a9<\/strong> HHU \/ Magnus Philipp)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Projekt NextVegOil<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Projekt zur mikrobiellen Produktion eines Palm\u00f6lersatzes wird in den kommenden drei Jahren von BioSC mit insgesamt rund 1,1 Millionen Euro gef\u00f6rdert. Beteiligt sind zwei Biologieinstitute der HHU: An den Instituten f\u00fcr pflanzliche Zellbiologie und Biotechnologie (Prof. Dr. Markus Pauly) und f\u00fcr Mikrobiologie (Prof. Dr. Michael Feldbr\u00fcgge) wird an der Aufarbeitung der Maisbiomasse gearbeitet, an deren Verwertung mithilfe von&nbsp;<em>Ustilago maydis<\/em>&nbsp;und an der Optimierung der \u00d6lproduktion.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Lehrstuhl f\u00fcr Bioverfahrenstechnik an der RWTH Aachen um Prof. Dr. Jochen B\u00fcchs konzentriert sich auf die Fermentation des \u00d6ls. An der Universit\u00e4t M\u00fcnster arbeiten Forschende um Prof. Dr. Heiko Hayen am Institut f\u00fcr anorganische und analytische Chemie an der Analyse der Zusammensetzung der gewonnenen \u00d6le. Mit den wirtschaftlichen und Vermarktungsaspekten befasst sich Prof. Dr. Stefanie Br\u00f6ring vom Institut f\u00fcr Entrepreneurship und innovative Gesch\u00e4ftsmodelle der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum. Schlie\u00dflich will das Biotech-Startup-Unternehmen Formo aus Berlin und Bonn mit dem Palm\u00f6lersatz veganen K\u00e4se erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bioeconomy Science Center (BioSC)<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Bio\u00f6konomie umfasst alle wirtschaftlichen Sektoren, die die Produktion, Verarbeitung und Nutzung biologischer Ressourcen \u2013 Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen \u2013 zum Ziel haben. Hierzu z\u00e4hlen etwa die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln, die Bereitstellung von Biomasse als Rohstoff und die Herstellung von biobasierten Chemikalien und Materialien sowie Bioenergie. Ziel des Verbundes BioSC, den die Universit\u00e4ten in Aachen, Bonn und D\u00fcsseldorf mit dem Forschungszentrum J\u00fclich gegr\u00fcndet haben, ist es, die Grundlagen f\u00fcr eine wissensbasierte Bio\u00f6konomie zu schaffen. Dazu soll die in Nordrhein-Westfalen vorhandene exzellente Forschungslandschaft unterst\u00fctzt und mit dem entsprechend orientierten Industrieumfeld zu einem integrativen Gesamtansatz vernetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Palm\u00f6l ist eines der meistverwendeten pflanzlichen \u00d6le. Das g\u00fcnstige Produkt wird in vielen Bereichen der Lebensmittelindustrie eingesetzt, es kann aber auch zur Produktion von Biokraftstoffen verwendet werden. 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