{"id":11416,"date":"2009-02-18T00:00:00","date_gmt":"2009-02-17T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20090218-02n"},"modified":"2009-02-18T00:00:00","modified_gmt":"2009-02-17T22:00:00","slug":"dlg-kwf-kurzumtriebsplantagen-quo-vadis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/dlg-kwf-kurzumtriebsplantagen-quo-vadis\/","title":{"rendered":"DLG \/ KWF: Kurzumtriebsplantagen &#8211; quo vadis?"},"content":{"rendered":"<p><b>Auf dem zweit\u00e4gigen Energieholzkongress, den die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) gemeinsam mit dem Kuratorium f\u00fcr Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) am 11. und 12. Februar 2009 in Berlin ausgerichtet haben, wurden die Erfahrungen beim Anbau von Kurzumtriebsplantagen im Ausland und die Hemmnisse f\u00fcr die Entwicklung in Deutschland diskutiert.<\/b> <\/p>\n<p>Die Teilnehmer und Referenten waren sich einig, dass Holz aus der Plantage eine unverzichtbare Erg\u00e4nzung zum Wald- und S\u00e4gerestholz sein wird. &#8220;Nur so k\u00f6nnen die Ziele der EU-Mitgliedsstaaten im Bereich der Klima- und der Energiepolitik erreicht werden&#8221;, so Dr. J\u00f6rg Wendisch, Abteilungsleiter L\u00e4ndlicher Raum im Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Aber auch die holzverarbeitende Industrie kann durch das zus\u00e4tzliche Holz zuverl\u00e4ssig mit Rohstoffen versorgt werden, wie Dr. Bj\u00f6rn Seintsch vom Johann Heinrich von Th\u00fcnen-Institut (vTI) feststellte. Er pl\u00e4dierte f\u00fcr mehr Weitsicht in der Diskussion, indem Kurzumtriebsplantagen nicht nur mit energetischer Verwendung gleichgesetzt werden, sondern auch die stoffliche Nutzung betrachtet wird.<\/p>\n<p>Roland Beck von der Europ\u00e4ischen Kommission erl\u00e4uterte, dass in Europa etwa 26 Mio ha landwirtschaftlicher Fl\u00e4che mit Energiepflanzen (darunter auch Kurzumtriebsplantagen) bestockt werden m\u00fcssten, um die Erwartungen hinsichtlich des Biomasseanteils am Gesamtenergiemix erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. Fl\u00e4chen in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung bereitzustellen, sei sehr ambitioniert, zumal im Jahr 2007 nur f\u00fcr 17.000 ha Kurzumtriebsplantagen die Energiepflanzenpr\u00e4mie beantragt wurde. Dar\u00fcber hinaus haben nur f\u00fcnf L\u00e4nder in ihren Entwicklungsprogrammen f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum quantitative Ziele f\u00fcr den Anbau von Kurzumtriebsplantagen formuliert, darunter Ungarn mit 50.000 ha und England mit 47.500 ha. Interessant sei, dass die M\u00f6glichkeit zur F\u00f6rderung der Kurzumtriebsplantagen nach der VO (EG) 1698\/2005 nur von 21 von insgesamt 88 Entwicklungsprogrammen f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum ber\u00fccksichtigt wurden.<\/p>\n<p>Florian Sch\u00f6ne vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) stellte aus Sicht des Naturschutzes die positiven Wirkungen von Kurzumtriebsplantagen dar. Nach seinen Angaben erh\u00f6hen Kurzumtriebsplantagen in ausger\u00e4umten, intensiv genutzten Landschaften die biologische Vielfalt f\u00fcr die Pflanzen- und Tierwelt. Von Naturschutzseite werden Kurzumtriebsplantagen hingegen auf den Standorten mit hohem naturschutzfachlichem Wert abgelehnt. Ber\u00fccksichtigt man diese Einschr\u00e4nkungen, k\u00f6nnten nach Ansicht von Sch\u00f6ne in Deutschland immer noch bis zu 1 Millionen Hektar f\u00fcr Kurzumtriebsplantagen zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Ein zwiesp\u00e4ltiges Urteil zur Entwicklung von Kurzumtriebsplantagen f\u00e4llte Gerd Krieger vom VDMA Power Systems. Die Industrie hat in den vergangenen Jahren ihre Ausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung im Bereich Holzenergie drastisch erh\u00f6ht, so dass heute moderne Anlagen f\u00fcr die energetische Nutzung von Holz zu Verf\u00fcgung stehen. Entwicklungshemmnis sei derzeit aber die unsichere Versorgung mit Hackschnitzeln, die viele potenzielle Anlagenbetreiber vor gr\u00f6\u00dferen Investitionen zur\u00fcckschrecken l\u00e4sst und damit auch den Anlagenbau beeintr\u00e4chtigen. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf, um dieses neue  Gesch\u00e4ftsfeld zu entwickeln.<\/p>\n<p>Ebenfalls kritisch gesehen wurden von mehreren Referenten die gesetzlichen Grundlagen zum Anbau von Kurzumtriebsplantagen. Dr. J\u00f6rg Schweinle vom Johann Heinrich von Th\u00fcnen-Institut (vTI) stellte heraus, dass Kurzumtriebsplantagen nach aktueller Rechtslage Wald im Sinne des Bundeswaldgesetzes darstellen und damit das Forstrecht anzuwenden sei. Inwiefern abweichende Landesregelungen dieses aufheben k\u00f6nnen, lie\u00df er offen, weil derzeit noch keine gerichtliche \u00dcberpr\u00fcfung dieser Regelungen existiert. Da Landwirte aber wenig Interesse haben, landwirtschaftliche Fl\u00e4che in Wald umzuwandeln, ist eine Novellierung des Bundeswaldgesetzes dringend erforderlich. So k\u00f6nnen Rechtssicherheit f\u00fcr die Grundeigent\u00fcmer geschaffen und Impulse f\u00fcr den Anbau von Kurzumtriebsplantagen gegeben werden.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen aus D\u00e4nemark, Polen, Schweden und Italien zeigen eines: Gr\u00f6\u00dftes Hemmnis f\u00fcr die Entwicklung von Kurzumtriebsplantagen ist die geringere Rentabilit\u00e4t im Vergleich zur ackerbaulichen Nutzung. In allen diesen L\u00e4ndern gibt es deshalb F\u00f6rderprogramme, die entweder von den Versorgern, den Betreibern von Biomassewerken oder direkt vom Staat finanziert werden. Dadurch werden entweder Zusch\u00fcsse f\u00fcr die Anlage von Kurzumtriebsplantagen gezahlt oder h\u00f6here Preise f\u00fcr die Hackschnitzel. Die Referenten zeigten, dass nur durch diese F\u00f6rderung die Landwirte Interesse an dem Anbau von Kurzumtriebsplantagen entwickelt haben. Durch diese Unterst\u00fctzung konnten Leuchtturmprojekte initiiert und Erfahrungen beim Anbau gesammelt werden. <\/p>\n<p>Besonders in Italien und in Polen wurde zus\u00e4tzlich die Z\u00fcchtung geeigneter Sorten intensiviert, so dass heute leistungsf\u00e4hige und standortangepasste Pappelklone zur Verf\u00fcgung stehen. Dass in Deutschland unter diesem Blickwinkel erheblicher Nachholbedarf besteht, betonte Dr. Martin Hofmann vom Kompetenzzentrum Nachwachsende Rohstoffe (HeRo). Er stellte fest, dass es bisher in Deutschland keine vergleichenden Untersuchungen \u00fcber das Zuwachsverhalten und die Ertragsleistung verschiedener Pappelklone gibt und die bestehenden Pappelklone sehr alt und anf\u00e4llig gegen\u00fcber Schaderregern sind. Neben den geeigneten Baumarten und Klonen hat aber auch die Wasserverf\u00fcgbarkeit des Standorts einen wesentlichen Einfluss auf die Rentabilit\u00e4t einer Plantage, und damit f\u00fcr die Attraktivit\u00e4t f\u00fcr den Landwirt, so dass diese Beziehungen in einem aktuellen Forschungsprojekt untersucht werden.<\/p>\n<p>Wie kann die Entwicklung von Kurzumtriebsplantagen in Deutschland nun vorangetrieben werden? Die Referenten und Teilnehmer waren sich einig, dass dringend eine finanzielle F\u00f6rderung erforderlich ist. W\u00fcrde die \u00f6ffentliche Hand beispielsweise jeden zus\u00e4tzlich angelegten Hektar einer Kurzumtriebsplantage pauschal mit 1.000 Euro unterst\u00fctzen, k\u00f6nnte die derzeit vorhandene Fl\u00e4che von \u00fcber 1.000 ha vermutlich verdoppelt werden. Und das mit einem Mitteleinsatz von nur 1 Million Euro! Dadurch w\u00fcrden Arbeitspl\u00e4tze im l\u00e4ndlichen Raum und dringend notwendige Leuchtturmprojekte geschaffen. \u00dcberdies w\u00fcrden mehr Versorger die bestehenden Anlagen auf Biomasse umr\u00fcsten, da dann die Rohstoffversorgung gew\u00e4hrleistet w\u00e4re. Letztlich k\u00f6nnten durch die Anschubfinanzierung funktionierende M\u00e4rkte in allen Stufen der Wertsch\u00f6pfungskette entstehen.<\/p>\n<p>Uneins blieben die Teilnehmer indes bei der Frage, welche Rotationsperioden angestrebt werden sollten. Die Hersteller der Erntetechnik sind f\u00fcr die Weiterentwicklung der Prototypen auf die Information angewiesen, ob tendenziell eher Ruten geerntet werden sollen &#8211; daf\u00fcr w\u00e4ren (Anbau-)H\u00e4cksler geeignet &#8211; oder ob es um die Ernte schwacher St\u00e4mme geht &#8211; dann ginge die Entwicklung eher in den Bereich der Forsttechnik.<\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>Dr. Frank Setzer (DLG)<br \/>Tel. 069-247 88-323 <br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:f.setzer@dlg.org\">f.setzer@dlg.org<\/a><\/p>\n<p>Dr. Ute Seeling (KWF)<br \/>Tel.: 06078-785-21<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:ute.seeling@kwf-online.de\">ute.seeling@kwf-online.de<\/a><\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><br \/>Ausgew\u00e4hlte Vortr\u00e4ge des Energieholzkongresses in K\u00fcrze unter <a href=\"http:\/\/www.dlg.org\/energieholzkongress\" >www.dlg.org<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.kwf-online.de\/veranstaltungen\" >www.kwf-online.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Auf dem zweit&auml;gigen Energieholzkongress, den die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) gemeinsam mit dem Kuratorium f&uuml;r Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) am 11. und 12. 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