{"id":11389,"date":"2008-11-10T00:00:00","date_gmt":"2008-11-09T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20081110-04n"},"modified":"2008-11-10T00:00:00","modified_gmt":"2008-11-09T22:00:00","slug":"photovoltaik-und-mikroalgen-als-grundlage-der-wirtschaft-von-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/photovoltaik-und-mikroalgen-als-grundlage-der-wirtschaft-von-morgen\/","title":{"rendered":"Photovoltaik und Mikroalgen als Grundlage der Wirtschaft von morgen?"},"content":{"rendered":"<p><b>Die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Rohstoffversorgung betrifft die chemische Industrie und die gesamte Wirtschaft unmittelbar. \u00d6l und Gas spielen heute eine doppelte Rolle: Zum einen sind sie Grundlage der Energiewirtschaft und werden zur Strom- und W\u00e4rmeerzeugung oder f\u00fcr Mobilit\u00e4t genutzt. Zum anderen bilden sie auch die Basis unserer Stoffwirtschaft. Vom D\u00e4mmstoff bis zum Lack, von der Textilfaser bis zur Plastikfolie \u2013 ca. 70% der industriellen Produkte basieren auf Grundstoffen aus den Raffinerien. Wenn \u00d6l und Gas zur Neige gehen, m\u00fcssen also sowohl neue Energiequellen als auch neue Ressourcen zur stofflichen Verwertung erschlossen werden.<\/b><\/p>\n<p>Wie eine neue Rohstoffbasis aussehen k\u00f6nnte, war eine Kernfrage auf der zweiten ProcessNet-Jahrestagung vom 07.-10. Oktober 2008 in Karlsruhe. Rund 1.200 Chemiker und Ingenieure stellten die neuesten Ergebnisse aus Forschung und Industrie vor, diskutierten und entwickelten gemeinsam neue Projekte. Das Fazit war eindeutig: Eine einfache L\u00f6sung, einen 1:1-Ersatz f\u00fcr fossile Rohstoffe, wird es nicht geben. Aber es gibt viele L\u00f6sungsans\u00e4tze, die &#8211; intelligent kombiniert \u2013 zukunftsweisend sind.<\/p>\n<p>Die Kernfusion k\u00f6nnte ein solcher L\u00f6sungsansatz sein: eine saubere, sichere und unersch\u00f6pfliche Energiequelle der Zukunft. Wie Prof. Dr. Alexander M. Bradshaw, Leiter des MPI f\u00fcr Plasmaphysik in Garching, in seinem Festvortrag ausf\u00fchrte, ist die Kernfusion grunds\u00e4tzlich technisch beherrschbar. Gleichzeitig warnte er aber vor zu kurzfristigen Erwartungen. Besonders die Anspr\u00fcche an die Materialien seien enorm hoch, und der Plasmaeinschluss muss verbessert werden. Aktuelle Versuche bef\u00e4nden sich auf dem Weg zum energetischen &#8220;Break-even&#8221;, also einer neutralen Energiebilanz. Derzeit gehe es bei Projekten wie ITER zun\u00e4chst um Machbarkeitsstudien. Ein erstes kommerzielles Kraftwerk sei nach derzeitigem Stand etwa 2045 denkbar.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrliches Vorbild der Fusionsreaktoren ist die Sonne. Auch die Energie, die in den heutigen fossilen Brennstoffen gespeichert ist, stammt urspr\u00fcnglich von ihr. Konsequent zielen viele Konzepte der regenerativen Energien auf die Nutzung der Sonnenenergie, sei es durch Solarthermie, Photovoltaik oder den Aufbau von Biomasse. In der Photovoltaik gilt den organischen Solarzellen momentan gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Sie haben gro\u00dfes Potenzial: Die Materialien sind gro\u00dffl\u00e4chig, flexibel und variabel gestaltbar und damit weit vielseitiger einsetzbar als starre Silizium-Module. Au\u00dferdem sind sie potenziell sehr preisg\u00fcnstig, wie Prof. Karl Leo, TU Dresden, in der Analogie zu organischen LEDs aufzeigte. &#8220;Die Messlatte ist die Effizienz\u201d, und diese liege bei organischen Zellen heute bei ca. 5%, w\u00e4hrend kristallines Silizium ca. 15% Energieausbeute liefert.<\/p>\n<p>Mikroalgen als &#8220;Reaktoren&#8221; zur Nutzung von Sonnenenergie sind eines der am hei\u00dfesten diskutierten Forschungsthemen. Ber\u00fccksichtigt man ihre Energiebilanz, sind sie aus energetischer Hinsicht jedoch noch wenig interessant \u2013 um so attraktiver erscheinen sie aber f\u00fcr die stoffliche Nutzung. Prof. Dr. Thomas Hirth, Fraunhofer IGB, Stuttgart, verwies auf die hohe Funktionalit\u00e4t der zug\u00e4nglichen Rohstoffe. Wirtschaftlich konkurrenzf\u00e4hig sind diese allerdings noch nicht. Das liegt unter anderem daran, dass die etablierten Prozesse der Petrochemie darauf ausgerichtet sind, Molek\u00fcle st\u00e4rker zu funktionalisieren, w\u00e4hrend Biorohstoffe eher defunktionalisiert werden m\u00fcssen, um sie weiterzuverarbeiten. Die Entwicklung neuer Katalysatoren und kontinuierlicher Prozesse sind notwendig, um die nat\u00fcrlichen Grundstoffe auch \u00f6konomisch attraktiv zu machen.<\/p>\n<p>Sinkt der Energie- und Rohstoffbedarf in der Zukunft, wird er auch leichter zu decken sein. Eine effiziente Produktion und Produkte, die selbst energie- und ressourceneinsparend wirken \u2013 ob die D\u00e4mmplatte f\u00fcr das Haus oder das Drei-Liter-Auto \u2013 k\u00f6nnen erheblich dazu beitragen, dass auch bei ver\u00e4nderter Ressourcenbasis alle Bed\u00fcrfnisse gedeckt werden k\u00f6nnen. Schon bei der Standortwahl und der industriellen Prozessplanung werden effiziente Stoffstr\u00f6me und optimale Energieausnutzung ber\u00fccksichtigt, z.B. durch Nutzung von Abw\u00e4rme. F\u00f6rderlich ist, dass angesichts der Energiepreise nicht nur Umweltschutz und Nachhaltigkeit, sondern auch rein wirtschaftliche Erw\u00e4gungen diese Entwicklung treiben.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Peter Hennicke, Wuppertal Institut, formulierte die Grenzen des Wachstums aus einem anderen Blickwinkel: Wir h\u00e4tten weniger ein Ressourcen- als ein Senkenproblem, wie die CO<sub>2<\/sub>-Problematik deutlich mache. In diesem Zusammenhang wird derzeit CCS, die Abspaltung und dauerhafte Lagerung von CO<sub>2<\/sub>, intensiv diskutiert. Auch auf der Jahrestagung wurden dazu einige Vortr\u00e4ge und Poster vorgestellt. Dr. Alfred Oberholz, Vorsitzender der DECHEMA e.V. und von ProcessNet, war in seiner Er\u00f6ffnungsrede eher skeptisch: &#8220;Ich pers\u00f6nlich sehe das als Sackgasse&#8221;. Neben den hohen Kosten wies er vor allem auf das Problem der \u00f6ffentlichen Akzeptanz hin; Transport und Endlagerung seien &#8211; \u00e4hnlich wie im Fall der Kernenergie &#8211; gesellschaftlich bei weitem nicht ausdiskutiert.<\/p>\n<p>Damit der \u00dcbergang in eine neue Rohstoffwirtschaft gelingt, ist noch erheblicher Forschungsaufwand notwendig, der von Industrie und Staat gemeinsam geschultert werden muss. Dabei gehe es, so f\u00fchrten die Teilnehmer der Pressekonferenz in Karlsruhe aus, weniger um die Summe der \u00f6ffentlichen Mittel; diese seien in zufriedenstellender H\u00f6he vorhanden. Die Herausforderung liege eher in der Aufteilung der Gelder \u2013 aus dem gro\u00dfen Angebot an Initiativen gelte es, strategisch sinnvoll auszuw\u00e4hlen und die Forschungsaufwendungen entsprechend zu kanalisieren.<\/p>\n<p>Eine konzertierte Anstrengung von Wissenschaft und Industrie, \u00fcber Institutions-, Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg, wird n\u00f6tig sein, um die Herausforderungen zu meistern. Die zweite ProcessNet-Jahrestagung hat bewiesen, dass Chemie und Verfahrenstechnik sich dieser Aufgabe stellen und die Zusammenarbeit funktioniert. Die offene Atmosph\u00e4re, die konstruktiven Diskussionen und die Einbeziehung aller Generationen sind die besten Voraussetzungen f\u00fcr einen optimistischen Blick in die Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Rohstoffversorgung betrifft die chemische Industrie und die gesamte Wirtschaft unmittelbar. &Ouml;l und Gas spielen heute eine doppelte Rolle:<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[331,649,831,830,408,832],"class_list":["post-11389","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-dechema-gesellschaft-fuer-chemische-technik-und-biotechnologie-ev","supplier-fraunhofer-institut-fuer-grenzflaechen-und-bioverfahrenstechnik-igb","supplier-max-planck-institut-fuer-plasmaphysik","supplier-processnet","supplier-technische-universitaet-tu-dresden","supplier-wuppertal-institut-fuer-klima-umwelt-energie-gmbh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11389","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11389"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11389\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11389"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11389"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11389"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=11389"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}