{"id":113629,"date":"2022-08-03T07:26:00","date_gmt":"2022-08-03T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=113629"},"modified":"2022-07-27T14:28:39","modified_gmt":"2022-07-27T12:28:39","slug":"gunstig-und-gut-furs-klima-stroh-als-baustoff-ist-zuruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gunstig-und-gut-furs-klima-stroh-als-baustoff-ist-zuruck\/","title":{"rendered":"G\u00fcnstig und gut f\u00fcrs Klima: Stroh als Baustoff ist zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>F\u00fcr Christoph Harney ist Stroh einer der Baustoffe der Zukunft schlechthin. &#8220;Es ist ein Abfallprodukt des Getreideanbaus, w\u00e4chst sehr schnell im Vergleich zu anderen nachhaltigen Baustoffen und steht in gro\u00dfen Mengen zur Verf\u00fcgung&#8221;, erkl\u00e4rt der Architekt. 20 Millionen Tonnen Stroh w\u00fcrden in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Deutschland\">Deutschland<\/a>&nbsp;j\u00e4hrlich geerntet. &#8220;Etwa 20 Prozent davon und somit vier Millionen Tonnen werden nicht ben\u00f6tigt und bleiben einfach \u00fcbrig.&#8221; Einen Teil davon verbaut Harney derzeit in ein Mehrfamilienhaus in Kassel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/Bildschirmfoto-2022-07-27-um-12.49.05.png\" alt=\"Ein Strohballen liegt in einem Neubauprojekt eines Mehrfamilienhauses\" class=\"wp-image-113645\" width=\"770\" height=\"514\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/Bildschirmfoto-2022-07-27-um-12.49.05.png 920w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/Bildschirmfoto-2022-07-27-um-12.49.05-300x200.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/Bildschirmfoto-2022-07-27-um-12.49.05-150x100.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/Bildschirmfoto-2022-07-27-um-12.49.05-768x513.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/Bildschirmfoto-2022-07-27-um-12.49.05-400x267.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><figcaption>Ein Strohballen liegt in einem Neubauprojekt eines Mehrfamilienhauses. Foto: Swen Pf\u00f6rtner\/dpa\/Archivbild&nbsp;<small>(Foto: dpa)<\/small><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die W\u00e4nde des Staffelgeschosses des Geb\u00e4udes sind mit Strohballen ged\u00e4mmt. 250 St\u00fcck sind in das Gefach gepresst worden. Die Au\u00dfenw\u00e4nde werden mit Kalk verputzt, die Innenw\u00e4nde mit Lehm. Integriert wird auch eine Wandheizung. Sorgen wegen Feuchte oder Sch\u00e4dlingsbefall kann Harney zerstreuen. &#8220;Wenn es fachgerecht verbaut ist, verrottet das Stroh nicht und wird nicht von Nagetieren und Ungeziefer befallen&#8221;, erl\u00e4utert er. Auch habe es sehr gute Brandschutzeigenschaften.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die fertigen Montagesysteme aus Holz und Stroh hat ein Betrieb aus dem s\u00e4chsischen Taucha geliefert. Eine Firma aus G\u00f6ttingen hat das Baustroh unter anderem auf Feuchtigkeit und Pressung gepr\u00fcft und zertifiziert. &#8220;Das Stroh ist unbehandelt, wir haben hier sogar Bioqualit\u00e4t&#8221;, betont Harney.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders f\u00fcrs Klima sei der Strohballenbau gut: &#8220;Das Stroh speichert Kohlenstoffdioxid beim Wachstum und f\u00fcr die Lebensdauer des Hauses&#8221;, erkl\u00e4rt Harney. Bei der Herstellung der Ballen fielen im Vergleich zu anderen W\u00e4rmed\u00e4mmstoffen nur minimale CO2-Emissionen an. Zudem h\u00e4tten Strohballenh\u00e4user einen sehr guten D\u00e4mmwert. &#8220;Die Ballen sind ein guter W\u00e4rmespeicher und helfen, zus\u00e4tzlich Heizkosten zu sparen&#8221;, erkl\u00e4rt Harney.<ins><a rel=\"noreferrer noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.twiago.com\/\"><\/a><\/ins><\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wenn wir wirklich in wenigen Jahren klimaneutral sein wollen, m\u00fcssen wir auf nachwachsende Baustoffe setzen&#8221;, sagt Holger Zimmer von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen. Strohballen seien dabei eine wichtige Komponente. Bei der Herstellung eines Strohballen-Hauses werde so viel&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Energie\">Energie<\/a>&nbsp;gespart, dass davon ein Haus 70 Jahre lang beheizt werden k\u00f6nne. Zudem sieht Keller Einsparpotenzial bei den Bauherren, weil man beim Strohballenbau mit ein bisschen Wissen und Anleitung auch einiges in Eigenleistung machen und so Geld sparen k\u00f6nne. Sein Fazit: &#8220;Die Bauweise ist zu Unrecht v\u00f6llig unterbewertet.&#8221;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Architekt f\u00fchrt das vor allem auf ein zu geringes Bewusstsein f\u00fcr \u00f6kologische Baustoffe zur\u00fcck. &#8220;Wir sind \u00fcber Jahre viel zu sehr an synthetische industrielle Baustoffe herangef\u00fchrt worden.&#8221; Man k\u00f6nne ein Haus genauso gut mit Stroh bauen, &#8220;aber der Baubereich ist konservativ.&#8221; Dabei brauche es dringend ein Umdenken. &#8220;Um Ressourcen zu schonen und uns von importierten Materialien unabh\u00e4ngig zu machen, m\u00fcssen wir auf nachwachsende Rohstoffe setzen&#8221;, erkl\u00e4rt Zimmer.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Stroh ist ein wichtiger Bestandteil der Bauwende&#8221;, meint auch Adina Lange vom Fachverband Strohballenbau Deutschland. In Deutschland gebe es aktuell sch\u00e4tzungsweise mehr als 1000 Strohh\u00e4user. J\u00e4hrlich k\u00e4men etwa 50 hinzu. &#8220;Der Strohballenbau nimmt weiter an Fahrt auf&#8221;, sagt die Bautechnikerin und Zimmerin. Sie w\u00fcnscht sich, dass \u00fcber diese Bauweise mehr Wissen vermittelt wird.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Es braucht mehr Aufkl\u00e4rung \u00fcber die unwiderruflichen Vorteile des Strohballenbaus und mehr Weiterbildung&#8221;, sagt auch Holger Zimmer. Der Architekt ist zuversichtlich, dass Stroh als Baustoff weiter an Popularit\u00e4t gewinnen wird. &#8220;Zum einen wird nachhaltiges Bauen gesetzlich k\u00fcnftig st\u00e4rker gef\u00f6rdert. Zum anderen wird sich sp\u00e4testens bei der n\u00e4chsten Abrechnung jeder Gedanken dar\u00fcber machen, wie er Energiekosten sparen kann.&#8221;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Architekten Susanne K\u00f6rner und Tilman Sch\u00e4berle aus Bad K\u00f6nig im Odenwaldkreis sind Pioniere des Strohballenbaus in&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Hessen\">Hessen<\/a>. 2005 errichteten sie in Darmstadt das erste B\u00fcrogeb\u00e4ude aus Strohballen im Bundesland. 2008 folgte das erste Wohnhaus in Bad K\u00f6nig, das sie selbst bewohnen. Etwa 750 gepresste Strohballen aus der Region wurden f\u00fcr die komplette W\u00e4rmed\u00e4mmung des 260 Quadratmeter gro\u00dfen Hauses eingesetzt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als zehn Jahre sp\u00e4ter ist K\u00f6rner noch immer begeistert. &#8220;Strohballen sind der nachhaltigste D\u00e4mmstoff. Sie sind klimaneutral, lokal verf\u00fcgbar, bieten im Sommer einen guten W\u00e4rmeschutz und im Winter gute D\u00e4mmwerte f\u00fcr die Au\u00dfenwand&#8221;, erkl\u00e4rt sie. Zudem k\u00f6nne Stroh anders als konventionelle D\u00e4mmstoffe wie etwa Styropor nach dem R\u00fcckbau unproblematisch auf dem Kompost entsorgt werden. Nachhaltige Bautechniken seien leider lange verschlafen worden, sagt K\u00f6rner. Aber inzwischen nehme das Interesse daran gl\u00fccklicherweise zu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Kassel haben die Strohballen \u00fcberzeugt. Im ersten von drei Bauabschnitten habe er die Ballen zun\u00e4chst nur im Dachgeschoss erprobt, berichtet Christoph Harney. &#8220;Damit machen wir gute Erfahrungen und planen deshalb, die zwei weiteren Bauabschnitte komplett mit Strohballen zu bauen.&#8221;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Strohballenbau sieht er eine M\u00f6glichkeit, mehr bezahlbare und klimagerechte Wohnungen zu schaffen. Durchschnittlich ben\u00f6tige man zehn Tonnen Stroh f\u00fcr die D\u00e4mmung einer Wohneinheit. &#8220;Bei vier Millionen Tonnen Stroh, die als Nebenprodukt \u00fcbrig sind, macht das 400.000 Wohneinheiten&#8221;, rechnet er vor. &#8220;Genug also f\u00fcr die 400.000 Wohnungen, die die Bundesregierung j\u00e4hrlich bauen will.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Christoph Harney ist Stroh einer der Baustoffe der Zukunft schlechthin. &#8220;Es ist ein Abfallprodukt des Getreideanbaus, w\u00e4chst sehr schnell im Vergleich zu anderen nachhaltigen Baustoffen und steht in gro\u00dfen Mengen zur Verf\u00fcgung&#8221;, erkl\u00e4rt der Architekt. 20 Millionen Tonnen Stroh w\u00fcrden in&nbsp;Deutschland&nbsp;j\u00e4hrlich geerntet. &#8220;Etwa 20 Prozent davon und somit vier Millionen Tonnen werden nicht ben\u00f6tigt [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Vier Millionen Tonnen stehen in Deutschland j\u00e4hrlich als \"Abfall\" zur Verf\u00fcgung - als nachhaltiger Baustoff speichert er W\u00e4rme und hilft die Heizkosten zu senken","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[12423,12801,10608,10719],"supplier":[20751,7567,20752],"class_list":["post-113629","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","tag-baumaterial","tag-baustoff","tag-biooekonomie","tag-naturfasern","supplier-christoph-harney-architekt","supplier-fasba","supplier-susanne-korner-und-tilman-schaberle-shakti-haus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113629","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=113629"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113629\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=113629"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=113629"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=113629"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=113629"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}