{"id":11303,"date":"2008-09-19T00:00:00","date_gmt":"2008-09-18T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080919-06n"},"modified":"2008-09-19T00:00:00","modified_gmt":"2008-09-18T22:00:00","slug":"pilze-und-bakterien-immer-wichtiger-fuer-die-chemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/pilze-und-bakterien-immer-wichtiger-fuer-die-chemie\/","title":{"rendered":"Pilze und Bakterien immer wichtiger f\u00fcr die Chemie"},"content":{"rendered":"<p><b>Biotechnische Verfahren gewinnen f\u00fcr die chemische Industrie in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Mit Enzymen und Mikroorganismen wie etwa Pilzen oder Bakterien werden in der Chemie zunehmend mehr Produkte hergestellt. Dazu geh\u00f6ren zum Beispiel Waschmittelenzyme, organische S\u00e4uren, Vitamine, Futtermitteladditive, Pharmavorprodukte sowie Hilfsstoffe f\u00fcr die Papier- oder Textilindustrie.<\/b> <\/p>\n<p>Die industrielle oder wei\u00dfe Biotechnologie ist ein Wachstumssektor in der Branche, der sich auf leistungsf\u00e4higere oder umweltvertr\u00e4glichere Syntheseverfahren und auf die Herstellung von Produkten konzentriert, die auf klassischem Weg bislang nicht oder nur sehr schwer zu gewinnen sind. &#8220;Das ist der Weg der Zukunft. Biotechnische Verfahren werden die Produktionsstrukturen in unserer Branche sukzessive ver\u00e4ndern&#8221;, betonte Dr. Alfred Oberholz, Vorsitzender des Ausschusses f\u00fcr Forschung, Wissenschaft und Bildung im Verband der Chemischen Industrie (VCI) und Mitglied des Vorstandes der Evonik Industries AG, auf der Veranstaltungsreihe &#8220;Forum Zukunft&#8221; des VCI in Berlin.<\/p>\n<p>Eine echte Erfolgsgeschichte f\u00fcr die wei\u00dfe Biotechnologie kommt heute in jedem Haushalt zum Tragen. Der Einsatz von hocheffektiven Enzymen hat das W\u00e4sche waschen revolutioniert: Verrichteten 1970 gerade einmal zwei Eiwei\u00df spaltende Enzyme ihre Dienste f\u00fcr eine saubere W\u00e4sche, machen sich heute in einem modernen Waschmittel eine ganze Reihe spezialisierter Enzymklassen an die Arbeit. Diese biotechnische Evolution brachte auch erhebliche Vorteile f\u00fcr die Umwelt mit sich: Die Waschmittelmenge, die f\u00fcr eine W\u00e4sche von 5 Kilogramm ben\u00f6tigt wird, hat sich innerhalb der letzten 25 Jahre von 220 auf 75 Gramm reduziert. Dadurch wird deutlich weniger Wasser f\u00fcr einen Waschvorgang ben\u00f6tigt. Die steile Karriere von Enzymen in Waschmitteln hat au\u00dferdem wesentlich dazu beigetragen, dass die Verbraucher immer h\u00e4ufiger bei ihrer Waschmaschine den Temperaturregler statt auf 60 nur noch auf 40 oder sogar nur 30 Grad einstellen k\u00f6nnen und trotzdem ein optimales Ergebnis erzielen. Dadurch werden pro Waschgang bis zu 50 Prozent Energie eingespart.<\/p>\n<p>Dass sich Verfahren der wei\u00dfen Biotechnologie zunehmend als Innovationstr\u00e4ger f\u00fcr die L\u00f6sung von Zukunftsproblemen etablieren, zeigt ein Beispiel aus dem Bereich nachhaltige Nahrungsmittelproduktion: Die essentielle Aminos\u00e4ure L-Lysin wird haupts\u00e4chlich in der Ern\u00e4hrung von Gefl\u00fcgel und Schweinen als Futtermittelzusatz verwendet. Heute werden weltweit \u00fcber 1 Million Tonnen Lysin in etwa 500 Millionen Tonnen Tierfutter eingesetzt, was rund 80 Prozent der weltweit hergestellten Menge ausmacht. Mit dem Einsatz biotechnischer Methoden konnte in den letzten 15 Jahren der Einsatz von Rohstoffen und Energie bei der Herstellung deutlich gesenkt werden. Insgesamt hat sich die Effizienz des Produktionsverfahrens verdoppelt. Durch den Einsatz von Lysin werden pro Jahr rund 36 Millionen Tonnen an Sojamehl weniger ben\u00f6tigt und so 20 Millionen Hektar Soja-Anbaufl\u00e4che eingespart. Diese Fl\u00e4che entspricht rund 30 Prozent der EU-weiten Anbaufl\u00e4che f\u00fcr Getreide oder 40 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4che in Brasilien.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel aus dem Gebiet Nahrungsmittel: Vitamin B2 oder Riboflavin ist eine essentielle chemische Verbindung f\u00fcr Mensch und Tier. Bis vor 15 Jahren wurde das Vitamin B2 in einem komplizierten, achtstufigen chemischen Verfahren hergestellt. Heute haben verschiedene biotechnische Verfahren mit Hilfe von gentechnisch optimierten Pilzen oder Bakterien das herk\u00f6mmliche Verfahren weitgehend ersetzt. Die Umstellung auf dieses einstufige Fermentationsverfahren war ein epochaler Fortschritt f\u00fcr die Unternehmen und die Umwelt: Der Rohstoffverbrauch konnte um 60 Prozent gesenkt werden, die CO<sub>2<\/sub>-Emissionen um 30 Prozent und das Abfallaufkommen sogar um 95 Prozent.<\/p>\n<p>Derzeit liegt der Anteil biotechnischer Methoden an allen Produktionsverfahren in der europ\u00e4ischen Chemie erst bei etwa 5 Prozent. Marktforscher gehen aber davon aus, dass der Anteil bis 2015 auf 15 Prozent ansteigen wird. Speziell f\u00fcr Feinchemikalien erwarten Branchenkenner langfristig \u00fcberdurchschnittlich hohe Wachstumsraten. Hier nehmen schon heute biotechnische Verfahren einen Anteil von rund 20 Prozent ein. Es spricht viel daf\u00fcr, dass dieser Anteil in der Sparte Feinchemie bis 2015 voraussichtlich auf 50 Prozent zulegen wird. Insgesamt k\u00f6nnte dann im Jahr 2015 der weltweite Umsatz mit wei\u00dfer Biotechnologie rund 300 Milliarden US-Dollar erreichen, so sch\u00e4tzen Experten. Im Vergleich zu 2004 w\u00fcrde sich damit der Umsatz versiebenfachen.<\/p>\n<p>Oberholz wies aber gleichzeitig auf die Grenzen der industriellen Biotechnologie hin: &#8220;Die chemische Industrie in Deutschland wird zwar alles daran setzen, das Potenzial der wei\u00dfen Biotechnologie voll auszusch\u00f6pfen. Denn neue Produkte sind der Garant f\u00fcr dauerhaften Erfolg auf den globalen M\u00e4rkten. Dennoch m\u00fcssen wir realistisch bleiben: Die wei\u00dfe Biotechnologie ist nicht per se wirtschaftlicher und umweltvertr\u00e4glicher als die klassische chemische Synthese. Wir m\u00fcssen Vor- und Nachteile in jedem Einzelfall n\u00fcchtern abw\u00e4gen.&#8221; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Biotechnische Verfahren gewinnen f&uuml;r die chemische Industrie in Deutschland immer mehr an Bedeutung. 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