{"id":11301,"date":"2008-09-22T00:00:00","date_gmt":"2008-09-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080922-03n"},"modified":"2008-09-22T00:00:00","modified_gmt":"2008-09-21T22:00:00","slug":"hochkaraetige-experten-diskutieren-teller-und-tank-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/hochkaraetige-experten-diskutieren-teller-und-tank-debatte\/","title":{"rendered":"Hochkar\u00e4tige Experten diskutieren Teller-und-Tank-Debatte"},"content":{"rendered":"<p><b>Vor dem Hintergrund der in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv gef\u00fchrten Debatte \u00fcber das F\u00fcr und Wider von Biokraftstoffen trafen am 16. September 2008 in Berlin Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um \u00fcber Potenziale und Grenzen der dualen Nutzung von Energiepflanzen in Ern\u00e4hrung und Technik zu diskutieren.<\/b> <\/p>\n<p>Eingeladen hatte zu diesem \u00f6ffentlichen Dialogforum die Union zur F\u00f6rderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP), die als interprofessionelle Verbandsvertretung aller an der Erzeugung und Vermarktung heimischer \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanzen Beteiligten seit nahezu 20 Jahren die Markteinf\u00fchrung von Biodiesel in Deutschland aktiv unterst\u00fctzt. Als Verband, der sowohl den Einsatz von Raps\u00f6l in der Humanern\u00e4hrung als auch in Form von Kraftstoff in der energetischen Verwendung intensiv f\u00f6rdert, war es Ziel der UFOP, zu erfahren, in welchem Ma\u00dfe die \u00f6ffentliche Diskussion zu &#8220;Teller oder Tank&#8221; Auswirkungen auf die politischen Diskussionen und Entscheidungen in Berlin und Br\u00fcssel hat. Dar\u00fcber hinaus sollte das mit \u00fcber 100 Teilnehmern besuchte und von Prof. Wolfgang Friedt von der Universit\u00e4t Gie\u00dfen moderierte Dialogforum dazu beitragen, die Folgen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Entwicklung des Energiepflanzenanbaus in Deutschland und Europa abzusch\u00e4tzen, die sich durch einen m\u00f6glichen f\u00f6rderungspolitischen Zielkonflikt ergeben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Den Grad der Wirkung der kritischen Medienberichterstattung auf das Image von Biodiesel und Raps in der \u00d6ffentlichkeit machte zu Beginn der Veranstaltung Dr. Christa Etter deutlich. In einer repr\u00e4sentativen Befragung, die im Februar und August 2008 von ihrem Marktforschungsunternehmen im Auftrag der UFOP durchgef\u00fchrt wurde, konnte klar festgestellt werden, dass der Einsatz von Biodiesel von einem wachsenden Teil der Bev\u00f6lkerung mit den Themen Anstieg der Lebensmittelpreise und Hunger in der Dritten Welt in Verbindung gebracht wird. Trotz dieser Assoziationen w\u00fcrden derzeit noch ann\u00e4hernd 70 Prozent der Deutschen Autofahrer Biodiesel tanken, wenn ihr Fahrzeug daf\u00fcr technisch geeignet w\u00e4re.<\/p>\n<p>Der UFOP-Vorsitzende, Dr. Klaus Kliem, machte in seinem Statement deutlich, dass es in der gegenw\u00e4rtigen Diskussion nicht allein um Biomasse als Energietr\u00e4ger geht, sondern auch um die Landwirtschaft als Eckpfeiler der Energieversorgung. Teller und Tank seien gemeinsam zu f\u00fcllen, wenn Fl\u00e4chen- und Ertragspotenziale ausgesch\u00f6pft und die Bewirtschaftung weiter optimiert w\u00fcrden. Es sei erfreulich festzustellen, dass die Diskussion zur Frage der Nahrungsmittelsicherheit im Zusammenhang mit der Biokraftstoffpolitik auf eine sachliche Ebene zur\u00fcckgekehrt sei. Auch aus Sicht einer Erzeugerorganisation wie der UFOP sei es absolut selbstverst\u00e4ndlich, dass mit der Verwendung von Biomasse f\u00fcr die Biokraftstoffproduktion der Natur- bzw. Umweltschutz in den jeweiligen Anbauregionen nicht gef\u00e4hrdet werden d\u00fcrfe. In seinem Beitrag machte Dr. Franz-Rudolf Ley vom Bundesumweltministerium diesbez\u00fcglich deutlich, dass sich sein Ministerium insbesondere mit einer schnellen Umsetzung der Nachhaltigkeitszertifizierung befasse. Daneben arbeite man auch an einer Anpassung der Biokraftstoffziele, Steigerung der Energieeffizienz sowie der Mobilisierung von Abfallbiomasse f\u00fcr die energetische Nutzung.<\/p>\n<p>Die andere Art der energetischen Nutzung von Raps\u00f6l in Form von Speise\u00f6l f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung beleuchtete Prof. Christian Barth, der ehemalige wissenschaftliche Stiftungsvorstand des Deutschen Institutes f\u00fcr Ern\u00e4hrungsforschung in Potsdam-Rehbr\u00fccke. Er machte deutlich, dass es sich bei Raps\u00f6l um das anerkannt hochwertigste Speise\u00f6l handelt und eine Ern\u00e4hrungsverwendung immer Vorrang vor der technischen Nutzung haben m\u00fcsse, was von Seiten des Bauernverbandes und der UFOP auch deutlich unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Eine Schl\u00fcsselrolle im Kreis der Experten hatte Prof. Folkhard Isermeyer, der Leiter des Instituts f\u00fcr Betriebswirtschaft des von Th\u00fcnen-Instituts in Braunschweig inne. Seiner Ansicht nach hat Biomasse weltweit eine Zukunft und verdient eine zumindest kurzfristige F\u00f6rderung &#8211; nicht zuletzt aus Gr\u00fcnden der Technologief\u00fchrerschaft Deutschlands. Langfristig werden seiner Meinung nach steigende Mineral\u00f6lpreise und Produktionsoptimierungen die Rentabilit\u00e4t von Biomasse bringen.<\/p>\n<p>Bioenergie sei nicht Schuld am Hunger in der Welt, so auch Johannes Lackmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des VDB. Landwirtschaft diene nie ausschlie\u00dflich zur Nahrungsproduktion, sondern liefere immer auch Energie und Rohstoffe. Biokraftstoffe b\u00f6ten den schnellsten Weg zur Reduktion von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen. Der nachhaltige internationale Handel von Bioenergietr\u00e4gern k\u00f6nne auch den L\u00e4ndern der 3. Welt helfen, ihre Abh\u00e4ngigkeit vom Mineral\u00f6l zu reduzieren. Die Koppelprodukte die Biokraftstoffherstellung, wie Rapskuchen oder Schlempe, sind wichtige Komponente der Tierf\u00fctterung, die bei fast allen Bewertungen nicht hinreichend ber\u00fccksichtigt werden. Darin war er sich einig mit Dr. Lutz Guderjahn von der CropEnergies AG als einem weiteren Vertreter der Biokraftstoffwirtschaft. Es d\u00fcrfe nicht allein die von der Ackerfl\u00e4che gewonnene Menge \u00d6l oder Ethanol gesehen werden, sondern auch die erheblichen positiven Effekte, die sich durch die gro\u00dfen Mengen an Futtermitteln ergeben, die beim Anbau von Energiepflanzen f\u00fcr die Biodiesel- und Bioethanolherstellung entstehen. Da zwei Drittel der Erntemenge als Viehfutter Verwendung f\u00e4nden, w\u00fcrde die Fl\u00e4che nicht der Nahrungsmittelherstellung entzogen. Vielmehr w\u00e4ren Fl\u00e4chen f\u00fcr den Anbau von Futter zus\u00e4tzlich bereitzustellen, wenn die Koppelprodukte nicht zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden.<\/p>\n<p>Als Vertreter der Automobil- und der Mineral\u00f6lwirtschaft nahmen die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Klaus Picard vom Mineral\u00f6lwirtschaftsverband und Dr. Thomas Schlick vom Verband der Automobilindustrie am UFOP-Dialogforum teil. Sie stimmten darin \u00fcberein, dass eine Beimischung von Biokraftstoff zum fossilen Kraftstoff der momentan einfachste Weg zur Minderung von Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich sei. Laut Schlick steht die Deutsche Automobilindustrie auch weiterhin zu den Beimischungszielen von zehn Prozent Ethanol bzw. sieben Prozent Biodiesel zu konventionellen Kraftstoffen. Er prognostizierte gleichzeitig das Ende des B100 nicht nur f\u00fcr den Pkw-, sondern auch mittelfristig f\u00fcr den Nutzfahrzeugsektor.<\/p>\n<p>Der stellvertretende Vorsitzende der UFOP, Dietmar Brauer, stellte zum Ende der Veranstaltung fest, dass die Biokraftstoffe eine Revolution gewesen seien. Nun m\u00fcsse die Branche aufpassen, dass diese Revolution &#8220;nicht ihre Kinder fresse&#8221;. Auch wenn im Ergebnis kein einheitliches Meinungsbild zustande kam, k\u00f6nne die Branche nicht nur Teller und Tank, sondern sogar Teller, Tank und Trog f\u00fcllen, da die Kuppelprodukte ein hochwertiges Eiwei\u00dffuttermittel f\u00fcr die Tierern\u00e4hrung darstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Vor dem Hintergrund der in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv gef&uuml;hrten Debatte &uuml;ber das F&uuml;r und Wider von Biokraftstoffen trafen am 16. 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