{"id":11280,"date":"2008-09-30T00:00:00","date_gmt":"2008-09-29T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080930-05n"},"modified":"2008-09-30T00:00:00","modified_gmt":"2008-09-29T22:00:00","slug":"lebensraum-oelpalmplantage-kein-ersatz-fuer-regenwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/lebensraum-oelpalmplantage-kein-ersatz-fuer-regenwald\/","title":{"rendered":"Lebensraum \u00d6lpalmplantage? Kein Ersatz f\u00fcr Regenwald"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00d6lpalmplantagen sind kein Ersatz f\u00fcr tropischen Regenwald als Lebensraum. Das belegt eine aktuelle Studie, die als Titelthema in der diese Woche erscheinenden Oktoberausgabe der Fachzeitschrift &#8220;Trends in Ecology und Evolution&#8221; ver\u00f6ffentlich wird (Erscheinungstermin 24. September 2008). Der Appell der internationalen Forschergruppe an die zust\u00e4ndigen Regierungen in S\u00fcdostasien: Schnell handeln, um den verbleibenden tropischen Regenwald zu sch\u00fctzen und somit die f\u00fcr die Region typische Artenvielfalt erhalten zu k\u00f6nnen.<\/b><\/p>\n<p>Palm\u00f6lgewinnung ist ein stark wachsendes Wirtschaftssegment. Ungeachtet der \u00f6kologischen Folgen wird tropischer Regenwald in gewinnbringende Monokulturen umgewandelt. Mit verheerenden Auswirkungen auf Klimawandel und Artenvielfalt. Palm\u00f6l ist das weltweit am meisten verarbeitete Pflanzen\u00f6l. Genutzt wird es unter anderem als Nahrungsmittel, in der Kosmetik oder als Biokraftstoff, der in westlichen Industriel\u00e4ndern zunehmend nachgefragt wird. Aufgrund des globalen Bedarfs werden in Malaysia und Indonesien mittlerweile rund 130.000 Quadratkilometer, das entspricht ungef\u00e4hr einem Drittel der Fl\u00e4che von Deutschland, bewirtschaftet. Meist handelt es sich bei der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che um ehemaligen tropischen Regenwald, der zu den artenreichsten Lebensr\u00e4umen der Welt z\u00e4hlt.<\/p>\n<p><b>Artenvielfalt durch gro\u00dfe Nachfrage nach Pflanzen\u00f6l und Bio-Sprit bedroht<\/b><br \/>Eine internationale Forschergruppe aus sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter Dr. Carsten Br\u00fchl vom Institut f\u00fcr Umweltwissenschaften der Universit\u00e4t Koblenz-Landau, werteten erstmals die wenigen bisher publizierten Studien zum Artenreichtum von V\u00f6geln, Flederm\u00e4usen, Ameisen und verschiedenen anderen Tiergruppen in \u00d6lpalmplantagen aus und konnten zeigen: Durchschnittlich \u00fcberleben dort weniger als ein Sechstel der Arten, die aus prim\u00e4ren Regenw\u00e4ldern bekannt sind. Und: Selbst forstwirtschaftlich genutzte W\u00e4lder oder Plantagenkulturen wie Kakao, Gummibaum oder Kaffee sind artenreicher. Dabei, so die Wissenschaftler, d\u00fcrften die Sch\u00e4tzungen sogar optimistisch sein, da das Arteninventar eines tropischen Regenwaldes schwieriger zu erfassen ist als das einer angelegten \u00d6lpalmenplantage. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Selbst Managementma\u00dfnahmen zur Begr\u00fcnung in den Plantagen erh\u00f6hen das Artenspektrum nicht nennenswert. Die Erhaltung der tropischen Biodiversit\u00e4t ist nur durch den Schutz von W\u00e4ldern au\u00dferhalb der Plantagen m\u00f6glich.<\/p>\n<p>&#8220;Die negativen Folgen der Biosprit-Nachfrage und der Palm\u00f6l-Produktion auf die Artenvielfalt wird in der \u00d6ffentlichkeit bereits intensiv diskutiert. Mit der Studie m\u00f6chten wir die Diskussion mit einem soliden wissenschaftlichen Fundament untermauern&#8221;, bekr\u00e4ftigt der Landauer Umweltwissenschaftler und Mitautor der Studie Dr. Carsten Br\u00fchl. Seit \u00fcber 15 Jahren forscht er auf Borneo in Malaysia und konnte die dramatischen landschaftlichen Ver\u00e4nderungen vor Ort verfolgen. Der Gro\u00dfteil der Tieflandregenw\u00e4lder wurde nach der schrittweisen Degradierung durch die Entnahme von wertvollen Nutzh\u00f6lzern in eine fl\u00e4chendeckende \u00d6lpalmenmonokultur umgewandelt. In seinen Studien \u00fcber Ameisengemeinschaften fand Wissenschaftler Br\u00fchl in \u00d6lpalmenplantagen nur noch dreizehn der fast 200 Waldarten. Die restlichen vorkommenden 30 Arten sind Kosmopoliten, sprich weltweit verbreitete und nicht f\u00fcr die Region typische Spezies. Einige dieser Arten sind in ihrer Ausbreitung sehr aggressiv und beeinflussen als so genannte invasive Arten auch andere Tiergruppen.<\/p>\n<p><b>Schnelles Handeln der Regierungen gefordert<\/b><br \/>Wenn die Artenvielfalt in Indonesien und Malaysia noch eine Zukunft haben soll, muss schnell gehandelt werden, so die Forderung der internationalen Forschergruppe. Die Regierungen in S\u00fcdostasien m\u00fcssen entsprechende Richtlinien erlassen, mit denen der noch existierende Regenwald gesch\u00fctzt werden kann und keiner weiteren Rodung mehr zum Opfer f\u00e4llt. So wurde in Indonesien beispielsweise bereits Satelliten-Technologie getestet, um illegalen Holzschlag zu unterbinden und \u00f6ffentlich Druck auf Firmen mit solchen Machenschaften auszu\u00fcben.<\/p>\n<p>Nur auf Borneo sind noch gro\u00dfe, zusammenh\u00e4ngende Regenwaldfl\u00e4chen zu finden, die unbedingt unter Schutz gestellt werden m\u00fcssen. Dabei ist es besonders wichtig, so Umwelt-Experte Br\u00fchl, Regionen mit hoher Artenvielfalt zu identifizieren, um sie dann in ein sinnvolles Konzept einbinden zu k\u00f6nnen. Ein in diese Richtung weisendes und ambitioniertes Naturschutzprogramm, das &#8220;Heart of Borneo&#8221;, ratifizierten vergangenes Jahr die Anrainerstaaten Borneos. Bestehende Konzepte, in die die Erkenntnisse der aktuellen Studie einflie\u00dfen werden, sollen nun umgesetzt werden. Ein wichtiger Schritt wird dabei sein, Plantagenbetreiber, Natursch\u00fctzer, Wissenschaftler, die lokale Bev\u00f6lkerung und weitere Interessengruppen an einen Tisch zu bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>&Ouml;lpalmplantagen sind kein Ersatz f&uuml;r tropischen Regenwald als Lebensraum. 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