{"id":112683,"date":"2022-07-15T07:09:00","date_gmt":"2022-07-15T05:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=112683"},"modified":"2022-07-13T12:45:04","modified_gmt":"2022-07-13T10:45:04","slug":"neue-studie-aus-bayreuth-dungemittel-aus-kompostieranlagen-enthalten-grose-mengen-bioabbaubarer-kunststoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/neue-studie-aus-bayreuth-dungemittel-aus-kompostieranlagen-enthalten-grose-mengen-bioabbaubarer-kunststoffe\/","title":{"rendered":"Neue Studie aus Bayreuth: D\u00fcngemittel aus Kompostieranlagen enthalten gro\u00dfe Mengen bioabbaubarer Kunststoffe"},"content":{"rendered":"\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-11-1024x691.jpeg\" alt=\"Proben aus Bioabfallverwertungsanlagen in einem Labor f\u00fcr Bioprozesstechnik der Universit\u00e4t Bayreuth.\" class=\"wp-image-112686\" width=\"768\" height=\"518\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-11-1024x691.jpeg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-11-300x202.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-11-150x101.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-11-768x518.jpeg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-11-1536x1037.jpeg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-11-2048x1382.jpeg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-11-400x270.jpeg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-11-1320x891.jpeg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Proben aus Bioabfallverwertungsanlagen in einem Labor f\u00fcr Bioprozesstechnik der Universit\u00e4t Bayreuth. <strong>\u00a9<\/strong> UBT \/ Chr. Wi\u00dfler.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Eine Studie der Universit\u00e4t Bayreuth zeigt: Fertigkompost aus Kompostieranlagen in Deutschland enth\u00e4lt eine gro\u00dfe Zahl von Partikeln aus bioabbaubaren Kunststoffen. Geltende Rechts- und Zertifizierungsnormen werden durch die Gr\u00f6\u00dfen und Mengen der nachgewiesenen Partikel nicht verletzt. Doch stellen die in \u201eScientific Reports\u201c ver\u00f6ffentlichten Daten den Beitrag dieser Normen zu einem effektiven Umweltschutz infrage. Sie lassen es fraglich erscheinen, ob bioabbaubare Kunststoffe geeignet sind, herk\u00f6mmliche Kunststoffe in umwelt- und ern\u00e4hrungssensiblen Bereichen zu ersetzen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die neue Studie ist aus einer engen interdisziplin\u00e4ren Kooperation im SFB 1357 \u201eMikroplastik\u201c an der Universit\u00e4t Bayreuth hervorgegangen. Das Ministerium f\u00fcr Umwelt, Klimaschutz und Energiewirtschaft des Landes Baden-W\u00fcrttemberg hat die Forschungsarbeiten gef\u00f6rdert. Es handelt sich um die erste wissenschaftliche Studie, die handels\u00fcblichen Fertigkompost systematisch auf bioabbaubare Plastikpartikel hin untersucht. Die Bayreuther Wissenschaftler*innen haben dabei mit vier st\u00e4dtischen Bioabfallverwertungsanlagen in Baden-W\u00fcrttemberg zusammengearbeitet. Diese setzen etablierte technische Verfahren ein, um Bioabfall in einem zweistufigen Prozess zu verarbeiten: Auf die mikrobielle Produktion von Biogas folgt die Umwandlung des organischen Restmaterials zu hochwertigem Kompost.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"isPasted\">Im Fertigkompost der vier Anlagen haben die Bayreuther Forscher*innen eine signifikant hohe Zahl von bioabbaubaren Mikroplastik-Partikeln entdeckt, die eine Gr\u00f6\u00dfe von weniger als einem Millimeter haben. Diese Partikel machen zusammen 0,43 Prozent des Trockengewichts des Komposts aus. Die deutsche D\u00fcngemittelverordnung (D\u00fcMV) verlangt zwar, dass der Anteil von bioabbaubarem Kunststoff in hochwertigem Kompost maximal nur 0,1 Prozent des Trockengewichts betragen darf. Aber dieser Grenzwert bezieht sich allein auf Mikroplastik-Partikel, die gr\u00f6\u00dfer als zwei Millimeter sind.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDer gesetzlich definierte Grenzwert f\u00fcr den Anteil an bioabbaubarem Mikroplastik sollte k\u00fcnftig auch viel kleinere Partikel einbeziehen, um die Belastung von Agrarfl\u00e4chen deutlich zu verringern. Dies erscheint vor allem deshalb geboten, weil Fertigkompost eine sehr gro\u00dfe Zahl von Partikeln enth\u00e4lt, die kleiner als zwei Millimeter sind. Wie unsere Untersuchung zeigt, weisen diese Partikel in vielen F\u00e4llen Eigenschaften auf, die ihren biologischen Abbau durch Mikroorganismen erheblich verz\u00f6gern k\u00f6nnen\u201c, sagt die Leiterin der Studie, <strong>Prof. Dr. Ruth Freitag<\/strong>, <strong>Inhaberin des Lehrstuhls f\u00fcr Bioprozesstechnik<\/strong>. \u201eJe l\u00e4nger Mikroplastik-Partikel in den B\u00f6den bleiben, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Gefahr, dass sie von Bodenlebewesen aufgenommen werden und so in die Nahrungskette gelangen\u201c, warnt die Bayreuther Biowissenschaftlerin.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Auch die europ\u00e4ische Zertifizierungsnorm EN 13432 f\u00fcr kompostierf\u00e4higes und daher bioabbaubares Material ist vor dem Hintergrund der neuen Studie wenig effektiv: Dieser Norm zufolge sind Kunststoffe bioabbaubar, wenn sie zu 90 Prozent in weniger als zw\u00f6lf Wochen in Partikel zerfallen sind, die kleiner als zwei Millimeter sind. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eIn Kompostieranlagen, die dem heutigen Stand der Technik entsprechen, wird jedoch in k\u00fcrzeren Zeitr\u00e4umen kompostiert. Es ist gut m\u00f6glich, dass wir deswegen noch R\u00fcckst\u00e4nde an bioabbaubarem Material in den Fertigkomposten gefunden haben. Nur leider sagt die Zertifizierung als kompostierbar und damit als bioabbaubar nichts \u00fcber das weitere Verhalten in der Umwelt aus. Im Gegenteil, es gibt Forschungsarbeiten von anderen Arbeitsgruppen an der Universit\u00e4t Bayreuth, die belegen, dass solche Materialien noch \u00fcber Jahre hinweg in der Natur verbleiben\u201c, sagt <strong>Thomas Steiner M.Sc., einer der Erstautoren der Studie und Doktorand am Lehrstuhl f\u00fcr Bioprozesstechnik der Universit\u00e4t Bayreuth<\/strong>.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-scaled.jpeg\" alt=\"Thomas Steiner M.Sc., Prof. Dr. Ruth Freitag und Riccarda Hieke B.Sc. (v.l.) bei der mikroskopischen Untersuchung eines Partikels aus bioabbaubarem Plastik\" class=\"wp-image-112685\" width=\"838\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-scaled.jpeg 2560w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-300x228.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-1024x777.jpeg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-150x114.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-768x583.jpeg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-1536x1166.jpeg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-2048x1555.jpeg 2048w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-356x270.jpeg 356w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/07\/image-10-1320x1002.jpeg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 838px) 100vw, 838px\" \/><figcaption>Thomas Steiner M.Sc., Prof. Dr. Ruth Freitag und Riccarda Hieke B.Sc. (v.l.) bei der mikroskopischen Untersuchung eines Partikels aus bioabbaubarem Plastik. <strong>\u00a9<\/strong> UBT \/ Chr. Wi\u00dfler.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p id=\"isPasted\">Die in \u201e<em>Scientific Reports<\/em>\u201c ver\u00f6ffentlichte Studie erstreckt sich auch auf bioabbaubare Plastikpartikel, die in fl\u00fcssigen D\u00fcngemitteln enthalten sind. Diese D\u00fcngemittel werden in drei der vier st\u00e4dtischen Anlagen, die ihren Biokompost f\u00fcr die wissenschaftlichen Analysen zur Verf\u00fcgung gestellt haben, durch eine anaerobe Behandlung des angelieferten Bioabfalls erzeugt. In den fl\u00fcssigen D\u00fcngemitteln fanden sich mehrere Tausend Plastikpartikel pro Liter \u2013 wobei diese Partikel einen Durchmesser von weniger als einem halben Millimeter hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl im Fertigkompost als auch im fl\u00fcssigen D\u00fcnger sind PLA (Polylactid Acid, auch Polymilchs\u00e4ure genannt) und PBAT (Polybutylenadipat-terephthalat) die am h\u00e4ufigsten vorkommenden Kunststoffarten. Zahlreiche Indizien weisen darauf hin, dass sie gr\u00f6\u00dftenteils von handels\u00fcblichen bioabbaubaren M\u00fcllt\u00fcten stammen, die in den Bioabfalltonnen privater Haushalte zusammen mit den Bioabf\u00e4llen entsorgt wurden. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eIn vielen Privathaushalten in Deutschland werden heute gerne die im Handel erh\u00e4ltlichen bioabbaubaren M\u00fcllt\u00fcten und bioabbaubaren Lebensmittelfolien verwendet. Dennoch werfen unsere Forschungsergebnisse die Frage auf, ob diese Kunststoffprodukte weiterhin im bisherigen Umfang als Bioabf\u00e4lle entsorgt und auf den Fl\u00e4chen von \u00c4ckern und G\u00e4rten landen sollten. Wir k\u00f6nnen beim derzeitigen Forschungsstand nicht mit Sicherheit ausschlie\u00dfen, dass die Zerfallsprodukte \u00fcber l\u00e4ngere Zeit im Boden verbleiben und sch\u00e4dliche Wirkungen entfalten. Es ist nicht erwiesen, dass sie in allen F\u00e4llen rasch von Mikroorganismen in Kohlendioxid, Wasser und Biomasse umgewandelt werden\u201c, sagt <strong>Prof. Ruth Freitag.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong><em>Ver\u00f6ffentlichung<\/em><\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><strong><em>Thomas Steiner, Yuanhu Zhang, Julia N. M\u00f6ller, Seema Agarwal, Martin G. J. L\u00f6der, Andreas Greiner, Christian Laforsch, Ruth Freitag: Municipal biowaste treatment plants contribute to the contamination of the environment with residues of biodegradable plastics with putative higher persistence potential. Scientific Reports (2022), DOI:&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41598-022-12912-z\">https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41598-022-12912-z<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Studie der Universit\u00e4t Bayreuth zeigt: Fertigkompost aus Kompostieranlagen in Deutschland enth\u00e4lt eine gro\u00dfe Zahl von Partikeln aus bioabbaubaren Kunststoffen. Geltende Rechts- und Zertifizierungsnormen werden durch die Gr\u00f6\u00dfen und Mengen der nachgewiesenen Partikel nicht verletzt. Doch stellen die in \u201eScientific Reports\u201c ver\u00f6ffentlichten Daten den Beitrag dieser Normen zu einem effektiven Umweltschutz infrage. 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