{"id":11244,"date":"2008-10-16T00:00:00","date_gmt":"2008-10-15T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20081016-05n"},"modified":"2008-10-16T00:00:00","modified_gmt":"2008-10-15T22:00:00","slug":"oeffentliche-anhoerung-zur-freigabe-von-medizinalhanf-im-deutschen-bundestag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/oeffentliche-anhoerung-zur-freigabe-von-medizinalhanf-im-deutschen-bundestag\/","title":{"rendered":"\u00d6ffentliche Anh\u00f6rung zur Freigabe von Medizinalhanf im Deutschen Bundestag"},"content":{"rendered":"<p><b>Die medizinische Verwendung von Cannabis zur Schmerztherapie wird von Experten mehrheitlich bef\u00fcrwortet. Das wurde w\u00e4hrend einer \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rung des Gesundheitsausschusses am Mittwochnachmittag deutlich. Die Sachverst\u00e4ndigen sprachen sich zudem f\u00fcr eine \u00dcbernahme der Kosten von Cannabis-Medikamenten &#8211; wie etwa Dronabinol &#8211; durch die Gesetzlichen Krankenkassen aus. Mehrheitlich abgelehnt wurde hingegen der Vorschlag einer Freigabe des Cannabis-Anbaus. Grundlage der Anh\u00f6rung bildeten Antr\u00e4ge der Linksfraktion (16\/9749) sowie der Fraktion B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen (16\/7285).<\/b><\/p>\n<p>Selbstmedikation sowie Legalisierung und Besitz von Cannabis lehnte die Bundes\u00e4rztekammer &#8220;als nicht zielf\u00fchrend&#8221; ab. Cannabionide bed\u00fcrften einer kontrollierten Zugabe und w\u00fcrden zudem erst beim Versagen zugelassener Arzneimittel eingesetzt. Die dazu derzeit n\u00f6tige Beantragung einer Ausnahmegenehmigung wurde von der Bundes\u00e4rztekammer als &#8220;zu kompliziert und zeitaufw\u00e4ndig&#8221; kritisiert. <\/p>\n<p>Aus der Sicht von Professor Hans Rommelspacher von der Freien Universit\u00e4t Berlin gebe es erheblichen gesetzlichen Handlungsbedarf beim Einsatz von Cannabioniden. Diesen erkenne er jedoch eher in Richtung einer Kosten\u00fcbernahme der Dronabinol-Behandlung seitens der Krankenkassen. Trotz intensiver Recherche erschlie\u00dfe sich ihm im \u00dcbrigen nicht, wieso dieses Medikament so teuer sei und monatliche Kosten von 300 bis 400 Euro verursache. Auch Rommelspacher lehnte einer Freigabe des Cannabis-Anbaus ab, da dann keine medizinische \u00dcberwachung m\u00f6glich sei. <\/p>\n<p>Der Verfassungsrechtler Lorenz B\u00f6llinger von der Universit\u00e4t Bremen sprach von einem &#8220;verfassungsm\u00e4\u00dfigem Grundrecht auf Cannabis als Medizin&#8221;. &#8220;Die jetzigen Regelungen zwingen Schmerzpatienten in die Kriminalit\u00e4t&#8221;, so B\u00f6llinger. Wer die hohen Kosten f\u00fcr Dronabinol nicht aufbringen k\u00f6nne und deshalb auf die illegale Droge Cannabis zur\u00fcckgreifen m\u00f6chte, werde in eine &#8220;strafrechtliche Arena von Schwarzmarkt und Strafverfolgung&#8221; getrieben. Der Gesetzgeber d\u00fcrfe dazu nicht l\u00e4nger schweigen.<\/p>\n<p>Die kontrollierte Cannabis-Abgabe sei sowohl in den Niederlanden als auch in Kanada wegen entt\u00e4uschend geringer Inanspruchnahme gescheitert, sagte Professor Hans-Georg Kress von der Universit\u00e4t Wien. Es sei kein Grund zu erkennen, warum ein solches Projekt in Deutschland erfolgreicher sein sollte. Ziel m\u00fcsse hingegen die arzneimittelrechtliche Zulassung von Dronabinol sein. Damit w\u00fcrde man auch die Strafverfolgungsproblematik &#8220;elegant&#8221; l\u00f6sen. <\/p>\n<p>Der Berufsverband der Schmerztherapeuten unterst\u00fctzt ohne Vorbehalt die vorliegenden Antr\u00e4ge auf Erleichterung bzw. Freigabe von Cannabis zur medizinischen Behandlung. Der positive therapeutische Effekt sei belegt, hie\u00df es. Die bisher fehlende arzneimittelrechtliche Zulassung sei angesichts des derzeitigen Standes der medizinischen Forschung und den vorliegenden \u00e4rztlichen Erfahrungen &#8220;\u00fcberf\u00e4llig&#8221;. <\/p>\n<p>Solange der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Nutzungsnachweis f\u00fcr die Gabe von Cannabiszubereitungen nicht erbringe, k\u00f6nne eine Verordnung von Dronabinol nicht zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gehen, stellte deren Vertreter fest. Aufgrund vorhandener Versorgungsalternativen und fehlendem Nutzungsnachweis sei kein Versorgungsdefizit zu erkennen, hie\u00df es weiter. Ein Unterlaufen des Nutzungsnachweises f\u00fcr Cannabis-Zubereitungen lasse sich sowohl medizinisch als auch wissenschaftlich nicht begr\u00fcnden und sei daher nicht gerechtfertigt.<\/p>\n<p><b>Weiterf\u00fchrende Informationen:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/097\/1609749.pdf\" >Cannabis zur medizinischen Behandlung freigeben<\/a> (Antrag der Fraktion DIE LINKE; PDF)<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/16\/072\/1607285.pdf\" >Medizinische Verwendung von Cannabis erleichtern<\/a> (Antrag der Fraktion B\u00fcndnis90\/Die Gr\u00fcnen; PDF)<\/li>\n<li><a href=\"\" >Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die medizinische Verwendung von Cannabis zur Schmerztherapie wird von Experten mehrheitlich bef&uuml;rwortet. Das wurde w&auml;hrend einer &ouml;ffentlichen Anh&ouml;rung des Gesundheitsausschusses am Mittwochnachmittag deutlich. 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