{"id":11217,"date":"2008-10-28T00:00:00","date_gmt":"2008-10-27T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20081028-05n"},"modified":"2008-10-28T00:00:00","modified_gmt":"2008-10-27T22:00:00","slug":"jatropha-die-wunder-nuss-fuer-den-tank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/jatropha-die-wunder-nuss-fuer-den-tank\/","title":{"rendered":"Jatropha: Die Wunder-Nuss f\u00fcr den Tank?"},"content":{"rendered":"<p><b>F\u00fcr die einen ist die Jatropha-Pflanze die perfekte Quelle f\u00fcr Biotreibstoff, f\u00fcr die anderen nur ein weiterer Holzweg auf der Suche nach neuen Energielieferanten. Empa-Forscher haben \u00d6kobilanzen f\u00fcr den Anbau von Jatropha erstellt. Dabei schneidet die tropische Energiepflanze tats\u00e4chlich gut ab \u2013 aber nur, wenn sie gleich vor Ort genutzt wird und wenn man die Verarbeitungsmethoden optimiert.<\/b><\/p>\n<p>Die Jatropha-Pflanze &#8211; auf Deutsch Purgiernuss &#8211; hat im Tropeng\u00fcrtel der Erde zum Siegeszug angesetzt: Ein Wolfsmilchgew\u00e4chs, das sauberen Biotreibstoff liefern soll, ohne dass dabei die Nachteile heutiger Energiepflanzen auftreten. Im Gegensatz zu Raps, Mais, Palm\u00f6l oder Zuckerrohr ist die Purgiernuss ungeniessbar, ja sogar giftig. Damit vermeidet Jatropha den Konflikt &#8220;Tank oder Teller&#8221;, der die anderen Biotreibstoffe in Verruf gebracht hat. Zumal die Pflanze selbst dort noch wuchert, wo sonst kein Kraut mehr w\u00e4chst: Zur Not reichen ihr 300 Millimeter Regen im Jahr. Sie gedeiht auf \u00d6d- oder Brachland und nimmt somit keine Fl\u00e4chen in Beschlag, auf denen Nahrungsmittel wachsen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Zugleich steckt im Jatropha-Samen eines der hochwertigsten Pflanzen\u00f6le, das je in einem Tank gelandet ist. Eine Aufbereitung ist nicht zwingend n\u00f6tig, Motoren und Generatoren verlangen nur kleine technische Ver\u00e4nderungen, damit sie das Jatropha-\u00d6l schlucken. Angesichts dieser Chancen erlebt die Pflanze einen regelrechten Boom.<\/p>\n<p>An der Empa will die Abteilung &#8220;Technologie und Gesellschaft&#8221; herausfinden, ob Jatropha die Erwartungen erf\u00fcllen kann. Ein halbes Jahr lang nahm der Umweltwissenschaftler Simon Gm\u00fcnder, noch im Rahmen seines Zivildienstes, verschiedene Jatropha-Projekte in Indien unter die Lupe. Zum einen wird versucht, mit kleinen Kraftwerken in entlegenen Siedlungen Strom zu produzieren. Gm\u00fcnders \u00d6kobilanz gibt der Pflanze hier hervorragende Noten. Zum anderen geht es um die Frage, ob sich auch ein gro\u00dffl\u00e4chiger, intensiver Anbau der Energiepflanze lohnt. Hier bleiben aus \u00f6kologischer Sicht noch Fragezeichen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Seit April 2007 erhellen Gl\u00fchbirnen und Strassenlaternen die Nacht von Ranidehra, einem entlegenen Dorf im indischen Bundesstaat Chhattisgarh. Drei Generatoren brummen im nagelneuen Dorfkraftwerk. F\u00fcr die Treibstoffversorgung wurden 25.000 Jatropha-Setzlinge an Feldrainen und entlang von Wegen gepflanzt. Eine Filterpresse extrahiert das \u00d6l vor Ort aus den schwarzen Samenkapseln. Ranidehra hat nun immerhin f\u00fcr vier Stunden am Tag Strom.<\/p>\n<p><b>Auch Jatropha braucht Ressourcen<\/b><br \/>Doch auch die angebliche Wunderpflanze liefert ihr \u00d6l nicht zum Nulltarif. Die Setzlinge mussten in das entlegene Dorf transportiert werden, f\u00fcr das Kleinkraftwerk wurde ein Generatorenh\u00e4uschen gebaut, au\u00dferdem mussten Strukturen geschaffen werden, um das Dorfstromnetz zu verwalten. <\/p>\n<p>Bei genauerem Hinsehen ist die Purgiernuss auch nicht ganz so anspruchslos: Eine gewisse Menge Wasser und D\u00fcnger sind n\u00f6tig, um die Setzlinge zu Fr\u00fcchte tragenden B\u00fcschen hochzup\u00e4ppeln. Und obwohl die meisten Sch\u00e4dlinge Jatropha verschm\u00e4hen, m\u00fcssen sie zumindest vor Termiten gesch\u00fctzt werden. Ganz ohne Pestizide geht es also nicht. All diese Gr\u00f6\u00dfen schlagen sich in der \u00d6kobilanz nieder.<\/p>\n<p>Allein der Bau des Generatorenh\u00e4uschens geht zwangsl\u00e4ufig mit Fl\u00e4chenverbrauch und Umweltverschmutzung einher. D\u00fcngemittel und Energie waren n\u00f6tig, um das Dorfkraftwerk zum Laufen zu bringen. Dennoch scheint das Ergebnis denen Recht zu geben, die in der Pflanze gern die L\u00f6sung unserer Energieprobleme sehen. Gm\u00fcnder stellt dem Nuss-Kraftwerk von Ranidehra ein hervorragendes Zeugnis aus: &#8220;Unsere Studie zeigt: Jatropha schneidet viel besser ab als Dieselgeneratoren oder ein Anschluss des Dorfes ans nationale Stromnetz.&#8221; Das hei\u00dft: Ein Dieselaggregat, f\u00fcr das der Brennstoff m\u00fchsam per Traktor herangekarrt werden m\u00fcsste, oder ein Netzanschluss schadet der Umwelt wesentlich mehr als das mit Nuss\u00f6l befeuerte Kleinkraftwerk.<\/p>\n<p><b>Forscher schlagen Verbesserungen vor<\/b><br \/>Das Jatropha-Kraftwerk k\u00f6nnte noch wesentlich besser abschneiden. Doch bei der Samengewinnung begehen die Dorfbewohner aus \u00f6kologischer Sicht einen entscheidenden Fehler. Um an die schwarzen Kapseln zu kommen, werden die Jatropha-Fr\u00fcchte mit Dampf erhitzt; das Feuer dazu wird noch mit Holz gesch\u00fcrt. Das setzt Feinstaub frei. Deswegen kostet dieses Holzfeuer das Jatropha-Kraftwerk in Ranidehra entscheidende Punkte in der \u00d6kobilanz. Bei Verzicht auf Holzverbrennung w\u00e4re Strom aus Jatropha praktisch genauso gut wie Solarenergie.<\/p>\n<p>Das jedoch nicht, wenn die Pflanze auf Grossplantagen angebaut wird. Daf\u00fcr erstellt Gm\u00fcnder zusammen mit indischen Kollegen derzeit ebenfalls eine \u00d6kobilanz. Noch liegen nicht alle Daten vor, doch es deute sich an, so Gm\u00fcnder, dass Jatropha dabei schlechter abschneidet als im dezentralen Dorfkraftwerk in Ranidehra.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><br \/>Empa Material Science and Technology<br \/>Technologie und Gesellschaft<br \/>Simon Gm\u00fcnder<br \/>Tel.: 0041-44-823 49 37<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:simon.gmuender@empa.ch\">simon.gmuender@empa.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>F&uuml;r die einen ist die Jatropha-Pflanze die perfekte Quelle f&uuml;r Biotreibstoff, f&uuml;r die anderen nur ein weiterer Holzweg auf der Suche nach neuen Energielieferanten. 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