{"id":11209,"date":"2008-10-30T00:00:00","date_gmt":"2008-10-29T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20081030-03n"},"modified":"2008-10-30T00:00:00","modified_gmt":"2008-10-29T22:00:00","slug":"pflanzenoele-sollen-motoren-schmieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/pflanzenoele-sollen-motoren-schmieren\/","title":{"rendered":"Pflanzen\u00f6le sollen Motoren schmieren"},"content":{"rendered":"<p><b>Gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen sollen schon in wenigen Jahren hochwertige Schmierstoffe produzieren, die sich beispielsweise zum \u00d6len von Motoren einsetzen lassen. Mehr als 20 Arbeitsgruppen in 11 L\u00e4ndern arbeiten momentan daran, diese Vision umzusetzen &#8211; darunter auch Wissenschaftler der Universit\u00e4t Bonn. Das Projekt wird teilweise von der EU gef\u00f6rdert, es sind aber auch Partner aus den USA, Kanada, China und Australien eingebunden.<\/b><\/p>\n<p>Fast w\u00e4re der Pottwal zu einem fr\u00fchen Opfer der Industrialisierung geworden: Sein Sch\u00e4del enth\u00e4lt ungef\u00e4hr 2.000 Liter einer wachs\u00e4hnlichen Substanz, die sich hervorragend als Schmierstoff nutzen l\u00e4sst. Der begehrte Sch\u00e4delinhalt war einer der Gr\u00fcnde, warum die Wale erbarmungslos gejagt wurden &#8211; bis an den Rand der Ausrottung. L\u00e4ngst haben Substanzen auf Mineral\u00f6lbasis die Pottwalschmiere abgel\u00f6st. Doch heute ist die Welt wieder auf der Suche nach Alternativen, denn das Schwarze Gold wird knapp. Ersatz k\u00f6nnte aus gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen kommen: Schon in wenigen Jahren sollen sie hochwertige Schmierstoffe produzieren, die denen aus dem Pottwal-Sch\u00e4del ziemlich \u00e4hnlich sind. Mehr als 20 Arbeitsgruppen in 11 L\u00e4ndern arbeiten momentan daran, diese Vision umzusetzen &#8211; darunter auch Wissenschaftler der Universit\u00e4t Bonn. Das Projekt wird teilweise von der EU gef\u00f6rdert, es sind aber auch Partner aus den USA, Kanada, China und Australien eingebunden.<\/p>\n<p>Ohne Motoren\u00f6l liefe kein Auto, ohne Schmierfett keine Maschine. Im Vergleich zu den Erd\u00f6l-Mengen, die in Flugzeug-Triebwerken oder Kraftfahrzeug-Motoren verbrannt werden, ist der weltweite Schmierstoff-Verbrauch zwar um den Faktor zehn geringer. Doch das schwarze Gold wird langsam knapp. &#8220;Man sollte sich daher beizeiten Gedanken um nachhaltige Alternativen machen&#8221;, erkl\u00e4rt Professor Dr. Peter D\u00f6rmann. Der Forscher am Bonner Institut f\u00fcr Molekulare Physiologie und Biotechnologie der Pflanzen (IMBIO) tut genau das: Zusammen mit Kollegen aus einem knappen Dutzend L\u00e4ndern will er Pflanzen so &#8220;programmieren&#8221;, dass sie k\u00fcnftig Schmierstoffe herstellen.<\/p>\n<p>Der Ansatz ist viel versprechend. Denn schon heute produzieren viele Pflanzen Substanzen, die der aus dem Pottwalkopf ziemlich \u00e4hnlich sind: Diese so genannten Wachsester beschichten beispielsweise die Blattoberfl\u00e4chen und verhindern so eine zu starke Verdunstung. F\u00fcr die technische Nutzung ist die Menge aber viel zu gering. &#8220;Wir m\u00f6chten die Pflanzen daher dazu bringen, in ihren Samen gro\u00dfe Mengen Wachsester zu herzustellen&#8221;, erkl\u00e4rt der Koordinator des Projekts Professor Dr. Sten Stymne von der Swedish University of Agricultural Science. In \u00d6lm\u00fchlen k\u00f6nnte man die Samen dann einfach auspressen, so den begehrten Inhalt gewinnen und weiter aufreinigen.<\/p>\n<div style=\"float:right;margin-left:10px;\">\n<table border=\"0\">\n<tr>\n<td><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20081030-03\/Crambe_abyssinica0.jpg\" align=\"left\" BORDER=\"0\" ALT=\"Krambe\"\/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"font-size:10px;\" align=\"left\">Krambe<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Die Wissenschaftler wollen diese Vision mit Hilfe zweier weitl\u00e4ufiger Verwandter der Rapspflanze umsetzen. Die Samen der Krambe (<i>Crambe abyssinica<\/i>) und des Abessinischen Senfs (<i>Brassica carinata<\/i>) sind wie die des Rapses sehr \u00f6lreich. Ihr \u00d6l zersetzt sich aber bei hohen Dr\u00fccken und Temperaturen. Zum Einsatz in Motoren ist es daher nicht geeignet. Dieses Problem haben andere klassische Pflanzen\u00f6le auch. Daher m\u00fcssen die Forscher die beiden Pflanzen gentechnisch ver\u00e4ndern. &#8220;Wir setzen ihnen dazu Erbanlagen der Ackerschmalwand ein&#8221;, erkl\u00e4rt Professor Stymne. &#8220;Das ist eine andere Pflanze, die als Austrocknungsschutz an der Oberfl\u00e4che ihrer Bl\u00e4tter Wachsester produziert.&#8221;<\/p>\n<p>Aus \u00f6kologischer Sicht ist das Vorhaben der Forscher unbedenklich: Zum Einen sind Wachsester Naturprodukte, die ohnehin in zahlreichen heimischen Gew\u00e4chsen vorkommen. <i>Crambe abyssinica<\/i> und <i>Brassica carinata<\/i> k\u00f6nnen sich zudem nicht mit anderen Nutzpflanzen kreuzen. &#8220;Da die weltweit ben\u00f6tigte Schmierstoff-Menge vergleichsweise gering ist, sehen wir anders als beispielsweise beim Biodiesel auch keine gro\u00dfe Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion&#8221;, betont D\u00f6rmann. Stattdessen hoffen die Forscher auf eine deutliche Entlastung der Umwelt &#8211; und das nicht nur, weil es sich bei \u00d6lpflanzen um nachwachsende Rohstoffe handelt: &#8220;Um aus Erd\u00f6l hochwertige Schmierstoffe herzustellen, ben\u00f6tigt man viel Energie&#8221;, erkl\u00e4rt der IMBIO-Forscher. &#8220;Die Weiterverarbeitung der Wachsester ist weit weniger aufw\u00e4ndig.&#8221;<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union f\u00f6rdert das ICON (Industrial Crops producing added value Oils for Novel chemicals) genannte Projekt in den kommenden vier Jahren mit knapp 6 Millionen Euro im Rahmen des FP7-Programms.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Gentechnisch ver&auml;nderte Pflanzen sollen schon in wenigen Jahren hochwertige Schmierstoffe produzieren, die sich beispielsweise zum &Ouml;len von Motoren einsetzen lassen. Mehr als 20 Arbeitsgruppen in<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[796,797,274],"class_list":["post-11209","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-industrial-crops-producing-added-value-oils-for-novel-chemicals-icon","supplier-swedish-university-of-agricultural-science-slu","supplier-universitaet-bonn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11209"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11209\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11209"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=11209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}