{"id":11206,"date":"2008-08-04T00:00:00","date_gmt":"2008-08-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080804-03n"},"modified":"2017-12-12T11:19:41","modified_gmt":"2017-12-12T10:19:41","slug":"nova-bericht-bambus-vom-regionalen-baustoff-zum-globalen-rohstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-bericht-bambus-vom-regionalen-baustoff-zum-globalen-rohstoff\/","title":{"rendered":"nova-Bericht: Bambus &#8211; Vom regionalen Baustoff zum globalen Rohstoff"},"content":{"rendered":"<p><b>Bambus ist ein bedeutender, schnell nachwachsender Rohstoff. Vor allem in Asien hat er gro\u00dfe \u00f6kologische, \u00f6konomische und kulturelle Bedeutung; f\u00fcr etwa 1,5 Milliarden Menschen bilden Bambus und seine vielf\u00e4ltigen Anwendungsm\u00f6glichkeiten die Lebensgrundlage. Das verholzende Riesengras ist seit Jahrhunderten regionaler Lieferant von Baustoffen und Brennmaterialien &#8211; doch es hat mehr zu bieten: Als zuk\u00fcnftiger Rohstoff f\u00fcr die Industrie.<\/b><\/p>\n<p>Bambus ist ein leicht verf\u00fcgbarer und zugleich hochwertiger Rohstoff. Weltweit bedeckt er eine Fl\u00e4che von ca. 37 Millionen Hektar, davon etwa sechs Millionen in China und neun Millionen in Indien. Je Hektar k\u00f6nnen 10 bis 15 Tonnen Biomasse pro Jahr nachhaltig gewonnen werden.<\/p>\n<p>In vielen Eigenschaften ist Bambus den Harth\u00f6lzern ebenb\u00fcrtig und in seiner Z\u00e4higkeit dem Holz sogar \u00fcberlegen; durch die Hohlr\u00e4ume ist Bambus extrem leicht und elastisch. W\u00e4hrend Bambus in Asien oft als &#8220;Holz der armen Leute&#8221; gilt, ist es in Europa ein exklusiver Werkstoff im Interieur. Doch es gibt viele weitere, vor allem hochwertigere Einsatzm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Bambus und seine Bestandteile: \u00dcber alle Branchen hinweg lassen sich \u00fcber 1.000 Verwendungen f\u00fcr Bambus nachweisen. Die stoffliche Nutzung ist der energetischen, also der Verwendung als Brennmaterial, in ihrer Vielfalt weit \u00fcberlegen.<\/p>\n<p><b>Innovative Nutzungsm\u00f6glichkeiten &#8211; INBAR auf neuen Wegen<\/b><br \/><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080804-03\/Bambus_Gestell.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Bambus_Gestell.jpg\"\/>Im heutigen China ist wenig Platz f\u00fcr Althergebrachtes. Im Stadtbild der aufstrebenden Metropolen sucht man lange nach dem traditionsreichen Riesengras. Selbst in der einstigen Bambus-Hochburg Shanghai sind die klassischen Bauger\u00fcste \u00fcberwiegend durch standardisierte Stahlrohre ersetzt worden. Neubauten erhalten &#8220;Bambus&#8221;-Fassaden aus Kunststoff, der neben Detailtreue und Dauerhaftigkeit eine gro\u00dfe Produktvielfalt bietet. &#8211; Die Bambus-Branche sucht nach neuen M\u00e4rkten f\u00fcr ihre Rohstoffe.<\/p>\n<p>Diesen Strukturwandel hat INBAR, das &#8220;International Network for Bamboo and Rattan&#8221; mit Sitz in Peking, erkannt: Standen vor einigen Jahren noch biologische und z\u00fcchterische Aspekte im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten, um f\u00fcr die unterschiedlichen Standorte und f\u00fcr die differenzierten Anwendungen die jeweils optimale Bambussorte zu finden, so f\u00f6rdert man derzeit verst\u00e4rkt innovative Produkte und b\u00fcndelt deren Marketingma\u00dfnahmen.<br \/>Dar\u00fcber hinaus sieht INBAR in der Information und Organisation der Landbev\u00f6lkerung in unterentwickelten Gebieten gro\u00dfe Potenziale in allen 34 Mitgliedsstaaten. In vielen Regionen werden Bambusprodukte oft nur auf regionalen M\u00e4rkten vertrieben. Zudem werden manche Best\u00e4nde gar nicht genutzt; in der Bev\u00f6lkerung wird Bambus oftmals als &#8220;Unkraut&#8221; wahrgenommen.<\/p>\n<p>Um dieses Image aufzubessern und die Nutzung von Bambus anzuregen, hat INBAR in den letzten Jahren Trainingsprogramme entwickelt, die der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung unter anderem einfache Verfahren zur Holzkohle-Produktion und zur optimierten Energieerzeugung aus Bambus, aufzeigen.<\/p>\n<p>Holzkohle aus Bambus ist in Asien ein altbekannter Energietr\u00e4ger zum Kochen und Heizen &#8211; und ein wichtiger Energietr\u00e4ger f\u00fcr die Industrie. China exportiert j\u00e4hrlich gr\u00f6\u00dfere Mengen dieser &#8220;Charcoal&#8221; nach Japan. Die hochverdichtete Bambus-Holzkohle hat eine zweieinhalbfach h\u00f6here Brenndauer als herk\u00f6mmliche Holzkohle. Aus diesem Markt heraus werden seit einigen Jahren neue, h\u00f6herwertige Anwendungen erschlossen, beispielsweise Filtersysteme f\u00fcr die Industrie oder zur Wasseraufbereitung, desodorierende Mittel oder hochwertige Zeichenkohle.<\/p>\n<p>Bambus-Pellets sind nicht nur preislich eine konkurrenzf\u00e4hige Alternative zu Brennholz: Bambus hat bei gleicher Rohdichte den dreifachen Energiegehalt. Der globale Markt w\u00e4chst rapide; die Nachfrage stieg allein in den Niederlanden und in Gro\u00dfbritannien in zwei Jahren von null auf \u00fcber eine Million Tonnen.<\/p>\n<p>Das prim\u00e4re Verbrennen von Bambus sollte jedoch \u00e4hnlich wie bei Holz kritisch betrachtet werden &#8211; in der Regel bietet die stoffliche Nutzung, bzw. die Herstellung hochwertiger Produkte, eine wesentlich h\u00f6here Wertsch\u00f6pfung. Im Sinne einer Kaskadennutzung kann am Ende des Produktlebens immer noch die thermische Verwertung stehen. Zudem beeinflussen Prozess- und Transportemissionen die \u00d6kobilanz und die vermeidbare CO<sub>2<\/sub>-neutrale Verbrennung negativ. Im d\u00f6rflichen Bereich gibt es aber oftmals keine Alternative; man muss auf kurzfristig verf\u00fcgbares Material zum Kochen oder Heizen zugreifen.<\/p>\n<p>Die Nutzung von Bambus als Nahrungsmittel (vor allem Bambussprossen) bietet eine lukrative Einnahmequelle und ist eine interessante Thematik, die aber an dieser Stelle nicht weiter ausgef\u00fchrt werden soll. Zu den Prim\u00e4r-Produkten, die aus Bambus regional und mit einfachen Produktionsmitteln hergestellt werden k\u00f6nnen, z\u00e4hlen Baustoffe und kleinteilige Konsumg\u00fcter wie Stifte, R\u00e4ucherst\u00e4bchen und Streichh\u00f6lzer sowie Musikinstrumente oder Handwerkskunst.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080804-03\/Bambus_Propeller.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Bambus_Propeller.jpg\"\/><b>Bambus im Bau und Innenausbau &#8211; belastbar und dekorativ<\/b><br \/>Die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung hat Bambus traditionell als universaler Baustoff. Die Verwendung reicht von tempor\u00e4ren Bauten und dem Hausbau \u00fcber den M\u00f6belbau bis hin zu technischen Konstruktionen wie Br\u00fccken. Als konstruktives Baumaterial sind ma\u00dfhaltige Bambusstangen mit einem der Anwendung entsprechenden Durchmesser erforderlich. Um die h\u00e4ufige Rissbildung zu minimieren, muss das altersgerecht geerntete Material zeitaufw\u00e4ndig und schonend getrocknet werden. Je nach Verwendung wird das Rohr zu Streifen geschnitten (was auch die Rissbildung minimiert), geschliffen, weiterverarbeitet und gegebenenfalls oberfl\u00e4chenbehandelt.<\/p>\n<p>Einen ebenfalls bedeutenden neuen Markt f\u00fcr die Bambus-Erzeuger nehmen die Plattenwerkstoffe ein. Die Produkte sind nur etwa halb so teuer wie die konkurrierenden Holzwerkstoffe. Wegen seiner hohen Stabilit\u00e4t und Festigkeit ist Bambus ein idealer Werkstoff f\u00fcr verleimte Platten und OSB (Oriented Strand Board). Seit vielen Jahren wird Bambus-Sperrholz produziert. Es wird in gro\u00dfen Mengen zur Beplankung von LKW eingesetzt. Im konstruktiven Ingenieurbau werden derzeit neue Wege in punkto Erdbeben-Sicherheit mittels Bambuselementen beschritten. Tempor\u00e4re Bauten und filigrane Konstruktionen werden trotz strenger baurechtlicher Vorgaben zunehmend h\u00e4ufiger realisiert. Geringes Gewicht bei zugleich hoher Zugfestigkeit sind bei allen High-Tech-Anwendungen die technisch und wirtschaftlich kaum kopierbaren Pluspunkte des Bambus.<\/p>\n<p>Bambusparkett ist seit nunmehr 20 Jahren auf dem Markt erh\u00e4ltlich. Das Bambusrohr wird dazu der L\u00e4nge nach gespalten und die Streifen werden zu Platten verleimt. Die Nachfrage nach solchem Parkett ist auf Grund der guten gestalterischen und technologischen Eigenschaften weltweit angestiegen. Eine Weiterentwicklung stellt das &#8220;Parkett der zweiten Generation&#8221; dar: Es besteht aus verdichtetem Bambus mit einem Harzsystem als Bindemittel, so dass ein strapazierf\u00e4higes Material mit einer optisch reizvollen Oberfl\u00e4che entsteht. Das Produkt hat eine vergleichsweise hohe Dichte von 1.100 kg\/m<sup>3<\/sup> (Bambusrohstoff: 600-800 kg\/m<sup>3<\/sup>) und wird neben dem Parkett auch als Terrassenbodenbelag angeboten. Die Produktqualit\u00e4t ist laut Importeur vergleichbar zu tropischem Hartholz.<\/p>\n<p>Matten, K\u00f6rbe und Gef\u00e4\u00dfe werden aus schmalen, furnier\u00e4hnlichen Streifen verschiedener Bambusarten geflochten. Mit Hilfe von Garnen k\u00f6nnen diese Streifen auch zu Bodenbel\u00e4gen oder Jalousien verbunden werden; sie sind hart wie Holz und lassen sich wie ein Gewebe zusammenrollen.<\/p>\n<p>Weiteres Substitutionspotenzial f\u00fcr Bambus liegt bei Zeichenstiften: Durch die Knappheit von Holz erschienen vor einigen Jahren die ersten Plastikstifte &#8211; jedoch \u00e4u\u00dferten 80% der marktf\u00fchrenden Unternehmen ein gr\u00f6\u00dferes Interesse an Holzprodukten; sie fanden im Bambus eine sichere Alternative. Da die Bambusstifte dieselbe Form und Funktion wie ihre h\u00f6lzernen Vorg\u00e4nger haben, wurden sie sogleich vom Verbraucher angenommen.<\/p>\n<p><b>Textilien aus Bambus &#8211; mehr Schein als Sein<\/b><br \/>In j\u00fcngster Zeit werden unter anderem in Deutschland verst\u00e4rkt Bambus-Textilien (woven bamboo) angeboten. Hersteller solcher Textilien bewerben diese inzwischen auf fast jeder Messe und Diskounter haben die Produkte im Sortiment. In der Regel liegt hier jedoch eine Irref\u00fchrung der Verbraucher vor: &#8220;Seit einiger Zeit sind Produkte, insbesondere Str\u00fcmpfe, auf dem Markt, die mit der Aufschrift \u201aBambus &#8211; die neue innovative Naturfaser\u2019 oder \u00e4hnlichem versehen sind; in Wahrheit wird jedoch eine Viskose verwendet, die allenfalls aus Bambus gewonnen wurde, jedoch aufgrund des chemischen Herstellungsprozesses als Chemiefaser zu qualifizieren ist,&#8221; kl\u00e4rt die Verbraucherzentrale Berlin e.V. auf, und ruft zur &#8220;Bek\u00e4mpfung irref\u00fchrender Materialbezeichnungen bei Textilien&#8221; auf.<\/p>\n<p>Dr. Jinhe Fu (INBAR) best\u00e4tigte diese Praxis der irref\u00fchrenden Produktkennzeichnung. &#8220;Nat\u00fcrliche Bambusfasern kommen lediglich f\u00fcr grobe Textilien in Frage.&#8221;. Dies liegt an der Struktur und an der f\u00fcr die meisten Verarbeitungsverfahren nicht ausreichenden L\u00e4nge der Fasern. Die Werbeaussagen, nach denen diesen &#8220;Bambus&#8221;\/Viskose-Fasern antibakterielle Eigenschaften zugesprochen werden, sind ebenfalls nicht wissenschaftlich begr\u00fcndbar. Das positive Image von Bambus tr\u00e4gt offenbar ma\u00dfgeblich zu diesen fragw\u00fcrdigen Entwicklungen bei konsumentennahen Textilien bei. (Hinweis: Weitere Informationen zu diesem brisanten Thema finden Sie auf den Webseiten der <a href=\"http:\/\/www.bambus-deutschland.de\/\" >European Bamboo Society Sektion Deutschland e.V.<\/a> und bei der <a href=\"http:\/\/www.verbraucherzentrale-berlin.de\/\" >Verbraucherzentrale Berlin e.V.<\/a>)<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080804-03\/Bambus_Spritzguss.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Bambus_Spritzguss.jpg\"\/><b>Bambus als F\u00fcll- und Verst\u00e4rkungsstoff<\/b><br \/>Bambus l\u00e4sst sich gut mit anderen Werkstoffen kombinieren. Als hochwertige Fasern mit einem g\u00fcnstigen L\u00e4ngen-Dicken-Verh\u00e4ltnis wirkt Bambus verst\u00e4rkend, beispielsweise in Kombination mit Kunststoffen, als Schleifst\u00e4ube (z.B. Reststoffe der Plattenfertigung) wirkt er versteifend. In jedem Fall wird erwartet, dass die Zugabe von Naturstoffen zu einem stabileren, erd\u00f6lunabh\u00e4ngigeren Preis der Kunststoff-Compounds f\u00fchrt. Diese Produkte sind seit einigen Jahren erfolgreich am Markt eingef\u00fchrt; in Asien werden sie unter der Bezeichnung &#8220;Wood-Plastic-Composites&#8221; (WPC) gehandelt (was allerdings irref\u00fchrend ist, da WPC in den USA und Europa gew\u00f6hnlich mit Nadelholzfasern gef\u00fcllt\/ verst\u00e4rkt sind). Speziell aufbereitete Bambusfasern k\u00f6nnten in der zuk\u00fcnftigen Werkstoffentwicklung, besonders in Kombination mit Biokunststoffen, weitere Marktanteile \u00fcbernehmen. Auch im Beton k\u00f6nnen gr\u00f6\u00dfere Mengen der Bambusfasern als preiswerter Zuschlag und Faserverst\u00e4rkung eingesetzt werden. Versuche in Asien und Europa verliefen erfolgversprechend. Der Markt f\u00fcr solche innovativen Biowerkstoffe verzeichnet bereits jetzt Wachstumsraten von j\u00e4hrlich bis zu 50 Prozent.<\/p>\n<p><b>Potenziale in der Biotechnologie \u2013 Chemische Grundstoffe aus Bambus<\/b><br \/>Moderne Biotechnologie ist ein wichtiges Standbein zur Sicherung der Rohstoffbasis f\u00fcr die Chemische Industrie und die Pharmazie. Gerade in Zeiten teurer werdender Produkte auf Erd\u00f6lbasis stellen komplexe, biobasierte Grundstoffe eine \u00f6konomische Alternative dar.<\/p>\n<p>Z\u00e4hlt man die Zellstoffgewinnung mit zur Biotechnologie, so ist Bambus dort l\u00e4ngst als Massenprodukt angekommen: Bambus wird seit Jahrzehnten in erheblichem Umfang in der asiatischen und s\u00fcdamerikanischen Zellstoff- und Papierindustrie eingesetzt. Der Anteil des Bambus wird zwar global gesehen und relativ zum Einsatz von Holz als r\u00fcckl\u00e4ufig bewertet, denn der schnellwachsende Eukalyptus und die langfaserigen Kieferngeh\u00f6lze liefen wirtschaftliche Vorteile f\u00fcr die Industrie, China wird dennoch vor allem auf Grund der riesigen (Binnen-) Nachfrage und begrenzter Holzvorr\u00e4te weiterhin auf Bambus setzen.<\/p>\n<p>Bambuskampfer (Bambuszucker, Tabachir) ist ein weiterer chemischer Grundstoff, der sich als Konkretion aus der w\u00e4ssrigen L\u00f6sung in einzelnen Bambusarten entwickelt. Der Stoff bildet in den Internodien der Pflanze unregelm\u00e4\u00dfige, erbsengro\u00dfe, wei\u00df-gelbliche oder br\u00e4unliche, opalartig durchscheinende Ablagerungen. Sie k\u00f6nnen leicht in Handarbeit aus dem gespaltenen Halm gekratzt werden und stellen ein Zusatzeinkommen f\u00fcr die Bambus-Besitzer dar. Bambuskampfer wird in der chinesischen Medizin aber auch als Poliermittel eingesetzt.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080804-03\/Bambus_Kosmetik.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Bambus_Kosmetik.jpg\"\/>Weitere chemische Grundstoffe, vor allem Flavonoide, werden aus den Bambusbl\u00e4ttern gewonnen. Flavonoide kommen in vielf\u00e4ltigen Strukturen in praktisch allen Nahrungspflanzen vor. Die meisten Flavonoide sind an Glukose oder Rhamnose gebunden und wirken als Antioxidantien. Viele der Wirkfunktionen sind jedoch noch unerforscht, hier wird im Rahmen der Biotechnologie-Offensive ein gro\u00dfes Potenzial gesehen. Vor allem die Kosmetikindustrie hat die Vorteile aufgegriffen und setzt flavonoidhaltige Pflanzenausz\u00fcge vermehrt in Antifalten- oder Sonnencremes ein, kombiniert mit Vitaminen. In Deutschland sind au\u00dferdem K\u00f6rperpflegeartikel (Duschgel, Seife, Badezusatz etc.) und Arzneimittel mit solchen Inhaltsstoffen auf dem Markt.<\/p>\n<p>Wirtschaftlich erfolgreich ist der Einsatz von feinem Bambuspulver (oder \u2013fasern) als Zuschlag f\u00fcr Lebensmittel. Der Ballaststoffgehalt liegt bei \u00fcber 98% und die Bambuserzeugnisse sind auf Grund ihres neutralen Geschmacks und ihres inerten Charakters besonders geeignet; sie bieten sowohl die ern\u00e4hrungsphysiologische (z.B. Ballaststoffanreicherung, Kalorienreduktion) als auch technologische (z.B. Texturverbesserung, Wasserbindung) Vorz\u00fcge von Ballaststoffkonzentraten und lassen sich daher vielseitig in der Produktentwicklung einsetzen. Zwar ist dies in Deutschland nicht zugelassen, insbesondere in den USA und Kanada sowie im asiatischen Raum wird es aber f\u00fcr verschiedene Nahrungsmittel und \u2013erg\u00e4nzungsmittel eingesetzt, beispielsweise in Fruchts\u00e4ften sowie in Gew\u00fcrzen, Tabletten, Backwaren und So\u00dfen.<\/p>\n<p><b>Bambus als industrielles Wirtschaftsgut &#8211; die zwei Seiten der Medaille<\/b><br \/>Der Anbau von Bambus und die Verarbeitung zu Handelsg\u00fctern sind &#8211; neben der Ernte von Bambussprossen &#8211; in \u00e4rmeren, l\u00e4ndlichen Regionen eine der wichtigsten Besch\u00e4ftigungsfaktoren und oftmals die einzige Existenzgrundlage. Eine industrielle Nutzung kann diese Einkommen dauerhaft sichern und ausweiten, wenn weiterhin die Ernte von Hand und die Erstverarbeitung bei Betrieben vor Ort erfolgen.<\/p>\n<p>Die Zukunft ist jedoch ungewiss, denn das schnelle Wachstum des Bambus und die Nachfrage nach gro\u00dfen Mengen er\u00f6ffnet (\u00fcber die traditionelle Bewirtschaftung hinaus) die maschinenintensive Kultivierung auf Kurzumtriebs- und Gro\u00dfplantagen, auch durch ausl\u00e4ndische Investoren, die entsprechend gewinnoptimiert agieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Problematisch ist der Trend von handwerklichen Nutzungsm\u00f6glichkeiten hin zu einer industriellen Verarbeitung. Schwinden die M\u00e4rkte f\u00fcr Flechtwerk und Korbwaren, geht in vielen Familien das Einkommen der Frauen verloren. Sie sind es meist, die derzeit in Heimarbeit bei flexibler Zeiteinteilung und bei nur geringer Kapitalinvestition die Weiterverarbeitung von Bambushalmen zu Flechtwerk \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Eine weitere negative Folge der gesteigerten industriellen Nutzung k\u00f6nnte sein, dass dies zu einem \u00f6rtlichen Mangel an Rohstoff und Brennmaterial f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung f\u00fchren wird. Dass aber &#8211; gemessen an Bodenqualit\u00e4t und Niederschlagsmenge &#8211; global gen\u00fcgend Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr eine Ausweitung derzeitiger und zuk\u00fcnftiger Produktionsmengen zur Verf\u00fcgung stehen, hat Dr. Fu (INBAR) bereits im Jahr 2006 f\u00fcr den wirtschaftlich bedeutenden Moso-Bambus nachgewiesen.<\/p>\n<p>In wieweit diese Fl\u00e4chen tats\u00e4chlich f\u00fcr Bambus aktiviert werden, h\u00e4ngt wiederum von den konkurrierenden Nutzungsm\u00f6glichkeiten ab: Bei den derzeitigen globalen Preisentwicklungen von Nahrungsmitteln (und pflanzlichen Energietr\u00e4gern) ist zu erwarten, dass bestehende Bambusvorkommen durch andere Kulturpflanzen mit \u00e4hnlichen Anforderungen an Klima und Boden verdr\u00e4ngt werden. Vor allem Zuckerrohr- und Ananasplantagen bieten schon heute den Landwirten einen schnelleren und h\u00f6heren Ertrag. H\u00fcgeliges Gel\u00e4nde ist jedoch f\u00fcr diese Plantagen kaum geeignet, so dass der Bambus sich hier Refugien sichern kann.<\/p>\n<p>Regional ist zu beobachten, dass Bambusw\u00e4lder der wachsenden Tourismusbranche weichen m\u00fcssen, beispielsweise auf Bali, und au\u00dferdem den wachsenden St\u00e4dten und Industrieansiedlungen geopfert werden.<\/p>\n<p>Sogar (S\u00fcd-)Europa ist prinzipiell als Standort f\u00fcr Bambus geeignet. Seit den ersten Anpflanzungen im fr\u00fchen 19. Jahrhundert begeistern die vielf\u00e4ltigen Arten zahlreiche Landschafts- und Hobbyg\u00e4rtner. Das Forschungsprojekt &#8220;Bamboo for Europe&#8221; der Europ\u00e4ischen Union (1996-1999) kam aber zu dem Ergebnis, dass die arbeits- und bew\u00e4sserungsintensive Bambuskultivierung und -ernte hier nicht mit den internationalen M\u00e4rkten konkurrenzf\u00e4hig und damit unter den derzeitigen Bedingungen nicht wirtschaftlich durchzuf\u00fchren ist. Der \u00f6kologische Nutzen von Bambus w\u00e4re allerdings auch f\u00fcr Europa ein Gewinn.<\/p>\n<p><b>Danksagung<\/b><br \/>Gro\u00dfer Dank geb\u00fchrt den Bambusexperten, die diesen Beitrag mit wertvollen Hinweisen erg\u00e4nzt haben. Allen voran danken wir dem &#8220;Grandfather of Bamboo&#8221; Professor em. Dr. Walter Liese (Zentrum Holzwirtschaft der Universit\u00e4t Hamburg) f\u00fcr seine zahlreichen Korrekturen und Erg\u00e4nzungen. Dank geb\u00fchrt auch Christoph T\u00f6nges (Conbam, Geilenkirchen) f\u00fcr bautechnische Details und Bildmaterial sowie Dr. Jinhe Fu (INBAR, Peking) f\u00fcr seine Informationen.<\/p>\n<p><b>Kontakt zu den Autoren<\/b><br \/>Dipl.-Gwl. Christian Gahle, Jahrgang 1976, studierte nach einer Ausbildung zum Tischler und Berufserfahrung in S\u00fcdamerika Bau- und Holztechnik an der RWTH Aachen. Er leitet heute die Abteilung &#8220;Biowerkstoffe&#8221; im nova-Institut, H\u00fcrth, mit Schwerpunkten in Markt- und Machbarkeitsstudien zu Naturfaserverst\u00e4rkten Kunststoffen, Biokunststoffen und innovativen Holzwerkstoffen.<\/p>\n<p>Alexandra Brunnert, Jahrgang 1982, studiert Holztechnik an der RWTH Aachen und arbeitet als studentische Mitarbeiterin in der Abteilung &#8220;Biowerkstoffe&#8221; im nova-Institut, H\u00fcrth. Sie betreut den <a href=\"http:\/\/www.biowerkstoff.info\/\" >Branchenf\u00fchrer Innovative Biowerkstoffe<\/a>.<\/p>\n<p>nova-Institut GmbH<br \/>Chemiepark Knapsack<br \/>Industriestra\u00dfe<br \/>50354 H\u00fcrth<br \/>Tel. +49(0)2233 \u2013 4814-40<br \/>Fax +49(0)2233 \u2013 4814-50<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:contact@nova-Institut.de\">contact@nova-Institut.de<\/a><br \/>Internet: <a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/nr\" >www.nova-institut.de\/nr<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Bambus ist ein bedeutender, schnell nachwachsender Rohstoff. 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