{"id":111912,"date":"2022-07-06T07:09:00","date_gmt":"2022-07-06T05:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=111912"},"modified":"2022-06-30T12:23:14","modified_gmt":"2022-06-30T10:23:14","slug":"wahrend-die-agrarforderung-rekordniveau-erreicht-bleiben-reformen-zum-klimaschutz-und-gegen-marktverzerrungen-unerlasslich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wahrend-die-agrarforderung-rekordniveau-erreicht-bleiben-reformen-zum-klimaschutz-und-gegen-marktverzerrungen-unerlasslich\/","title":{"rendered":"W\u00e4hrend die Agrarf\u00f6rderung Rekordniveau erreicht, bleiben Reformen zum Klimaschutz und gegen Marktverzerrungen unerl\u00e4sslich"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p><strong>Die \u00f6ffentliche Agrarf\u00f6rderung hat ein Rekordniveau erreicht. Hintergrund sind die staatlichen Ma\u00dfnahmen, um Verbraucher:innen und Erzeuger:innen vor den Auswirkungen der Coronapandemie und anderer Krisen zu sch\u00fctzen, so das Ergebnis einer neuen OECD-Studie. Nur ein geringer Teil dieser St\u00fctzungsma\u00dfnahmen flie\u00dft in l\u00e4ngerfristige Bem\u00fchungen zur Bew\u00e4ltigung des Klimawandels und anderer Herausforderungen in den Nahrungsmittelsystemen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/agriculture\/topics\/agricultural-policy-monitoring-and-evaluation\/\"><strong>Agricultural Policy Monitoring and Evaluation 2022<\/strong><\/a>&nbsp;zeigt, dass die 54 untersuchten L\u00e4nder \u2013 darunter alle OECD- und EU-L\u00e4nder sowie elf wichtige aufstrebende Volkswirtschaften \u2013 im Zeitraum 2019-2021 im Schnitt 817&nbsp;Mrd. US-Dollar j\u00e4hrlich f\u00fcr die F\u00f6rderung der Landwirtschaft bereitgestellt haben. Das ist ein Zuwachs um 13&nbsp;Prozent gegen\u00fcber den f\u00fcr den Zeitraum 2018-2020 ausgewiesenen 720&nbsp;Mrd. US-Dollar. Die St\u00fctzungsma\u00dfnahmen sind in den OECD-L\u00e4ndern auf hohem Niveau geblieben und in den elf aufstrebenden Volkswirtschaften deutlich gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar kommt auch den Verbraucher:innen ein Teil der F\u00f6rderung zugute, 611&nbsp;Mrd.&nbsp;US-Dollar j\u00e4hrlich entfielen im Zeitraum 2019-2021 jedoch auf die Unterst\u00fctzung der einzelnen Erzeuger:innen. Das entspricht 17&nbsp;Prozent der Bruttoeinnahmen der Landwirtschaft im OECD-Raum bzw. 13&nbsp;Prozent der Einnahmen in den elf aufstrebenden Volkswirtschaften. Mehr als die H\u00e4lfte dieser Erzeugerst\u00fctzung (317&nbsp;Mrd.&nbsp;US-Dollar j\u00e4hrlich) wurde \u00fcber die von den Verbraucher:innen gezahlten h\u00f6heren Marktpreise erbracht, der Rest (293&nbsp;Mrd.&nbsp;US-Dollar j\u00e4hrlich) \u00fcber steuerfinanzierte Haushaltstransfers.<\/p>\n\n\n\n<p>Demgegen\u00fcber werden die Preise bestimmter oder sogar aller Agrarerzeugnisse in einigen wenigen aufstrebenden Volkswirtschaften durch Politikma\u00dfnahmen gedr\u00fcckt. Dadurch kommt es zu einem umgekehrten Transfer in H\u00f6he von 117&nbsp;Mrd.&nbsp;US-Dollar j\u00e4hrlich zu Lasten der Agrarproduzent:innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn der Umfang der St\u00fctzungsma\u00dfnahmen insgesamt gestiegen ist, ist der Anteil der allgemeinen Dienstleistungen f\u00fcr die Landwirtschaft wie Innovationen, biologische Sicherheit oder Infrastruktur 2019-2021 auf 13&nbsp;Prozent der F\u00f6rderung f\u00fcr den Sektor gesunken. 20&nbsp;Jahre zuvor hatte er noch bei 16&nbsp;Prozent gelegen. Diese Dienstleistungen sind entscheidend, um ein h\u00f6heres nachhaltiges Produktivit\u00e4tswachstum zu erzielen und damit die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft zu verringern. Die Studie hebt hervor, dass der Agrarsektor im Hinblick auf den Klimawandel vor einer komplexen Herausforderung steht: Er ist einerseits sehr anf\u00e4llig gegen\u00fcber dessen Effekten, andererseits verursacht er selbst einen hohen Treibhausgasaussto\u00df, hat aber auch das Potenzial, CO<sub>2<\/sub>&nbsp;aus der Atmosph\u00e4re zu binden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie \u00f6ffentliche Agrarf\u00f6rderung hat ein Rekordniveau erreicht, aber der Anteil der f\u00fcr die Steigerung eines nachhaltigen Produktivit\u00e4tswachstums bereitgestellten Mittel ist gesunken\u201c, so die&nbsp;<strong>Leiterin der OECD-Direktion Handel und Landwirtschaft Marion Jansen<\/strong>. \u201eDas ist kein gutes Signal. Das nachhaltige Produktivit\u00e4tswachstum muss deutlich gesteigert werden, um die Herausforderungen zu bew\u00e4ltigen, mit denen sich die Nahrungsmittelsysteme konfrontiert sehen, und zugleich die Emissionen des Agrarsektors auf Kurs zu halten, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erf\u00fcllen. Ich gehe davon aus, dass diese Herausforderung bei der n\u00e4chsten OECD-Tagung der Agrarminister:innen im November weit oben auf der Tagesordnung stehen wird.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Da die russische Invasion in der Ukraine erhebliche Auswirkungen auf die M\u00e4rkte f\u00fcr Lebens-, Futter- und D\u00fcngemittel sowie Energie hat, werden die Politikverantwortlichen die Auswirkungen auf Niedrigeinkommensl\u00e4nder und Verbraucher:innen wachsam im Auge behalten m\u00fcssen. Mehrere L\u00e4nder setzen bereits politische Ma\u00dfnahmen um, die den aufkommenden Druck auf die Erzeuger:innen und Verbraucher:innen abfedern sollen. W\u00e4hrend einige Ma\u00dfnahmen, beispielsweise die Reduzierung von Einfuhrbeschr\u00e4nkungen, die Nahrungsmittelversorgung verbessern, sind andere unter Umst\u00e4nden kontraproduktiv. Ausfuhrbeschr\u00e4nkungen treiben die Preise in die H\u00f6he und verknappen das Angebot und sollten daher vermieden beziehungsweise z\u00fcgig abgebaut werden. Die Lockerung von Umweltauflagen, um die inl\u00e4ndische Produktion anzukurbeln, k\u00f6nnte laut der Studie zudem prozyklische Effekte haben und zu Lasten der Nachhaltigkeit gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die heutigen kurzfristigen Reaktionen auf die weltweiten Krisen hinaus muss die Agrarpolitik die gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen bew\u00e4ltigen und zugleich langfristige Reformen zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels unterst\u00fctzen. Von den 54 in der Studie untersuchten L\u00e4ndern haben nur 16 landwirtschaftsspezifische Emissionsreduktionsziele festgelegt, die die Bem\u00fchungen zur Emissionsminderung unterst\u00fctzen und die Fortschritte messen k\u00f6nnen. Dabei verf\u00fcgen die L\u00e4nder \u00fcber zahlreiche M\u00f6glichkeiten, die Emissionen im Agrarsektor&nbsp; st\u00e4rker und rascher zu senken, beispielsweise durch die \u00dcberarbeitung bestehender Ma\u00dfnahmen, die den Treibhausgasaussto\u00df wom\u00f6glich erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie schl\u00e4gt einen Sechs-Punkte-Plan vor, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und zugleich allgemeinere Ziele des Nahrungsmittelsystems im Zusammenhang mit Ern\u00e4hrungssicherheit, Sicherung der Existenzgrundlagen und Nachhaltigkeit zu erreichen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Schrittweiser Abbau von Marktpreisst\u00fctzung und Zahlungen, bei denen das Risiko gro\u00df ist, dass sie die Umwelt belasten sowie die M\u00e4rkte und den Handel verzerren<\/li><li>Neuausrichtung von Finanzhilfen, um \u00f6ffentliche G\u00fcter und wichtige allgemeine Dienstleistungen bereitzustellen und damit die Ergebnisse des Agrarsektors zu verbessern<\/li><li>Ausrichtung der Leistungen zur Einkommensst\u00fctzung auf die bed\u00fcrftigsten Haushalte<\/li><li>Verbesserung des Instrumentariums, das die Resilienz in einer von vielf\u00e4ltigen Risiken und zunehmenden Extremwetterereignissen gepr\u00e4gten Welt gew\u00e4hrleisten soll<\/li><li>Einf\u00fchrung eines effektives Preissystems f\u00fcr Treibhausgasemissionen des Agrarsektors, um Anreize f\u00fcr den \u00dcbergang zu einer emissionsarmen Landwirtschaft zu schaffen<\/li><li>Entwicklung eines Ma\u00dfnahmenpakets zur deutlichen Emissionsminderung in dem Sektor bzw. \u00fcberall dort, wo die Landwirtschaft nicht in die allgemeine CO<sub>2<\/sub>-Bepreisung oder ein gleichwertiges System eingebunden ist beziehungsweise diese erg\u00e4nzt<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcber die Studie<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die j\u00e4hrlich erscheinende OECD-Studie&nbsp;<strong>Agricultural Policy Monitoring and Evaluation<\/strong>&nbsp;enth\u00e4lt aktuelle Sch\u00e4tzungen zur staatlichen Agrarf\u00f6rderung f\u00fcr alle 38 OECD-Mitgliedsl\u00e4nder und die Europ\u00e4ische Union als Ganzes sowie wichtige aufstrebende Volkswirtschaften.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Weiterf\u00fchrende Informationen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/agriculture\/topics\/agricultural-policy-monitoring-and-evaluation\/\">OECD-Themenseite zu Monitoring und Evaluierung der Agrarpolitik<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die OECD ist ein globales Forum, das mit \u00fcber 100 L\u00e4ndern zusammenarbeitet. Sie tritt ein f\u00fcr eine Politik, die die individuellen Freiheiten wahrt und das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen der Menschen weltweit f\u00f6rdert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00f6ffentliche Agrarf\u00f6rderung hat ein Rekordniveau erreicht. Hintergrund sind die staatlichen Ma\u00dfnahmen, um Verbraucher:innen und Erzeuger:innen vor den Auswirkungen der Coronapandemie und anderer Krisen zu sch\u00fctzen, so das Ergebnis einer neuen OECD-Studie. Nur ein geringer Teil dieser St\u00fctzungsma\u00dfnahmen flie\u00dft in l\u00e4ngerfristige Bem\u00fchungen zur Bew\u00e4ltigung des Klimawandels und anderer Herausforderungen in den Nahrungsmittelsystemen. 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