{"id":111648,"date":"2022-06-30T07:35:00","date_gmt":"2022-06-30T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=111648"},"modified":"2022-06-23T14:50:29","modified_gmt":"2022-06-23T12:50:29","slug":"sind-biokunststoffe-eine-scheinlosung-fur-die-plastikkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/sind-biokunststoffe-eine-scheinlosung-fur-die-plastikkrise\/","title":{"rendered":"Sind Biokunststoffe eine Scheinl\u00f6sung f\u00fcr die Plastikkrise?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"457\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/06\/Bildschirmfoto-2022-06-23-um-14.40.18-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-111661\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/06\/Bildschirmfoto-2022-06-23-um-14.40.18-1.png 700w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/06\/Bildschirmfoto-2022-06-23-um-14.40.18-1-300x196.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/06\/Bildschirmfoto-2022-06-23-um-14.40.18-1-150x98.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/06\/Bildschirmfoto-2022-06-23-um-14.40.18-1-400x261.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Lenken Biokunststoffe von den tats\u00e4chlichen L\u00f6sungen im Kampf gegen die Plastikkrise ab? So der Tenor des BUND<a href=\"https:\/\/www.bund.net\/fileadmin\/user_upload_bund\/publikationen\/chemie\/chemie_biokunststoffe_hintergrund.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> in seinem aktuellen Papier \u201e\u201eBio\u201c-Kunststoffe\u201c<\/a> von Mai 2022. Nein, nicht Biokunststoffe sind das Problem! Statt sie in den Fokus zu nehmen, m\u00fcssen im Rahmen der Kreislaufwirtschaft Mehrwegl\u00f6sungen und Recycling forciert und unn\u00f6tiger Einsatz von Kunststoffen vermieden werden \u2013 und zwar f\u00fcr alle Kunststoffsorten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der BUND positioniert sich in seinem aktuellen Papier wie folgt zu Biokunststoffen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Ihre Rohstoffe stammen nicht aus \u00f6kologischer Landwirtschaft, sondern werden in \u00dcbersee angebaut.<\/li><li>Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen f\u00fcr die Biokunststoffproduktion werde zu einer immer gr\u00f6\u00dferen Konkurrenz um die vorhandenen Ackerfl\u00e4chen f\u00fchren. Reststoffe einzusetzen sei insofern problematisch, als dass ihr Verbleib auf den Feldern f\u00fcr die Bodenkultur notwendig sei.<\/li><li>Bei der Gruppe der bioabbaubaren Kunststoffe sei die versprochene Abbaubarkeit real nicht gegeben.<\/li><li>In Biokunststoffen enthaltene Additive h\u00e4tten problematische human- und \u00f6kotoxikologische Auswirkungen. Dies spiele insbesondere eine Rolle, da Biokunststoffe bei vermehrtem Einsatz auch zunehmend in die Umwelt gelangen w\u00fcrden.<\/li><li>Chemisch neuartige Biokunststoffe seien derzeit nur theoretisch recycelbar, da die Mengen f\u00fcr das Recycling innerhalb bestehender Anlagen nicht ausreichten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Als unabh\u00e4ngiges Forschungsinstitut setzt sich das IfBB immer wieder mit der Diskussion um Biokunststoffe auseinander und teilt einige der Aspekte durchaus. Dennoch sollten laut IfBB im Kampf gegen die Plastikkrise die folgenden Punkte im Vordergrund stehen:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ungenutzte Reststoffe nutzen und die regionale Kreislaufwirtschaft f\u00f6rdern!<\/h3>\n\n\n\n<p>Um den Bedarf von Agrarrohstoffen f\u00fcr Biokunststoffe m\u00f6glichst gering zu halten, kommen immer mehr Reststoffe zum Einsatz, die sonst vielfach ungenutzt blieben, bspw. Stroh, Holzreste, Hanf- oder Flachsstaub, Ernter\u00fcckst\u00e4nde, Obstkerne, Gem\u00fcse- und Nussschalen, Kaffeesatz. Das schont die Landfl\u00e4chen und mindert den Landfl\u00e4chenbedarf erheblich!<\/p>\n\n\n\n<p>Monokulturen, Pestizideinsatz und Niedrigl\u00f6hne sind weder nachhaltig noch sozial\u2009\u2014\u2009auch bei der Rohstoffgewinnung f\u00fcr Biokunststoffe m\u00fcssen wir weg von den in \u00dcbersee produzierten Rohstoffen und hin zu einer nationalen oder regionalen Kreislaufwirtschaft. F\u00fcr Biokunststoffe werden derzeit vornehmlich Zuckerrohr und Maisst\u00e4rke eingesetzt \u2013 Zucker und Mais lassen sich auch in Europa, auch in Deutschland anbauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von beidem, dem heimischen Anbau der nachwachsenden Rohstoffe ebenso wie von der Nutzung der bislang teilweise ungenutzten Reststoffe, profitiert die heimische Landwirtschaft. Neue Absatzm\u00e4rkte werden erschlossen, statt Erd\u00f6l werden Reststoffe als Prim\u00e4rquelle eingesetzt, die Fl\u00e4cheneffizienz gesteigert, die Kaskadennutzung gef\u00f6rdert, indem die Rohstoffe zun\u00e4chst stofflich und erst dann energetisch genutzt werden, die CO<sub>2<\/sub>-Belastung wird reduziert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Abbaubare Kunststoffe nur selten einsetzen!<\/h3>\n\n\n\n<p>Mehr langlebige Biokunststoffe einsetzen als abbaubare! Abbaubare sind nur dort sinnvoll, wo die Abbaubarkeit einen tats\u00e4chlichen Zusatznutzen bringt, wie z.B. als Mulchfolie in der Landwirtschaft oder als medizinisches Nahtmaterial. Ansonsten sind langlebige (Bio-)Kunststoffe vorzuziehen, da sie recycelt und mehrfach verwendet werden k\u00f6nnen. Inwieweit abbaubare Kunststoffe dazu beitragen k\u00f6nnen, die Plastikverschmutzung der Meere einzud\u00e4mmen, wird gerade umfangreich untersucht \u2013 aber auch hier liegt der Fokus auf unvermeidbaren Eintr\u00e4gen von Kunststoffen in die Umwelt und soll nicht dazu f\u00fchren, dass abbaubare Kunststoffe in der Natur entsorgt werden. Alle Kunststoffe geh\u00f6ren per se nicht in die Umwelt!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mehrweg statt Einweg und die Reduktion unn\u00f6tiger Kunststoffe bei Verpackungen gelten f\u00fcr alle Kunststoffe!<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine Mehrwegnutzung ist einer Einwegnutzung immer vorzuziehen. Kunststoffe jeglicher Art sind als Werkstoffe viel zu wertvoll, um nach einmaliger Nutzung entsorgt zu werden! Eine Reduktion unn\u00f6tiger Verpackungen verminderte den Kunststoffverbrauch erheblich \u2013 sowohl bei bio- als auch bei erd\u00f6lbasierten Kunststoffen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Design for Recycling!<\/h3>\n\n\n\n<p>Bereits bei der Produktion bzw. beim Entwerfen einer Kunststoffverpackung sollte auf eine m\u00f6glichst hohe Recyclingf\u00e4higkeit geachtet werden! Weniger Multilayer, mehr einzelne Werkstoffe, nur so viel Material einsetzen wie notwendig! Das gilt sowohl f\u00fcr bio- als auch f\u00fcr erd\u00f6lbasierte Kunststoffe.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachhaltigkeitsbewertungen auf Augenh\u00f6he: Vergleich erd\u00f6l- und biobasierter Kunststoffe hinkt!<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend bei biobasierten Kunststoffen indirekte Auswirkungen ihrer Produktion auf die Umwelt ber\u00fccksichtigt werden sollen, geschieht das bei erd\u00f6lbasierten Kunststoffen h\u00e4ufig nicht (z.B. Fracking-Sch\u00e4den, Pipeline-Leckagen, Havarien, Stra\u00dfenbau und Erschlie\u00dfung von \u00d6lfeldern, Eintrag in die Umwelt in Form von Kunststoffverpackungen).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verbraucheraufkl\u00e4rung und \u2011sensibilisierung!<\/h3>\n\n\n\n<p>Was sind Biokunststoffe \u00fcberhaupt? Und wie trenne ich richtig f\u00fcrs Recycling? Vielfach denken Verbraucher*innen bei Biokunststoffen ausschlie\u00dflich an abbaubare. Die langlebigen sind aber viel zahlreicher und in den meisten F\u00e4llen auch viel sinnvoller einzusetzen. Auch beim richtigen Trennen aller Kunststoffe gibt es noch viel zu tun!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit:<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Biokunststoffe sind nicht per se umweltfreundlicher als erd\u00f6lbasierte Kunststoffe, es h\u00e4ngt von der konkreten Anwendung ab. Aus IfBB-Sicht sind sie aber keine Scheinl\u00f6sung, sondern k\u00f6nnen eine Teill\u00f6sung im Kampf gegen die Umweltverschmutzung durch Kunststoffe sein, denn sie bieten mit ihrer nachwachsenden Rohstoffbasis eine Alternative zur Erd\u00f6lnutzung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Sinne der EU-Kunststoffstrategie m\u00fcssen wir die Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben, die Recyclingquote nachhaltig erh\u00f6hen, die Kaskadennutzung st\u00e4rken und bereits bei der Herstellung von (Bio-)Kunststoff-Produkten nach dem Motto \u200b\u201eDesign for Recycling\u201c (bspw. Einsatz von Monomaterialien bei Verpackungen) handeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lenken Biokunststoffe von den tats\u00e4chlichen L\u00f6sungen im Kampf gegen die Plastikkrise ab? So der Tenor des BUND in seinem aktuellen Papier \u201e\u201eBio\u201c-Kunststoffe\u201c von Mai 2022. Nein, nicht Biokunststoffe sind das Problem! 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