{"id":11126,"date":"2008-09-10T00:00:00","date_gmt":"2008-09-09T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080910-04n"},"modified":"2008-09-10T00:00:00","modified_gmt":"2008-09-09T22:00:00","slug":"medizinische-und-industrielle-biotechnologie-in-deutschland-auf-wachstumskurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/medizinische-und-industrielle-biotechnologie-in-deutschland-auf-wachstumskurs\/","title":{"rendered":"Medizinische und industrielle Biotechnologie in Deutschland auf Wachstumskurs"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Biotech\u00adnologie-Branche in Deutschland befindet sich weiter auf Wachstumskurs. Wie Dr. Bern\u00ad\u00adward Garthoff, Vorsitzender der Deutschen Industrievereinigung Biotech\u00adnologie (DIB), vor der Presse in Frankfurt erkl\u00e4rte, lasse sich diese Entwicklung an drei Tatsachen ablesen: Die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze in der Branche steigt. Die Entwicklungspipeline f\u00fcr neue Arzneimittel auf biotechnischer Basis umfasst mehr Wirkstoffkandidaten als je zuvor. Und beim Einsatz f\u00fcr industrielle Zwecke z\u00e4hlt Deutschland mit seinem Know-how und den Produktionskapazit\u00e4ten zu den f\u00fchrenden Nationen auf der Welt. &#8220;Die Erfolgsstory bei der roten und wei\u00dfen Biotechnologie setzt sich fort. Jedes Jahr kommen neue spannende Kapitel hinzu, sagte Garthoff. Sorgenkind der Branche bleibt aber weiterhin das Segment der Agrarwirtschaft: &#8220;In der Pflanzen\u00adbiotechnologie  sind wir keinen Schritt weiter gekommen&#8221;, betonte der DIB-Vorsitzen\u00adde. &#8220;Das Umfeld in Deutschland und der EU ist weiterhin von Rechts\u00adunsicherheit, politischer Willk\u00fcr und Feldzerst\u00f6rungen gepr\u00e4gt.&#8221;<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft der chemischen Industrie bietet die wei\u00dfe Biotechnologie gro\u00dfe Chancen und neue M\u00f6glichkeiten. Mit Enzymen aus Pilzen oder Mikroorganismen, die  zus\u00e4tzlich gentechnisch optimiert werden, k\u00f6nnen Verfahren und Produkte wirtschaft\u00adlicher oder umweltschonender gestaltet werden. Waschmittelenzyme sind ein Paradebeispiel f\u00fcr diese Entwicklung in der Branche. Mit biotechnischen Prozessen lassen sich aber auch nachwachsende Rohstoffe besser verarbeiten, zum Beispiel f\u00fcr die Herstellung von Lacken, Klebe-, D\u00e4mm- oder Schmierstoffen. In Deutschland werden heute etwa 5 Prozent der chemischen Produkte mit Hilfe von rund 100 verschiedenen Bakterienarten erzeugt. Mit einem Fermentervolumen von insgesamt 830.000 Litern haben deutsche Unternehmen nach den USA die weltweit gr\u00f6\u00dften Produktionskapazit\u00e4ten auf diesem Gebiet installiert.<\/p>\n<p>Knapp 8 Prozent der rund 500 Unternehmen in Deutschland, die ganz oder \u00fcber\u00adwiegend mit modernen biotechnischen Verfahren arbeiten, bezeichnen zurzeit die industrielle Biotechnologie als ihren T\u00e4tigkeitsschwerpunkt. Der wirtschaftliche Erl\u00f6s d\u00fcrfte bei mindestens 1 Milliarde Euro liegen, so Garthoff. Das Weltmarktvolumen wird aktuell auf etwa 55 Milliarden Euro pro Jahr gesch\u00e4tzt. Mehrere Studien erwarten, dass der Markt bis 2015 um ein Mehrfaches expandiert.<\/p>\n<p>Garthoff wies darauf hin, dass herk\u00f6mmliche chemische Verfahren dadurch nicht ihren Stellenwert verlieren w\u00fcrden. Es h\u00e4nge vom Einzelfall ab, welches Verfahren sich hinsichtlich Kosten, Energie- und Rohstoffverbrauch und Emissionen am Ende durch\u00adsetze. &#8220;Die Wachstumsrate von Produkten der industriellen Biotechnologie liegt aller\u00addings signifikant \u00fcber der von chemisch hergestellten Produkten&#8221;, betonte der DIB-Vorsitzende. Diese Verschiebung in den Produktionsprozessen k\u00f6nne man insbeson\u00addere in der Sparte der Fein- und Spezialchemikalien beobachten.<\/p>\n<p><b>Rote oder medizinische Biotechnologie: 4.000 neue Stellen geschaffen<\/b><br \/>Ende 2007 waren in Deutschland 177 Biopharmazeutika zugelassen. Mit dieser Gruppe von Arzneimitteln wurde im vergangenen Jahr ein Umsatz von \u00fcber 4 Milliarden Euro erzielt. Damit stieg der Absatz gegen\u00fcber 2006 um 28 Prozent. Arzneimittel auf biotechnischer Basis haben inzwischen \u00fcber alle Indikationen einen Anteil von 15 Prozent am gesamten Pharmamarkt in Deutschland erreicht. Die Liste der Wirkstoffkandidaten in der klinischen Entwicklung ist 2007 um weitere 10 Prozent auf \u00fcber 350 gestiegen. Die Zahl der Hoffnungstr\u00e4ger, die es bis in die entscheidende Phase III geschafft haben, hat sich fast um ein Drittel auf 92 erh\u00f6ht. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze in den 371 Unternehmen, die in Deutschland in der medizinischen Biotechnologie t\u00e4tig sind, um rund 4.000 Stellen. Das entspricht einem Zuwachs von 14 Prozent auf insgesamt 34.000 Besch\u00e4ftigte. Der Umsatz mit biotechnisch hergestellten Diagnostika erreichte 2007 rund 1 Milliarde Euro. Damit deckt diese Gruppe jetzt rund 35 Prozent des gesamten deutschen Marktes f\u00fcr Reagenzien zu diagnostischen Zwecken ab.<\/p>\n<p><b>Gr\u00fcne oder Pflanzenbiotechnologie: Forschung und Anbau behindert<\/b><br \/>Der Vorsitzende der DIB wies darauf hin, dass sich auch nach der Novellierung des Gentechnikgesetzes die Situation weder f\u00fcr die Entwicklung noch f\u00fcr den Anbau gentechnisch optimierter Pflanzen verbessert habe. So weise das Standortregister f\u00fcr Freisetzungsversuche einen R\u00fcckgang der Auspflanzungen von 78 (2007) auf 38 im laufenden Jahr aus. Mehrere Universit\u00e4ten und Fachhochschulen mussten ihre Versuche aufgrund von Feldbesetzungen aufgeben.<\/p>\n<p>Die \u00dcbergriffe militanter Gentechnikgegner auf den Anbau blieben 2008 unver\u00e4ndert hoch. In der ersten Jahresh\u00e4lfte wurden 22 Feldzerst\u00f6rungen gemeldet. Trotz der zahlreichen Vorf\u00e4lle in den vergangenen Jahren sind im Gentechnikgesetz daraus keine Konsequenzen gezogen worden, was Einschr\u00e4nkungen im \u00f6ffentlichen Teil des Standortregisters betrifft. Hier sieht Garthoff dringenden Nachbesserungsbedarf.<\/p>\n<p><b>Franz\u00f6sische Initiative zur Zulassung weder notwendig noch sachgerecht<\/b><br \/>Der Gegenwind f\u00fcr die Anwendung der Pflanzenbiotechnologie in der EU k\u00f6nnte sich Garthoff&#8217;s Ansicht nach durch eine Initiative der franz\u00f6sischen Ratspr\u00e4sidentschaft noch verst\u00e4rken. Sie will das Zulassungsverfahren f\u00fcr gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen einer Revision unterziehen. Dabei geht es vor allem darum, die Entscheidungskompetenz der neutralen Zulassungsbeh\u00f6rde EFSA zulasten einer st\u00e4rkeren Mitsprache der Mitgliedsstaaten zu beschneiden. In der EFSA erstellen 21 international anerkannte unabh\u00e4ngige Experten nach dem neuesten Stand wissen\u00adschaftlicher Erkenntnisse die Risikobewertung f\u00fcr gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen, f\u00fcr die eine EU-weite Anbaugenehmigung beantragt wird. H\u00f6chstm\u00f6gliche Sicherheit f\u00fcr Mensch, Tier und Umwelt ist das Ziel dieser Risikobewertung, an der die Mitgliedsstaaten beteiligt werden. <\/p>\n<p>Garthoff: &#8220;Es w\u00e4re aus unserer Sicht ein fataler Schritt f\u00fcr den Wirtschaftsstandort Europa, wenn wir Bestrebungen nachgeben, die Sicherheitsbewertung gentechnisch ver\u00e4nderter Organismen k\u00fcnftig nicht auf Basis strenger wissenschaftlicher und objektiver Kriterien vorzunehmen. Wir w\u00fcnschen uns statt dessen mehr Stimmen aus der Politik, die sich f\u00fcr die Wertsch\u00e4tzung wissenschaftlicher Erkenntnis stark machen, statt diffuse \u00c4ngste zu bedienen, um daraus Wahlkapital zu schlagen.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Biotech&shy;nologie-Branche in Deutschland befindet sich weiter auf Wachstumskurs. 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