{"id":11096,"date":"2008-06-26T00:00:00","date_gmt":"2008-06-25T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080626-07n"},"modified":"2008-06-26T00:00:00","modified_gmt":"2008-06-25T22:00:00","slug":"teller-und-tank-sind-mglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/teller-und-tank-sind-mglich\/","title":{"rendered":"&#8220;Teller und Tank&#8221; sind m&ouml;glich"},"content":{"rendered":"<p><b>Die regenerative Treibstoffproduktion auf dem Acker ist zuletzt h\u00e4ufiger in die Kritik geraten, da sie f\u00fcr den Anstieg der Lebensmittelpreise mit verantwortlich gemacht wird. Es steht die Forderung &#8220;Teller statt Tank&#8221; im Raum. Dabei muss sich beides nicht gegenseitig ausschlie\u00dfen, erl\u00e4utert Professor Gerold Rahmann, Leiter des zum Johann Heinrich von Th\u00fcnen-Institut (vTI) geh\u00f6renden Instituts f\u00fcr \u00d6kologischen Landbau: &#8220;Wir haben eine Anbaukonzeption entwickelt, bei der auf dem Feld neben der Hauptkultur &#8216;f\u00fcr den Teller&#8217; eine zus\u00e4tzliche Kultur einges\u00e4t wird, die Treibstoff &#8216;f\u00fcr den Tank&#8217; produziert.&#8221;<\/b><\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080626-07\/leindotter_misch.jpeg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"leindotter_misch.jpeg\"\/>Diese Zweitkultur ersetzt einen Teil der nat\u00fcrlichen Begleitflora, umgangssprachlich Unkraut genannt, und nutzt deren N\u00e4hrstoffe. Stehen verschiedene Pflanzen gemeinsam auf einem Feld, k\u00f6nnen sie sich &#8211; geschickt gemischt &#8211; wunderbar erg\u00e4nzen. Ist die eine Pflanze schwach oder krank, ist die Ernte der anderen Pflanze noch gesichert. Will eine Pflanze sich bei Hagel senken, wird sie vom Partner gest\u00fctzt. Eine solche nat\u00fcrliche Stabilisierung ist gerade im \u00d6kolandbau au\u00dferordentlich erw\u00fcnscht. Stehen dort doch oft keine anderen Regulative zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Am vTI-Institut f\u00fcr \u00d6kologischen Landbau wird seit 2001 intensiv daran geforscht, sich diese Effekte zu Nutze zu machen. Zum Beispiel, um die im \u00d6kolandbau nur schwer zu kultivierenden \u00d6lpflanzen wieder in die Anbaupl\u00e4ne zu integrieren und um das Pflanzen\u00f6l als eigenen, klimaneutralen Treibstoff f\u00fcr die hofeigenen Landmaschinen zu nutzen. Eine Komponente der jeweiligen Pflanzenmischung auf dem Feld liefert Pflanzen\u00f6l, die andere Komponente wird als Nahrungsmittel genutzt. Es entsteht kein zus\u00e4tzlicher Fl\u00e4chenbedarf.<\/p>\n<p>Gepr\u00fcft wurden zum Beispiel Mischungen aus Raps mit Getreide, Senf mit Erbsen, F\u00e4rberdistel mit Lupine oder Lein mit Weizen. Dabei legten die Wissenschaftler besonderes Augenmerk auf Erfahrungen aus Bauernhand. So erwies sich die alte Kulturpflanze Leindotter (<i>Camelina sativa<\/i>), die noch vor 50 Jahren verbreitet angebaut wurde, als guter Mischungspartner f\u00fcr Erbsen, Lupinen und Weizen. Es war im Mischfruchtanbau zum Beispiel m\u00f6glich, nahezu den vollen Erbsenertrag von 3 Tonnen pro Hektar zu erzielen und zus\u00e4tzlich 250 Liter Leindotter\u00f6l zu erzeugen. Weniger konkurrenzstark ist der Leindotter im Sommerweizen, doch auch hier konnten 150 Liter Leindotter\u00f6l pro Hektar zus\u00e4tzlich zur Sommerweizenernte gewonnen werden. Um einen Hektar zu beackern ben\u00f6tigt man 80-150 Liter Pflanzen\u00f6l als Treibstoff f\u00fcr die Landmaschinen. Dieser Bedarf wird durch diese Ernten mehr als gedeckt. Werden weitere Fruchtfolgeglieder mit \u00d6lpflanzen im Mischfruchtanbau angereichert, kann ein \u00d6ko-Betrieb genug Pflanzen\u00f6l erzeugen, um seine Fl\u00e4chen zu bewirtschaften. Zudem hat das Pflanzen\u00f6l als Co-Produkt der Nahrungsmittelproduktion eine enorm g\u00fcnstige \u00d6kobilanz.<\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080626-07\/Pflanzenoeltest.jpeg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Pflanzenoeltest.jpeg\"\/>Im Tank der Traktoren zeigt sich aber, dass jedes Pflanzen\u00f6l seine typische Qualit\u00e4t hat. Nur f\u00fcr Raps\u00f6l gibt es bereits Standards und Erfahrungen f\u00fcr die notwendigen Motorenumr\u00fcstungen und Pflanzen\u00f6lqualit\u00e4ten. Zurzeit f\u00fchrt das Institut daher gemeinsam mit dem Lehrstuhl f\u00fcr Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren der Universit\u00e4t Rostock ein Forschungsprojekt durch, in dem Leindotter\u00f6l aus Kaltpressung in Mischungen mit anderen kaltgepressten Pflanzen\u00f6len in Versuchsmotoren und in einem Praxisschlepper neuester Bauart als Treibstoff erprobt wird. Gezielt zusammengemischte Pflanzen\u00f6le aus dem \u00f6kologischen Mischfruchtanbau k\u00f6nnten dann der Treibstoff der Zukunft f\u00fcr \u00d6ko-Betriebe werden. Die Vielzahl der heute vorhandenen dezentralen Pflanzen\u00f6lm\u00fchlen ist f\u00fcr die Erzeugung des umweltfreundlichen Kraftstoffes ein wichtiges Strukturelement im l\u00e4ndlichen Raum.<\/p>\n<p>Die gesamten technischen und landwirtschaftlichen Versuche sind abgeschlossen. Ab Herbst 2008 wird ein Teilbetrieb des in Schleswig-Holstein liegenden Instituts f\u00fcr \u00d6kologischen Landbau auf eigenerzeugten Treibstoff umgestellt. Institutsleiter Rahmann ist ehrgeizig: &#8220;Wir wollen genauso viel Lebensmittel wie vorher produzieren und zus\u00e4tzlich den ben\u00f6tigten Treibstoff auf der gleichen Ackerfl\u00e4che gewinnen.&#8221;<\/p>\n<p><b>Kontakt:<\/b><br \/>Prof. Dr. Gerold Rahmann und Dr. Hans Marten Paulsen<br \/>Johann Heinrich von Th\u00fcnen-Institut (vTI)<br \/>Institut f\u00fcr \u00d6kologischen Landbau<br \/>Trenthorst<br \/>23847 Westerau<br \/>Tel.: 04539 88 80-0,<br \/>E-mail: oel@vti.bund.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die regenerative Treibstoffproduktion auf dem Acker ist zuletzt h&auml;ufiger in die Kritik geraten, da sie f&uuml;r den Anstieg der Lebensmittelpreise mit verantwortlich gemacht wird. Es<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[64,2080],"class_list":["post-11096","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-johann-heinrich-von-thuenen-institut-vti","supplier-universitaet-rostock"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11096","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11096"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11096\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11096"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11096"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11096"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=11096"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}