{"id":11068,"date":"2008-07-10T00:00:00","date_gmt":"2008-07-09T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080710-02n"},"modified":"2017-12-12T11:16:41","modified_gmt":"2017-12-12T10:16:41","slug":"nova-kongressbericht-renaissance-der-naturfasern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-kongressbericht-renaissance-der-naturfasern\/","title":{"rendered":"nova-Kongressbericht: Renaissance der Naturfasern"},"content":{"rendered":"<p><b>Der &#8220;7. Internationale Kongress \u00fcber WPC und Naturfaser-Verbundwerkstoffe&#8221;, 18.-19. Juni in Kassel, \u00fcberraschte selbst die Veranstalter mit einer Rekordzahl von 380 Teilnehmern und 30 Ausstellern. Seit zehn Jahren veranstaltet das Institut f\u00fcr Werkstofftechnik der Universit\u00e4t Kassel diesen hoch angesehenen Kongress, der sich zu einem der wichtigsten internationalen Branchentreffpunkte entwickelt hat. Nachdem die Teilnehmerzahl in den letzten Jahren stagnierte, war dieses Jahr ein neues Interesse an Biowerkstoffen, vor allem an WPC und Naturfaserverst\u00e4rkten Kunststoffen (NFK) von Seiten der Industrie festzustellen.<\/b><\/p>\n<p>Die meisten der 51 Referenten und 40 Posterpr\u00e4sentationen befassten sich wie in den Vorjahren mit technischen Aspekten der neuen Werkstoffe. Auf besonderes Interesse stie\u00dfen aber Vortr\u00e4ge, die sich mit der aktuellen Rohstoffkrise und ihren Folgen f\u00fcr die Werkstoffwahl der Zukunft auseinandersetzten. Vor allem D. Scherzer von der BASF AG (&#8220;Erneuerbare Ressourcen und Biopolymere &#8211; Was bringt die Zukunft?&#8221;), J.-W. Becke von der Volkswagen AG (&#8220;Naturfasern und Biopolymere in der Automobilindustrie&#8221;), A. Teischinger vom Kompetenzzentrum Holz GmbH, \u00d6sterreich (&#8220;Ressourceneffizienz durch leichte Holz-Verbundwerkstoffe&#8221;) und Michael Carus vom nova-Institut (&#8220;Rohstoffpreiskrise: Was k\u00f6nnen Agrarrohstoffe leisten?&#8221;) befassten sich mit dieser Thematik.<\/p>\n<p>Unter den genannten Referenten aus Industrie und Forschung herrschte in den meisten Punkten Einigkeit: Die aktuelle Rohstoffkrise solle ernst genommen werden, der Einsatz von Biokraftstoffen sei kritisch zu sehen, der Solarenergie stehe eine gro\u00dfe Zukunft bevor und vor allem: Sowohl Erd\u00f6l als auch Biomasse seien viel zu wertvoll zum Verbrennen. Beide sollten vor allem stofflich genutzt werden \u2013 wobei im Falle der Agrarrohstoffe nat\u00fcrlich Lebens- und Futtermittel Vorrang haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Besucherrekord war vor allem deshalb zustande gekommen, weil sich die Teilnehmer \u00fcber den aktuellen Stand bei Biowerkstoffen erkundigen wollten. Das Management in der Industrie macht sich bei weiter steigenden Preisen f\u00fcr fossile und mineralische Rohstoffe ernsthafte Gedanken \u00fcber die Werkstoffe der Zukunft und zeigt dabei zunehmend Interesse an Biowerkstoffen. Was aber sind Biowerkstoffe? Wichtig sind dem Management vor allem die Aspekte &#8220;nachwachsend&#8221;, &#8220;gute Klimabilanz&#8221; und &#8220;keine Konkurrenz zu Lebensmitteln&#8221;.<\/p>\n<p>Letzteres f\u00fchrt zu einer erstaunlichen Skepsis gegen\u00fcber Biopolymeren, die ja in der Regel auf Basis von Zucker und St\u00e4rke produziert werden. Auch wenn diese Argumentation reflexartig von der Biokraftstoff-Diskussion \u00fcbernommen wurde und einer n\u00e4heren Analyse kaum stand h\u00e4lt (es geht um ein geeignetes Ressourcenmanagement und nicht um das grunds\u00e4tzliche Nicht-Nutzen potenzieller Nahrungsmittel f\u00fcr Werkstoffe \u2013 denn dies kann durchaus der effizienteste Weg sein und keinerlei Gefahr in der Lebensmittelversorgung bedeuten), muss die Diskussion sehr ernst genommen werden. Die Industrie wird nach den Erfahrungen mit dem radikalen Imageverlust bei Biokraftstoffen nicht auf Biowerkstoffe setzen, denen in der \u00f6ffentlichen Diskussion \u00e4hnliches passieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Und genau hieraus scheint das neue Interesse an Naturfasern und Holzwerkstoffen zu resultieren, denn beide Rohstoffe sind nicht essbar und stehen \u2013 zumindest auf den ersten Blick \u2013 in keiner Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau. J. Reichhold (Faurecia) sprach in seinem Vortrag &#8220;Herausforderungen an Naturfaser-Verbundwerkstoffe f\u00fcr die Automobilindustrie \u2013 Leichtbau, Nachhaltigkeit und Sicherheit&#8221; von einer &#8220;Renaissance der Naturfasern in der Automobilindustrie&#8221;. Anwesende Automobilkonzerne und Zulieferer best\u00e4tigten diesen Trend und sehen in den n\u00e4chsten Modellreihen wieder den verst\u00e4rkten Einsatz von Naturfasern kommen. Was in diesem Zusammenhang alles m\u00f6glich ist \u2013 auch in Kombination mit Biopolymeren wie PLA oder Lignin &#8211; zeigte T. Nishimura (Toyota) in seinem viel beachteten Vortrag: Naturfasern in den n\u00e4chsten High-Tech-Fahrzeugen in Japan.<\/p>\n<p>Insgesamt hat sich der Besuch des Kongresses &#8220;7th Global WPC and Natural Fibre Composites \u2013 Congress and Exhibition&#8221;, so der offizielle Titel, sehr gelohnt, um die Stimmung und die neuesten Trends in der Branche unmittelbar erfahren zu k\u00f6nnen und mit frischem Mut an der weiteren Etablierung von Biowerkstoffen zu arbeiten.<\/p>\n<p><b>Anmerkungen:<\/b><br \/>\nAuf dem Deutschen Verpackungskongress 2008 am 12. Juni in Berlin konnte ein \u00e4hnliches Interesse an Biowerkstoffen und eine Skepsis gegen\u00fcber Biopolymeren auf Basis von St\u00e4rke und Zucker festgestellt werden. Hier bestand ein besonderes Interesse an der Nutzung von Reststoffen und Nebenprodukten, wie z.B. der Bagasse aus der Zuckerrohrverarbeitung f\u00fcr Werkstoffe der Verpackungsindustrie.<\/p>\n<p>Auch eine aktuelle Studie von Frost &amp; Sullivan vom Mai 2008 sieht ein erhebliches Wachstumspotenzial f\u00fcr Naturfaserverst\u00e4rkte Kunststoffe (&#8220;Naturally-Reinforced Plastic Composites (NRPC)&#8221;). Vor allem m\u00fcssten die Entscheidungstr\u00e4ger und die \u00d6ffentlichkeit mehr \u00fcber die M\u00f6glichkeiten dieser Werkstoffe erfahren, dies sei der Schl\u00fcssel zu einem schnelleren Wachstum und einer h\u00f6heren Marktpenetration, so die Experten von Frost &amp; Sullivan.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Branchentreffs zum Thema Biowerkstoffe sind:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/nfk08\">6. N-FibreBase Kongress<\/a> im Rahmen der 11. Internationalen AVK-Tagung \/ Composites Europe am 22. und 23. September in der Messe Essen.<\/li>\n<li>Internationaler Kongress <a href=\"http:\/\/www.rohstoffwende.info\/\">Rohstoffwende &amp; Biowerkstoffe<\/a> am 3. und 4. Dezember im K\u00f6lner Maritim Hotel.<\/li>\n<li>Auch interessant in diesem Kontext: Anfang Dezember erscheint erstmalig der Branchenf\u00fchrer <a href=\"http:\/\/www.biowerkstoff.info\/\">Innovative Biowerkstoffe BIB\u201909<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Der &#8220;7. Internationale Kongress &uuml;ber WPC und Naturfaser-Verbundwerkstoffe&#8221;, 18.-19. 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