{"id":11046,"date":"2008-07-17T00:00:00","date_gmt":"2008-07-16T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080717-04n"},"modified":"2016-05-10T12:49:15","modified_gmt":"2016-05-10T10:49:15","slug":"10-des-kautschuks-sind-durch-loewenzahnmilch-substituierbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/10-des-kautschuks-sind-durch-loewenzahnmilch-substituierbar\/","title":{"rendered":"10% des Kautschuks sind durch L\u00f6wenzahnmilch substituierbar"},"content":{"rendered":"<p><b>Ein Zehntel des deutschen Bedarfes an Naturkautschuk lie\u00dfe sich aus der Pusteblume decken, sch\u00e4tzen Forscher aus M\u00fcnster in einem aktuell erschienen Beitrag der VDI Nachrichten, und weisen auf weitere Potentiale der Pflanze als Rohstofflieferant hin. Besonders reich an Kautschuk ist der Russische L\u00f6wenzahn aus dem Tian-Shan-Tal in Kasachstan.<\/b><\/p>\n<p>Heute wird Latex vor allem aus dem Gummibaum <i>Hevea brasiliensis<\/i> gezapft. Aufgrund des rapide steigenden \u00d6lpreises und damit des Preises f\u00fcr synthetischen Kautschuk steigt auch der Naturkautschukpreis rapide und erreichte vor wenigen Wochen Rekordniveau. Zudem wird der Baum zunehmend von einem Virus bedroht, der den Ertrag an Latex schm\u00e4lert. &#8220;Aus diesen Gr\u00fcnden k\u00f6nnte der L\u00f6wenzahn-Kautschuk eine sinnvolle Erg\u00e4nzung zur herk\u00f6mmlichen Ware sein&#8221;, argumentierte Dirk Pr\u00fcfer, Pflanzenbiotechnologe der Universit\u00e4t M\u00fcnster, gegen\u00fcber den VDI nachrichten.<\/p>\n<p>L\u00f6wenzahn-Latex l\u00f6st im Unterschied zu Kautschuk aus dem Gummibaum keine Allergien aus, wie eine estnische Firma nachgewiesen hat. Kondome, Handschuhe und Katheter k\u00f6nnten deshalb aus allergiefreiem Gummi erzeugt werden, womit eine der h\u00e4ufigsten Berufsallergien von Krankenpflegern, \u00c4rzten und Reinigungskr\u00e4ften vermieden werden kann. Diese Produktgruppen w\u00e4ren entsprechend optimale Einsatzgebiete f\u00fcr L\u00f6wenzahnkautschuk. Neben Kautschuk enth\u00e4lt L\u00f6wenzahn der Zucker Inulin, der in der Nahrungsmittelindustrie eingesetzt wird und bsp. als Ballaststoff im Joghurt dient. Aus Inulin k\u00f6nnen Bakterien jedoch auch Bioethanol herstellen.<\/p>\n<p>Forscher verschiedener Fraunhofer-Institute, des Julius-K\u00fchn-Institutes in Braunschweig und von zwei Industriepartnern wollen den L\u00f6wenzahn nun in einem geplanten Forschungsprojekt auf Marginalfl\u00e4chen anbauen. Diese Fl\u00e4chen liegen derzeit brach, weil sie zu geringe Ertr\u00e4ge abwerfen. In Deutschland g\u00e4be es gut 1 Mio. ha solcher Fluren. 10 000 ha w\u00fcrden ausreichen, um 10 % des deutschen Bedarfes an Naturkautschuk zu decken, versichern die Forscher. &#8220;Wir k\u00f6nnen gew\u00e4hrleisten, dass es zu keiner Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion kommt&#8221;, betonte Pr\u00fcfer.<\/p>\n<p>Aus jeder Pflanze werden etwa 5 ml Milch gewonnen. Im n\u00e4chsten Schritt wollen die Technologen aus dem Kautschuk Gummidichtungen oder Miniaturautoreifen bauen, um deren mechanische Eigenschaften zu testen. Da der L\u00f6wenzahnsaft an der Luft rasch eindickt und Gummipfropfen die Pflanzenporen verschlie\u00dfen k\u00f6nnen, muss allerdings bei der Aufarbeitung mit Chemikalien nachgeholfen werden. Dieses Verfahren ist noch zu aufwendig, um im gro\u00dfen Stil lukrativ zu sein, r\u00e4umen die Forscher ein.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfer hat deshalb im November ein Verfahren zur Optimierung der Pflanze zum Patent angemeldet. Zusammen mit Christian Schulze-Gronover vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Molekularbiologie und angewandte \u00d6kologie in Aachen z\u00fcchtet er eine L\u00f6wenzahnsorte, aus der die Milch unaufh\u00f6rlich flie\u00dft. Das Enzym Polyphenoloxidase (PPO) l\u00f6st das Verdicken des Saftes aus. Indem sie das entsprechende Gen f\u00fcr PPO gentechnisch ausschalteten, erhielten sie einen L\u00f6wenzahn, der fortw\u00e4hrend Milch gibt.<\/p>\n<p>&#8220;Das w\u00e4re 1000-mal billiger und vor allem umweltschonender&#8221;, freute sich Pr\u00fcfer. Der immer blutende L\u00f6wenzahn ist allerdings gentechnisch ver\u00e4ndert. &#8220;Wir k\u00f6nnen und wollen momentan keinen transgenen L\u00f6wenzahn freisetzen. Schlie\u00dflich ist L\u00f6wenzahn ein Unkraut, das \u00fcberall w\u00e4chst&#8221;, meinte Pr\u00fcfer. Deshalb versuchen seine Mitarbeiter derzeit auf konventionellem Weg, einen vergleichbaren, nie versiegenden L\u00f6wenzahn zu z\u00fcchten. Sie l\u00f6sen dazu im Erbgut der L\u00f6wenzahnkeimlinge mit der Chemikalie Ethylmethylsulfonat punktuell Mutationen aus. Aus den Keimlingen suchen die M\u00fcnsteraner jene heraus, in denen das PPO-Gen deaktiviert ist. Diese moderne Kombination aus Mutationsz\u00fcchtung und molekularbiologischer Auswahl wird als Tilling (Targeting Induced Local Lesions in Genomes) bezeichnet. Die Methode ist zwar zeitaufwendiger als die gr\u00fcne Gentechnik, f\u00fchrt aber nicht zu einer transgenen Saat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Ein Zehntel des deutschen Bedarfes an Naturkautschuk lie&szlig;e sich aus der Pusteblume decken, sch&auml;tzen Forscher aus M&uuml;nster in einem aktuell erschienen Beitrag der VDI Nachrichten,<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[293,292],"class_list":["post-11046","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-julius-kuehn-institut-jki","supplier-universitaet-muenster"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11046","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11046"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11046\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11046"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11046"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11046"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=11046"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}