{"id":11019,"date":"2008-07-29T00:00:00","date_gmt":"2008-07-28T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080729-04n"},"modified":"2014-07-25T15:34:19","modified_gmt":"2014-07-25T13:34:19","slug":"nova-bericht-globale-rohstoffwende-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-bericht-globale-rohstoffwende-teil-i\/","title":{"rendered":"nova-Bericht: Globale Rohstoffwende (Teil I)"},"content":{"rendered":"<p><b>Seit etwa sechs Jahren steigen die Preise f\u00fcr fossile und mineralische Rohstoffe scheinbar unaufhaltsam an, die Preise f\u00fcr Agrarprodukte seit etwa vier Jahren. Laut Experten des nova-Instituts aus H\u00fcrth erleben wir hier kein durch Spekulanten getriebenes Strohfeuer, sondern den Beginn eines fundamentalen Wandels. (&#8220;Rohstoffwende I&#8221;) Eine n\u00e4here Betrachtung zeigt, dass die Preisanstiege bei fossilen und mineralischen Rohstoffen deutlich st\u00e4rker ausfallen als bei Agrarrohstoffen. Betrachtet man die noch erheblichen Agrarpotenziale in Form aktuell nicht bewirtschafteter Agrarfl\u00e4chen, so wundert dies wenig. Richtig genutzt, k\u00f6nnen Agrarrohstoffe immer wichtigere Rohstoffe f\u00fcr die Industrie werden, ohne dass es dabei zu Engp\u00e4ssen bei der Lebens- und Futtermittelversorgung kommt. (&#8220;Rohstoffwende II&#8221;).<\/b><\/p>\n<p>Inflationsbereinigt sind nahezu s\u00e4mtliche Rohstoffpreise \u00fcber einen Zeitraum von etwa 40 Jahren kontinuierlich gesunken. Damit ist es nun vorbei \u2013 seit den Jahren 2001\/2002 steigen die Rohstoffpreise erstmals wieder an. Die Rohstoffwende hat begonnen! Rohstoffe werden knapp und teuer bleiben: Weltweit steigende Nachfrage, Engp\u00e4sse bei der Prim\u00e4rproduktion, steigende Erschlie\u00dfungskosten, geopolitische Krisen mit Produktionsausf\u00e4llen und Konzentration auf Anbieterseite auf wenige private und zunehmend staatlich kontrollierte Konzerne.<br \/>\nEiner der wenigen Analysten, die diese Entwicklung schon seit geraumer Zeit erkannt haben, ist Arjun Murtin von Goldmann Sachs. So schreibt er zum Thema Erd\u00f6l: &#8220;Die Anbieter bekommen die wachsende Nachfrage nicht in den Griff. Zu wenig freie OPEC-Produktionskapazit\u00e4ten, der ungestillte \u00d6ldurst Chinas und anderer Schwellenl\u00e4nder sowie die Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Konzerne in vielen F\u00f6rderstaaten \u2013 all dies steigert das Engpassrisiko \u2013 bis hin zur Rationierung.&#8221; (FTD 2008-05-08)<\/p>\n<p><b>Rohstoffwende I<\/b><br \/>\nUnter Rohstoffwende I versteht das nova-Institut die Wende im Jahr 2002 von seit 40 Jahren fallenden zu seit nunmehr sechs Jahren steigenden Preisen. Dies ist auch die Wende vom K\u00e4ufer- zum Verk\u00e4ufer-Markt, vom Angebots- zum Nachfragemarkt sowie die Wende vom \u00dcberfluss zum Mangel. Viele Jahre waren Rohstoffe keine Investitionen mehr wert, nun werden sie zum begehrten und teuren Gut.<\/p>\n<p><b>Rohstoffwende II <\/b><br \/>\nNeben dieser Preiswende zeichnet sich aber noch eine weitere Wende ab: Die zunehmende Bedeutung von Agrarrohstoffen als Industrierohstoffe. Seit Jahren nimmt der Einsatz von Nachwachsenden Rohstoffen in der Industrie zu, wie z.B. in der Chemischen Industrie (Biotechnologie) oder in der Automobilindustrie (Biowerkstoffe). Dieser Trend wird sich fortsetzen, da Agrarrohstoffe noch erhebliche Mengenpotenziale aufweisen und damit die Angebotsengp\u00e4sse geringer als bei fossilen und mineralischen Rohstoffen ausfallen. Dies zeigen auch die vergleichsweise moderaten, wenn auch sehr volatilen Preistrends. Eine wichtige Frage ist dabei: Was k\u00f6nnen Agrarrohstoffe in Zeiten steigender fossiler Rohstoffpreise tats\u00e4chlich leisten? K\u00f6nnen sie eine Entspannung f\u00fcr die fossilen Energie- und Rohstoffm\u00e4rkte bringen?<\/p>\n<p>Agrarrohstoffe haben die Preisrally verz\u00f6gert erlebt. Erst vor etwa vier Jahren begannen die Preise zu steigen. Neben Verknappungen aufgrund von Ernteausf\u00e4llen infolge extremer Wetterlagen (Klimawandel?) ist die steigende Nachfrage im Lebens- und Futtermittelbereich der Haupt treiber. Neuer Wohlstand und neue Nahrungsgewohnheiten in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern treiben die Nachfrage nach h\u00f6herwertigen Lebensmitteln, wie Fleisch, Milch und K\u00e4se, an. Um diese zu produzieren, werden mehrfache Mengen an Getreide oder Soja ben\u00f6tigt. Hierzu sind immense Investitionen in Saatgut und Agrartechnik notwendig, die in einer \u00dcbergangszeit regional zu erheblichen Versorgungsproblemen und Hungersn\u00f6ten f\u00fchren k\u00f6nnen. Wir werden im Folgenden aber zeigen, dass es im Agrarbereich an sich keine Engp\u00e4sse gibt, die nicht in den n\u00e4chsten Jahren durch Investitionen \u00fcberwunden werden k\u00f6nnten. Bei fossilen und mineralischen Rohstoffen sieht die Lage dagegen deutlich problematischer aus.<\/p>\n<p>Grafik 1 zeigt den renommierten Rohstoffpreisindex vom Commodity Research Bureau (CRB): Die Spotpreise von 41 Rohstoffen seit 1947 (CRB Spot Index), die zweite Grafik den renommierten Rohstoffpreisindex &#8220;Reuter\/Jefferies-CRB&#8221; (R\/JCRB Index), der die Entwicklung von Futures f\u00fcr 19 Rohstoffe seit 1956 abbildet. Der R\/J-CRB Index umfasst neun fossile Rohstoffe und Energietr\u00e4ger sowie zehn Agrarrohstoffe (siehe Beschriftung in der Grafik) und ist nicht inflationsbereinigt. CRB entwickelte ihn zusammen mit dem Informationsunternehmen Reuters und Jefferies Financial Products.<br \/>\n<img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" alt=\"Grafik_1.jpg\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080729-04\/Grafik_1.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" alt=\"Grafik_2.jpg\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080729-04\/Grafik_2.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/><br style=\"clear: left;\" \/><br \/>\nEs ist leicht zu erkennen, dass im Jahr 2002 eine ungew\u00f6hnliche Entwicklung begonnen hat und sich bis heute fortsetzt, die sich fundamental von dem Zeitraum 1974 bis 2002 unterscheidet. Zwischen 1974 und 2002 hatte sich am Niveau des R\/JCRB Index wenig ge\u00e4ndert, sowohl 1974 als auch 2002 lag der Preisindex knapp unter der Marke von 200. In diesem Zeitraum gab es Schwankungen zwischen einem Minimum von 180 und einem Maximum von 360. Seit dem Hoch im Jahr 1980 bewegte sich der Rohstoffpreisindex mehr oder weniger in einem Abw\u00e4rtstrendkanal. Ab dem Jahr 2002 sehen wir erstmals eine starke, stetige und bis heute anhaltende Aufw\u00e4rtsbewegung, die aktuell fast die Rekordmarke von 500 erreicht. Und diese trifft nicht nur Erd\u00f6l, sondern alle wichtigen fossilen und mineralischen Rohstoffe und \u2013 verz\u00f6gert \u2013 auch die Agrarrohstoffe. Sieht man sich die einzelnen Preiskurven inflationsbereinigt an, wird dieser Effekt noch st\u00e4rker sichtbar. Nach 30 oder gar 40 Jahren stetigen Preisverfalls steigen die Preise f\u00fcr fast alle Rohstoffe seit dem Jahr 2002 erstmalig und kr\u00e4ftig wieder an.<\/p>\n<p>Soweit die Fakten. Viele Wirtschaftsexperten prognostizieren f\u00fcr die Zukunft weiter steigende Preise oder zumindest ein Verharren der Preise auf hohem Niveau, wenn auch eine weltweite Rezession die Entwicklung verlangsamen k\u00f6nnte. Die Rohstoff(preis)krise ist keine Zukunft mehr, sondern Gegenwart, und dies wird weitreichende Folgen f\u00fcr die weltweiten Industrien haben \u2013 und auch f\u00fcr den Einsatz von Nachwachsenden Rohstoffen. Schon heute verschieben sich Rohstoff- wie auch Kapitalstr\u00f6me, mehr und mehr beeinflussen die M\u00e4rkte in Schwellenl\u00e4ndern die Weltwirtschaft.<\/p>\n<p><b>Ursachen f\u00fcr die Preissteigerungen bei fossilen Rohstoffen<\/b><br \/>\nWas aber sind die Ursachen f\u00fcr diese Ver\u00e4nderungen? Handelt es sich nur um einen kurzfristigen Effekt oder sind wir bereits mitten in einem fundamentalen Wandel? Um diese Frage zu beantworten, werteten Experten des nova-Instituts 80 Artikel aus der Wirtschaftspresse (FTD, Handelsblatt, FAZ, Spiegel und weitere) vom Juli 2007 bis zum M\u00e4rz 2008 aus. Tabelle 1 fasst die wichtigsten Ursachen f\u00fcr die Preissteigerungen bei fossilen Rohstoffen zusammen, so wie diese von der deutschen Wirtschaftspresse gesehen werden.<br \/>\n<img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" alt=\"Tab1-2.jpg\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080729-04\/Tab1-2.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/><br style=\"clear: left;\" \/><br \/>\nAbgesehen von den beiden Faktoren &#8220;Einfluss von Spekulanten&#8221; und &#8220;Verfall des Dollars&#8221; weisen die \u00fcbrigen f\u00fcnf Faktoren eindeutig fundamentale Aspekte auf. Auf der Angebotsseite spielen geopolitische Krisen mit Produktionsausf\u00e4llen, Engp\u00e4sse bei der Prim\u00e4rproduktion (auch aufgrund fehlender Investitionen wegen niedriger Rohstoffpreise in den letzten Jahrzehnten), sinkende Produktionsmengen bei vielen gro\u00dfen Vorkommen und ungen\u00fcgende Neufunde die wichtigste Rolle. Gleichzeitig steigt die Nachfrage vor allem aus dem asiatischen Raum. Jenseits von Angebot und Nachfrage wird das Preisniveau von einem weiteren technisch-\u00f6konomischen Faktor bestimmt, den steigenden Erschlie\u00dfungskosten bei Neufunden. Auch die zunehmende Konzentration auf Anbieterseite auf wenige private und zunehmend staatlich kontrollierte Konzerne, die gewillt sind, mit Rohstoffen die Staatskassen zu f\u00fcllen und mit Rohstoffen Au\u00dfenpolitik zu machen, lassen kaum fallende Rohstoffpreise erwarten.<\/p>\n<p>Schrumpfende Reserven und gestiegene Extraktionskosten werden f\u00fcr Erd\u00f6l erstmalig zu den eigentlichen Preistreibern, wie das Analysehaus &#8220;Sanford Bernstein&#8221; vermerkt. &#8220;Steigende variable Kosten sind der zentrale Treiber h\u00f6herer Rohstoffpreise&#8221;, schreibt Analyst Den Bell in der aktuellen Studie, und weiter: &#8220;Langfristig entsprechen die Preise f\u00fcr \u00d6l und Gas in etwa den variablen Explorationskosten. Die befinden sich langfristig im Aufw\u00e4rtstrend.&#8221; (FTD 2008-03-27, S. 23)<\/p>\n<p>Spekulanten haben nur einen verst\u00e4rkenden Effekt, stellen aber keine Ursache dar. &#8220;Das langfristige Bild bleibt von den kurzfristigen Schwankungen dennoch unber\u00fchrt, da die spekulativen Kr\u00e4fte die Trends nicht ausmachen, sondern nur beschleunigen und letztendlich f\u00fcr hohe Ausschl\u00e4ge sorgen&#8221;, so Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, anl\u00e4sslich einer Rohstoff-Schw\u00e4chephase im M\u00e4rz 2008. Der anhaltende Rohstoffhunger der Schwellenl\u00e4nder und die niedrigeren Lagerbest\u00e4nde lie\u00dfen einen baldigen Auftrieb erwarten. (FTD 2008-03-25, S. 25)<br \/>\nGerade f\u00fcr das Erd\u00f6l sieht es nach einer aktuellen Studie der deutschen Energy Watch Group (EWG) vom Mai 2008 d\u00fcster aus: &#8220;Das wichtigste Ergebnis &#8230; ist die Erkenntnis, dass die weltweite \u00d6lf\u00f6rderung im Jahr 2006 ihren H\u00f6chststand erreicht hat. Die \u00d6lf\u00f6rderung wird k\u00fcnftig um einige Prozentpunkte j\u00e4hrlich zur\u00fcckgehen. Bis 2020 und erst recht bis 2030 ist ein dramatischer R\u00fcckgang der weltweiten \u00d6lf\u00f6rderung zu erwarten. Dadurch wird eine Versorgungsl\u00fccke entstehen, die innerhalb dieses Zeitrahmens kaum durch die wachsenden Beitr\u00e4ge anderer fossiler, nuklearer oder alternativer Energiequellen geschlossen werden kann. Die Weltwirtschaft steht am Anfang eines tiefen Strukturwandels.&#8221; Wir nennen dies Rohstoffwende!<\/p>\n<p><b>Ursachen f\u00fcr die Preissteigerungen bei Agrarrohstoffen <\/b><br \/>\nTabelle 2 zeigt die Ergebnisse unserer Auswertung der Wirtschaftspresse f\u00fcr Agrarrohstoffe. Die Nachfrage wird demnach vor allem durch die steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen und Nahrungs- und Futtermitteln bestimmt. Das Angebot wird vor allem durch Ernteausf\u00e4lle infolge extremer Wetterlagen beeinflusst, welche einige Experten im Kontext der weltweiten Klimaver\u00e4nderungen sehen.<\/p>\n<p>Aus unserer Sicht ist die Hauptursache f\u00fcr die Rohstoffwende der wirtschaftliche Aufschwung in den Schwellenl\u00e4ndern, vor allem Brasilien, Russland, Indien und China, den sog. BRIC-L\u00e4ndern, die seit etwa 2002 einen stetig wachsenden Anteil am Weltwirtschaftswachstum zeigen. Dieses Wachstum wird gr\u00f6\u00dftenteils von rohstoffintensiven Industriezweigen generiert, die zudem meist wenig effizient arbeiten. Seit dem Jahr 2002 ist dieser Effekt \u2013 zusammen mit Engp\u00e4ssen bei der Prim\u00e4rproduktion \u2013 deutlich zu sehen. Das war der Wendepunkt. Die Preise f\u00fcr Energie- und Industrierohstoffe sind nicht mehr zu halten. Da die zweistelligen Wachstumsraten in den aufstrebenden L\u00e4ndern auch den Lebensstandard ihrer Bev\u00f6lkerung erh\u00f6hten, stieg auch die Nachfrage nach Konsumg\u00fctern und Lebensmitteln kontinuierlich an. Gleichzeitig \u00e4nderten sich die Ern\u00e4hrungsgewohnheiten, was den Effekt zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkte und seit dem Jahr 2006 zu extremen Preissteigerungen f\u00fcr die Lebensund Futtermittel Weizen, Soja und Reis sorgte.<\/p>\n<p><b>Agrarrohstoffe als neuer Megatrend? <\/b><br \/>\nAgrarrohstoffe gelten als neuer Megatrend; die meisten Analysten sind sich einig, dass Agrarrohstoffe auch in Zukunft teurer werden. Das Wachstum der Bev\u00f6lkerung, steigende Einkommen und die Nachfrage nach Bioethanol d\u00fcrfte den Boom bei landwirtschaftlichen Produkten weiter befl\u00fcgeln. Hinzu komme, dass beschr\u00e4nkte Ressourcen an Land und Wasser das Angebot weltweit begrenzen. So die Meinung der meisten Analysten.<\/p>\n<p>Die Analysen des nova-Instituts zeigen indes (siehe Grafiken 3 und 4), dass die Agrarproduktion noch ein erhebliches Wachstumspotenzial besitzt \u2013 und die Bedeutung der Biokraftstoffe in der \u00d6ffentlichkeit weit \u00fcbersch\u00e4tzt wird. Um das Wachstumspotenzial der Agrarwirtschaft nutzen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen ganz erhebliche Investitionssummen mobilisiert werden.<\/p>\n<p>Wie die nova-Grafik 3 zeigt, hat die Erde eine Gesamtlandfl\u00e4che von knapp 13,4 Mrd. ha. Davon sind aktuell knapp 200 Mio. Siedlungs- und Verkehrsfl\u00e4chen und 4,3 Mrd. ha \u00d6dland, also W\u00fcsten, Berge oder sonstiges Land, was einer produktiven Nutzung nicht zur Verf\u00fcgung steht. Den 3,9 Mrd. ha, die mit Wald bedeckt sind, stehen 5 Mrd. ha zur landwirtschaftlichen Nutzung gegen\u00fcber. Von diesen Agrarfl\u00e4chen werden ca. 3,5 Mrd. ha als Weideland und ca. 1,5 Mrd. ha als Ackerland (mit ca. 140 Mio. ha Dauerkulturen) genutzt. Nach Schmidhuber 2007 wurden im Jahr 2006\/2007 ca. 21 Mio. ha zur Biokraftstoffproduktion (Ethanol und Biodiesel) verwendet, d.h. 0,42% der globalen Agrarfl\u00e4chen (Weide- und Ackerland), und nach Sch\u00e4tzungen des nova-Instituts auf Basis aktueller FAO-Zahlen ca. 95 Mio. ha (1,9%) zur stofflichen Nutzung von Nachwachsenden Rohstoffen. Den gr\u00f6\u00dften Fl\u00e4chenbedarf bei der stofflichen Nutzung nehmen Mais, \u00d6lpalme, Baumwolle, Weizen und Kautschuk ein.<\/p>\n<p>Die Daten zeigen, dass die Preissteigerungen im Agrarbereich nicht prim\u00e4r auf den Einfluss von Biokraftstoffen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Diese sind ein neuer, zus\u00e4tzlicher Faktor, der die Nachfrage steigert. Eine Steigerung der Nachfrage bei Lebens- und Futtermitteln wird sich aber stets st\u00e4rker auf das Preisniveau auswirken, als die Nachfrage nach Biokraftstoffen. Experten sehen den Einfluss der Biokraftstoffe so auch bei etwa 10 bis 15%.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" alt=\"Grafik_3.jpg\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080729-04\/Grafik_3.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" alt=\"Grafik_4.jpg\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080729-04\/Grafik_4.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/><br style=\"clear: left;\" \/><br \/>\nDass sich dies auch in Zukunft nicht wesentlich \u00e4ndern wird, zeigt die nova-Grafik 4. Nach einer Studie der OECD 2007 stehen global ca. 3,3 Mrd. ha Land zum Regenfeldbau zur Verf\u00fcgung (eine \u00e4ltere Studie der FAO geht sogar von einer potenziellen Fl\u00e4che von 4,2 Mrd. ha aus). Um nun eine theoretische Absch\u00e4tzung zu &#8220;freien&#8221; Agrarpotentialen vornehmen zu k\u00f6nnen, gehen von diesen 3,3 Mrd. ha die bereits heute genutzten Ackerfl\u00e4chen (ca. 1,5 Mrd. ha) sowie die Siedlungs- und Verkehrsfl\u00e4chen (100 Mio. ha) ab. Au\u00dferdem wird angenommen, dass ca. 330 Mio. ha Schutzgebiete und 800 Mio. ha unter Wald aufgrund von erheblichen \u00f6kologischen Folgesch\u00e4den nicht unter den Pflug genommen werden sollten. Somit verbleiben im Jahr 2006 ca. 570 Mio. ha potenziell &#8220;freier&#8221; Agrarfl\u00e4che zur alternativen Nutzung. Aufgrund der zuk\u00fcnftigen Entwicklungen ergeben sich in den kommenden Jahren allerdings bereits erhebliche Fl\u00e4chenanspr\u00fcche:<\/p>\n<p>Aufgrund steigender Kaufkraft in den Schwellenl\u00e4ndern werden h\u00f6herwertige Lebensmittel (Fleisch, Milchprodukte) nachgefragt werden, d.h. der Pro-Kopf- Fl\u00e4chenverbrauch wird zunehmen. F\u00fcr diesen Effekt werden auf Basis der OECD 2007 bis zum Jahr 2020 ca. 96 Mio. ha Land ben\u00f6tigt, bzw. stehen einer alternativen Nutzung nicht zur Verf\u00fcgung. Etwa 3\/4 der Agrarfl\u00e4chen der Erde werden f\u00fcr die Fleischproduktion \u00fcber Weideland und Futtermittelanbau in Beschlag genommen! Allein aufgrund des Bev\u00f6lkerungswachstums ist bis zum Jahr 2020 mit einem zus\u00e4tzlichen Nahrungsmittel-Mehrbedarf zu rechnen. Hierzu wurden ca. 64 Mio. ha Land angesetzt.<\/p>\n<p>Bis 2020 ist mit einer weiteren Ausbreitung der Siedlungs- und Verkehrsfl\u00e4chen von ca. 32. Mio. ha zu rechnen. Unter der Annahme, dass die Biokraftstoffziele in den wichtigsten Biokraftstoffl\u00e4ndern umgesetzt werden und das sich in den L\u00e4ndern ein normaler Ertragszuwachs ergibt, kann in 2020 mit einem zus\u00e4tzlichen Fl\u00e4chenanspruch von ca. 18 Mio. ha f\u00fcr Biokraftstoffe gerechnet werden.<\/p>\n<p>In der Summe ergibt sich somit ein Mehrverbrauch an Fl\u00e4che bis zum Jahr 2020 von ca. 210 Mio. ha. Somit w\u00fcrden weiterhin ca. 360 Mio. ha &#8220;freier&#8221; Agrarfl\u00e4che verbleiben. Neben der Ausweitung der Anbaufl\u00e4che besteht Optimierungspotenzial vor allem in der Steigerung der Ertr\u00e4ge auf den bereits heute genutzten Ackerfl\u00e4chen. W\u00e4hrend in den Industriel\u00e4ndern die Grenzen der Z\u00fcchtung und Intensivierung fast erreicht sind, liegen die Potenziale vor allem in den Entwicklungsl\u00e4ndern. Hier liegen noch erhebliche Ertragssteigerungspotenziale, die von manchen Experten als zweite Gr\u00fcne Revolution angek\u00fcndigt werden.<\/p>\n<p><b>Agrarrohstoffe: Noch erhebliches Potenzial! <\/b><br \/>\nDie Analysen zeigen also, welches Potenzial die weltweite Agrarwirtschaft noch besitzt, und es ist eine Frage des geschickten Ressourcenmanagements, diese sinnvoll zu nutzen. Fazit bleibt aber auch, dass Biokraftstoffe, selbst wenn die aktuellen Ziele der wichtigsten Biokraftstoffl\u00e4nder erreicht werden \u2013 was angesichts des starken Gegenwinds f\u00fcr Biokraftstoffe heute mehr als fraglich ist, diese aktuell und zuk\u00fcnftig eine eher untergeordnete Rolle spielen werden.<\/p>\n<p>Auch wenn global noch erhebliche potenzielle Agrarfl\u00e4chen zur Verf\u00fcgung stehen, die den wachsenden Bedarf der n\u00e4chsten Jahrzehnte decken k\u00f6nnen, werden regional aber immer wieder Nutzungskonkurrenzen, Fl\u00e4chenengp\u00e4sse und Konflikte auftreten, die oft aus strukturellen Defiziten resultieren, aus Zeiten niedriger Rohstoffpreise.<br \/>\nWeltweit steigende Agrarpreise beleben die Landwirtschaft: Immer weniger auf politische St\u00fctzungen angewiesen, erlangt die Landwirtschaft neue \u00f6konomische St\u00e4rke, zieht neues Kapital an, neue Investitionen werden get\u00e4tigt, und je nach Agrarstruktur des Landes k\u00f6nnen auch die Landwirte in den Entwicklungsl\u00e4ndern profitieren, die seit Jahrzehnten unter \u2013 inflationsbereinigt \u2013 fallenden Agrarpreisen gelitten haben.<\/p>\n<p><b>Agrarrohstoffe: Vergleichsweise moderate Preisentwicklungen <\/b><br \/>\nIm Einklang mit diesen Analysen und in Widerspruch zu mancher aktueller Meldung in der Presse haben sich die Preise f\u00fcr Agrarrohstoffe in den letzten Jahren trotz aller Anstiege deutlich moderater entwikkelt als die Preise fossiler und mineralischer Rohstoffe. Allerdings zeigen Agrarrohstoffe eine Volatilit\u00e4t, wie wir sie bei anderen Rohstoffen nicht finden: Wetterbedingt kann es stets kurzfristig zu Rekordernten oder auch Ernteausf\u00e4llen kommen.<br \/>\nDie folgenden Grafiken zeigen die bereits oben gezeigten Preisindizes aufgeteilt nach &#8220;Fossilen Energietr\u00e4gern&#8221;, &#8220;Fossilen und mineralischen Industrie-Rohstoffen&#8221; sowie &#8220;Agrarrohstoffen&#8221;. Man erkennt deutlich, dass die fossilen Energietr\u00e4ger am st\u00e4rksten von der Preisrallye betroffen sind, gefolgt von den fossilen und mineralischen Industrie-Rohstoffen. Demgegen\u00fcber sieht die Entwicklung bei Agrarrohstoffen erstaunlich &#8220;harmlos&#8221; aus.<br \/>\nDie letzten Grafiken zeigen die Preisentwicklungen f\u00fcr Mais, Weizen und Zucker, die \u2013 selbst im Fall von Weizen \u2013 deutlich geringer ausfallen als z.B. bei Erd\u00f6l oder Stahl. Der Zuckerpreis ist nach wetterbedingten Ernteausf\u00e4llen und Erweiterungen der Anbaufl\u00e4chen wieder deutlich gesunken, der Maispreis liegt nur wenig \u00fcber den Peaks der vergangenen Jahre, und auch der Weizen ist von seinem Rekordniveau bereits wieder deutlich gefallen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" alt=\"Grafik_5und6.jpg\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080729-04\/Grafik_5und6.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/><br style=\"clear: left;\" \/><br \/>\n<b>Ausblick <\/b><br \/>\nWir sind mitten in einer globalen Rohstoffwende, die eine kontinuierliche Beobachtung der Rohstoffm\u00e4rkte sowie st\u00e4ndig neu angepasste Rohstoffstrategien unvermeidbar macht. Industrien, die zuk\u00fcnftig verst\u00e4rkt auf Agrarrohstoffe setzen wollen, liegen richtig: Die noch brachliegenden Mengenpotenziale sind erheblich und die Preissteigerungen liegen deutlich unter den Preissteigerungen bei fossilen und mineralischen Rohstoffen.<br \/>\nGerade bei den Erd\u00f6lvorr\u00e4ten kommen aktuelle Studien zu d\u00fcsteren Prognosen: Vielleicht haben wir den Peak der weltweiten Erd\u00f6lf\u00f6rderung bereits \u00fcberschritten und Engp\u00e4sse, sowie heute kaum vorstellbare Preise werden die n\u00e4chsten Jahre bestimmen.<\/p>\n<p><b>Der Kongress &#8220;Rohstoffwende &amp; Biowerkstoffe&#8221;<\/b><br \/>\nDie im Text angesprochenen Fragen und Thesen werden umfassend auf dem Kongress <a href=\"http:\/\/www.rohstoffwende.info\/\">Rohstoffwende &amp; Biowerkstoffe<\/a> am 3. und 4. Dezember 2008 im K\u00f6lner Maritim Hotel pr\u00e4sentiert und diskutiert. \u00dcber zwanzig Experten aus der Ressourcenforschung, Finanzwelt, Solarenergie, Agrarwirtschaft und Biotechnologie sowie Biowerkstoffexperten aus der Automobil-, Bau- und M\u00f6bel- sowie Konsumg\u00fcterindustrie werden die Frage nach der zuk\u00fcnftigen Rohstoffversorgung der Industrie aus ihrer Sicht beantworten und zur Diskussion stellen. Dabei wird die Frage &#8220;Was k\u00f6nnen Agrarrohstoffe in der Zukunft leisten?&#8221; im Mittelpunkt stehen.<\/p>\n<p><b><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080729-04\/08-06_Rohstoffwende_I_nova-Institut.pdf\">Beitrag als pdf-Dokument herunterladen<\/a><\/b><\/p>\n<p><i>Erstmals erschienen im <a href=\"http:\/\/www.nachwachsende-rohstoffe.info\/bwreport.php\">Biowerkstoff-Report<\/a> Juni\/Juli 2008. In K\u00fcrze wird der Artikel &#8220;Globale Rohstoffwende&#8221; im Nachrichten-Portal mit einem zweiten Teil fortgesetzt. Dann geht es um die energetische und stoffliche Nutzung, Solarenergie und Biowerkstoffe.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Seit etwa sechs Jahren steigen die Preise f&uuml;r fossile und mineralische Rohstoffe scheinbar unaufhaltsam an, die Preise f&uuml;r Agrarprodukte seit etwa vier Jahren. Laut Experten<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572,7192],"tags":[],"supplier":[4],"class_list":["post-11019","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","category-novapress","supplier-nova-institut-gmbh"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11019","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11019"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11019\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11019"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=11019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}