{"id":110184,"date":"2022-06-03T07:26:00","date_gmt":"2022-06-03T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=110184"},"modified":"2022-05-27T14:59:42","modified_gmt":"2022-05-27T12:59:42","slug":"recycling-dunger-aus-gulle-und-laub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/recycling-dunger-aus-gulle-und-laub\/","title":{"rendered":"Recycling-D\u00fcnger aus G\u00fclle und Laub"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Noch immer gelangt zu viel Nitrat durch unsachgem\u00e4\u00dfes D\u00fcngen in B\u00f6den, Grundwasser und Gew\u00e4sser. Vor allem in landwirtschaftlich gepr\u00e4gten Regionen ist das Grundwasser daher h\u00e4ufig zu stark mit Nitrat belastet. Denn wird mehr ged\u00fcngt als Pflanzen und B\u00f6den aufnehmen k\u00f6nnen, sickert \u00fcbersch\u00fcssiges Nitrat in das Wasserreservoir unter unseren F\u00fc\u00dfen. Etwa 75% der Nitrateintr\u00e4ge gehen laut Umweltbundesamt auf das Konto der Landwirtschaft. Doch das soll sich \u00e4ndern. In Umsetzung der europ\u00e4ischen Nitratrichtlinie hat Deutschland 2020 die D\u00fcngeverordnung versch\u00e4rft. Damit muss die Landwirtschaft neue Wege in der D\u00fcngepraxis beschreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt k\u00fcnstlich hergestellte mineralische D\u00fcnger und G\u00fclle auf die Felder zu bringen, k\u00f6nnte auch ein Mix aus nat\u00fcrlichen Reststoffen die n\u00f6tigen N\u00e4hrstoffe liefern. Eine L\u00f6sung kommt in Gestalt eines G\u00fclle-Laub-Gemisches daher, das unter der Leitung von Michael Huster von der A+M Unternehmensberatung GbR in Bassum im Rahmen des Projektes \u201eG\u00fclle-2-Laub\u201c weiterentwickelt wird. Das Vorhaben, an dem Partner aus Forschung und Wirtschaft beteiligt sind, wird vom Bundesforschungsministerium von April 2021 bis M\u00e4rz 2024 mit insgesamt 640.000 Euro gef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Geruchsneutraler D\u00fcnger aus G\u00fclle und Laub<\/h3>\n\n\n\n<p>Ziel des Projektes ist der Bau einer Pilotanlage zur Herstellung des organischen D\u00fcngers aus G\u00fclle und Laub. \u201ePrim\u00e4r wollen wir im kleinen Ma\u00dfstab einen m\u00f6glichst optimalen Prozess entwickeln, der wirtschaftlich ist und die gro\u00dfen Vorteile dieser beiden Zuschlagstoffe in den Vordergrund stellt\u201c, so Projektleiter Michael Huster. Hauptanliegen ist jedoch, den Nitrateintrag ins Grundwasser zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diesen D\u00fcnge-Effekt zu erreichen, muss das Laub zun\u00e4chst getrocknet und zerkleinert werden, bevor es mit der G\u00fclle vermischt wird. Hier musste das Team im Vorfeld einige H\u00fcrden nehmen. Ein wichtiger Punkt war das Zerkleinerungsverfahren. \u201eDie spezielle mechanische Aufbereitung des Laubes f\u00fchrte dazu, dass sich die Kapillaren des Blattes \u00f6ffneten und Fl\u00fcssigkeit aufnehmen konnten\u201c. Innerhalb von nur f\u00fcnf Minuten, so Huster, habe sich eine erhebliche Geruchsreduzierung eingestellt. Im Ergebnis entstand ein organischer D\u00fcnger, der an Blumenerde erinnert und auch \u00e4hnlich riecht. \u201eEs ist ein feuchtes, aber nicht schmieriges Produkt, das sich mit dem Miststreuer einfach auf dem Feld ausbringen l\u00e4sst\u201c, erkl\u00e4rt Huster.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild3MischlaubauskommunalerEntsorgung.jpg\" alt=\"Getrocknetes Mischlaub aus kommunaler Entsorgung\" class=\"wp-image-110202\" width=\"814\" height=\"458\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild3MischlaubauskommunalerEntsorgung.jpg 1160w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild3MischlaubauskommunalerEntsorgung-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild3MischlaubauskommunalerEntsorgung-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild3MischlaubauskommunalerEntsorgung-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild3MischlaubauskommunalerEntsorgung-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild3MischlaubauskommunalerEntsorgung-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 814px) 100vw, 814px\" \/><figcaption>Getrocknetes Mischlaub aus kommunaler Entsorgung. Quelle: Marco Gallmeier<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Getrocknetes Mischlaub aus kommunaler Entsorgung<\/h3>\n\n\n\n<p>Knapp zwei Jahre ist es her, als ein Freund Husters, Manfred Steen, die Idee hatte, aus G\u00fclle und Laub einen D\u00fcnger zu entwickeln, der nachhaltig und umweltfreundlich ist und zudem die Geruchsbelastung erheblich dezimiert. Mit gew\u00f6hnlichen Haushaltsger\u00e4ten und Eimern wurde im Vorfeld des Projektes an der richtigen Zusammensetzung get\u00fcftelt und sogar eine mobile Demonstrationsanlage gebaut. Versuche zeigten, dass ein Laubanteil von 25% optimal ist. Die Aufbereitung des Laubes war jedoch entscheidend. \u201eLaub bringt einen sehr hohen Kohlenstoffanteil mit und der sorgt daf\u00fcr, dass das Ammoniak in der G\u00fclle, das f\u00fcr den bei\u00dfenden Geruch verantwortlich ist, gebunden wird. Au\u00dferdem kann Laub den Humuseffekt im Boden verst\u00e4rken, weil es das Sechs- bis Achtfache des Eigengewichts an Wasser aufnehmen kann \u2013 was in der trockenen Jahreszeit sehr vorteilhaft ist\u201c, erkl\u00e4rt Huster.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachhaltigkeit durch Reststoffnutzung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Nachhaltigkeit des G\u00fclle- Laub-D\u00fcngers liegt auf der Hand, denn es werden ausschlie\u00dflich Abfallstoffe verwendet. Zum einen werden tierische Exkremente aus der Landwirtschaft genutzt, die sonst auf dem Feld als D\u00fcnger oder zur Energiegewinnung in der Biogasanlage genutzt w\u00fcrden. Zum anderen wird Laub recycelt, das in den Kommunen und St\u00e4dten vor allem im Herbst zuhauf anf\u00e4llt und teuer entsorgt werden muss. \u201eEs ist erstaunlich, wie viel Geld die Entsorgung einer Tonne Laub kostet. In St\u00e4dten wie Hamburg sind es mindestens 80 Euro pro Tonne. Und die Entsorgungsindustrie m\u00f6chte das Laub eigentlich gar nicht haben, weil es sehr schwer zu kompostieren ist\u201c, erz\u00e4hlt Huster. Er ist \u00fcberzeugt, dass sich mit dem Recycling-D\u00fcnger f\u00fcr Landwirte und Kommunen ein neuer Verwendungszweck auftun wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wirtschaftliche Vorteile aufzeigen<\/h3>\n\n\n\n<p>Was im Demonstrationsmodus funktionierte, will Huster mit seinen Projektpartnern in den kommenden Jahren nun im gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstab beweisen. Daf\u00fcr sollen der Prozess sowie die Anlage weiter optimiert werden. Neben dem Bau einer Pilotanlage soll im Projekt der wissenschaftliche Nachweis erbracht werden, dass die Kombination beider Abfallstoffe Landwirten und Kommunen wirtschaftliche Vorteile bietet. Aber nicht nur das: \u201eAu\u00dferdem wollen wir nachweisen, dass wir mit dem Laub auch den Humusaufbau auf den Fl\u00e4chen steigern und die N\u00e4hrstoff- und Wasserverf\u00fcgbarkeit f\u00fcr die Pflanze verbessern k\u00f6nnen\u201c, so Huster. Denn \u2013 wird der Humusgehalt gesteigert \u2013 wird dadurch auch die Biodiversit\u00e4t erheblich verbessert. \u201eDas bietet nicht nur f\u00fcr Kleinstlebewesen, sondern auch f\u00fcr alle weiteren Tiere in der Natur gro\u00dfe Nahrungsquellen, und unterst\u00fctzt die Artenvielfalt in hohem Ma\u00dfe\u201c, f\u00fcgte Huster hinzu.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild5SteenFosPoduktundmobileAnlage.jpg\" alt=\"Mobile Demonstrationsanlage zur Herstellung kleinerer Mengen des D\u00fcngers \u2013 vor der Anlage ist eine kleine Menge des Produktes zu sehen.\" class=\"wp-image-110201\" width=\"768\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild5SteenFosPoduktundmobileAnlage.jpg 1160w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild5SteenFosPoduktundmobileAnlage-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild5SteenFosPoduktundmobileAnlage-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild5SteenFosPoduktundmobileAnlage-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild5SteenFosPoduktundmobileAnlage-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Bild5SteenFosPoduktundmobileAnlage-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Mobile Demonstrationsanlage, um kleine Mengen des Produktes herzustellen. Vor der Anlage ist eine kleine Menge vom SteenFOS Produkt zu sehen. Quelle Marco Gallmeier<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die wissenschaftliche Nachweisf\u00fchrung ist die Hochschule Osnabr\u00fcck verantwortlich, die als Projektpartner gewonnen werden konnte. Am Vorhaben beteiligt sind auch das Ingenieurb\u00fcro Grenzebach aus Bad Herzfeld, das f\u00fcr die Konzeption der Pilotanlage verantwortlich ist, sowie die Firma Schroer, die Unterst\u00fctzung bei der technischen Umsetzung leistet und auf deren Gel\u00e4nde die Pilotanlage mittlerweile steht. Aktuell k\u00f6nnen dar\u00fcber t\u00e4glich zwischen drei bis f\u00fcnf Tonnen organischer D\u00fcnger produziert werden. Zum Einsatz kommt derzeit vorwiegend G\u00fclle aus der Schweinehaltung. Doch das sei variabel, sagt Huster. Auch H\u00fchner- und Rinderg\u00fclle sowie G\u00e4rsubstrate aus Biogasanlagen oder gar Kombinationen daraus, seien daf\u00fcr geeignet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Laub-G\u00fclle-Gemisch sorgt f\u00fcr Mehrertrag bei Getreide<\/h3>\n\n\n\n<p>Erste Feldversuche mit dem G\u00fclle-Laub-Gemisch wurden bereits durchgef\u00fchrt und sind vielversprechend. \u201eAuf den Fl\u00e4chen mit dem Laub-G\u00fclle-Gemisch hatten wir einen Mehrertrag von 6% beim Getreide. Auch die Qualit\u00e4t des Korns war besser. Hier hatten wir einen 10% h\u00f6heren Proteingehalt, was deutlich f\u00fcr die N\u00e4hrstoffverf\u00fcgbarkeit bei der \u00c4hrenbildung spricht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verfahren zur D\u00fcngerherstellung aus G\u00fclle und Laub ist bereits EU-weit patentiert. Nach dem Erfolg im ersten Feldversuch ist Huster zufolge auch das Interesse der Landwirtschaft an dem neuartigen D\u00fcnger stark gestiegen. Er ist optimistisch, dass am Ende der Projektlaufzeit ein \u201einteressantes Produkt\u201c verf\u00fcgbar ist, das Landwirte und Kommunen gleicherma\u00dfen zufriedenstellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch immer gelangt zu viel Nitrat durch unsachgem\u00e4\u00dfes D\u00fcngen in B\u00f6den, Grundwasser und Gew\u00e4sser. Vor allem in landwirtschaftlich gepr\u00e4gten Regionen ist das Grundwasser daher h\u00e4ufig zu stark mit Nitrat belastet. Denn wird mehr ged\u00fcngt als Pflanzen und B\u00f6den aufnehmen k\u00f6nnen, sickert \u00fcbersch\u00fcssiges Nitrat in das Wasserreservoir unter unseren F\u00fc\u00dfen. 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