{"id":109821,"date":"2022-05-27T07:32:00","date_gmt":"2022-05-27T05:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=109821"},"modified":"2022-05-23T12:20:17","modified_gmt":"2022-05-23T10:20:17","slug":"erfolgreiches-change-management-fur-eine-umweltfreundliche-offentliche-beschaffung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/erfolgreiches-change-management-fur-eine-umweltfreundliche-offentliche-beschaffung\/","title":{"rendered":"Erfolgreiches Change Management f\u00fcr eine umweltfreundliche \u00f6ffentliche Beschaffung"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p><strong>Eine <a href=\"https:\/\/www.wiwi.uni-wuerzburg.de\/lehrstuhl\/bwl2\/forschung\/forschungprojekte\/oeffentliche-beschaffung-von-produkten-aus-nachwachsenden-rohstoffen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">aktuelle Studie<\/a> der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg befasst sich mit der Situation der \u00f6ffentlichen Beschaffung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland. Dazu wurden \u00fcber 1.000 Vergabestellen befragt, 60 Ausschreibungsplattformen analysiert und qualitative Interviews, u.a. in Best-Practice-Kommunen, gef\u00fchrt. Im Ergebnis lassen sich wichtige Erkenntnisse ableiten, mit denen Verwaltungen und Kommunen ihre Beschaffungsstrukturen erfolgreich klimaneutral umstellen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"500\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Nachwachsende_Rohstoffe_Offentliche_Beschaffung_Universitat_Wurzburg.png\" alt=\"Das Projekt &quot;Identifikation, Visualisierung und Analyse verwaltungsinterner Strukturen zur F\u00f6rderung der \u00f6ffentlichen Beschaffung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen&quot; wird vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des F\u00f6rderprogramms Nachwachsende Rohstoffe \/ Gesellschaftlicher Dialog gef\u00f6rdert. Das Team unter der Leitung von Prof. Ronald Bogaschewsky v.l.n.r.: Pia Moschall, Jennifer Keidel, Katrin Rupprecht, Foto: Keidel\" class=\"wp-image-109844\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Nachwachsende_Rohstoffe_Offentliche_Beschaffung_Universitat_Wurzburg.png 800w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Nachwachsende_Rohstoffe_Offentliche_Beschaffung_Universitat_Wurzburg-300x188.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Nachwachsende_Rohstoffe_Offentliche_Beschaffung_Universitat_Wurzburg-150x94.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Nachwachsende_Rohstoffe_Offentliche_Beschaffung_Universitat_Wurzburg-768x480.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/Nachwachsende_Rohstoffe_Offentliche_Beschaffung_Universitat_Wurzburg-400x250.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Das Projekt &#8220;Identifikation, Visualisierung und Analyse verwaltungsinterner Strukturen zur F\u00f6rderung der \u00f6ffentlichen Beschaffung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen&#8221; wird vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des F\u00f6rderprogramms Nachwachsende Rohstoffe \/ Gesellschaftlicher Dialog gef\u00f6rdert. Das Team unter der Leitung von Prof. Ronald Bogaschewsky v.l.n.r.: Pia Moschall, Jennifer Keidel, Katrin Rupprecht, Foto: Keidel<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Professor Bogaschewsky, wie hat sich das Thema nachhaltige Beschaffung der \u00f6ffentlichen Hand in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht entwickelt? Kann man sagen, dass nachwachsende Rohstoffe inzwischen eine feste Gr\u00f6\u00dfe bei der Beschaffung von Produkten und der Auftragsvergabe an Dienstleister sind?<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"282\" height=\"200\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/csm_Ronald_Bogaschewsky_Change_Management_Nachhaltiger_Einkauf_FNR_Newsletter_297a05980b.png\" alt=\"Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky ist Lehrstuhlinhaber f\u00fcr BWL und Industriebetriebslehre an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg und besch\u00e4ftigt sich u.a. mit \u00f6kologischen Beschaffungsstrategien und betrieblicher Umweltwirtschaft. \" class=\"wp-image-109845\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/csm_Ronald_Bogaschewsky_Change_Management_Nachhaltiger_Einkauf_FNR_Newsletter_297a05980b.png 282w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/csm_Ronald_Bogaschewsky_Change_Management_Nachhaltiger_Einkauf_FNR_Newsletter_297a05980b-150x106.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><figcaption>Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky ist Lehrstuhlinhaber f\u00fcr BWL und Industriebetriebslehre an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg und besch\u00e4ftigt sich u.a. mit \u00f6kologischen Beschaffungsstrategien und betrieblicher Umweltwirtschaft. <br>Foto: Bogaschewsky<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Ronald Bogaschewsky<\/strong>: Die Beschaffung \u00f6kologisch nachhaltiger Produkte seitens der \u00d6ffentlichen Auftraggeber (\u00d6A) hat zwar offiziell einen h\u00f6heren Stellenwert bekommen, insgesamt erscheint deren Bedeutung aktuell in der Gesamtschau aber nach wie vor eher gering zu sein. Das gilt ebenso bzw. sogar st\u00e4rker f\u00fcr Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele \u00d6A begn\u00fcgen sich mit einer stark \u00f6kologisch nachhaltigkeitsbezogenen Beschaffung einzelner G\u00fcterkategorien. Ein typisches \u201eEinsteigerbeispiel\u201c ist hier das Recyclingpapier. Von einer systematischen und umfassenden Beschaffungsstrategie, die \u00f6kologische Aspekte \u00e4hnlich hoch bewertet wie den Einstandspreis, sind die meisten \u00d6A jedoch weit entfernt. Einzelne positive Beispiele zeigen, dass es auch anders geht. Hier gibt es vor allem eine von der F\u00fchrungsebene vorgegebene Strategie und klare Anweisungen, wie \u00f6kologische Aspekte bei den Vergaben einzubringen und zu bewerten sind. So erhalten die einzelnen mit den Vergaben befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen wohldefinierten Handlungsrahmen und die notwendige Handlungssicherheit. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch Priorisierungen. Beispielsweise ist der CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck einer gr\u00f6\u00dferen Bauma\u00dfnahme und der sp\u00e4tere Betrieb des Geb\u00e4udes erheblich bedeutender als die CO<sub>2<\/sub>-Reduzierung bei der Beschaffung der meisten Gelegenheitsprodukte. Gerade mit Letzteren besch\u00e4ftigen sich jedoch h\u00e4ufig nachhaltigkeitsorientiert arbeitende Vergabestellen, wohingegen oft der Mut fehlt, die gro\u00dfen \u201eKlimakiller\u201c im Bau- und Mobilit\u00e4tsbereich ernsthaft anzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird hier ohne weitere politische Weichenstellungen hinsichtlich der Bepreisung von Klimagasen, dem Quasi-Zwang zum Anstellen von \u2013 monet\u00e4ren und \u00f6kologischen \u2013 Lebenszyklusanalysen und einer konsequenten F\u00fchrung unter Vorgabe von \u00f6kologischen Zielen und Rahmenbedingungen nicht wirklich vorangehen. Die zunehmende Bepreisung des CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdrucks, sowohl innerhalb der EU als auch durch die avisierte EU-Grenzsteuer (CBAM), wird hier sicherlich Wirkung entfalten, muss aber durch mutige Ziele und konkrete Handlungsvorgaben flankiert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum sind nachwachsende Rohstoffe f\u00fcr Sie von besonderer Relevanz bei der nachhaltigen Beschaffung?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Ronald Bogaschewsky<\/strong>: Es d\u00fcrfte klar sein, dass wir die Klimaschutzziele verfehlen werden, wenn nicht massiv auf Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen, auf prim\u00e4r nicht fossile Energiegewinnung sowie auf eine Kreislaufwirtschaft gesetzt wird. Die Dringlichkeit der Ma\u00dfnahmen wurde j\u00fcngst wieder durch den aktuellen IPCC-Bericht verdeutlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach wie vor dr\u00fccken die Marktpreise nur einen Teil der tats\u00e4chlichen Kosten aus. Vor allem werden die durch die Rohstoffgewinnung, die Produktion, die Nutzung und die Entsorgung der G\u00fcter entstehenden negativen externen Effekte bzw. die hieraus resultierenden Kosten zum gr\u00f6\u00dften Teil der Gemeinschaft aufgeb\u00fcrdet. Diese \u201esozialen\u201c Kosten sind bei Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen in der Regel erheblich geringer als bei solchen, die auf mineralischen Rohstoffen oder fossilen Energietr\u00e4gern basieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die globale Lage muss hier inzwischen als dramatisch bezeichnet werden, da das Gros der f\u00fcr unsere Zukunft besonders wichtigen Rohstoffe und fossilen Energietr\u00e4ger in der Hand von wenigen L\u00e4ndern liegt, die weder als Demokratien gelten noch im Engpassfall die Bereitschaft haben d\u00fcrften, diese G\u00fcter in ausreichendem Ma\u00dfe \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 \u00fcber den freien Weltmarkt anzubieten. Insgesamt d\u00fcrften daher, unter Einrechnung aller Kosten, Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen sogar kosteng\u00fcnstiger als konventionelle Produkte sein. Diese Vorteilhaftigkeit wird noch deutlicher, wenn man die geringere gesundheitliche Belastung der Verwender und der Gesellschaft sowie die Reduzierung politischer Abh\u00e4ngigkeiten von autokratisch gef\u00fchrten Staaten mit ins Kalk\u00fcl nimmt. Klar ist aber auch, dass \u2013 auch vor dem Hintergrund des kriegsbedingten Ausfalls des gr\u00f6\u00dften Weizenlieferanten, der Ukraine \u2013 die Priorisierung bei der Verwendung von Lebensmitteln sinnvoll sein muss, also auch \u201eTeller vor Tierfutter vor Tank\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Rolle spielen Siegel und Zertifizierungen bei der Beschaffung von nachhaltigen Produkten? Gibt es hier Unterschiede zwischen den einzelnen Produktgruppen?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Ronald Bogaschewsky<\/strong>: Siegel und Zertifizierungen k\u00f6nnen eine wichtige Orientierungs- und Auswahlfunktion bei Beschaffungen einnehmen, denn sie k\u00f6nnen die Einhaltung gewisser Standards und Anforderungen unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkrete Siegel oder Zertifizierungen k\u00f6nnen bei Ausschreibungen in der Leistungsbeschreibung oder in den Eignungskriterien als Mindeststandard gefordert werden. Zudem besteht die M\u00f6glichkeit, die Siegel in den Zuschlagskriterien aufzuf\u00fchren. Je nach Relevanz kann ein Siegel dann entsprechend stark gewichtet werden. Bei Vergaben mit hohem Nachhaltigkeitsanspruch kann die Aufnahme von Siegeln in den Zuschlagskriterien auch einen Anreiz an die Anbieter setzen, mehr Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen anzubieten. H\u00e4ufig verwendete Siegel sind zum Beispiel PEFC und FSC f\u00fcr Holzprodukte sowie das EU Ecolabel und der Blaue Engel, die bei vielen der Produktgruppen eine relevante Rolle spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Produktgruppen, in denen es zahlreiche Siegel und Zertifizierungen gibt und in denen auch entsprechend viele Ausschreibungen mit Bezug zu nachhaltigen Produkten ver\u00f6ffentlicht werden, sind zum Beispiel B\u00fcroartikel, Textilien sowie B\u00fcro- und Raumausstattung. In Bereichen wie D\u00fcnge- und Pflanzenschutzmittel oder Schmierstoffe werden bisher nur sehr wenige Siegel verwendet. Das k\u00f6nnte allerdings auch an der geringen Anzahl verf\u00fcgbarer Umweltsiegel f\u00fcr diese Produktgruppen liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>So wichtig Siegel und Zertifizierungen in vielen Produktbereichen auch sind, f\u00fcr viele Bereiche existieren bisher keine solchen \u201eStandards\u201c. Zudem gilt zu beachten, dass ohne eingehende Kenntnisse hinsichtlich der gepr\u00fcften Eigenschaften der Produkte bspw. nicht transparent ist, welche Gefahrstoffe oder umweltsch\u00e4digenden Substanzen sich trotzdem noch im Produkt befinden k\u00f6nnen und welche Umweltbelastung mit dem Herstellungsprozess verbunden sein kann. Wer sich einmal durch den \u201eZertifikate-Dschungel\u201c im Bereich Textilien gearbeitet hat, versteht sehr gut, dass auch Siegel und Zertifikate mit Bedacht zu verwenden sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gibt es Unterschiede bei der Beschaffung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen im Hinblick auf bestimmte Produktgruppen? Welche Produkte haben bereits eine gute \u201eNachhaltigkeitsquote\u201c im Einkauf, in welchen Bereichen gibt es noch Potenzial?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Ronald Bogaschewsky<\/strong>: Bei der Beschaffung von biobasierter Energie wird naturgem\u00e4\u00df und bei B\u00fcroartikeln und -ausstattung gezielt h\u00e4ufiger auf Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen zur\u00fcckgegriffen. Bei B\u00fcrobedarfen liegt ein breiteres Angebot an nachhaltigen Produkten vor und zumindest im Bereich der Verbrauchsmaterialien sind die Preise oft nicht \u201ef\u00fchlbar\u201c h\u00f6her als f\u00fcr vergleichbare konventionelle Produkte bzw. kann man mit eher geringen zus\u00e4tzlichen Ausgaben den Willen zu mehr Nachhaltigkeit demonstrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Preis nach wie vor einer der wichtigsten Faktoren bei Beschaffungsentscheidungen ist, f\u00fchrt ein konkurrenzf\u00e4higer Einstandspreis f\u00fcr nachhaltige Produkte entsprechend zu deren h\u00e4ufigerer Wahl unter allen Beschaffungsalternativen. Analog dazu verh\u00e4lt es sich bei der \u201eNachhaltigkeitsquote\u201c in den beschafften Produktgruppen, also dem Anteil nachhaltiger Produkte und damit h\u00e4ufig aus nachwachsenden Rohstoffen im Vergleich zu konventionellen Produkten. Nahezu die H\u00e4lfte aller \u00f6ffentlichen Auftraggeber gaben in unseren Studien an, dass der Anteil der biobasierten B\u00fcroartikel bzw. -ausstattung sowie der nachhaltig erzeugten Energie bereits bei mindestens 60 % liege. Dahingegen betrug der Anteil an biobasierten im Gegensatz zu konventionellen Baustoffen nur maximal 20 %. Hier besteht also noch erhebliches Wachstumspotenzial.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur zwischen Produktgruppen, sondern auch zwischen den beschaffenden Institutionen lassen sich Unterschiede bei den Nachhaltigkeitsquoten feststellen. So ist der Anteil an nachhaltigen Produkten in Krankenh\u00e4usern am geringsten. Dies liegt vor allem an den strikten gesetzlichen Vorgaben, die f\u00fcr Gesundheitseinrichtungen gelten. Dahingegen setzen gerade Kommunen und Ministerien vergleichsweise am st\u00e4rksten im \u00f6ffentlichen Sektor auf die Beschaffung nachhaltiger Produkte.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was sind die gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden bei der Umsetzung von umweltfreundlichen Einkaufsstrategien in Kommunen und Beh\u00f6rden?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Ronald Bogaschewsky<\/strong>: Dem Einkauf von nachhaltigen Produkten stehen diverse H\u00fcrden entgegen. Zum einen fehlt den Bedarfstr\u00e4gern h\u00e4ufig das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Notwendigkeit von Ver\u00e4nderungen im Beschaffungsverhalten. Vorbehalte bestehen vor allem hinsichtlich der oftmals, aber nicht immer h\u00f6heren Preise. Zudem wird nicht selten pauschal eine vergleichsweise unzureichende Qualit\u00e4t der Produkte unterstellt. Die Beschafferinnen und Beschaffer selbst w\u00fcnschen sich h\u00e4ufig st\u00e4rkere Unterst\u00fctzung durch ihre Vorgesetzten und h\u00f6here Verwaltungsebenen, um die bei der Ber\u00fccksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien komplexeren Beschaffungsvorg\u00e4nge zielgerichtet und sicher durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Au\u00dferdem stellt die Recherche von nachhaltigen Produktalternativen und entsprechenden Anbieterunternehmen einen zus\u00e4tzlichen Aufwand dar, der angesichts knapper personeller und zeitlicher Ressourcen h\u00e4ufig nicht gestemmt werden kann. Das Informationsangebot zu Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen wird als sehr un\u00fcbersichtlich empfunden. Die Antwortenden w\u00fcnschen sich daher mehr unabh\u00e4ngiges Informationsmaterial und Best-Practices sowie \u00dcbersichten \u00fcber Anbieterunternehmen. Dabei ist der Einsatz geeigneter digitaler Hilfsmittel zwecks Herstellung einer verbesserten Angebotstransparenz in der Regel deutlich ausbaubar. Auch diesbez\u00fcglich wollen wir die \u00d6A mit unserem Projekt unterst\u00fctzen und arbeiten an der Bereitstellung einer entsprechenden informationsorientierten Internet-Plattform. Schlie\u00dflich spielt der Preis eine wichtige und oftmals dominante Rolle. Da Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen h\u00e4ufig h\u00f6here Einstandspreise haben und der Preis meist noch das Hauptkriterium bei der Vergabe ist, erhalten nachhaltige Alternativen oft nicht den Zuschlag.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Hinweise w\u00fcrden Sie Kommunen und Beh\u00f6rden an die Hand geben, um nachhaltigen Einkauf erfolgreich zu etablieren?<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Ronald Bogaschewsky<\/strong>: Nach wie vor wird h\u00e4ufig von Unsicherheiten seitens der mit der Vergabe Befassten berichtet, wie \u00f6kologische Aspekte einbezogen werden k\u00f6nnen und d\u00fcrfen. Hier sollte ein klarer Handlungsrahmen bei den \u00d6A formuliert werden, der die notwendige Sicherheit im Handeln gibt. Eine rein vergaberechtliche Regelung macht diesen nicht \u00fcberfl\u00fcssig \u2013 es muss sich st\u00e4rker an realem Handeln von Menschen und weniger an vermeintlichen juristischen Hinderungsgr\u00fcnden orientiert werden, zumal das aktuelle Vergaberecht hier nur noch in bestimmten F\u00e4llen blockierend wirken mag.<\/p>\n\n\n\n<p>Mindestens ebenso wichtig, wenn nicht sogar dominant, sind die eindeutig formulierte Vision und Strategie seitens der obersten Leitungsebene. Eine definierte Vision wie: \u201eWir wollen eine nachhaltige Stadt werden\u201c, begleitet mit Verwaltungsvorschriften und vergaberelevanten Anleitungen wie der Durchf\u00fchrung von Lebenszyklusanalysen, der Einbeziehung von \u201eSchattenpreisen\u201c f\u00fcr Klimagase und andere umweltsch\u00e4dliche Aspekte von Produkten verbindet den unabdingbaren nachhaltigkeitsbezogenen F\u00fchrungswillen mit der Operationalisierung bei den Beschaffungsprozessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das notwendige Know-how und die erforderliche Koordination sollte bei gr\u00f6\u00dferen \u00d6A durch die Implementierung einer Nachhaltigkeits-Kompetenzabteilung sichergestellt werden. Angesichts der Aufgaben, die durch das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und das avisierte EU-Lieferkettengesetz f\u00fcr beschaffende Institutionen formuliert werden, d\u00fcrfte hieran ohnehin kein Weg vorbeif\u00fchren. Es sollte aber auch die Kommunikation mit externen Wissenstr\u00e4gern aus anderen \u00f6ffentlichen Institutionen gesucht und gepflegt werden, wie dies beispielsweise \u00fcber das Verwaltungs- und Beschaffernetzwerk (www.vubn.de) auf sichere und kostenlose Weise m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem muss die Beschaffung dahingehend professionalisiert werden, dass eine strukturierte \u2013 auch mittelfristige \u2013 Bedarfsanalyse sowie eine systematische produktbezogene Beschaffungsmarktanalyse als permanente Aufgabe wahrgenommen und durchgef\u00fchrt wird. Bedarfstr\u00e4ger m\u00fcssen die M\u00f6glichkeit haben, sich zuverl\u00e4ssig und auf einfache Weise \u00fcber alternative Produktspezifikationen und deren Kosten und Nutzen informieren zu k\u00f6nnen. Ist erst einmal ein Bedarf \u201ekonventionell\u201c spezifiziert, f\u00e4llt es sehr schwer, hier nachtr\u00e4glich \u00f6kologische Kriterien zu ber\u00fccksichtigen. Zudem beklagen viele \u00f6ffentliche Bedarfstr\u00e4ger und Eink\u00e4ufer eine mangelnde Transparenz hinsichtlich am Markt verf\u00fcgbarer nachhaltiger Produktalternativen. Hier stehen geeignete digitale Tools und Internet-Plattformen zur Verf\u00fcgung, die regelm\u00e4\u00dfiger Bestandteil der Nutzung bei \u00f6ffentlichen Beschaffungsaufgaben werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das Interview f\u00fchrte Ute Papenfu\u00df, Referentin f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Bereich Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf bei der FNR<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund<\/h3>\n\n\n\n<p>Die FNR ist als Projekttr\u00e4ger des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL) f\u00fcr das F\u00f6rderprogramm Nachwachsende Rohstoffe verantwortlich. Die FNR-Fachberatung \u201eNachwachsende Rohstoffe im Einkauf\u201c bietet Informationen und praktische Hilfestellungen f\u00fcr die umweltfreundliche Beschaffung von biobasierten Produkten in verschiedensten Bereichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weitere Informationen<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00f6rderprojekt \u201eIdentifikation, Visualisierung und Analyse verwaltungsinterner Strukturen zur F\u00f6rderung der \u00f6ffentlichen Beschaffung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen\u201c der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg <a href=\"https:\/\/www.fnr.de\/index.php?id=11150&amp;fkz=2219NR183\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.fnr.de\/index.php?id=11150&amp;fkz=2219NR183<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Projektseite des Lehrstuhls f\u00fcr BWL und Industriebetriebslehre and der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg <a href=\"https:\/\/www.wiwi.uni-wuerzburg.de\/lehrstuhl\/bwl2\/forschung\/forschungprojekte\/oeffentliche-beschaffung-von-produkten-aus-nachwachsenden-rohstoffen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.wiwi.uni-wuerzburg.de\/lehrstuhl\/bwl2\/forschung\/forschungprojekte\/oeffentliche-beschaffung-von-produkten-aus-nachwachsenden-rohstoffen\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Themenportal Nachhaltige Beschaffung der FNR <a href=\"https:\/\/beschaffung.fnr.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/beschaffung.fnr.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontakt<\/h3>\n\n\n\n<p>Ute Papenfu\u00df<br>Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.<br>Tel.: +49 3843 6930-256<br>E-Mail: <a href=\"mailto:u.papenfuss@fnr.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">u.papenfuss@fnr.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine aktuelle Studie der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg befasst sich mit der Situation der \u00f6ffentlichen Beschaffung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland. Dazu wurden \u00fcber 1.000 Vergabestellen befragt, 60 Ausschreibungsplattformen analysiert und qualitative Interviews, u.a. in Best-Practice-Kommunen, gef\u00fchrt. Im Ergebnis lassen sich wichtige Erkenntnisse ableiten, mit denen Verwaltungen und Kommunen ihre Beschaffungsstrukturen erfolgreich klimaneutral umstellen k\u00f6nnen. 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