{"id":10959,"date":"2008-06-03T00:00:00","date_gmt":"2008-06-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080603-05n"},"modified":"2008-06-03T00:00:00","modified_gmt":"2008-06-02T22:00:00","slug":"nova-kongressbericht-weisse-biotechnologie-in-europa-auf-dem-weg-zur-weltspitze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-kongressbericht-weisse-biotechnologie-in-europa-auf-dem-weg-zur-weltspitze\/","title":{"rendered":"nova-Kongressbericht: Wei\u00dfe Biotechnologie in Europa auf dem Weg zur Weltspitze"},"content":{"rendered":"<p><b>Vom 21. bis 22. Mai 2008 fand im Frankfurter Sheraton Congress Hotel der erste <a href=\"http:\/\/www.iir-events.com\/IIR-conf\/LifeSciences\/EventView.aspx?EventID=1453\" >White Biotechnology Summit<\/a> statt. In \u00fcberschaubarer Runde mit rund 30 hochrangigen Vertretern aus Industrie und Forschung wurden Positionen und Hintergr\u00fcnde zum Stand der industriellen Biotechnologie ausgetauscht und diskutiert. Einigkeit herrschte vor allem in Einem: Die Forschung zur Wei\u00dfen Biotechnologie in Europa hat das Potenzial, international eine f\u00fchrende Rolle in der Grundlagenforschung und Anwendung einzunehmen.<\/b><\/p>\n<p><b>Politische Grundlagen<\/b><br \/>Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. John Slime, dem Direktor der Arbeitsgruppe <a href=\"http:\/\/ktn.globalwatchonline.com\/epicentric_portal\/site\/bfb\" >Bioscience for Business<\/a>, der Knowledge Transfer Networks, Gro\u00dfbritannien. Dr. Alfredo Aguilar, der Leiter der <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/biotechnology\/index_en.htm\" >Sektion Biotechnologie der Europ\u00e4ischen Kommission<\/a> stellte im Einf\u00fchrungsseminar das europ\u00e4ische F\u00f6rderprogramm &#8220;Knowledge-Based Bio-Economy&#8221; und dessen Anforderungen an die europ\u00e4ische Industrie und Wissenschaft dar. Dabei r\u00fcckte er vor allem den Faktor &#8220;Wissen&#8221; als Nische f\u00fcr die europ\u00e4ische Biotechnologie in den Vordergrund.<\/p>\n<p>Deutlich provokanter wandte sich nachfolgend Ricardo Gent, Sprecher der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (<a href=\"http:\/\/www.dib.org\/\" >DIB<\/a>), an das Publikum. Unter dem einpr\u00e4gsamen Slogan &#8220;Lead market needs market&#8221; stellte er klar, dass eine Spitzenposition der europ\u00e4ischen Biotechnologie nur dann erreicht werden kann, wenn der Markt nicht durch die europ\u00e4ische Gesetzgebung eingeschr\u00e4nkt wird. Sein Statement: Die Biotechnologie braucht den freien Zugang zu allen technischen M\u00f6glichkeiten, um ihre Marktposition gegen\u00fcber Nordamerika und Asien behaupten und ausbauen zu k\u00f6nnen. Er forderte vor allem den Zugang zu ertragsoptimierten gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen, der nach aktueller Gesetzeslage weitgehend verwehrt ist und bereits am Beginn der Wertsch\u00f6pfungskette einen Engpass f\u00fcr die Entwicklung schafft. An mehreren Beispielen zeigte er zudem auf, welche Produkte sich aktuell in der Entwicklung bzw. auf dem Markt befinden.<\/p>\n<p><b>Wirtschaft und Industrie<\/b><br \/>Tiefere Einblicke in die wirtschaftlichen und industriellen Fakten zum Einsatz von Biotechnologie in der Industrie bescherten den Teilnehmern Dr. Ulrich Weihe von <a href=\"http:\/\/www.mckinsey.at\/html\/home\/index.asp\" >McKinsey and Company<\/a> sowie Ralf Kelle, der Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung Biotechnologie der <a href=\"http:\/\/corporate.evonik.de\/de\/index.html\" >Evonik Degussa GmbH<\/a>. Weihe stellte den aktuellen Markt und die McKinsey-Prognosen f\u00fcr 2010 dar. Dabei prognostizierte er, dass die Wei\u00dfe Biotechnologie 2010 mit einem Marktvolumen von 125 Mrd. Euro einen Anteil von 10% an den Gesamteinnahmen der chemischen Industrie haben werde. <\/p>\n<p>Er demonstrierte auch den Zusammenhang zwischen Rohstoffpreisen und Produktwahl sowie die Schwierigkeit bei der Bemessung von Kohlenstoffdioxidbilanzen als Grundlage f\u00fcr eine Diskussion um Umweltvertr\u00e4glichkeiten. Ein spannender Aspekt: Obwohl die Wei\u00dfe Biotechnologie eine fast un\u00fcberschaubare Vielfalt an potenziellen Erzeugnissen erm\u00f6glicht, konzentriert sich die chemische Industrie nur auf sehr wenige, relativ unkomplizierte Schl\u00fcsselprodukte. Ethanol, Milchs\u00e4ure, 1,3-Propandiol, Butanol und Bernsteins\u00e4ure sind die einzigen Produkte, die aktuell in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab \u00fcber Bioraffinerien hergestellt werden.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Konzentration auf Schl\u00fcsselsubstanzen legten Ralf Kelle und sp\u00e4ter auch Christoph Rupp-Dahlem, <a href=\"http:\/\/www.roquette.fr\/\" >Roquette<\/a>, dar. Sie liegen vor allem in den Kosten und der Komplexit\u00e4t biotechnologischer Prozesse, die gegen\u00fcber konventioneller chemischer Industrie nur relativ selten effektive Vorteile bringen. Die Kosten zur Entwicklung eines Produktes betragen im Bereich Forschung und Entwicklung etwa 30 Millionen Euro, der Aufbau der notwendigen Anlagen schl\u00e4gt mit weiteren 100 Millionen Euro zu Buche, und f\u00fcr Pilotprojekte, Patentanmeldung und Markteinf\u00fchrung eines neuen Projektes werden weitere 13 Millionen Euro angenommen. <\/p>\n<p>Diese Kosten sind \u00f6konomisch nur dann gerechtfertigt, wenn sie zu einer effektiven Reduzierung der Produktionskosten der biotechnologischen Alternative, vor allem der Rohstoff- und Energiekosten, f\u00fchren. Das Argument der Umweltvertr\u00e4glichkeit und Nachhaltigkeit spielt gegen\u00fcber der Kostenkontrolle dagegen eine sehr stark untergeordnete Rolle bei der Produktionsentscheidung. Roquette, die das Potenzial von biotechnologisch hergestellter Bernsteins\u00e4ure auf der Basis von Maisst\u00e4rke erforschen, suchen entsprechend auch eher nach einem Weg, Butandiol als Zwischenprodukt mit sehr gro\u00dfem Potenzial zu gewinnen.<\/p>\n<p><b>Rohstoffe<\/b><br \/>Einen weiteren Schwerpunkt stellten die Rohstoffe dar und dabei vor allem die Fragen nach deren Herkunft und Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr die biotechnologische Produktion. Der zentrale Hoffnungstr\u00e4ger hierbei ist die Zellulose, die auf gro\u00dftechnischem Weg zu Zucker zerlegt werden soll. Techniken zur Herstellung von hochwertigem Zucker aus Lignocellulosen existieren aktuell keine, verschiedene Technologien befinden sich aber in der Entwicklung. Dabei stellt Cellulosezucker den Hoffnungstr\u00e4ger sowohl f\u00fcr die Biokraftstoffindustrie dar, wie Jack Huttner, Vizepr\u00e4sident des Abteilung &#8220;Biorefinery Business Development&#8221; bei <a href=\"http:\/\/www.genencor.com\/\" >Genencor<\/a> in den USA, aufzeigte, als auch f\u00fcr die chemische Industrie, wo Zucker als Basis fast aller zentralen Zwischenprodukte gebraucht wird.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-buchbesprechung-pflanzen-als-rohstoffe-fuer-die-zukunft\/\" >2008-05-14<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-nrw-25-millionen-euro-fuer-industrielle-biotechnologie\/\" >2008-03-17<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/industrielle-biotechnologie-foerderung-europaeischer-forschungsprojekte\/\" >2008-02-26<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Vom 21. bis 22. Mai 2008 fand im Frankfurter Sheraton Congress Hotel der erste White Biotechnology Summit statt. 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