{"id":10937,"date":"2008-06-12T00:00:00","date_gmt":"2008-06-11T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080611-07n"},"modified":"2008-06-12T00:00:00","modified_gmt":"2008-06-11T22:00:00","slug":"faserpflanzen-aus-oekologischem-anbau-anbau-verarbeitung-markt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/faserpflanzen-aus-oekologischem-anbau-anbau-verarbeitung-markt\/","title":{"rendered":"Faserpflanzen aus \u00f6kologischem Anbau: Anbau &#8211; Verarbeitung &#8211; Markt"},"content":{"rendered":"<p><b>Heimische Faserpflanzen wie Flachs, Hanf und Nessel bieten bisher ungenutzte Potentiale f\u00fcr den \u00f6kologischen Anbau. Dies war das Credo der Fachtagung &#8220;Faserpflanzen aus \u00f6kologischem Anbau&#8221; im Juni 2007 in Kassel. Schwerpunkt der vom <a href=\"http:\/\/www.forschungsring.de\/\" >Forschungsring f\u00fcr Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise e.V.<\/a> ausgerichteten und vom Hessischen Umweltministerium (<a href=\"http:\/\/www.hmulv.hessen.de\/\" >HMULV<\/a>) gef\u00f6rderten Veranstaltung war die Analyse der notwendigen Voraussetzungen f\u00fcr eine Steigerung bei Erzeugung und Nachfrage der heimischen Faserpflanzen Flachs, Hanf und Nessel.<\/b><\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080611-07\/Neues_Bild.jpg\" align=\"right\" style=\"margin-left:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Neues_Bild.jpg\"\/>Wilhelm Dietzel, Hessischer Minister f\u00fcr Umwelt, L\u00e4ndlichen Raum und Verbraucherschutz, betonte in seinem <b>Gru\u00dfwort<\/b> die gro\u00dfen Anstrengungen des Landes Hessen im Bereich Nachwachsende Rohstoffe. So soll der Anteil an Bioenergie bis 2015 auf 15 Prozent steigen. Als positives Beispiel f\u00fcr die stoffliche Nutzung nannte Dietzel das Bio-Leinen-Projekt, an dem neben acht Bio-Landwirten auch das Institut f\u00fcr Biologisch-Dynamische Forschung und die Firma Hess Natur-Textilien beteiligt sind. In dem vom Land Hessen gef\u00f6rderten Projekt wurde von Anfang eine geschlossene Prozesskette vom Landwirt \u00fcber die Verarbeitung bis zum Handel verwirklicht. Dies sei beispielhaft f\u00fcr zuk\u00fcnftige Modelle.&#8221;<\/p>\n<p>Den Stand der Nutzung von <b>Faserhanf in Deutschland und Europa<\/b> stellte Michael Carus vom <a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/nr\" >nova-Institut<\/a> in H\u00fcrth vor. Hier liegen die Schwerpunkte in Verbundwerkstoffen f\u00fcr die Automobilindustrie und bei D\u00e4mmstoffen. Hanf muss sich dabei gegen eine starke Konkurrenz ausl\u00e4ndischer Fasern wie Kokos und Sisal, aber auch gegen Nebenprodukte der Flachsverarbeitung durchsetzen. Ein weiteres Problem f\u00fcr die erfolgreiche Etablierung von Faserhanf als landwirtschaftliche Kultur ist das Ungleichgewicht in der F\u00f6rderung gegen\u00fcber Energiepflanzen. Hier m\u00fcsse die Politik handeln, um in Zukunft allen nachwachsenden Rohstoffen vergleichbare Voraussetzungen zu bieten.<\/p>\n<p>Katharina Schaus (Institute for Marketecology <a href=\"http:\/\/www.imo.ch\/\" >IMO<\/a>) stellte den neu eingef\u00fchrten <b>&#8220;Global Organic Textile Standard&#8221;<\/b> vor, der f\u00fcr zertifizierte Textilien einen gestuften Mindestanteil \u00f6kologisch angebauter Fasern von 75 bis 95 Prozent vorschreibt. Damit sei in Zukunft ein hohes Qualit\u00e4tsniveau gew\u00e4hrleistet, das dem Verbraucher die Sicherheit einer \u00f6kologischen Erzeugung bietet. Die beteiligten Organisationen erwarten dar\u00fcber hinaus eine vereinfachte Zertifizierung sowie eine klare Kennzeichnung f\u00fcr die Kunden.<\/p>\n<p>Egon Heger berichtete vom mehr als zehnj\u00e4hrigen <b>\u00f6kologischen Flachsanbau in Schleswig-Holstein<\/b>. W\u00e4hrend die Anforderungen des Anbaus weitgehend gemeistert werden konnten, zeigte sich, dass eine Vermarktung, die sich an h\u00f6chsten Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen orientiert, sehr problematisch ist. So l\u00e4sst sich die hohe Qualit\u00e4t der Textilien teilweise nicht in h\u00f6here Preise umsetzen. Zur besseren Auslastung der Verarbeitungsanlagen musste auch konventioneller Flachs eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Eckart Grundmann vom Institut f\u00fcr Biologisch-Dynamische Forschung (<a href=\"http:\/\/www.ibdf.de\/\" >IBDF<\/a>) in Darmstadt berichtete von den Erfahrungen der ersten Anbaujahre im <b>hessischen Bio-Leinen-Projekt<\/b>. Durch verbesserte Saattechnik und Ernteverfahren konnte der Ertrag im zweiten Jahr um \u00fcber 40% gesteigert werden. Dabei wurden gute bis sehr gute Faserqualit\u00e4ten erzeugt. Die durch die Firma <a href=\"http:\/\/www.hess-natur.de\/\" >Hess Natur<\/a> daraus hergestellten Hemden sind seit Fr\u00fchjahr 2007 im Handel. F\u00fcr die Zukunft ist eine Ausweitung des Anbaus auf \u00fcber 40 Hektar geplant. Grundmann pr\u00e4sentierte fr\u00fchere Versuche an verschiedenen Forschungseinrichtungen zum Anbau von <b>Fasernesseln im \u00f6kologischen Anbau<\/b>. Danach lassen sich durch den mehrj\u00e4hrigen Anbau sehr gute Faserqualit\u00e4ten erzielen, die f\u00fcr den \u00f6kologischen Landbau besonders auch \u00f6konomisch sehr interessant seien. Allerdings m\u00fcssten noch Anbauverfahren f\u00fcr die Praxis entwickelt werden.<\/p>\n<p>\u00dcber ein deutsch-niederl\u00e4ndisches Projekt zum <b>\u00f6kologischen Anbau von Faserhanf<\/b> referierte Marcel Toonen von der Universit\u00e4t Wageningen. Neben anbautechnischen Fragen ging es besonders darum zu pr\u00fcfen, welche Faserqualit\u00e4ten hergestellt werden k\u00f6nnen. Dabei wird zum Faseraufschluss das Steam-Explosion-Verfahren angewendet, welches bei sehr geringem Energieeinsatz sehr gute Fasern hervorbringt. Mehrere gro\u00dfe Textilunternehmen zeigten bereits Interesse, so dass die Errichtung einer industriellen Faserverarbeitungsanlage geplant sei und der Anbau auf 3.000 Hektar ausgedehnt werden solle.<\/p>\n<p>Kai Nebel vom Institut f\u00fcr angewandte Forschung der Fachhochschule Reutlingen zeigte die <b>M\u00f6glichkeiten des Faseraufschlusses<\/b> f\u00fcr heimisch angebaute Faserpflanzen auf. Dabei unterstrich er besonders die Anforderungen an Faserqualit\u00e4ten, die sich vom herk\u00f6mmlichen Angebot absetzen. Nur hochwertige Produkte, die sich von anderen absetzen, liessen sich in Zukunft erfolgreich vermarkten. Voraussetzung f\u00fcr die Optimierung der Qualit\u00e4tssicherung sei dabei die enge Zusammenarbeit von allen Prozessbeteiligten.<\/p>\n<p>Rolf Heimann stellte Projekte der Firma Hess Natur-Textilien GmbH aus Butzbach vor, die besonders die Bedeutung der engen <b>Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel<\/b> unterstrichen. Seit einigen Jahren werde zum Beispiel die Wolle des Rh\u00f6nschafes, die sonst eher Teppichqualit\u00e4t hat, durch spezielle Verarbeitungsverfahren in Bekleidungstextilien eingesetzt und sehr erfolgreich vermarktet. J\u00fcngstes Beispiel ist das hessische Bio-Leinen-Projekt, welches zum Ziel hat, das gesamte Leinen-Angebot von Hess Natur mit heimischem Bio-Leinen aus \u00f6kologischem Anbau zu bedienen. Heimann sieht darin ein gro\u00dfes Potential f\u00fcr die Zukunft sowohl im Bereich Qualit\u00e4tssicherung als auch in der Vermarktung.<\/p>\n<p>In der <b>Diskussion<\/b> wurde die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit aller Beteiligter an der Prozesskette betont. Nur so k\u00f6nnten Nachfrage und Angebot aufeinander abgestimmt und Qualit\u00e4tsfragen fr\u00fchzeitig gekl\u00e4rt werden. Durch neue Technologien in der Verarbeitung k\u00f6nnten hochwertige Produkte angeboten werden, die auf eine entsprechende Nachfrage treffen. Im Bereich des Anbaus wurde auf das Ungleichgewicht der F\u00f6rderung von Nachwachsenden Rohstoffen im energetischen und im stofflichen Bereich hingewiesen und ein Umdenken in der Politik gefordert.<\/p>\n<p><b>Tagungsband<\/b><br \/>Grundmann, Eckart, (Hrsg.) (2007) Tagungsband: Faserpflanzen aus \u00f6kologischem Anbau: Anbau &#8211; Verarbeitung &#8211; Markt, Kassel-Wilhelmsh\u00f6he, Deutschland, 19. Juni 2007. Schriftenreihe IBDF Nr. Band 20. Verlag Lebendige Erde, Darmstadt, ISBN 978-3-921536-69-8, 20\u20ac + Versand. <\/p>\n<p><b>Bezug<\/b><br \/>Verlag Lebenendige Erde <br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:info@ibdf.de\">info@ibdf.de<\/a><br \/><a href=\"http:\/\/orgprints.org\/12922\/\" >PDF-Dokument kostenlos in Datenbank Organic Eprints<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-interview-mit-heinrich-kranz-zu-anbau-und-verarbeitung-von-fasernesseln\/\" >2007-08-24<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/textilien-naturland-setzt-oeko-standards\/\" >2005-12-21<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Heimische Faserpflanzen wie Flachs, Hanf und Nessel bieten bisher ungenutzte Potentiale f&uuml;r den &ouml;kologischen Anbau. 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