{"id":109218,"date":"2022-05-12T07:26:00","date_gmt":"2022-05-12T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=109218"},"modified":"2022-05-09T15:40:32","modified_gmt":"2022-05-09T13:40:32","slug":"toilettenpapier-aus-stroh-fur-den-po","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/toilettenpapier-aus-stroh-fur-den-po\/","title":{"rendered":"Toilettenpapier aus Stroh f\u00fcr den Po"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Es gibt sie noch, die Sch\u00e4tze, die sich buchst\u00e4blich vor den F\u00fc\u00dfen befinden, die nur darauf warten, aufgelesen zu werden. Rund 15 Millionen Tonnen Weizenstroh fallen j\u00e4hrlich in Deutschland an, sch\u00e4tzt Martin Wiens, nach der Ernte bleibe viel davon einfach auf den Feldern liegen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"432\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622624-das-stroh-steht-zur-weiterverarbeitung-auf-dem-werksgelaende-von-essity-in-mannheim-3jL8Y9JbYN70.jpg\" alt=\"Das Stroh steht zur Weiterverarbeitung auf dem Werksgel\u00e4nde von Essity in Mannheim.\" class=\"wp-image-109235\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622624-das-stroh-steht-zur-weiterverarbeitung-auf-dem-werksgelaende-von-essity-in-mannheim-3jL8Y9JbYN70.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622624-das-stroh-steht-zur-weiterverarbeitung-auf-dem-werksgelaende-von-essity-in-mannheim-3jL8Y9JbYN70-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622624-das-stroh-steht-zur-weiterverarbeitung-auf-dem-werksgelaende-von-essity-in-mannheim-3jL8Y9JbYN70-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622624-das-stroh-steht-zur-weiterverarbeitung-auf-dem-werksgelaende-von-essity-in-mannheim-3jL8Y9JbYN70-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Das Stroh steht zur Weiterverarbeitung auf dem Werksgel\u00e4nde von Essity in Mannheim. \u00a9 Essity<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wiens, 55 Jahre alt, kam eher zuf\u00e4llig zu dem Thema. Er hat als Papieringenieur promoviert, arbeitet seit vielen Jahren f\u00fcr den schwedischen Konzern Essity. Wiens ist stellvertretender Leiter des Mannheimer Werks.<\/p>\n\n\n\n<p>Produkte von Essity hatte fast jede und jeder schon einmal in der Hand, \u201eTempo\u201c-Taschent\u00fccher zum Beispiel oder Toilettenpapier von Zewa. In Europa ist das Unternehmen bei diesen Produkten Marktf\u00fchrer, der Umsatz 2021 lag bei zw\u00f6lf Milliarden Euro.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Toilettenpapier aus Stroh<\/h3>\n\n\n\n<p>Bisher wurde das Papier aus Holz hergestellt oder aus Recyclingmaterial. Bis eine findige, kleine US-Firma namens Sustainable Fiber Technologies ein Verfahren entwickelte, mit dem sich laut Essity quasi dasselbe Ergebnis erzielen l\u00e4sst \u2013 mit Stroh.<br><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622662-martin-wiens-55-ist-stellvertretender-leiter-des-mannheimer-werks-des-unternehmens-essity-1J26s33E3F70.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-109233\" width=\"727\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622662-martin-wiens-55-ist-stellvertretender-leiter-des-mannheimer-werks-des-unternehmens-essity-1J26s33E3F70.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622662-martin-wiens-55-ist-stellvertretender-leiter-des-mannheimer-werks-des-unternehmens-essity-1J26s33E3F70-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622662-martin-wiens-55-ist-stellvertretender-leiter-des-mannheimer-werks-des-unternehmens-essity-1J26s33E3F70-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/05\/28622662-martin-wiens-55-ist-stellvertretender-leiter-des-mannheimer-werks-des-unternehmens-essity-1J26s33E3F70-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px\" \/><figcaption>Martin Wiens, 55, ist stellvertretender Leiter des Mannheimer Werks des Unternehmens Essity. \u00a9 Essity<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Essity setzt das neue Verfahren im Industriema\u00dfstab um. Das Unternehmen hat auf dem Werksgel\u00e4nde in Mannheim eine neue Produktionsanlage errichtet. Bilder zeigen eine gewaltige Metallkonstruktion mit F\u00f6rderb\u00e4ndern, davor Stapel mit Strohballen. 70 000 Tonnen Stroh sollen hier pro Jahr \u00fcber die B\u00e4nder rollen. Sie werden zu Zellstoff zerkleinert, am Ende spuckt die Anlage unter anderem Toilettenpapier aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Hintern putzten sich Menschen vermutlich schon lange vor der Erfindung des Papiers mit Stroh, angenehm war das eher nicht. Kein Vergleich zu heute. Die Qualit\u00e4t des Papiers sei \u201eabsolut ebenb\u00fcrtig\u201c mit holzbasiertem Zellstoff, sagt Wiens, genauso weich, genauso rei\u00dffest. Und vor allem: deutlich besser f\u00fcr die Umwelt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weniger Wasser, weniger Energie<\/h3>\n\n\n\n<p>Laut Essity verbraucht die Produktion mit Stroh weniger Wasser und Energie. Bei der Verarbeitung von Holz oder Holzresten brauche es hohe Temperaturen und mehr Umgebungsdruck, um das Holz im Zuge der Verarbeitung \u201eaufzuschlie\u00dfen\u201c, das neue Verfahren sei milder. Und im Gegensatz zu Holz gebe es f\u00fcr Stroh weniger Verwendungsm\u00f6glichkeiten. Im besten Fall landet ein Rohstoff im Papier, der sonst verrottet w\u00e4re. Insgesamt hat der Strohzellstoff laut Essity einen um mindestens 20 Prozent geringeren \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck als Zellstoff aus Holz- oder Recyclingfasern.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Produktion bleibt als Nebenprodukt Lignin \u00fcbrig, eine Art Kleber, der die Fasern zusammenh\u00e4lt. Lignin entsteht auch bei der Holzverarbeitung, aber das Stroh-Lignin sei besonders gut verwendbar. Die Lederindustrie habe bereits Interesse angemeldet, dieses als Gerbstoff einzusetzen. Es sei auch m\u00f6glich, damit Kunststofffolien herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNebenbei macht das neue Verfahren das Unternehmen unabh\u00e4ngiger von den stark schwankenden Holz- und Zellstoffpreisen.\u201c Konkreter \u00e4u\u00dfert sich Essity nicht zu der wirtschaftlichen Perspektive der Anlage.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u201eVieles war komplettes Neuland\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Planung der Strohanlage war f\u00fcr das Unternehmen eine Reise ins Ungewisse, wie schon der interne Name f\u00fcr das Projekt nahelegt: Columbus. \u201eVieles war komplettes Neuland\u201c, sagt Wiens, die Fabrik musste konzipiert, Aggregate mussten angepasst werden. Und dann der Transport innerhalb der Anlage. Bei den Tests seien sie \u00fcberrascht gewesen, wie bockig das Material sei. \u201eDa brauchen sich nur ein paar Halme querzustellen, schon ist die Anlage verstopft.\u201c Inzwischen laufe alles problemlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Und obwohl es in Deutschland wohl mehr als genug Stroh gibt, habe es keinen Markt daf\u00fcr gegeben, \u00fcber den ein Unternehmen mal eben ein paar Zehntausend Tonnen h\u00e4tte bestellen k\u00f6nnen. Ein Partnerunternehmen musste das Netzwerk erst aufbauen, mit der Vorgabe von Essity, dass der Rohstoff wegen der Umweltbilanz aus der Region kommen soll. Inzwischen gebe es regelm\u00e4\u00dfig Anfragen von Landwirten, die ihr Stroh loswerden wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht am aufwendigsten war die Organisation der Lagerung. Wegen der Brandgefahr wurden 15 bis 20 Meter hohe L\u00f6scht\u00fcrme installiert; im Ernstfall k\u00f6nnen Kontrolleure wie in einem Videospiel mit dem Joystick hei\u00dfe Stellen ansteuern und mit Wasserwerfern draufhalten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von Sommer an in den Supermarktregalen<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Sommer soll das erste Toiletten- und K\u00fcchenpapier auf Strohbasis in den Supermarktregalen landen. Das K\u00fcchenpapier mit einem Strohanteil von f\u00fcnf Prozent, beim Toilettenpapier soll der Anteil doppelt so hoch sein. Sp\u00e4ter will das Unternehmen den Prozentsatz erh\u00f6hen. \u201eWir tasten uns da langsam vor\u201c, sagt Wiens. Versuche h\u00e4tten auch mit einem Strohanteil von 50 Prozent gut funktioniert. Wiens vermutet, dass auch ein noch h\u00f6herer Anteil m\u00f6glich w\u00e4re; aus wissenschaftlicher Sicht spreche auch nichts dagegen, den Zellstoff f\u00fcr andere Arten von Papier zu verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Gregor Andreas Geiger, Sprecher des Branchenverbands \u201eDie Papierindustrie\u201c, experimentieren auch andere Papierhersteller mit alternativen Faserstoffen \u2013 etwa mit Silphie-Fasern, einer Art Schilfgras, das bisher vor allem zur Energieerzeugung verwendet werde. Das Unternehmen Creapaper verarbeitet Gras beziehungsweise Heu und wirbt damit, die CO2-Emissionen bei der Herstellung des Grasfaserrohstoffs um bis zu 95 Prozent zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Geiger, der auch Papierhistoriker ist, wurde in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg bereits Stroh zu Papier verarbeitet, die Fabriken seien damals noch ber\u00fcchtigt gewesen wegen des Gestanks. Essity gehe das jetzt mit einer deutlich besseren Technologie an. Eine Pionierleistung, findet Geiger, auch angesichts der Investition von 40 Millionen Euro f\u00fcr die Anlage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt sie noch, die Sch\u00e4tze, die sich buchst\u00e4blich vor den F\u00fc\u00dfen befinden, die nur darauf warten, aufgelesen zu werden. Rund 15 Millionen Tonnen Weizenstroh fallen j\u00e4hrlich in Deutschland an, sch\u00e4tzt Martin Wiens, nach der Ernte bleibe viel davon einfach auf den Feldern liegen. Wiens, 55 Jahre alt, kam eher zuf\u00e4llig zu dem Thema. Er [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Klopapier wird meist aus Holz oder Recyclingmaterial hergestellt. 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