{"id":10880,"date":"2008-04-17T00:00:00","date_gmt":"2008-04-16T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080417-05n"},"modified":"2008-04-17T00:00:00","modified_gmt":"2008-04-16T22:00:00","slug":"forderungen-nach-aussetzen-des-biokraftstoff-ziels-werden-lauter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/forderungen-nach-aussetzen-des-biokraftstoff-ziels-werden-lauter\/","title":{"rendered":"Forderungen nach &#8220;Aussetzen&#8221; des Biokraftstoff-Ziels werden lauter"},"content":{"rendered":"<p><b>Die EU m\u00fcsse ihr Ziel, den Anteil der Biokraftstoffe im Verkehr auf zehn Prozent zu erh\u00f6hen, zeitweilig aufheben, bis eine umfangreichere wissenschaftliche Studie \u00fcber deren \u00f6kologische Risiken vorliege, so die Europ\u00e4ische Umweltagentur. Gleichzeitig hat die Weltbank in die Kritik an der gesteigerten Erzeugung von Biokraftstoffen eingestimmt.<\/b><\/p>\n<p>In einem Gutachten, das am 10. April 2008 vorgelegt wurde, betonte der Wissenschaftsausschuss der Agentur, die obligatorische Quote der EU f\u00fcr Biokraftstoffe \u2013 zehn Prozent \u2013 sei ein \u00fcberehrgeiziges Experiment, dessen unbeabsichtigte Folgen schwer vorhersehbar und schwer kontrollierbar seien.<\/p>\n<p>Er empfiehlt daher, das Zehn-Prozent-Ziel aufzugeben, bis eine neue, umfassende wissenschaftliche Studie \u00fcber die \u00f6kologischen Risiken und Vorteile von Biokraftstoffen vorl\u00e4ge. Dann erst sollte ein neues und bescheideneres langfristiges Ziel festgelegt werden.<\/p>\n<p>Der Bericht der EUA stellt fest, dass die Erzeugung von Biokraftstoffen f\u00fcr Fahrzeuge, die auf Technologien der ersten Generationen basierten \u2013 die aus Lebensmittel- und Futterpflanzen gewonnen werden \u2013 die Biomasseressourcen hinsichtlich Einsparungen an fossiler Energie und der Reduzierung von Treibhausgasen nicht optimal nutze.<\/p>\n<p>Laut des Berichts sollten Technologien zur direkten W\u00e4rme- und Stromerzeugung vorgezogen werden, da sie wettbewerbsf\u00e4higer und \u00f6kologisch effektiver seien. Dennoch besteht er darauf, dass die Nutzung von Biomasse Hand in Hand mit Verbesserungen der Energieeffizienz gehen m\u00fcsse. Dies sei bei den meisten Anwendungen im Automobil- und Wohnsektor noch nicht der Fall, betont er.<\/p>\n<p>Der Ausschuss warnt auch davor, dass die Menge an Land, die ben\u00f6tigt werde, um das Zehn-Prozent-Ziel zu erreichen, in der EU nicht vorhanden sei, ohne der Umwelt zu schaden. Zwar k\u00f6nnten Importe dabei hilfreich sein, der Bericht weist jedoch auf die beschleunigte Zerst\u00f6rung der Regenw\u00e4lder hin, die in einigen Entwicklungsl\u00e4ndern aufgrund erh\u00f6hter Erzeugung von Biokraftstoffen bereits beobachtet werden kann.<\/p>\n<p><b>Positionen:<\/b><br \/>Die verurteilende Ansicht wurde nur einen Tag nach der Ver\u00f6ffentlichung eines neuen Berichts der Weltbank ge\u00e4u\u00dfert. In diesem hei\u00dft es, dass die Herstellung von Biokraftstoffen bei der Anhebung der Lebensmittelpreise um 83% innerhalb der vergangenen drei Jahre eine entscheidende Rolle gespielt habe. Die besten Szenarien der gesteigerten Verwendung von Biokraftstoffen implizierten einen wesentlichen Ausgleich durch Lebensmittelpreise, warnt die Studie. Der Bericht macht ebenfalls h\u00f6here Energie- und D\u00fcngerpreise, einen schwachen Dollar und Exportverbote f\u00fcr die Lebensmittelpreisanstiege verantwortlich. In einer Reihe von Entwicklungsl\u00e4ndern ist es aufgrund dessen in den vergangenen Wochen zu Gewaltausbr\u00fcchen bekommen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend einer Pressekonferenz im Vorfeld des j\u00e4hrlichen Fr\u00fchjahrstreffens des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington am 13. April 2008 sagte der Pr\u00e4sident der Weltbank-Gruppe Robert Zoellick, w\u00e4hrend viele dar\u00fcber besorgt seien, ihre Tanks zu f\u00fcllen, h\u00e4tten andere auf der Welt Probleme, ihre M\u00e4gen zu f\u00fcllen. Dies werde von Tag zu Tag schwieriger.<\/p>\n<p>Zoellick forderte w\u00e4hrend des Treffens ein &#8216;neues Abkommen f\u00fcr die weltweite Lebensmittelpolitik&#8217;, um Hunger und Unterern\u00e4hrung zu bek\u00e4mpfen, jedoch auch um die Verbindungen zwischen Lebensmittelversorgung und Energie und Klimawandel zu untersuchen.<\/p>\n<p>Frankreich dr\u00e4ngt ebenfalls seine EU-Partner, zu reagieren, indem sie Landwirtschaft wieder nach ganz oben auf die Agenda der Union setzen. Der franz\u00f6sische Agrarminister Michel Barnier sagte, er werde ein Treffen der EU-Agrarminister, das heute (14. April 2008) stattfindet, nutzen, um eine europ\u00e4ische Initiative f\u00fcr Lebensmittelsicherheit in der gesamten Welt vorzustellen.<\/p>\n<p>Der britische Premierminister Gordon Brown unterst\u00fctzt ebenfalls, dass das Problem der hohen Lebensmittelpreise und deren Verbindung zur Biokraftstoffproduktion im Juli 2008 w\u00e4hrend des G8-Gipfels der Industrienationen in Hokkaido, Japan, diskutiert werden.<\/p>\n<p>Biokraftstoffhersteller in Europa bedauern jedoch die Tatsache, dass die Debatte so &#8220;emotional und irrational&#8221; geworden sei. Rob Vierhout, Generalsekret\u00e4r der European Bioethanol Fuel Association (eBio), die europ\u00e4ische Vereinigung f\u00fcr Bioethanolkraftstoffe, betonte, dass bestehende wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt h\u00e4tten, dass das Zehn-Prozent-Ziel &#8220;machbar&#8221; sei, ohne B\u00f6den, Wasser und die Biovielfalt zu stark zu gef\u00e4hrden, selbst wenn es vollst\u00e4ndig auf heimischer Herstellung basiere.<\/p>\n<p>Vierhout betonte, der Umweltausschuss der EUA habe keine neuen Erkenntnisse vorgelegt.<\/p>\n<p>Er warnte davor, das Zehn-Prozent-Ziel zu verwerfen, da dies nur dazu f\u00fchre, dass die EU keine Biokraftstoffe verwende, w\u00e4hrend L\u00e4nder wie die USA und Brasilien, die nicht zwingend unter den Standards herstellen, wie sie die EU durch ihre Nachhaltigkeitskriterien anstrebt, weiterhin Biokraftstoffe produzierten.<\/p>\n<p>Vierhout betonte weiter, w\u00e4hrend die gesteigerte Biokraftstoffproduktion nat\u00fcrlich einen Einfluss auf die Lebensmittelpreise habe, seien die Biokraftstoffe nicht Schuld an den derzeitigen Anstiegen. Stattdessen verwies er auf einen ver\u00e4nderten Lebenswandel von mehreren Millionen von Menschen in China und Indien sowie auf schlechtes Wetter als die Hauptgr\u00fcnde.<\/p>\n<p>&#8220;Es macht keinen Sinn, Biokraftstoffe als die Quelle allen \u00dcbels zu bezeichnen. Die Biokraftstoffproduktion aufzuhalten w\u00fcrde nur einen sehr begrenzen Effekt haben&#8221;, sagte Vierhout EurActiv. Er wies darauf hin, dass die Weltbank selbst eine &#8220;lange Geschichte der Zerst\u00f6rung der afrikanischen Landwirtschaft&#8221; habe \u2013 aufgrund falscher Diagnosen und Ratschl\u00e4ge.<\/p>\n<p>Die Sprecherin der GD Umwelt, Barbara Helfferich, sagte EurActiv ebenfalls, dass die Kommission noch immer glaube, dass das Zehn-Prozent-Ziel erreichbar sei. Sie betonte jedoch, dies werde gem\u00e4\u00df der Nachhaltigkeitskriterien und neben der F\u00f6rderung von Biokraftstoffen der zweiten Generation geschehen.<\/p>\n<p>Helfferich wies den Gedanken zur\u00fcck, dass die EU davor stehe, in ihrer Biokraftstoff-Politik einen R\u00fcckzieher zu machen. Die EU-Staats- und Regierungschefs h\u00e4tten w\u00e4hrend des j\u00fcngsten Gipfels das Ziel best\u00e4tigt.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b> <\/p>\n<ul>\n<li>European Environment Agency: <a href=\"http:\/\/www.eea.europa.eu\/highlights\/suspend-10-percent-biofuels-target-says-eeas-scientific-advisory-body\" >Suspend 10 percent biofuels target, says EEA&#8217;s scientific advisory body<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-steht-zu-biokraftstoffziel\/\" >2008-04-14<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/anhebung-der-biodieselbeimischung-auf-7-prozent-gefahrlos-moeglich\/\" >2008-04-14<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wird-eu-biokraftstoffziel-ueberarbeitet\/\" >2008-03-14<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die EU m&uuml;sse ihr Ziel, den Anteil der Biokraftstoffe im Verkehr auf zehn Prozent zu erh&ouml;hen, zeitweilig aufheben, bis eine umfangreichere wissenschaftliche Studie &uuml;ber deren<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-10880","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10880","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10880"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10880\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10880"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10880"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10880"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=10880"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}