{"id":108453,"date":"2022-05-02T07:35:00","date_gmt":"2022-05-02T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=108453"},"modified":"2022-04-26T13:59:02","modified_gmt":"2022-04-26T11:59:02","slug":"nachhaltiges-bauen-mit-stroh-statt-beton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachhaltiges-bauen-mit-stroh-statt-beton\/","title":{"rendered":"Nachhaltiges Bauen mit Stroh statt Beton"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Der Wolf hat leichtes Spiel. Er hustet und pustet. Danach f\u00e4llt das Haus aus Stroh im Kinderbuch \u00fcber die drei kleinen Schweinchen ganz einfach auseinander. Ist Stroh f\u00fcr den Hausbau also eine schlechte Idee? Diese Ansicht ist wohl \u00fcberholt. Auf der Suche nach \u00f6kologischen Alternativen setzen Forschung und Baubranche derzeit auch auf altbew\u00e4hrte, aber in Vergessenheit geratene Materialien. Im Zusammenspiel mit neuen Technologien sollen Holz, Lehm und auch Stroh das Bauen in Zukunft nachhaltig machen. In Sachsen gibt es daf\u00fcr aber noch mehr Ideen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"784\" height=\"441\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/7y6w8beo2qq6uhqern8zw3rg2hhl6ggr.jpg\" alt=\" Die Idee, Stroh f\u00fcr den Hausbau zu nutzen, ist alt. Doch neuartige Verfahren machen jetzt Neues m\u00f6glich.\" class=\"wp-image-108479\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/7y6w8beo2qq6uhqern8zw3rg2hhl6ggr.jpg 784w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/7y6w8beo2qq6uhqern8zw3rg2hhl6ggr-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/7y6w8beo2qq6uhqern8zw3rg2hhl6ggr-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/7y6w8beo2qq6uhqern8zw3rg2hhl6ggr-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/7y6w8beo2qq6uhqern8zw3rg2hhl6ggr-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 784px) 100vw, 784px\" \/><figcaption>Die Idee, Stroh f\u00fcr den Hausbau zu nutzen, ist alt. Doch neuartige Verfahren machen jetzt Neues m\u00f6glich. \u00a9 Foto: imago\/Andreas Krone<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Seit knapp drei Jahren stellt die Lorenz GmbH aus Taucha bei Leipzig neuartige D\u00e4mmelemente aus Holz und Stroh her. Daf\u00fcr hat das Unternehmen eigene Maschinen entwickelt, die das Stroh durch hohen Druck extrem verdichten. \u201eIch sage immer: Wir retten die Welt\u201c, erkl\u00e4rt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Rainer K. Schmidt selbstbewusst. \u201eMomentan sp\u00fcren wir deutlich eine steigende Nachfrage nach unseren Produkten.\u201c Die Idee f\u00fcr die Module entwickelte er gemeinsam mit seinem langj\u00e4hrigen Freund und jetzigen Mitgr\u00fcnder Moritz Reichert. Jetzt steigt ein Investor bei der s\u00e4chsischen Firma ein, die mit dem neuen Geld ihre Kapazit\u00e4ten vervierfachen kann. Kommt das Gros der Bestellungen momentan noch von privaten Bauherren, sollen bald auch \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude strohged\u00e4mmt entstehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Beton wird zum Problemfall<\/h3>\n\n\n\n<p>Alexander Kahnt, Leiter der Forschungsgruppe Nachhaltiges Bauen an der Hochschule f\u00fcr Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig), kennt die Tauchaer Firma gut. Seit zwei Jahren erforschen sie gemeinsam, was mit Stroh in Zukunft m\u00f6glich ist. Kahnt und sein Team treibt dabei vor allem eine Zahl an: 58 Hektar werden in Deutschland pro Tag versiegelt, also \u00fcberbaut. Das entspricht rund sieben Mal der Fl\u00e4che des Leipziger Hauptbahnhofs.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnser Ansatz ist es deshalb, m\u00f6glichst schlank zu bauen\u201c, sagt Kahnt. Das spare Platz und Baumaterial gleicherma\u00dfen. Bis auf 14 Zentimeter Wandst\u00e4rke haben es die Forscher bereits gebracht. In einer gro\u00dfen Halle in Campusn\u00e4he testen sie, wie solche Fassadenelemente samt effektiver D\u00e4mmung im industriellen Ma\u00dfstab produziert werden k\u00f6nnen. Zum Einsatz kommen dabei Baustoffe, die gegen\u00fcber Beton gleich mehrfach punkten. Denn Beton, bei dessen Herstellung gro\u00dfe Mengen an CO2 freigesetzt werden, ist ein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Jahrhundertelang vertraute der Mensch auf Lehm. Doch die Erfindung des Betons, des k\u00fcnstlichen Steins aus Zement, Wasser, Sand und Kies, l\u00f6ste diese Tradition ab. Der Bedarf steigt rasant, auch weil immer mehr Menschen auf der Welt Wohnraum und Infrastruktur brauchen. Zwischen 2011 und 2013 wurde allein in China so viel Beton hergestellt und verbaut wie in der gesamten Geschichte der USA. Die Rohstoffe f\u00fcr die Betonherstellung werden dabei knapp. Die Menge an ben\u00f6tigtem Sand hat sich weltweit allein in den vergangenen 20 Jahren verdreifacht. Alternativen m\u00fcssen her.<br><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"784\" height=\"441\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/uuytm1yefzfe8hqre3pbwmrc29rcy6uh.jpg\" alt=\"\nIn Dresden entsteht aktuell am Zelleschen Weg\/Fritz-F\u00f6rster-Platz das erste Haus aus Carbonbeton, hier schon fertig als Visualisierung zu sehen.\" class=\"wp-image-108478\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/uuytm1yefzfe8hqre3pbwmrc29rcy6uh.jpg 784w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/uuytm1yefzfe8hqre3pbwmrc29rcy6uh-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/uuytm1yefzfe8hqre3pbwmrc29rcy6uh-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/uuytm1yefzfe8hqre3pbwmrc29rcy6uh-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/04\/uuytm1yefzfe8hqre3pbwmrc29rcy6uh-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 784px) 100vw, 784px\" \/><figcaption>In Dresden entsteht aktuell am Zelleschen Weg\/Fritz-F\u00f6rster-Platz das erste Haus aus Carbonbeton, hier schon fertig als Visualisierung zu sehen. \u00a9 Visualisierung: TU Dresden Foto: TU Dresden<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die sieht die Forschung vor allem in Hochleistungsbaustoffen wie etwa Carbonbeton. In Dresden entsteht derzeit der Cube, das erste Haus komplett aus diesem neuartigen Baustoff. Am Projekt sind neben der TU Dresden und der HTWK Leipzig viele weitere Partner aus Wissenschaft und Industrie beteiligt. Sie wollen ergr\u00fcnden, wie das Bauen mit Carbonbeton praktisch funktioniert. Das Neue verbirgt sich im Inneren des Baustoffs. Dort befinden sich Kohlenstofffasern, die durch ein spezielles Legeverfahren ein Gitter bilden. Im Gegensatz zu g\u00e4ngigem Stahlbeton rostet das Material damit nicht. Rundherum sch\u00fctzen d\u00fcnne Schichten Beton das Innenleben und sind dabei trotzdem extrem stabil. Bis zu 80 Prozent Material k\u00f6nnen dadurch eingespart werden \u2013 und gleichzeitig gro\u00dfe Mengen des klimasch\u00e4dlichen CO2.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wandelemente f\u00fcr den Cube entstanden im Betonwerk Oschatz. Dort steht die moderne Anlagentechnik, die Carbonfasern und Beton zusammenbringt. \u201eEs gibt nat\u00fcrlich viele Bauherren oder Planer, die sich bei uns melden, und solche Elemente auch haben wollen\u201c, erz\u00e4hlt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Matthias Schurig. Noch sei die Bauweise aber nicht offiziell eingef\u00fchrt. Jede Bauma\u00dfnahme braucht aktuell noch eine Zulassung nach Einzelfallpr\u00fcfung. Doch Schurig rechnet damit, dass in einigen Jahren Carbonbeton durchaus eine attraktive Alternative f\u00fcr viele Projekte darstellen d\u00fcrfte. \u201eEs wird vielleicht nicht alles damit gehen.\u201c Aber allein das Einsparpotenzial hinsichtlich CO2 und Baumaterial sei ein wichtiges Argument.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lebenszyklus von Materialien mitdenken<\/h3>\n\n\n\n<p>Neu entwickelte Baustoffe auf der einen Seite \u2013 Altbekanntes auf der anderen. Forscher testen aktuell, wie verdichteter Lehm zum Hausbau genutzt werden kann. Holz r\u00fcckt mit Blick auf nachhaltiges Bauen ebenfalls wieder in den Fokus. Neben dem Bahnhof S\u00fcdkreuz in Berlin entsteht beispielsweise gerade die neue Zentrale des Konzerns Vattenfall in einer modernen Kombination aus Holz und Beton. Zwei Drittel weniger Beton als bei herk\u00f6mmlichen Bauten dieser Art finden dabei Verwendung. In Tokio ist sogar ein 350 Meter gro\u00dfes Hochhaus geplant \u2013 aus Holz.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Verwenden des nat\u00fcrlichen Baustoffs entsteht ein gro\u00dfer Vorteil: Holz bindet CO2 und das \u00fcber die gesamte Zeit hinweg, als Baum im Wald und als verbauter Balken im Haus. \u201eDieser Lebenszyklusgedanke wird in Zukunft bei Bauprojekten eine immer wichtigere Rolle spielen\u201c, sagt Christian Popp von der Forschungsgruppe Energieeffizienz und Nachhaltigkeit der TU Dresden. Der Klimawandel und die Endlichkeit der Ressourcen machten dringend ein Umdenken notwendig. Deshalb w\u00e4re es wichtig, k\u00fcnftig zu fragen, welche Baustoffe verwendet werden und vor allem auch, woher sie kommen. \u201eMomentan schauen wir aufgrund der gesetzlichen Anforderungen prim\u00e4r lediglich auf die Nutzung\u201c, f\u00fcgt er hinzu. F\u00fcr eine wirkliche Nachhaltigkeit seien ebenso die Phase vor dem Bau und die Zeit danach wichtig. Wie recyclingf\u00e4hig sind unsere Baustoffe also?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lebensdauer, sie gilt auch f\u00fcr die Technik, die in moderne Geb\u00e4ude eingebaut wird. Am Institut f\u00fcr Baukonstruktion der TU Dresden experimentieren Christian Popp und seine Kollegen mit intelligenten Technologien, die dabei helfen, die Bel\u00fcftung von Geb\u00e4uden automatisch effektiver zu machen. Doch diese Technik veraltet viel schneller als die H\u00fclle eines Geb\u00e4udes. Wom\u00f6glich sind einfachere L\u00f6sungen deshalb am Ende doch die besseren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wolf hat leichtes Spiel. 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