{"id":10795,"date":"2008-02-22T00:00:00","date_gmt":"2008-02-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080222-03n"},"modified":"2008-02-22T00:00:00","modified_gmt":"2008-02-21T22:00:00","slug":"die-oekobilanz-von-biokraftstoffen-ist-durchwachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-oekobilanz-von-biokraftstoffen-ist-durchwachsen\/","title":{"rendered":"Die \u00d6kobilanz von Biokraftstoffen ist durchwachsen"},"content":{"rendered":"<p><b>Im Zusammenhang mit der rasant wachsenden Nachfrage nach Biomasse als Energietr\u00e4ger steht die Landwirtschaft weltweit vor neuen Herausforderungen. Dies war f\u00fcr die drei Fachaussch\u00fcsse f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit, Landwirtschaft und Umwelt am Mittwochnachmittag Anlass f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Anh\u00f6rung zum Thema &#8220;Biomasse &#8211; Chancen und Risiken f\u00fcr globalen Klimaschutz, biologische Vielfalt, Ern\u00e4hrungs- und Versorgungssicherheit sowie Armutsbek\u00e4mpfung&#8221;.<\/b> <\/p>\n<p>Nach Prognosen der <a href=\"http:\/\/www.fao.org\/\" >Weltern\u00e4hrungsorganisation (FAO)<\/a> wird die Weltbev\u00f6lkerung bis 2050 um drei Milliarden Menschen wachsen. Der Zuwachs werde in den Entwicklungsl\u00e4ndern stattfinden und zu 90 Prozent st\u00e4dtische Gebiete betreffen. Gleichzeitig sei mit ver\u00e4nderten Konsumgewohnheiten zu rechnen &#8211; hin zu mehr Fleischnachfrage. Diese Entwicklung wirft neue Fragen auf, wie bei gleichzeitigem Mehrbedarf an Energie die Nahrungsmittelsicherheit gew\u00e4hrleistet werden kann, sagte Alexander M\u00fcller von der FAO. Die Landwirtschaft wird laut M\u00fcller an die Grenzen der Verf\u00fcgbarkeit von Land und Wasser sto\u00dfen. <\/p>\n<p>So steige der Wasserverbrauch bei Fleischproduktion um ein Vielfaches im Vergleich zur Pflanzenproduktion. Um ein Kilogramm Rindfleisch herzustellen, seien 15.000 Liter Wasser n\u00f6tig, so M\u00fcller, der eine internationale Bioenergiecharta forderte. Dies unterst\u00fctzte auch J\u00fcrgen Maier (<a href=\"http:\/\/www.forum-ue.de\/\" >Forum Umwelt &#038; Entwicklung<\/a>), der gleichzeitig &#8220;grunds\u00e4tzliche Bedenken&#8221; gegen die Zertifizierung von Biokraftstoffen \u00e4u\u00dferte. Freiwillige Standards seien keine L\u00f6sung. N\u00f6tig seien politische Vorgaben, die eine \u00f6kologische und soziale Regulierung der Bioenergienutzung f\u00f6rdern. So sollte die nachhaltigste und effizienteste Verwendung am st\u00e4rksten unterst\u00fctzt werden. Wenig Sinn mache etwa, wenn die EU-Richtlinie, wonach zehn Prozent des Endenergieverbrauchs im Verkehrssektor durch erneuerbare Energien erbracht werden sollen, vor allem durch den Einsatz von Biodiesel oder Ethanol erf\u00fcllt werde. Es gebe \u00f6kologisch viel effizientere L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Scharfe Kritik \u00fcbte Georg Gruber vom <a href=\"http:\/\/www.bv-pflanzenoele.de\/\" >Bundesverband Pflanzen\u00f6le<\/a> an dem Biokraftstoffquotengesetz, das die Beimengung von Biokraftstoffen vorsieht. Dieses Gesetz werde zum Problem f\u00fcr den Regenwald und die Artenvielfalt, so Gruber. Es \u00fcbe gro\u00dfen Druck auf die Fl\u00e4chenm\u00e4rkte aus. Die gewaltigen Gewinne, die sich derzeit damit erwirtschaften lie\u00dfen, lockten Banken und Gro\u00dfinvestoren an, was wiederum die Entstehung von Monokulturen beg\u00fcnstige und zu sozialen Konflikten in den Entwicklungsl\u00e4ndern f\u00fchre. Die handwerklichen Fehler in der Gesetzgebung seien nicht durch die Zertifizierung in den Griff zu bekommen.<\/p>\n<p>Norbert Rieder vom <a href=\"http:\/\/www.rz.uni-karlsruhe.de\/~zoologie\" >Zoologischen Institut der Universit\u00e4t Karlsruhe<\/a> bezeichnete den Import von Biokraftstoffen als &#8220;\u00f6konomischen und \u00f6kologischen Bl\u00f6dsinn&#8221;. Es mache keinen Sinn, Biokraftstoffe aus Indonesien zu importieren, wenn in dortigen Motoren fossile Kraftstoffe zum Einsatz k\u00e4men. Mindestens ein Transportweg sei hier \u00fcberfl\u00fcssig und f\u00fcr die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz negativ. Die Beimengungspolitik nannte Rieder scheinheilig. In der Frage der Standards f\u00fcr die Artenvielfalt mahnte Rieder: &#8220;Was wir weltweit fordern, m\u00fcssen wir auch in Deutschland tun.&#8221; <\/p>\n<p>Ein Zertifizierungssystem sei notwendig, es m\u00fcsse aber praktikabel sein und deswegen nur die notwendigsten Punkte enthalten wie Nachhaltigkeit der Produktion, Teilhabe der Bev\u00f6lkerung in den Entwicklungsl\u00e4ndern an den Kapitalertr\u00e4gen, Klimaschutz und Erhalt der Artenvielfalt. Auch Uwe Fritsche vom <a href=\"http:\/\/www.ifaoe.de\/\" >Institut f\u00fcr angewandte \u00d6kologie<\/a> forderte verbindliche Nachhaltigkeitskriterien. Sie m\u00fcssten aber unbedingt von bilateralen und projektbezogenen Vereinbarungen flankiert werden. Kurzfristig sollten internationale verpflichtende Standards vereinbart werden. Martin Faulstich vom Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen sprach sich f\u00fcr st\u00e4rkere Nutzung und F\u00f6rderung von Biomasse bei der Erzeugung von W\u00e4rme und Strom, statt f\u00fcr die Produktion von Biodiesel oder Ethanol aus, weil dies deutlich effizienter sei.<\/p>\n<p>Arnoldo Campos vom brasilianischen Agrarentwicklungsministerium stellte das brasilianische Biodieselprogramm vor. Es f\u00f6rdere gezielt Kleinbetriebe, die etwa 30 Prozent der Produktion lieferten. Die Regierung f\u00f6rdere auch besonders arme Regionen des Landes. Dar\u00fcber hinaus habe Brasilien seit 2003 gro\u00dfe Anstrengungen unternommen, um die Abholzung der Regenw\u00e4lder zu verringern. Sie wolle auch Schluss machen mit der illegalen Abholzung.<\/p>\n<p>Dies sei ein riesiges Problem in Indonesien, beklagte Willie Smits von der deutschen Sektion der <a href=\"http:\/\/www.bos-deutschland.de\/\" >Borneo Orangutan Survival Foundation<\/a>, einer Organisation zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Affen. 80 Prozent der indonesischen Palm\u00f6lplantagen w\u00fcrden auf Urwaldb\u00f6den etabliert, obwohl diese B\u00f6den daf\u00fcr nicht geeignet seien und es bessere Alternativen g\u00e4be. Es gehe aber prim\u00e4r um Gewinne der Holzwirtschaft.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ufop-legt-studie-zur-biomasse-nachhaltigkeitsverordnung-vor\/\" >2008-01-22<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biokraftstoffe-zertifizierung-wird-konkret\/\" >2008-02-08<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Im Zusammenhang mit der rasant wachsenden Nachfrage nach Biomasse als Energietr&auml;ger steht die Landwirtschaft weltweit vor neuen Herausforderungen. 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