{"id":10766,"date":"2008-03-06T00:00:00","date_gmt":"2008-03-05T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20080306-02n"},"modified":"2017-10-19T10:27:46","modified_gmt":"2017-10-19T08:27:46","slug":"nova-bericht-globale-marktsituation-der-biokunststoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-bericht-globale-marktsituation-der-biokunststoffe\/","title":{"rendered":"nova-Bericht: Globale Marktsituation der Biokunststoffe"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080306-02\/bioplastik_flasche.jpg\" alt=\"bioplastik_flasche.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/><b>&#8220;Raus aus der Nische \u2013 rein in den Massenmarkt&#8221;. Mit solchen Schlagworten wirbt die Biokunststoff-Branche in diversen Fachzeitschriften und auf Kongressen. Dies sollte Grund genug f\u00fcr Unternehmen aus der Kunststoffbranche sein, sich mit diesem Thema n\u00e4her zu besch\u00e4ftigen. Die <a href=\"http:\/\/www.reifenhauser.com\/\">Reifenh\u00e4user GmbH &amp; Co. KG<\/a> Maschinenfabrik in Troisdorf ist eines der ersten deutschen Maschinenbau-Unternehmen, die sich mit der tats\u00e4chlichen globalen Marktsituation der Biokunststoffe verst\u00e4rkt auseinandersetzen: Im vergangenen Jahr wurde die <a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/nr\">nova-Institut GmbH<\/a> in H\u00fcrth, die seit \u00fcber f\u00fcnfzehn Jahren Marktforschung im dem Bereich Biowerkstoffe &#8211; Biokunststoffe, WPC und Naturfaserverst\u00e4rkte Kunststoffe &#8211; betreibt, mit einer umfangreichen Studie beauftragt.<\/b><\/p>\n<p>Im Mittelpunkt des \u00f6ffentlichen Interesses stehen Biokunststoffe zumeist als einfache Einkaufst\u00fcten, besonders die Verbraucher- und Umweltverb\u00e4nde im europ\u00e4ischen Ausland, aber auch in Nordamerika und Asien, fordern diese Bio-T\u00fcten \u00fcberall dort, wo noch kostenlose Beutel in gro\u00dfer Zahl \u00fcber die Ladentheke gehen und zu einem M\u00fcllproblem werden.<\/p>\n<p>Aber den Biokunststoffen steht heute ein viel breiteres, hochwertiges Anwendungsspektrum offen: Die klassischen und \u00e4ltesten Anwendungen sind im medizinischen Bereich die abbaubaren Implantate und Operationsmaterial. Dieser sehr anspruchsvolle Markt besteht jedoch nur aus wenigen etablierten Produkten und Akteuren.<\/p>\n<p>Recht erfolgreich konnten sich Biokunststoffe im Verpackungs- und Hygienesektor positionieren. Vor allem kompostierbare Bioabfallbeutel sind in Deutschland weit verbreitet und stellen im Einzelhandel oft bereits ohne Alternative da. Gro\u00dfe Potenziale werden auch bei Tragetaschen und Lebensmittelverpackungen gesehen, obwohl hier der Wettbewerb durch etablierte Biowerkstoffe wie Pappe und Baumwolle gro\u00df ist. Nicht nur die aufstrebenden Bio-Superm\u00e4rkte bieten alternativ und preisneutral Einkaufst\u00fcten aus Biokunststoffen an, sondern bereits auch Mode- und Outdoor-Gesch\u00e4fte. Im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus k\u00f6nnen Biokunststoffe durch ihren technischen Mehrwert &#8211; vor allem ihrer Kompostierbarkeit &#8211; punkten.<\/p>\n<p>Neue Einsatzgebiete mit gro\u00dfem Potenzial sieht das nova-Institut in dauerhaften Anwendungen im Bereich der Konsumg\u00fcter-, M\u00f6bel-, Elektro- und Elektronikindustrie sowie im Automobilbereich. Beispiele hierf\u00fcr sind Bio-Duroplaste, naturfaserverst\u00e4rkte Bio-Thermoplaste, Sch\u00e4ume und Textilfasern. Diese Materialien sind teilweise schon als Produkte am Markt verf\u00fcgbar, werden vom Kunden aber oft nicht als solche wahrgenommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080306-02\/bioplastik_marktanteile.jpg\" alt=\"bioplastik_marktanteile.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/><b>Aktuelle Mengen und Akteure &#8211; Westeuropa f\u00fchrend!<\/b><br \/>\nDie wichtigsten M\u00e4rkte f\u00fcr Biokunststoffe liegen heute in Westeuropa. Nach der Erhebung des nova-Instituts lag der Verbrauch an biologisch abbaubaren Biokunststoffen in Westeuropa im Jahr 2007 bei ca. 60.000 \u2013 70.000 Tonnen, was einem Marktanteil von unter 1% entspricht. Die Wachstumsraten sind zweistellig und erreichen in einigen Bereichen bis zu 50% pro Jahr. Wichtigste Biokunststoffe sind dabei Thermoplastische St\u00e4rken (TPS) bzw. St\u00e4rkeblends, extrudierte St\u00e4rke, Cellulose-Acetate und Polymilchs\u00e4ure-Polymere (PLA) (in der Reihenfolge ihrer Marktanteile). Alle weiteren Biokunststoffe wie Polyhydroxyalkanoate (PHA) machen zusammen weniger als 5% aus. Die meisten Experten sehen f\u00fcr PLA die gr\u00f6\u00dften Wachstumschancen.<\/p>\n<p>Das nova-Institut ermittelte auch die weltweiten Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr biologisch abbaubare Biokunststoffe. Diese lagen im Jahr 2007 bei ca. 265.000 t (Abb. 2). Viele Experten gehen davon aus, dass Nordamerika mit dem weltweit f\u00fchrenden Produzenten von PLA (<a href=\"http:\/\/www.natureworksllc.com\/\">Nature Works<\/a>), die gr\u00f6\u00dften Produktionskapazit\u00e4ten besitzt. Die Marktanalyse zeigte dagegen, dass Europa mit 140.000 t Produktionskapazit\u00e4t vorne liegt und Nordamerika erst mit 80.000 t folgt. Die Diskrepanz erkl\u00e4rt sich vor allem dadurch, dass einige in den USA genannten Produktionskapazit\u00e4ten de facto wegen technischer Probleme dem Markt nicht zur Verf\u00fcgung stehen und dementsprechend nicht mitgez\u00e4hlt wurden. In Westeuropa sind also derzeit die gr\u00f6\u00dften realen Produktionsmengen vorhanden und die wichtigsten Hersteller ans\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Die weltweite, aktuell tats\u00e4chlich verf\u00fcgbare Produktionskapazit\u00e4t von 265.000 t f\u00fcr biologisch abbaubare Biokunststoffe teilt sich auf \u00fcber 100 Unternehmen auf, von denen bislang nur wenige eine relevante Menge erreicht haben. Die vier gr\u00f6\u00dften sind Nature Works (USA), <a href=\"http:\/\/www.novamont.it\/\">Novamont<\/a> (I) und <a href=\"http:\/\/www.biotec.de\/\">Biotec<\/a> (D) mit <a href=\"http:\/\/www.sphere.fr\/\">SPhere<\/a> (F).<\/p>\n<p>Diese Produktionskapazit\u00e4t von 265.000 t gen\u00fcgt nicht, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen. Engp\u00e4sse gibt es dabei nicht nur bei den eigentlichen Biokunststoff-Produzenten sondern auch bei notwendigen Additiven aus der Chemischen Industrie. Dementsprechend schlecht ist die Verf\u00fcgbarkeit von Biokunststoffen, selbst die Bemusterung kann schon zum Problem werden.<\/p>\n<p>Das weitere Wachstum wird ma\u00dfgeblich vom Aufbau weiterer Kapazit\u00e4ten bestimmt. In den USA, Europa und Asien ist der Bau neuer Kapazit\u00e4ten angek\u00fcndigt und auch in Deutschland gibt es konkrete Pl\u00e4ne f\u00fcr eine PLA-Produktion.<br \/>\n<br style=\"clear: left;\" \/><br \/>\n<img decoding=\"async\" style=\"margin-right: 10px;\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080306-02\/bioplastik_produktion_welt.jpg\" alt=\"bioplastik_produktion_welt.jpg\" align=\"left\" border=\"0\" \/><b>Zuk\u00fcnftige Marktentwicklung \u2013 alle Indikatoren zeigen nach oben<\/b><br \/>\nDie weltweit erfolgreiche Markteinf\u00fchrung von Biokunststoffen konnte die Branche bis heute mit nur geringer staatliche F\u00f6rderung realisieren &#8211; ganz im Gegensatz zu den Biokraftstoffen. Geeignete Rahmenbedingungen w\u00e4ren allerdings f\u00fcr eine z\u00fcgige und gro\u00dffl\u00e4chige Markteinf\u00fchrung hilfreich. Die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland ver\u00e4ndern sich jedoch nur langsam zugunsten von Biowerkstoffen. Ein erfreuliches Beispiel ist, dass laut neuer Verpackungsverordnung Flaschen aus Biokunststoffen bis 2010 von der Pfandpflicht befreit werden sollen.<\/p>\n<p>In vielen L\u00e4ndern der EU, USA, Australien und Asien w\u00e4chst das Bewusstsein, dass Biokunststoffe vor allem im Verpackungsbereich eine sinnvolle Alternative darstellen. Erste Ma\u00dfnahmen, wie das Verbot von nicht abbaubaren Plastikt\u00fcten, wurden bereits in Frankreich bzw. Italien (ab 2010), Indien und San Francisco (ab 2008) eingef\u00fchrt. Auch Australien und China wollen den Gebrauch solcher T\u00fcten untersagen.<\/p>\n<p>Biokunststoffe haben in der \u00d6ffentlichkeit und Politik ein sehr positives Image und werden besonders von der in westlichen L\u00e4ndern wachsenden Gruppe der LOHAS (&#8220;Lifestyle of Health and Sustainability&#8221;) akzeptiert und gesch\u00e4tzt, also Menschen, die ihre Lebensweise und ihren Konsum auf Gesundheit und Nachhaltigkeit ausrichten. Erste \u00d6kobilanzen zeigen Vorteile gegen\u00fcber Erd\u00f6l-basierten Standardkunststoffen. Neue Studien zeigen zudem die erheblichen \u00f6kologischen Folgen von Kunststoffabf\u00e4llen im Meer, die nur durch abbaubare Werkstoffe \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Biokunststoffgesamtmarkt wird nach Expertenmeinung auch in den n\u00e4chsten Jahren zweistellig wachsen und die Produktionskapazit\u00e4ten werden sich bis 2011 voraussichtlich vervierfachen. Biokunststoffe werden sich aber nach heutigem Stand der Technik in absehbarer Zeit zu keiner echten Konkurrenz gegen\u00fcber Massenkunststoffen wie PE, PP oder PVC entwickeln \u2013 wohl aber zu einer ernsthaften Alternative und Erg\u00e4nzung in technischen Nischen, bei kurzlebigen Artikeln und f\u00fcr verbrauchernahe Produkte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Reifenh\u00e4user GmbH &amp; Co. KG Maschinenfabrik bedeutete das Ergebnis der Studie, dass in den n\u00e4chsten Jahren das Interesse an Maschinen steigen wird, die Biokunststoffe verarbeiten k\u00f6nnen. Die zur Kunststoffmesse <a href=\"http:\/\/www.k-online.de\/\">K&#8217;07<\/a> von Reifenh\u00e4user gezeigten Anlagen sind heute schon auf den Einsatz von Biokunststoffen zugeschnitten.<\/p>\n<p><b>\u00dcber Biokunststoffe<\/b><br \/>\nBei Biokunststoffen handelt es sich nicht um eine einheitliche Polymerklasse, sondern um eine gro\u00dfe Familie unterschiedlichster Kunststoffarten. Dabei wird der Begriff unterschiedlich verstanden: Zum einen werden unter Biokunststoffe biologisch abbaubare Kunststoffe verstanden, zum anderen Kunststoffe, die prim\u00e4r auf Basis von Agrarrohstoffen hergestellt werden. In den meisten F\u00e4llen \u00fcberschneiden sich beide Definitionen.<\/p>\n<p>Im Fokus der Betrachtung liegen meist biologisch abbaubare Kunststoffe, wobei diese je nach Rezeptur vollst\u00e4ndig bis schwer abbaubar sind. Die Rohstoffbasis besteht haupts\u00e4chlich aus Nachwachsenden Rohstoffen wie St\u00e4rke, Zucker und Cellulose. Die derzeitig gr\u00f6\u00dfte Marktrelevanz in diesem Segment besitzen Thermoplastische St\u00e4rke (TPS) bzw. St\u00e4rkeblends, extrudierte St\u00e4rke, Cellulose-Acetate, Polymilchs\u00e4ure-Polymere (PLA) und Polyhydroxyalkanoate (PHA). Bei dauerhaften Biokunststoffen kommen oft Pflanzen\u00f6le als Rohstoff zum Einsatz.<\/p>\n<p>In j\u00fcngerer Zeit verfolgen einige Unternehmen die Strategie, die fossile Rohstoffbasis etablierter Standardthermoplaste durch eine erneuerbare Rohstoffbasis zu ersetzen; Beispiele hierf\u00fcr sind Bio-PE und Bio-PP auf Basis von Zuckerrohr in Brasilien.<\/p>\n<p>Die &#8220;Marktanalyse Biokunststoffe \u2013 Verf\u00fcgbarkeit \u2013 Akteure \u2013 M\u00e4rkte \u2013 Trends&#8221; wurde im Auftrag der Firma der Firma &#8220;Reifenh\u00e4user GmbH &amp; Co. KG Maschinenfabrik&#8221; im Jahr 2007 durchgef\u00fchrt. Autoren sind Christian Gahle, Michael Carus und Matthias Geuder vom nova-Institut in Zusammenarbeit mit namhaften Akteuren und Experten der Biokunststoff-Branche.<\/p>\n<p><i><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20080306-02\/08-03-04_PM_Biokunststoffe_nova_reifenhaeuser.pdf\">Pressemitteilung als pdf-Datei<\/a><\/i><\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\/nr\">nova-Institut GmbH<\/a><br \/>\nChemiepark Knapsack<br \/>\nIndustriestra\u00dfe<br \/>\n50354 H\u00fcrth<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:contact@nova-institut.de\">contact@nova-institut.de<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-kongressbericht-9th-european-bioplastics-conference\/\">2007-12-07<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/european-bioplastics-conference-presented-promising-industry\/\">2007-11-30<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nec-pla-bioplastik-mit-formgedaechtnis\/\">2008-02-12<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>&#8220;Raus aus der Nische &ndash; rein in den Massenmarkt&#8221;. Mit solchen Schlagworten wirbt die Biokunststoff-Branche in diversen Fachzeitschriften und auf Kongressen. 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