{"id":10600,"date":"2007-11-12T00:00:00","date_gmt":"2007-11-11T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20071112-03n"},"modified":"2007-11-12T00:00:00","modified_gmt":"2007-11-11T22:00:00","slug":"walnuss-ist-baum-des-jahres-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/walnuss-ist-baum-des-jahres-2008\/","title":{"rendered":"Walnuss ist Baum des Jahres 2008"},"content":{"rendered":"<p><b>&#8220;Die Initiative Baum des Jahres sch\u00e4rft unser Bewusstsein daf\u00fcr, dass Umwelt nichts Abstraktes ist, sondern schon beim n\u00e4chsten Stra\u00dfenbaum beginnt.&#8221; Mit diesen Worten gratulierte Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler dem Gr\u00fcnder der Baumwahl, Silvius Wodarz, zum zwanzigsten Ausruf. F\u00fcr 2008 entschied sich das Kuratorium <a href=\"http:\/\/www.baum-des-jahres.de\/\" >Baum des Jahres<\/a> f\u00fcr die Walnuss.<\/b><\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20071112-03\/hausbaum_roloff.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"hausbaum_roloff.jpg\"\/>Die urspr\u00fcngliche Heimat des Nussbaumes befindet sich in S\u00fcdosteuropa auf der Balkanhalbinsel und in Asien von der T\u00fcrkei bis zum Himalaja, nach Meinung verschiedener Autoren auch bis nach China und Japan. Letzteres ist aber nicht ganz genau gekl\u00e4rt und h\u00e4ngt davon ab, ob man andere Nussbaumarten nur als Variet\u00e4ten der Walnuss einstuft. Vor und zwischen den Eiszeiten war die Walnuss auch in Mitteleuropa heimisch. Schon vor mehreren Jahrtausenden, in der Jungsteinzeit, wussten die Menschen vom Wert des Nussbaumes und brachten ihn, vor allem zur Zeit der Griechen und R\u00f6mer, mit nach S\u00fcd- und Mitteleuropa.<\/p>\n<p>Karl der Gro\u00dfe sorgte um 800 n. Chr. f\u00fcr seine weitere Verbreitung auch n\u00f6rdlich der Alpen, wo er heute in w\u00e4rmebeg\u00fcnstigten Lagen problemlos w\u00e4chst, regelm\u00e4\u00dfig reife Fr\u00fcchte tr\u00e4gt und diese auch keimen. Kaiserin Maria Theresia f\u00f6rderte den Anbau im 18. Jahrhundert durch ihre Order: &#8220;An jedem Hof soll ein Nussbaum stehen.&#8221; Angebaut wird er heute auf der gesamten Nordhalbkugel in der gem\u00e4\u00dfigten Zone, auch in Nordamerika (Kalifornien) und in China. Sogar in S\u00fcdschweden gibt es Walnussb\u00e4ume, ab und zu auch mal mit reifen Fr\u00fcchten.<\/p>\n<p>Man findet den Nussbaum bei uns nur im l\u00e4ndlichen Siedlungsraum und in Weinbaugebieten \u2013 gepflanzt, seltener verwildert \u2013, aber nicht im Wald, h\u00f6chstens an Waldr\u00e4ndern oder gelegentlich einzeln in Auenw\u00e4ldern. Nennenswerte forstliche Best\u00e4nde gibt es nur im S\u00fcdwesten Deutschlands sowie in Frankreich und in der Schweiz.<\/p>\n<p>Nussb\u00e4ume entwickeln eine kugelf\u00f6rmige Krone. Bei genauerem Ansehen \u2013 am besten ohne Bl\u00e4tter \u2013 f\u00e4llt auf, dass man keinen dominanten Wipfeltrieb finden kann. Stattdessen gibt es eine Rangelei, wer in der Oberkrone das Sagen hat \u2013 ohne Ergebnis. Das ist zwar bei vielen Laubb\u00e4umen \u00e4hnlich, aber beim Nussbaum besonders ausgepr\u00e4gt: Er leistet sich zwanzig und mehr Wipfeltriebe. Das H\u00f6henwachstum kann in der Jugend dennoch ein bis zwei Meter pro Jahr erreichen.<br \/>Nussb\u00e4ume sind ein guter Anzeiger f\u00fcr eine gewisse W\u00e4rmesumme im Sommer, weshalb sie in Gegenden mit k\u00fchlen, feuchten Sommern und auf Nord- oder Osth\u00e4ngen nicht so gut wachsen. Sie ben\u00f6tigen n\u00e4mlich ein Weinbauklima, selbst wenn es gelegentlich eher trockene Weine sind. Vom Klimawandel wird die Walnuss also profitieren. Derzeit liegt ihre H\u00f6hengrenze in Mitteleuropa bei rund eintausend Meter.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich im Sommer die reifenden Fr\u00fcchte am Baum anschauen, sehen Sie: Um das herum, was wir als Nuss auf den Weihnachtsteller legen, ist noch eine dickfleischige gr\u00fcne Schale vorhanden, die kurz vor der Reife im September oder Oktober aufplatzt und den Kern freilegt, bevor er herausf\u00e4llt, oder alles zusammen f\u00e4llt vom Baum, als so genannte Plumpsfr\u00fcchte. W\u00fcrde die gr\u00fcne Schale nun mit zur Frucht geh\u00f6ren, w\u00e4re es eine Steinfrucht wie die Kirsche. So steht es bisher in fast allen Lehrb\u00fcchern, und so habe ich es auch meinen Studenten bis zum Jahr 2006 in den Vorlesungen erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Neueste Untersuchungen haben nun aber nachgewiesen, dass die fleischige Schale nicht zur Frucht geh\u00f6rt, sondern aus anderen Organen, den Bl\u00e4ttern, entstanden ist. Deshalb handelt es sich bei Waln\u00fcssen also tats\u00e4chlich um N\u00fcsse, die wie Bucheckern und Maronen am Baum von einer gr\u00fcnen Fruchth\u00fclle umgeben sind. So kann es auch heute noch zu Umbr\u00fcchen in der Botanik kommen, wenn jemand mal genau hinschaut.<\/p>\n<p><b>Nutzung: Holz<\/b><br \/>Das relativ schwere Holz der Walnu\u00df weist einen breiten graubraunen Farbkern auf, der auch tief schwarzbraun sein oder wolkige Strukturen zeigen kann. Das macht das Holz so gesucht und treibt den Preis. Die F\u00e4rbung variiert erheblich und ist vom Alter und Standort abh\u00e4ngig. Der Bedarf in Deutschland kann nicht ann\u00e4hernd aus eigener Erzeugung gedeckt werden, es handelt sich um eines der wertvollsten H\u00f6lzer. Will man die besonders gesch\u00e4tzten unteren Stammkr\u00f6pfe von Pfropfungen oder den knolligen Wurzelstock f\u00fcr Maserholz nutzen, werden die B\u00e4ume nicht abges\u00e4gt, sondern mit den Wurzelst\u00f6cken ausgegraben, was auch als &#8220;austopfen&#8221; oder &#8220;auskesseln&#8221; bezeichnet wird und ziemlich ungew\u00f6hnlich aussieht. Das gibt es bei keiner anderen Baumart!<\/p>\n<p>Nussbaum ist das Holz der K\u00fcnstler. Es wird f\u00fcr Furniere, M\u00f6bel, Innenausstattungen und kleine Gebrauchsgegenst\u00e4nde verwendet, ferner werden daraus Uhrengeh\u00e4use, Musikinstrumente, Parkett, Schachfiguren und Drechslerwaren hergestellt sowie alles, wof\u00fcr eine dunkelbraune F\u00e4rbung erw\u00fcnscht ist. Es war und ist charakteristisch f\u00fcr viele Biedermeierm\u00f6bel. Was bei anderen Baumarten als &#8220;Holzfehler&#8221; zur Entwertung f\u00fchrt, ist bei Walnussholz besonders gesucht (z.B. Kr\u00fcmmungen, Astgabeln, Knollen und Kr\u00f6pfe). Es eignet sich als Ersatz f\u00fcr hochwertiges Tropenholz wie Palisander, daher wird seine Bedeutung weiter zunehmen, denn die letzten Tropenholzbest\u00e4nde sind ja inzwischen leider selten geworden.<\/p>\n<p><b>Nutzung: N\u00fcsse<\/b><br \/>Aber noch wichtiger f\u00fcr die Nutzung als das Holz sind die N\u00fcsse. Die Walnuss geh\u00f6rt zusammen mit Haselnuss, Esskastanie und Mandel zum so genannten Schalenobst. Waln\u00fcsse fehlen auf keinem Weihnachtsteller. Nusserwerbsanbau wird in Weinbauklimaten Europas (und Asiens, ja sogar Nordamerikas) bei Jahresmitteltemperaturen um 10\u00b0 C seit rund 2.000 Jahren betrieben und erbrachte im Jahr 1978 weltweit eine Ernte von fast 800.000, im Jahr 2005 etwa 1,5 Millionen Tonnen! Pro Baum und Jahr k\u00f6nnen bis zu 100 kg Fr\u00fcchte geerntet werden, das sind bis zu 5.000 N\u00fcsse. 40- bis 80-j\u00e4hrige B\u00e4ume tragen am meisten, der Pflegeaufwand ist gering. In Deutschland war die Walnuss bis vor 100 Jahren viel h\u00e4ufiger als heute, der Bestand ist dann aber durch \u00dcbernutzung und fehlende Nachpflanzungen stark zur\u00fcckgegangen \u2013 in der Schweiz, wo man genaue Zahlen hat, in den letzten 50 Jahren um 75%! Von den vergangenen Zeiten zeugen noch viele \u00d6lm\u00fchlen, die fr\u00fcher auch Waln\u00fcsse verarbeitet haben.<\/p>\n<p>Aus den gr\u00fcnen Fruchth\u00fcllen, Bl\u00e4ttern und der Rinde werden Gerb-, Beiz- und F\u00e4rbemittel hergestellt, au\u00dferdem Nuss\u00f6l aus den Kernen f\u00fcr die \u00d6lmalerei. Mit Bl\u00e4ttern und Fruchth\u00fcllen lassen sich Haare braun f\u00e4rben, Walnussschalenextrakt wird f\u00fcr Br\u00e4unungscremes sowie f\u00fcr Haut- und Massage\u00f6le verwendet.<\/p>\n<p><b>Weitere Informationen<\/b><br \/><a href=\"http:\/\/www.baum-des-jahres.de\/\" >www.baum-des-jahres.de<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/peeling-mit-veredeltem-walnussschalen-mehl\/\" >2007-09-13<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/waldkiefer-ist-baum-des-jahres-2007\/\" >2006-10-24<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>&#8220;Die Initiative Baum des Jahres sch&auml;rft unser Bewusstsein daf&uuml;r, dass Umwelt nichts Abstraktes ist, sondern schon beim n&auml;chsten Stra&szlig;enbaum beginnt.&#8221; Mit diesen Worten gratulierte Bundespr&auml;sident<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-10600","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10600"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10600\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10600"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=10600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}