{"id":10558,"date":"2007-11-27T00:00:00","date_gmt":"2007-11-26T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20071127-04n"},"modified":"2007-11-27T00:00:00","modified_gmt":"2007-11-26T22:00:00","slug":"gebuendelte-kritik-an-biokunststoffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gebuendelte-kritik-an-biokunststoffen\/","title":{"rendered":"Geb\u00fcndelte Kritik an Biokunststoffen"},"content":{"rendered":"<p><i>Von verschiedenen Seiten und Interessengruppen ge\u00e4u\u00dferte Kritik an Biokunststoffen pr\u00e4sentiert der folgende Text, der vom Bonner <a href=\"http:\/\/www.sohn.de\/\" >Medienb\u00fcro Sohn<\/a> als PR-Meldung verbreitet wird:<\/i><\/p>\n<p><b>Die Vorsilben &#8220;\u00d6ko&#8221; und &#8220;Bio&#8221; werden nach Ansicht des M\u00fcnchner Publizisten Michael Miersch zur Zeit an alles M\u00f6gliche geklebt, ohne dass jemand nachfragt, ob die so geadelten Produkte oder Verfahren tats\u00e4chlich einen Umweltvorteil bieten. Nicht \u00fcberall, wo &#8220;gr\u00fcn&#8221; drauf steht, ist auch &#8220;gr\u00fcn&#8221; drin. Was in der Bev\u00f6lkerung als \u00f6kologisch gilt, habe meist mehr mit geschickter Imagepolitik von Interessengruppen zu tun als mit Fakten. &#8220;Bio ist prima f\u00fcrs Klima!&#8221; werben \u00d6koagrarverb\u00e4nde und fordern einen &#8220;Klimabonus&#8221; f\u00fcr ihre Betriebe. Ihr Argument: Wir sparen Minerald\u00fcnger, zu dessen Herstellung fossile Brennstoffe verbraucht werden. Konventionelle Bauern kontern: &#8220;Mehr Milch pro Kuh ist aktiver Klimaschutz!&#8221; Ihr Argument: Konventionelle H\u00f6fe erzeugen mehr Milch, Fleisch und Eier pro Tier. Auch erreichen die Tiere ihr Schlachtgewicht viel fr\u00fcher, leben also k\u00fcrzer und brauchen weniger Futter. Ergo: Sie sto\u00dfen weniger klimasch\u00e4dliches Methan aus.<\/b><\/p>\n<p>&#8220;Bei n\u00e4herer Betrachtung erweisen sich viele angeblich gr\u00fcne L\u00f6sungen als Mogelpackungen, die manchmal sogar mehr schaden als n\u00fctzen&#8221;, so der Einwand von Miersch. Zweifelhaft ist beispielsweise der Versuch der franz\u00f6sischen Regierung, per Dekret die Ausgabe nicht biologisch abbaubarer Kunststoff-Tragetaschen an den Kassen von Superm\u00e4rkten zu verbieten. <\/p>\n<p>&#8220;In Wirklichkeit geht es um franz\u00f6sische Agrarinteressen und um die Abschottung franz\u00f6sischer M\u00e4rkte&#8221;, kritisiert der Frankfurter Wissenschaftsjournalist Edgar G\u00e4rtner. Der Entwurf des franz\u00f6sischen Dekrets beziehe sich lediglich auf einen bestimmten Typ von Plastikt\u00fcten, deren Gesamtmenge von j\u00e4hrlich 85.000 Tonnen gerade einmal 0,3 Prozent der franz\u00f6sischen Haushaltsabf\u00e4lle ausmacht. W\u00fcrde zu deren Produktion jedoch Kartoffelst\u00e4rke eingesetzt, k\u00f6nnte der Absatz von St\u00e4rkekartoffeln in Frankreich um 50 Prozent gesteigert werden. &#8220;Das zeigt, dass die franz\u00f6sische Regierung mit ihrem Dekretentwurf nicht Abfallprobleme, sondern die Agrarf\u00f6rderung im Auge hatte&#8221;, so der Einwand von G\u00e4rtner.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.plasticseurope.org\/\" >PlasticsEurope<\/a>, die Vertretung der europ\u00e4ischen Kunststoffhersteller, hat im Oktober 2006 und noch einmal im Mai 2007 in einem Schreiben an die EU-Generaldirektion Unternehmen und Industrie formell gegen den franz\u00f6sischen Vorsto\u00df Beschwerde eingelegt. Selbst die franz\u00f6sische Umwelt- und Energieeffizienzbeh\u00f6rde <a href=\"http:\/\/www.ademe.fr\/\" >ADEME<\/a> warnte in der Auswertung einer 2004 f\u00fcr die Supermarktkette <a href=\"http:\/\/www.carrefour.fr\/\" >Carrefour<\/a> erstellten vergleichenden Produkt-Lebensweg-Analyse davor, den Einsatz biologisch abbaubarer Kunststoffe f\u00fcr Tragetaschen als per se umweltschonend hinzustellen. <\/p>\n<p>Wissenschaftlich unseri\u00f6s ist nach Meinung von Umweltexperten auch die Behauptung, dass durch die Verwendung von biologisch-abbaubaren Verpackungen (BAW) kein Treibhauseffekt entstehe, da nachwachsende Rohstoffe durch Sonnenlicht aus Wasser und Kohlendioxid st\u00e4ndig neu gebildet werden: &#8220;Das gilt vielleicht f\u00fcr reines Pflanzenmaterial, aber nicht f\u00fcr Verkaufsverpackungen. Die industrielle Landwirtschaft, die Verpackungsherstellung und die angestrebte Kompostierung belasten die Umwelt. In der gesamten Produktionskette entstehen Kohlendioxid-Emissionen&#8221;, so der Einwand eines Vertreters der Entsorgungswirtschaft.<\/p>\n<p>Es gebe also keinen Grund, den BAW-Verpackungen einen \u00f6kologischen Heiligenschein zu verpassen und staatlich zu f\u00f6rdern. Wenn die Bundesregierung \u00fcber die Novelle der Verpackungsverordnung BAW-Verpackungen von Recyclingpflichten freistelle, werde die Produktverantwortung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes ad absurdum gef\u00fchrt. Noch entlarvender sei der Antrag der Bundestagsfraktion der Gr\u00fcnen (<a href=\"http:\/\/dip.bundestag.de\/btd\/16\/031\/1603140.pdf\" >Drucksache 16\/3140<\/a>, PDF-Dokument), f\u00fcr Biokunststoffe den Verwertungsweg insgesamt freizugeben und neben der stofflichen Verwertung auch die energetische Verwertung als gleichwertig anzuerkennen. &#8220;Warum sollte man dann BAW-Verpackungen noch separat erfassen, wenn sie am Ende doch im M\u00fcllofen landen&#8221;, fragt sich der Bonner Abfallexperte Dr. Manfred Wirl. Das habe mit Kreislaufwirtschaft nichts zu tun, sondern sei nur \u00f6kologische Eulenspiegelei.<\/p>\n<p>Auch die Bundesg\u00fctegemeinschaft Kompost (<a href=\"http:\/\/www.bgkev.de\/\" >BGK<\/a>) ist vom Bioplastik-Hype wenig begeistert und r\u00e4t davon ab, BAW-Verpackungen in die Biotonne zu werfen. Sie reagierte damit auf die Ank\u00fcndigung einer Drogeriemarktkette, deutschlandweit verschiedene Getr\u00e4nke in &#8220;voll kompostierbaren&#8221; Flaschen anzubieten (vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/drogeriemarkt-ihr-platz-100-biologisch-abbaubare-getrnkeflaschen\/\" >2006-10-30<\/a>). Mit rund zehn Wochen liege die Behandlungszeit von BAW-Flaschen deutlich \u00fcber dem normalen Biom\u00fcll. Teile der Flaschen tauchen deshalb im Kompost als Fremdstoffe auf, verschlechtern die Qualit\u00e4t und erschweren die Vermarktung. Blieben als Entsorgungsm\u00f6glichkeit noch die Restm\u00fclltonne und die Sammelsysteme des Gr\u00fcnen Punktes \u00fcbrig, die allerdings technisch und logistisch \u00fcberhaupt nicht auf Kompostierung ausgerichtet sind.<\/p>\n<p>Massiver Widerstand kommt von der Papierindustrie: Die Novellierung der Verpackungsverordnung wirke wie ein Katalysator zur Markteinf\u00fchrung von unlizenzierten Verpackungen. Das sei weder sachlich noch \u00f6kologisch gerechtfertigt und stelle eine massive Wettbewerbsverzerrung zu Lasten von Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton (PPK) dar, kritisiert der Hauptverband Papier- und Kunststoffverarbeitung (<a href=\"http:\/\/www.hpv-ev.org\/\" >HPV<\/a>) in Frankfurt am Main. <\/p>\n<p>Beim Basisrohstoff Holz handele es sich ebenfalls um einen nachwachsenden Rohstoff. &#8220;Daraus hergestellte Verpackungen, sei es auf Prim\u00e4rfaserbasis oder auf Recyclingbasis, sind nach Gebrauch f\u00fcr die Kompostierung geeignet und biologisch abbaubar&#8221;, betont der HPV. \u00dcber die fl\u00e4chendeckende Sammellogistik gehe Altpapier mehrfach in Recyclingkreisl\u00e4ufe und erf\u00fclle so den Leitgedanken der Kreislaufwirtschaft. Es gebe daher f\u00fcr den Verordnungsgeber keine Rechtfertigung, BAW-Verpackungen von Entsorgungspflichten zu befreien.<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ob-nachwachsend-oder-fossil-oekobilanz-studie-gibt-einwegbechern-schlechtes-zeugnis\/\" >2007-11-26<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/novelle-der-verpackungsverordnung-passiert-bundeskabinett\/\" >2007-09-20<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biokunststoffe-gegen-den-klimawandel\/\" >2007-09-06<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><i>Von verschiedenen Seiten und Interessengruppen ge&auml;u&szlig;erte Kritik an Biokunststoffen pr&auml;sentiert der folgende Text, der vom Bonner Medienb&uuml;ro Sohn als PR-Meldung verbreitet wird:<\/i><\/p>\n<p><b>Die Vorsilben<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-10558","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10558","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10558"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10558\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10558"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10558"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10558"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=10558"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}