{"id":10481,"date":"2007-10-03T00:00:00","date_gmt":"2007-10-02T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20071002-06n"},"modified":"2007-10-03T00:00:00","modified_gmt":"2007-10-02T22:00:00","slug":"kongressbericht-deutscher-bioraffinerie-kongress","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kongressbericht-deutscher-bioraffinerie-kongress\/","title":{"rendered":"Kongressbericht: Deutscher Bioraffinerie-Kongress"},"content":{"rendered":"<p><b>Nichts geringeres als &#8220;das neue Zeitalter der Chemie&#8221; sollte eingel\u00e4utet werden. Der &#8220;Deutschen Bioraffinerie-Kongress&#8221; am 12. und 13. September 2007  im Bundespresseamt in Berlin besch\u00e4ftigte sich mit der Frage, wie Erd\u00f6l als Rohstoff der chemischen Industrie durch einen wachsenden Anteil Biomasse ersetzt werden k\u00f6nnte. Der Einladung des Bundesministers f\u00fcr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (<a href=\"http:\/\/www.bmu.de\/\" >BMU<\/a>), Sigmar Gabriel, waren knapp 100 Experten gefolgt, denen ein repr\u00e4sentativer \u00dcberblick \u00fcber den Stand der Entwicklung geboten wurden.<\/b><\/p>\n<p>Europa hinkt erkennbar der Entwicklung in anderen Regionen, vor allem in den USA, Canada und Brasilien, hinterher. Vor dem jetzt anlaufenden 7. Forschungsrahmenplan hat es Stichwort &#8220;Bioraffinerie&#8221; f\u00fcr die EU \u00fcberhaupt nicht gegeben und so konnten bislang auch keine gr\u00f6\u00dferen F\u00f6rderantr\u00e4ge gestellt werden. Seit der letzten gr\u00f6\u00dferen Veranstaltung vor etwa zwei Jahren in Potsdam ist daher wenig geschehen. Das &#8220;Institut f\u00fcr Agrartechnik Bornim (<a href=\"http:\/\/www.atb-potsdam.de\/\" >ATB<\/a>) kann nun eine Pilotanlage f\u00fcr die Produktion von Milchs\u00e4ure aus heimischem Getreide aufbauen &#8211; Ein kleiner Baustein, aber nicht mehr, einer Bioraffinerie. Ein seinerzeit angek\u00fcndigtes Projekt in Island, wo Abfallgras in 7 Millionen Liter Alkohol verwandelt werden sollte, gibt es bisher nur auf dem Papier.<\/p>\n<p><b>Chemieverb\u00e4nde zeigen gro\u00dfes Interesse<\/b><br \/>In seinem Gru\u00dfwort beschwor Staatsekret\u00e4r M\u00fcller die Notwendigkeit, den Anschluss nicht zu verpassen um &#8220;Deutschland als Chemiestandort&#8221; zu erhalten und um Arbeitspl\u00e4tze zu sichern. Zur Zeit sind die multinational aufgestellten Chemiekonzerne dabei, ihre Interessen im Bereich &#8220;Bioraffinerie&#8221; zu definieren. Alle namhaften und einflussreichen Verb\u00e4nde, wie der Verband der Chemischen Industrie (<a href=\"http:\/\/www.vci.de\/\" >VCI<\/a>), die Gesellschaft Deutscher Chemiker (<a href=\"http:\/\/www.gdch.de\/\" >GDCh<\/a>) oder die <a href=\"http:\/\/www.gdch.de\/\" >DECHEMA<\/a> waren im Programmkomitee vertreten und stellten Referenten. <a href=\"http:\/\/www.wiley.ch\/\" >Wiley-VCH<\/a>, der Hausverlag der chemischen Industrie, k\u00fcndigte eine neue Zeitschrift an, die ein Bindeglied zwischen der &#8220;sustainable Chemistry&#8221; und &#8220;biorefinery&#8221; bilden soll und im ersten Jahr kostenlos verbreitet wird. <\/p>\n<p>Die Bioraffinerie, so wurde immer wieder betont, k\u00f6nne nur erfolgreich sein, wenn sie auf die Erfahrungen und das Know-how der Gro\u00dfchemie und der petrochemischen Industrie aufbaue. Auf der stofflichen Ebene hei\u00dft das, dass Biomasse in kompatible Massenchemikalien umgewandelt wird, die bei Bedarf erd\u00f6lbasierte Grundstoffe ersetzen. Eine solche &#8220;Plattformchemikalie&#8221; kann zum Beispiel Ethanol sein, das im Moment eher als Treibstoff nachgefragt wird.<\/p>\n<p><b>Bioraffinerie am Chemiestandort als deutscher Sonderweg?<\/b><br \/>Auf der organisatorischen und finanziellen Ebene bedeutet das, dass eine Bioraffinerie eine millionenschwere Investition darstellt, die nur unter aktiver Beteiligung von Gro\u00dfunternehmen der Branche realisiert werden kann und damit letztendlich aus leicht nachvollziehbaren Gr\u00fcnden (Nutzung der Infrastruktur) an einem klassischen Chemistandort entstehen wird. M\u00f6glicherweise ein deutscher Sonderweg, erzwungen von den tonangebenden Chemiekonzernen, die sich die Sache nicht aus der Hand nehmen lassen wollen. In den USA oder in Brasilien ist es sehr wohl \u00fcblich, dass Bioraffinerien als mittelst\u00e4ndische Unternehmen mitten in den Agrargebieten arbeiten. Auch von Seiten der Zellstoffindustrie kam verhaltener Protest, ist doch ein Zellstoffwerk der Prototyp einer Bioraffinerie und war vor der \u00c4ra des billigen \u00d6ls der Lieferant diverser Chemikalien. Dort wurde der Schritt zur integrierten stofflichen und energetischen Nutzung von Biomasse bis hin zur abproduktfreien Produktion l\u00e4ngst vollzogen.<\/p>\n<p>Wie sich die Schwerpunkte verschoben haben, wird beispielhaft an der als &#8220;Mutter der deutschen Bioraffinerie&#8221; apostrophierten Birgit Kamm deutlich. Vor 10 Jahren ist sie mit dem \u00fcbersichtlichen und in der Landwirtschaft verankerten Projekt einer &#8220;Gr\u00fcnen Bioraffinerie&#8221; zur Nutzung von Gras aus dem Havelland gestartet. Inzwischen sieht sie als Professorin an der <a href=\"http:\/\/www.tu-cottbus.de\/\" >BTU Cottbus<\/a>, der brandenburgischen &#8220;Hausuniversit\u00e4t&#8221; des Energieriesen <a href=\"http:\/\/www.vattenfall.de\/\" >Vattenfall<\/a>, Perspektiven in einer Verzahnung mit der Braunkohlewirtschaft, etwa durch Vergasung von Biomasse oder der Nutzung des Kohlendioxids, das aus Kraftwerken abgeschieden werden soll.<\/p>\n<p>Die Vertreter der Landwirtschaft konnten sich damit gut anfreunden. Helmut Born vom Deutschen Bauernverband (<a href=\"http:\/\/www.bauernverband.de\/\" >DBV<\/a>) oder J\u00f6rg Schweinle von der Bundesforschungsanstalt f\u00fcr Forst- und Holzwirtschaft (<a href=\"http:\/\/www.bfafh.de\/\" >BFH<\/a>) sind dazu bereit, der Chemischen Industrie ihren jeweiligen Rohstoff in gro\u00dfen Mengen anzudienen und freuen sich auf einen weiteren, preistreibenden Konkurrenten neben den Biokraftstoffen und der Bioenergie.<\/p>\n<p><i>Dipl.-Chem. Roland Schnell, der Autor dieses Kommentars, ist unter anderem als Vorsitzender der <a href=\"http:\/\/www.fnbb.de\/\" >F\u00f6rdergesellschaft f\u00fcr nachhaltige Biogas- und Bioenergienutzung e.V.<\/a> aktiv sowie fachjournalistisch t\u00e4tig.<\/i><\/p>\n<p><b>Weiterf\u00fchrende Informationen<\/b><br \/>Die folgenden Websites befinden sich teilweise noch im Aufbau oder sind seit l\u00e4ngerem nicht mehr aktualisiert worden. Sie bieten aber teilweise weiterf\u00fchrende Links oder Literatur in Form vom PDF-Downloads: <\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.biorefinery.de\/\" >www.biorefinery.de<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.biorefinery.com\/\" >www.biorefinery.com<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.bioraffinerie.de\/\" >www.bioraffinerie.de<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach wie vor aktuell ist das 2005 erschienene Standardwerk zum Thema Bioraffinerie:<br \/>Kamm, Birgit; Gruber, Patrick R.; Kamm, Michael (Hrsg.): Biorefineries &#8211; Industrial Processes and Products. Status Quo and Future Directions. 1. Auflage, Dezember 2005, Wiley-VCH, Weinheim, 934 Seiten, 2 B\u00e4nde, Hardcover. ISBN-10: 3-527-31027-4, ISBN-13: 978-3-527-31027-2, 299,- Euro.<\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>Roland Schnell<br \/>Tel.: 030-468-16663<br \/>Fax: 030-468-16675<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:roland@graskraft.de\">roland@graskraft.de<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/gdch-nachhaltige-chemie-im-fokus\/\" >2007-08-17<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/fnr-rohstoffe-aus-holz-fuer-die-chemische-industrie\/\" >2007-07-06<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/\/\" >2006-03-31<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Nichts geringeres als &#8220;das neue Zeitalter der Chemie&#8221; sollte eingel&auml;utet werden. Der &#8220;Deutschen Bioraffinerie-Kongress&#8221; am 12. und 13. 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