{"id":10477,"date":"2007-10-08T00:00:00","date_gmt":"2007-10-07T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20071008-01n"},"modified":"2007-10-08T00:00:00","modified_gmt":"2007-10-07T22:00:00","slug":"nova-buchbesprechung-industrielle-stoffliche-nutzung-nachwachsender-rohstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-buchbesprechung-industrielle-stoffliche-nutzung-nachwachsender-rohstoffe\/","title":{"rendered":"nova-Buchbesprechung: Industrielle stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe"},"content":{"rendered":"<p><b>&#8220;Die stoffliche Nutzung zeichnet sich aber im Gegensatz zur energetischen durch eine hohe Komplexit\u00e4t hinsichtlich m\u00f6glicher Erzeugungs- und Herstellungspfade und damit der verschiedenen Forschungs- und Anwendungsfelder aus. Diese im \u00dcberblick darzustellen und damit die Bandbreite an M\u00f6glichkeiten aufzuzeigen, war ein Schwerpunkt des vorliegenden TAB-Arbeitsberichtes, der im Rahmen des TAB-Monitoring &#8220;Nachwachsende Rohstoffe&#8221; entstand.&#8221; <\/p>\n<p>So hei\u00dft es auf der Seite &#8220;aktuell&#8221; des &#8220;B\u00fcro f\u00fcr Technikfolgen-Absch\u00e4tzung beim Deutschen Bundestag (<a href=\"http:\/\/www.tab.fzk.de\/\" >TAB<\/a>)&#8221;. Und in der Tat findet man auf den 250 Seiten des Berichtes eine Menge an Informationen \u00fcber die stoffliche Nutzung.<\/b><\/p>\n<p>Zum Thema stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe gibt es bislang nur wenige Publikationen, dies sind vor allem: &#8220;<a href=\"http:\/\/www.fnr-server.de\/cms35\/index.php?id=1202&#038;idtitel=228&#038;idkat=&#038;pflanzen=0&#038;verarbeitung=0&#038;gruppen=0&#038;titelsuche=nachwachsende%20rohstoffe%20in%20der%20industrie\" >Nachwachsende Rohstoffe in der Industrie<\/a>&#8221; von Dietmar Peters (<a href=\"http:\/\/www.fnr.de\/\" >FNR<\/a> 2006) und die stofflichen Abschnitte der &#8220;Marktanalyse Nachwachsende Rohstoffe, <a href=\"http:\/\/www.fnr-server.de\/cms35\/index.php?id=1202&#038;idtitel=254&#038;idkat=&#038;pflanzen=0&#038;verarbeitung=0&#038;gruppen=0&#038;titelsuche=nachwachsende%20rohstoffe%20in%20der%20industrie\" >Teil 1<\/a> <a href=\"http:\/\/www.fnr-server.de\/cms35\/index.php?id=1202&#038;idtitel=281&#038;idkat=&#038;pflanzen=0&#038;verarbeitung=0&#038;gruppen=0&#038;titelsuche=nachwachsende%20rohstoffe%20in%20der%20industrie\" >und 2<\/a> vom me\u00f3 Consulting Team und Partnern (vgl. Meldung vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/fnr-marktstudie-nachwachsende-rohstoffe-erschienen\/\" >2007-01-04<\/a>).<\/p>\n<p>Was bringt der TAB-Bericht gegen\u00fcber diesen Studien Neues? In Bezug auf den &#8220;Sachstand&#8221; stoffliche Nutzung nicht allzu viel. S\u00e4mtliche Daten wurden aus bekannten Studien \u00fcbernommen, eigene Erhebungen oder Aktualisierungen fanden im Rahmen des Berichtes nicht statt. Unter &#8220;Handlungsfeldern&#8221; findet man hierzu die Empfehlung (S. 201): &#8220;Verbesserung der statistisch erfassten Datenbasis &#8211; F\u00fcr die Erfassung von Produktionsmengen von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen liegen zumeist keine statistisch gef\u00fchrten Angaben vor. Um die weitere Entwicklung der (industriellen) stofflichen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen nachvollziehbar verfolgen zu k\u00f6nnen, w\u00e4re ein Augenmerk auf eine industrienahe Informations- bzw. Datenerfassung zu legen.&#8221;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Bereich Holz, der bei der stofflichen Nutzung mengenm\u00e4\u00dfig die wichtigste Rolle spielt, nur auf wenigen Seiten abgehandelt wird und ebenso die zuk\u00fcnftigen Entwicklungspotenziale der &#8220;klassischen&#8221; stofflichen Nutzung nicht n\u00e4her analysiert werden, ist f\u00fcr die Autorin eines klar: Die Zukunft der stofflichen Nutzung liegt in der Bioraffinerie: &#8220;Der eigentlich vision\u00e4re Gedanke besteht darin, die heute bekannten komplex vernetzten und historisch gewachsenen Strukturen der Kohle- und Erd\u00f6lchemie auf nachwachsende Rohstoffe zu \u00fcbertragen. Die Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe h\u00e4tte dann einen vergleichbaren Weg vor sich.&#8221; (S. 83)<\/p>\n<p>Die Autorin stellt vier unterschiedliche Konzepte f\u00fcr Bioraffinerien und vorausschauende \u00d6kobilanzen f\u00fcr die noch nicht industriell umgesetzten Verfahren vor. Sicherlich sehr interessant und durchaus auch Optionen f\u00fcr die Zukunft. Warum hier aber die Zukunft der stofflichen Nutzung liegt und was das \u00fcberhaupt bedeuten soll (Tonnage, Innovation?), bleibt vage. Die zuk\u00fcnftige Bedeutung wird vor allem auch von der Wirtschaftlichkeit abh\u00e4ngen &#8211; auch in Konkurrenz zu den &#8220;klassischen&#8221; Verfahren der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe: Volle Nutzung der Synthese-Vorleistung der Natur und kurze, agrarnahe Verarbeitungsketten.<\/p>\n<p>In dem TAB-Bericht f\u00e4llt insgesamt auf, dass die \u00d6konomie zu kurz kommt. So auch im Kapitel &#8220;Fl\u00e4chenkonkurrenz&#8221;. Hier werden prim\u00e4r Fl\u00e4chenbedarfsanalysen in verschiedenen Szenarien diskutiert. So hei\u00dft es etwa auf S. 152: &#8220;Im Fall des Basisszenarios f\u00fcr 2015 kann die Nachfrage f\u00fcr die stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen &#8211; inkl. eines potenziell unterstellten Einsatzes in Bioraffinerien &#8211; sowie die energetische Nachfrage f\u00fcr Strom, W\u00e4rme und Kraftstoffe durch die vorhandenen Potenziale gedeckt werden.&#8221; <\/p>\n<p>Auf dem Acker stellt sich die Fl\u00e4chenkonkurrenz anders dar, hier geht es nach dem Wegfall der Stilllegungsfl\u00e4chen prim\u00e4r um &#8220;\u20ac\/ha&#8221; &#8211; welche Kultur bringt pro Fl\u00e4che den h\u00f6chsten Deckungsbeitrag? Und dies zeigt sich nicht erst 2030, sondern schon jetzt im Jahr 2007, wo die stoffliche Nutzung gegen\u00fcber Lebensmitteln und Energiepflanzen massiv unter Druck steht. Hiervon erf\u00e4hrt der Leser nichts.<\/p>\n<p>Politisch ist die Studie sehr vorsichtig und in ihren Empfehlungen meist unkonkret. Allem kann man guten Gewissens zustimmen. Dass aber eine h\u00f6chst ungleiche F\u00f6rdersituation bei energetischer und stofflicher Nutzung existiert, die stofflich genutzten Kulturen deutlich geringere Deckungsbeitr\u00e4ge beschert, haben die Autoren des Berichtes und der dazugeh\u00f6rigen Gutachten \u00fcbersehen. Schade.<\/p>\n<p>FAZIT: Das Thema &#8220;Stoffliche Nutzung&#8221; st\u00f6\u00dft in der Politik auf immer mehr Aufmerksamkeit. Das ist gut so und nur so k\u00f6nnen bisherige Hemmnisse f\u00fcr den stofflichen Bereich erkannt und \u00fcberwunden werden. Wer Daten und Fakten zur stofflichen Nutzung, aktuellen Anwendungen und M\u00e4rkten sowie zuk\u00fcnftigen Potenzialen sucht, ist mit der oben erw\u00e4hnten &#8220;Marktanalyse Nachwachsende Rohstoffe, Teil 1 und 2&#8221; vom me\u00f3 Consulting Team und Partnern (FNR 2006 bzw. 2007) bestens bedient. Wer eine Kurzfassung sucht, sollte zun\u00e4chst &#8220;Nachwachsende Rohstoffe in der Industrie&#8221; von Dietmar Peters (FNR 2006) lesen.<\/p>\n<p>Der TAB-Arbeitsbericht erg\u00e4nzt die genannten Publikationen durch Diskussionen spezieller Themenfelder wie \u00d6kobilanzen, Erwartungen von Akteuren und Verbrauchern oder auch &#8220;\u00dcberlegungen zu einer Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe&#8221; (S. 192). Vor allem aber stellt er die Vision &#8220;Bioraffinerie&#8221; vor: &#8220;Die Petrochemie hat \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum gelernt, aus Erd\u00f6l einfach zu handhabende, chemisch reine Grundstoffe in Raffineriesystemen zu erzeugen. Das war ein Schl\u00fcssel zum Erfolg, ohne den es weder Kunststoffe noch viele andere Chemieprodukte gegeben h\u00e4tte. Daher liegt es nahe, wenn man ein neues Stammbaumsystem f\u00fcr nachwachsende Rohstoffe aufbauen m\u00f6chte, die Effizienz und Grundlogik heutiger petrochemischer Linien darauf zu \u00fcbertragen.&#8221; (S. 83). Auch das ist nicht mehr neu, aber es wurde im TAB-Bericht gut im \u00dcberblick dargestellt.<\/p>\n<p>Mich h\u00e4tte nach all den Jahren der Diskussionen \u00fcber die Vision &#8220;Bioraffinerie&#8221; interessiert, in welchen Produktlinien die Bioraffinerie wirklich punkten kann und in welchen die klassischen Verfahren \u00f6konomisch \u00fcberlegen bleiben werden. Gerade bei komplexen Molek\u00fclen, die mit wenig Aufwand aus der Pflanze gewonnen und weiterverarbeitet werden k\u00f6nnen, erscheint es mir verwegen zu behaupten, dass man dies \u00fcber das Raffinieren nachwachsender Rohstoffe und anschlie\u00dfende Synthese preiswerter erreichen k\u00f6nne. Es wird Zeit, die Vision &#8220;Bioraffinerie&#8221; auf den Boden der Tatsachen zu holen und \u00f6konomisch zu analysieren, wo \u00fcberhaupt Aussichten auf Erfolg bestehen. Sonst wird die &#8220;Bioraffinerie&#8221; in dem &#8211; im TAB-Bericht verwendeten &#8211; umfassenden Sinne eine Vision bleiben.<\/p>\n<p>Dagmar Oertel <b>&#8220;Industrielle stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe&#8221;<\/b>; TAB-Arbeitsbericht Nr. 114, M\u00e4rz 2007.<\/p>\n<p>Buch und PDF sind erh\u00e4ltlich unter: <a href=\"http:\/\/www.tab.fzk.de\/\" >http:\/\/www.tab.fzk.de\/<\/a> &#8211; Publikationen &#8211; Arbeitsberichte<\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/kongressbericht-deutscher-bioraffinerie-kongress\/\" >2007-10-02<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bmelv-foerdert-verbundforschung-zur-stofflichen-biomassenutzung\/\" >2007-09-10<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>&#8220;Die stoffliche Nutzung zeichnet sich aber im Gegensatz zur energetischen durch eine hohe Komplexit&auml;t hinsichtlich m&ouml;glicher Erzeugungs- und Herstellungspfade und damit der verschiedenen Forschungs- und<\/b><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[],"class_list":["post-10477","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10477"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10477\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10477"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=10477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}