{"id":104346,"date":"2022-02-10T07:35:00","date_gmt":"2022-02-10T06:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=104346"},"modified":"2022-02-07T14:51:46","modified_gmt":"2022-02-07T13:51:46","slug":"plastiktuten-verbot-greift-zu-kurz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/plastiktuten-verbot-greift-zu-kurz\/","title":{"rendered":"Plastikt\u00fcten-Verbot greift zu kurz"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150401-nabu-plastiktueten_s_hennigs.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-104367\" width=\"428\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150401-nabu-plastiktueten_s_hennigs.jpeg 680w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150401-nabu-plastiktueten_s_hennigs-300x200.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150401-nabu-plastiktueten_s_hennigs-150x100.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150401-nabu-plastiktueten_s_hennigs-400x266.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><figcaption>Plastikt\u00fcten &#8211; Foto: Sebastian Hennigs<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>In Deutschland werden immer weniger Plastikt\u00fcten verbraucht. Ab Januar 2022 sind die meisten auch gesetzlich verboten. Der NABU kritisiert, dass Papiert\u00fcten dagegen nicht gesetzlich reguliert werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Plastikt\u00fcten haben viele verschiedene Aufgaben: Von der M\u00fcllt\u00fcte \u00fcber die Einkaufstragetasche oder die Schulbrott\u00fcte bis hin zum europaweiten Symbol f\u00fcr Verschwendung und \u00fcberfl\u00fcssigen M\u00fcll. Ihre St\u00e4rken sind Stabilit\u00e4t, Haltbarkeit und ein geringes Gewicht. Diese sind jedoch zugleich auch ihre Schw\u00e4che: Landet die Kunststoff-Folie in der Natur, verbleibt sie dort jahrzehntelang und wird zur Gefahr f\u00fcr Tiere und Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher m\u00fcssen die EU-Mitgliedstaaten bis Ende 2025 den Verbrauch an Kunststoff-Tragetaschen auf 40 T\u00fcten pro Person reduzieren. Diese Vorgabe wurde 2015 mit einer \u00c4nderung der EU-Verpackungsrichtlinie festgeschrieben. Damals verbrauchte man laut <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/ende-der-kostenlosen-plastiktueten-fragen-antworten\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Umweltbundesamt<\/a> in der EU durchschnittlich knapp 200 und in Deutschland \u00fcber 70 T\u00fcten. Die Vorgabe bezieht sich auf T\u00fcten aus Kunststoff mittlerer Wandst\u00e4rke (15 &#8211; 50 Mikrometer) und umfasst nicht die d\u00fcnnen Hygienet\u00fctchen f\u00fcr beispielsweise Obst und Gem\u00fcse. Auch besonders dicke Plastikt\u00fcten sind nicht umfasst, wie die \u201eDiscounter-Henkelt\u00fcten\u201c. Auch f\u00fcr andere Produkte, wie f\u00fcr Parf\u00fcm, gibt es noch kleine, aber sehr dicke Plastikt\u00fcten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Freiwillige Vereinbarung in Deutschland<\/h3>\n\n\n\n<p>Die EU-Mitgliedstaaten konnten selbst entscheiden, mit welchen Ma\u00dfnahmen sie ihren Verbrauch reduzieren wollten. In Deutschland entschied sich das Bundesumweltministerium 2015 gegen eine staatliche Abgabe, eine Steuer oder Verbote, sondern es gab im Jahr 2016 eine freiwillige Vereinbarung mit dem Handelsverband Deutschland (HDE). Dieser sagte zu, die EU-Vorgaben auch ohne eine gesetzliche Regelung zu erf\u00fcllen, indem sich diverse Unternehmen verpflichteten, Kunststoff-Tragetaschen k\u00fcnftig nicht mehr kostenfrei auszugeben, beispielsweise in Kaufh\u00e4usern und im Elektrohandel. In Superm\u00e4rkten waren kostenpflichtige Plastikt\u00fcten bereits seit den 1970er Jahren \u00fcblich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00d6kobilanzen von Einwegtragetaschen erstellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/assets.publishing.service.gov.uk\/government\/uploads\/system\/uploads\/attachment_data\/file\/291023\/scho0711buan-e-e.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Environment Agency, Gro\u00dfbritannien (2011)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.empa.ch\/documents\/56122\/458579\/Oekobilanz-Tragetaschen.pdf\/490f9506-a9d1-4ad8-ac56-e797cc39246a?version=1.1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Eidgen\u00f6ssische Materialpr\u00fcfungs- und Forschungsanstalt<\/a> (EMPA) (2014)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/378\/dokumente\/08_detzel_ifeu_vortrag_dialogveranstaltung_einweg-tragetaschen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IFEU-Zusammenstellung verschiedener \u00d6kobilanzen<\/a> (2014)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www2.mst.dk\/Udgiv\/publications\/2018\/02\/978-87-93614-73-4.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ministry of Environment and Food of Denmark &#8211; (2018)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Laut Handelsverband konnte der Verbrauch in Deutschland bis 2019 auf 20 Kunststoff-Einwegtragetaschen pro Person gesenkt werden. Damit hatte Deutschland die EU-Vorgabe bereits fr\u00fch erf\u00fcllt. Der NABU hat die freiwillige Vereinbarung dennoch immer kritisiert, da sie auf halbem Weg stecken blieb:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Zu viele wichtige Branchen waren au\u00dfen vor, die sich nicht verpflichtet hatten, Plastikt\u00fcten nur gegen Entgelt abzugeben. Diese Branchen waren nicht im Handelsverband organisiert oder weigerten sich an der Ma\u00dfnahme teilzunehmen, wie beispielsweise die Textilbranche.<\/li><li>Nicht bei der Vereinbarung dabei waren auch Branchen, von denen aus Plastikt\u00fcten tats\u00e4chlich durch Verwehungen oder falsche M\u00fcllentsorgung h\u00e4ufig in der Landschaft und in Gew\u00e4ssern landen wie Imbisse, B\u00e4ckereien, Kioske oder Wochenm\u00e4rkte.<\/li><li>Kritisiert hat der NABU auch immer, dass Papiert\u00fcten, die keine bessere \u00d6kobilanz haben als eine Plastikt\u00fcte, in der freiwilligen Vereinbarung au\u00dfen vor gelassen wurden.<\/li><li>Es wurden keine Verlagerungseffekte auf Papiert\u00fcten analysiert, auch wurden keine Daten zum tats\u00e4chlichen Kunststoffverbrauch bzw. zur Reduktion desselben ver\u00f6ffentlicht.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Ob die freiwillige Vereinbarung tats\u00e4chlich einen positiven Umweltnutzen hatte, l\u00e4sst sich alleine an der Anzahl der noch inverkehrgebrachten Plastikt\u00fcten gar nicht feststellen. Vielmehr w\u00e4re daf\u00fcr n\u00f6tig zu wissen, wie viele der Plastikt\u00fcten durch Papiert\u00fcten ersetzt wurden und wie hoch die Kunststoffeinsparung tats\u00e4chlich war. Diese Daten wurden jedoch leider nie ver\u00f6ffentlicht, da es nicht gesetzlich vorgeschrieben ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gesetzliches Verbot<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung hat beschlossen, dass ab Januar bestimmte Einwegtragetaschen aus Kunststoff nicht mehr in Verkehr gebracht werden d\u00fcrfen. F\u00fcr das Verbot wurde das Verpackungsgesetz (VerpackG) ge\u00e4ndert, der Verbotsvorschlag umfasst wie in der EU-Verordnung Einwegtragetaschen aus Kunststoff mit einer Wandst\u00e4rke von 15 bis 50 Mikrometer (Hygienebeutel f\u00fcr bspw. Obst und Gem\u00fcse sind ausgenommen).<\/p>\n\n\n\n<p>Der NABU begr\u00fc\u00dft, dass das Bundesumweltministerium erkannt hat, dass freiwillige Ma\u00dfnahmen des Handels und der Industrie allein nicht ausreichen, um die Kunststoffkrise anzugehen. Gleichzeitig warnte der NABU aber angesichts des vorliegenden Gesetzentwurfs vor Symbolpolitik (<a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/imperia\/md\/content\/nabude\/abfallpolitik\/190930_nabu_verbot_tuete_stellungnahme.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">NABU-Stellungnahme vom 30. September 2019<\/a>). Wie die freiwillige Vereinbarung wird das Verbot von Kunststoff-Einwegtragetaschen sicher zu ungewollten Verlagerungen auf Einweg-Papiert\u00fcten f\u00fchren. Ein gesetzliches Verbot muss auch Vorgaben zur Papiert\u00fcte machen: Wenn die Bundesregierung diese nicht wie die Plastikt\u00fcte verbieten will, muss im Gesetz wenigstens ein Reduktionsziel aufgestellt werden und eine gesetzliche Abgabe auf die Einweg-Papiert\u00fcte erhoben werden. Ohne Vorgaben werden weiterhin einfach Plastikt\u00fcten durch Papiert\u00fcten ersetzt, denn die Einwegtragetasche aus Papier hat einen extrem positiven \u00f6kologischen Ruf in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Papiert\u00fcten sind keine \u00f6kologischere Alternative<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150910-nabueinkaufstueten-s-hennigs.jpeg\" alt=\"Einkaufst\u00fcten aus Plastik und Papier \" class=\"wp-image-104368\" width=\"382\" height=\"255\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150910-nabueinkaufstueten-s-hennigs.jpeg 680w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150910-nabueinkaufstueten-s-hennigs-300x200.jpeg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150910-nabueinkaufstueten-s-hennigs-150x100.jpeg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/150910-nabueinkaufstueten-s-hennigs-400x266.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 382px) 100vw, 382px\" \/><figcaption>Einkaufst\u00fcten aus Plastik und Papier &#8211; Foto: NABU\/S.Hennigs<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Reduktion der Plastikt\u00fcten zwischen 2012 und 2019 war auch nur deswegen so stark, da viele Unternehmen einfach von Plastik- auf Papiert\u00fcten umgestiegen sind bzw. nur noch Papiert\u00fcten anbieten. Dabei sind Papiert\u00fcten gesamt\u00f6kologisch keine bessere Alternative zur Plastikt\u00fcte, auch wenn Papiert\u00fcten ein \u00d6ko-Image haben. Auch braune Papiert\u00fcten sind nur selten aus Altpapier. <a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/umwelt-und-ressourcen\/ressourcenschonung\/papier\/30395.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">In der Produktion f\u00fcr \u201efrisches Papier\u201c werden sehr viel Holz, extreme Mengen an Energie und Wasser sowie auch Chemikalien f\u00fcr Klebematerial und Druckfarben ben\u00f6tigt<\/a>. Es gibt verschiedene \u00d6kobilanzen zu Tragetaschen, die schwer zu vergleichen sind, aber alle zum gleichen Ergebnis kommen: Die Papiert\u00fcte hat eine schlechtere Umweltbilanz als eine Kunststofft\u00fcte.<\/p>\n\n\n\n<p>Um bewerten zu k\u00f6nnen, ob die Reduktion der Plastikt\u00fcten auf 20 St\u00fcck einen \u00f6kologischen Vorteil gebracht hat oder ob dieser durch den starken Anstieg der Papiert\u00fcten-Produktion zunichtegemacht wird, m\u00fcssten auch Daten zu Einwegtragetaschen aus Papier ver\u00f6ffentlicht werden. Dies w\u00e4re auch gut m\u00f6glich, w\u00fcrde das Umweltministerium darauf bestehen. Bisher werden jedoch keine Daten ver\u00f6ffentlicht und Umweltministerium und Handelsverband berufen sich darauf, dass die EU-Verpackungsrichtlinie sich nur auf Plastikt\u00fcten bezieht. \u00d6kologisch ist das viel zu kurz gedacht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">NABU fordert staatliche Abgabe auf alle Einwegt\u00fcten<\/h3>\n\n\n\n<p>Damit k\u00fcnftig die Einwegt\u00fctenflut insgesamt reduziert wird und weniger T\u00fcten in der Natur landen, fordert der NABU eine gesetzliche Abgabe auf alle Einwegtragetaschen unabh\u00e4ngig vom Material und der Wandst\u00e4rke. Auch ist es notwendig, f\u00fcr Papiert\u00fcten ein verbindliches Reduktionsziel aufzustellen und den j\u00e4hrlichen Verbrauch an Papiert\u00fcten zu erheben und die Daten zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erl\u00f6se der staatlichen Abgabe sollten in einen Umweltfonds zur Mehrwegf\u00f6rderung flie\u00dfen. Ziel ist dabei aber nicht, m\u00f6glichst viel Gewinn durch die Abgabe abzusch\u00f6pfen. Vielmehr m\u00fcssen Kunden eine Routine entwickeln, eine eigene Tasche oder alte T\u00fcten mit zum Einkauf zu nehmen, denn am umweltfreundlichsten ist die Variante, die am h\u00e4ufigsten wieder genutzt wird (NABU-FAQ zur Plastikt\u00fcte).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gesondertes Problem sind die d\u00fcnnen Einwegt\u00fcten beispielsweise f\u00fcr Obst und Gem\u00fcse, die in der EU-Verordnung au\u00dfen vor bleiben. Der NABU w\u00fcrde auch hier eine staatliche Abgabe auf Papier- oder Plastikt\u00fcten guthei\u00dfen, allerdings erst als zweiten Schritt: Als ersten Schritt muss Obst und Gem\u00fcse von den H\u00e4ndlern \u00fcberhaupt erst einmal (wieder) lose angeboten werden, denn der d\u00fcnne Knotenbeutel ist wesentlich materialeffizienter als eine Vorverpackung (<a href=\"https:\/\/www.nabu.de\/umwelt-und-ressourcen\/ressourcenschonung\/einzelhandel-und-umwelt\/nachhaltigkeit\/20787.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">NABU-Studie zu Obst- und Gem\u00fcseverpackungen<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland werden immer weniger Plastikt\u00fcten verbraucht. Ab Januar 2022 sind die meisten auch gesetzlich verboten. Der NABU kritisiert, dass Papiert\u00fcten dagegen nicht gesetzlich reguliert werden. 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