{"id":104235,"date":"2022-02-09T07:35:00","date_gmt":"2022-02-09T06:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=104235"},"modified":"2022-02-04T12:53:26","modified_gmt":"2022-02-04T11:53:26","slug":"die-beste-art-der-mullverwertung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-beste-art-der-mullverwertung\/","title":{"rendered":"Die beste Art der M\u00fcllverwertung"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Das Problem: Die Menschheit produziert etwa 350 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr, und mindestens 10 Prozent davon landen in Gew\u00e4ssern.<br>Die L\u00f6sung: Kompostierbare Verpackungen aus Abf\u00e4llen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neulich habe ich mich wieder ge\u00e4rgert: Am Bahnhof, wo die Reisenden Essen mitnehmen, wird das Kiosk-Essen auf Aluminiumschalen gebettet. Aber: Wer schleppt schon auf Reisen Mehrwegbeh\u00e4lter mit? Und dann denke ich mir \u2013 warum hat das denn noch keiner besser gel\u00f6st?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"630\" height=\"421\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/Bildschirmfoto-2022-02-04-um-12.46.13.png\" alt=\"Eduardo Gordillo vor seiner Firma in der Uckermark.\" class=\"wp-image-104248\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/Bildschirmfoto-2022-02-04-um-12.46.13.png 630w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/Bildschirmfoto-2022-02-04-um-12.46.13-300x200.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/Bildschirmfoto-2022-02-04-um-12.46.13-150x100.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/02\/Bildschirmfoto-2022-02-04-um-12.46.13-400x267.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><figcaption>Eduardo Gordillo vor seiner Firma in der Uckermark. Foto: Maximilian Probst<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Bei Schwedt in der Uckermark wollen sie genau das \u2013 und legen gerade letzte Hand an eine 2000 Quadratmeter gro\u00dfe Produktionsst\u00e4tte, die das Problem zumindest teilweise l\u00f6sen soll. \u00bbWir wollen Einwegplastik weltweit \u00fcberfl\u00fcssig machen\u00ab, sagt Eduardo Gordillo. \u00bbWir nutzen dazu die Natur.\u00ab Ab sofort will der in Kolumbien geborene Unternehmer dort kompostierbare Essverpackungen produzieren, und zwar aus faserreichen Agrarabf\u00e4llen, die sonst ohnehin niemand verwertet.<\/p>\n\n\n\n<p>Gordillos Firma Bio-Lutions kauft Weizenstroh, Rapsstroh oder Tomatenstengel von Bauern in der Umgebung oder Hanf von einer nahegelegenen Hanffaser-Fabrik; auch verschiedene Schilfarten eignen sich. \u00bbAlles im Radius von 100 bis h\u00f6chstens 150 Kilometer, damit die Fahrten die Klimabilanz nicht kaputt machen\u00ab, erkl\u00e4rt der 54-j\u00e4hrige Gordillo. \u00bbDie Agrarabf\u00e4lle werden gewaschen und geschreddert.\u00ab Durch einen patentierten \u00bbNanofizierungs\u00ab-Prozess, der die Fasern mechanisch aufspaltet und ohne toxische Chemikalien auskommt, entstehen selbstbindende ultrafeine Fasern, die sich dann zu verschiedenen Beh\u00e4ltern formen lassen. \u00bbWir isolieren keine Inhaltsstoffe, sondern transformieren die Abf\u00e4lle in selbstbindende Fasern\u00ab, sagt Gordillo und zeigt via Zoom erst Sch\u00fcsseln voll Schnipseln aus Weizenhalmen oder Zucchini-Stengel und dann die fertigen Produkte: erdfarbene Blument\u00f6pfe, Schalen und Teller. Nur vier Liter Wasser brauche er pro Kilo Endprodukt. Das ist weniger als bei vielen anderen Plastikalternativen, etwa den Herstellern von Einweggeschirr aus Bagasse, also Zuckerrohrfasern, die ebenfalls ein faserreiches Abfallsprodukt sind und immer h\u00e4ufiger als Plastikersatz zum Einsatz kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neue Technologie wurde von der Zelfo Technology GmbH in Schwedt und Gordillos CleanTech-Startup Bio-Lutions entwickelt. Die beiden Firmen bekamen daf\u00fcr unter anderem im vergangenen Jahr den Brandenburger Innovationspreis in der Kategorie Kunststoffe und Chemie.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fasern k\u00f6nnen zu verschiedenen Formen gestanzt oder geformt werden. Sie f\u00fchlen sich \u00e4hnlich an wie Pappe, vergleichbar mit einem Eierkarton. \u00bbWir fangen mit Schalen f\u00fcr Obst, Gem\u00fcse und frisches Fleisch an\u00ab, sagt Gordilllo. Schon f\u00fcr dieses Jahr plant er die Produktion von 3000 Tonnen Verpackungen pro Jahr. Bis Herbst will er auch Einwegbesteck und Deckel f\u00fcr Getr\u00e4nkebecher produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00e4hnliche Grundidee, n\u00e4mlich die Verwendung von Agrarabf\u00e4llen, spornt das deutsche Startup Proservation an, zerbrechliche Ware in komprimierte Getreideh\u00fclsen und Spelzen zu verpacken statt in Plastik.<\/p>\n\n\n\n<p>Ruanda, Kenia, Taiwan und einige indische Bundesl\u00e4nder waren die Vorreiter: Sie haben Einwegplastik bereits in vielen Bereichen verboten. Nun macht auch die EU ernst: Plastik-Strohhalme, -Einwegbesteck, und Styroporbeh\u00e4lter sollen der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Die Menschheit produziert derzeit etwa 350 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr, und mindestens zehn Prozent davon landen in den Gew\u00e4ssern. Das Problem wird also immer dr\u00e4ngender.<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00fchrte zu einem Boom beim sogenannten \u00bbBioplastik\u00ab; tats\u00e4chlich steckt hinter dem ungesch\u00fctzten Begriff aber oft nur Greenwashing. Mit dem Label \u00bbkompostierbar\u00ab wird \u00e4hnlich viel Schindluder betrieben. Oft sind als kompostierbar beworbene Produkte nur unter industriellen Bedingungen zersetzbar und weil deutsche Recyclinganlagen die dazu n\u00f6tigen Temperaturen meist nicht erreichen, landet das Zeug dann doch in der Verbrennungsanlage.<\/p>\n\n\n\n<p>Gordillo versichert, seine Produkte seien tats\u00e4chlich kompostierbar: \u00bbDu kannst sie im Garten verbuddeln. Wir haben das getestet, und in vier Monaten sind sie abgebaut.\u00ab Selbst wenn ein Tier einen weggeworfenen Karton isst, sei das \u2013 \u00e4hnlich wie bei chlorfreiem Papier \u2013 nicht sch\u00e4dlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nne die Beh\u00e4lter aber auch \u00e4hnlich wie Papier wiederverwerten, recyceln, in einer Biogasanlage verbrennen oder industriell kompostieren, sagt Gordillo. \u00dcberpr\u00fcfbar sind diese aber nat\u00fcrlich Aussagen aber erst, wenn die Produkte hier auf dem Markt sind. Gordillo wehrt sich mit Verweis auf seine Patente und Betriebsgeheimnisse energisch gegen detaillierte Nachfragen zum Produktionsprozess, und er will auch keine Journalisten in die Produktionsanlage lassen, ohne dass sie eine Verschwiegenheits-Erkl\u00e4rung unterzeichnen, was dann wiederum die journalistische Arbeit unm\u00f6glich machen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Gordillo hat eigentlich Architektur und Industriedesign studiert und war zu Beginn seiner Karriere selbst Teil des Problems. Er entwarf Aufsteller aus Kunststoff f\u00fcr Kosmetik oder Schmuck, die meist nach wenigen Monaten wieder im Abfall landeten. Der Liebe wegen zog er nach Hamburg, und die Geburt seiner Tochter lie\u00df ihn auch beruflich umdenken: \u00bbWas hinterlasse ich ihr f\u00fcr einen Planeten?\u00ab, fragte er sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Gordillo hat bereits in Asien Erfahrung gesammelt. 2017 baute er eine \u00e4hnliche Fabrik im s\u00fcdindischen Bangalore auf; die Regierung dort k\u00fcndigte n\u00e4mlich ein Verbot von Einwegplastik an. Als ich Gordillo damals interviewte, klang er euphorisch. Bis zu 20 000 Tonnen kompostierbare Verpackungen wollte er produzieren. Von den umliegenden Bauern kaufte er Zuckerrohre, Bananenstaudenengel und Kokosschalen als Rohstoffe. \u00bbDas ist eine Win-win-Situation\u00ab, meinte er, \u00bbdenn normalerweise sind das Abf\u00e4lle, f\u00fcr die die Bauern nichts kriegen. Nun haben sie da zus\u00e4tzliche Einnahmen.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Problem: Die Menschheit produziert etwa 350 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr, und mindestens 10 Prozent davon landen in Gew\u00e4ssern.Die L\u00f6sung: Kompostierbare Verpackungen aus Abf\u00e4llen. Neulich habe ich mich wieder ge\u00e4rgert: Am Bahnhof, wo die Reisenden Essen mitnehmen, wird das Kiosk-Essen auf Aluminiumschalen gebettet. Aber: Wer schleppt schon auf Reisen Mehrwegbeh\u00e4lter mit? Und dann denke [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Seit die EU Einwegplastik verbietet, suchen viele Hersteller nach Alternativen. 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