{"id":10388,"date":"2007-08-20T00:00:00","date_gmt":"2007-08-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070820-04n"},"modified":"2007-08-20T00:00:00","modified_gmt":"2007-08-19T22:00:00","slug":"bio-wasserstoff-was-ist-machbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-wasserstoff-was-ist-machbar\/","title":{"rendered":"Bio-Wasserstoff: Was ist machbar?"},"content":{"rendered":"<p><b>Der Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff f\u00fcr mobile Anwendungen kann einen wichtigen Beitrag f\u00fcr eine energieeffizientere und \u00f6kologischere Mobilit\u00e4t leisten. Bereits heute ist die Nutzung von Wasserstoff \u00f6kologisch vorteilhaft, denn gut 45% des weltweiten Wasserstoffbedarfes von derzeit 540 Mrd.m<sup>3<\/sup> pro Jahr werden in Erd\u00f6lraffinierungsprozessen wie der Entschwefelung konventioneller Kraftstoffe eingesetzt.<\/b><\/p>\n<p>Aus \u00f6kologischer Perspektive ist ein weitergehender Einsatz des Sekund\u00e4renergietr\u00e4gers letztlich dann sinnvoll, wenn er aus nachhaltiger Produktion stammt. Die Nutzung von Biomasse bietet hierf\u00fcr interessante Alternativen. Verschiedene Konversionsverfahren erm\u00f6glichen die indirekte als auch direkte Erzeugung von Wasserstoff aus unterschiedlichen biogenen Rohstoffen. <\/p>\n<p><b>Indirekte Wasserstoffproduktion<\/b><br \/>Als Ausgangsstoffe f\u00fcr die Biogasproduktion mittels Fermentation eignen sich unter anderem biogene Reststoffe aus der Landwirtschaft als auch Energiepflanzen wie Mais in Form von Maissilage. Aus der Verg\u00e4rung gewonnenes Biogas kann nach Aufbereitung zu reinem Biomethan in einem konventionellen Methan-Dampf-Reformer f\u00fcr die Wasserstoffproduktion eingesetzt werden. <\/p>\n<p>Verfahren zur Biogasproduktion aus feuchter Biomasse mit anschlie\u00dfender Aufbereitung zu Biomethan sind Stand der Technik. Bedingt durch logistische und wirtschaftliche Restriktionen beim Einsatz energiearmer biogener Rohstoffe ist der derzeit sinnvolle Kapazit\u00e4tsbereich von Fermentern auf einige hundert Normkubikmeter pro Stunde begrenzt. Eine Integration gr\u00f6\u00dferer Fermenter f\u00fcr die Vor-Ort-Produktion von Biomethan an Standorten, an denen nachhaltiger Wasserstoff produziert werden soll, erscheint demnach wenig sinnvoll. <\/p>\n<p>Um dennoch Biomethan in ausreichend gro\u00dfen Mengen standortunabh\u00e4ngig bereitstellen zu k\u00f6nnen, bietet sich die Entkopplung von Produktion und Nutzung an. Hierf\u00fcr wird aufbereitetes Biogas am Ort der Erzeugung in das Erdgasnetz eingespeist und nach einem &#8220;virtuellen Transport&#8221; am Nachfrageort wieder entnommen. Qualit\u00e4t und Zusammensetzung des einzuspeisenden und aufbereiteten Biogases sind in <a href=\"http:\/\/www.dvgw.de\/\" >DVGW<\/a>-Regelwerken definiert. Ein Zertifizierungskonzept zur Nachvollziehbarkeit des virtuellen Biogashandels wurde vom <a href=\"http:\/\/www.tuev-sued.de\/\" >T\u00dcV S\u00fcd<\/a>, M\u00fcnchen, vorgestellt. Auch wenn alternative Verwertungswege f\u00fcr Biogas wie die direkte Verstromung oder die Nutzung als Erdgassubstitut Einschr\u00e4nkungen im nutzbaren Biogaspotenzial erwarten lassen, zeigen Potentialbetrachtungen, dass die indirekte Wasserstoffproduktion insbesondere in der \u00dcbergangsphase hin zur Wasserstoffwirtschaft, einen nennenswerten Beitrag zur nachhaltigen Bereitstellung des Energietr\u00e4gers leisten kann.<\/p>\n<p><b>Direkte Wasserstoffproduktion<\/b><br \/>Eine weitere Variante der biogenen Wasserstoffproduktion ist die Vergasung von Biomasse. Hierbei wird in einem nachgeschalteten CO-Shift Reaktor der Wasserstoffanteil des in der Vergasung entstehenden Synthesegases weiter erh\u00f6ht. Das Abtrennen des Wasserstoffgases aus dem Synthesegasstrom erfolgt in einer Druckwechseladsorption. Je nach Prozessf\u00fchrung und Rohstoffqualit\u00e4t sind Ausbeuten von bis zu 90kg Wasserstoff pro Tonne trockener Biomasse realisierbar. Die erforderlichen Technologien zur Biomassevergasung befinden sich gro\u00dfteils noch im Entwicklungsstadium oder werden in verschiedenen Pilotanlagen demonstriert. Potenzielle Rohstoffe sind feste, holzartige Biomassen wie Waldrestholz oder schnell wachsende Baumarten. Auch lignocellulosehaltige Biomasse wie Miscanthus ist theoretisch nutzbar. <br \/><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070820-04\/Verfahrensschema.jpg\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"Verfahrensschema.jpg\"\/><br style=\"clear:left;\"\/><br \/>Die Wirtschaftlichkeit einer k\u00fcnftigen Wasserstoffproduktion mittels Biomassevergasung h\u00e4ngt in hohem Ma\u00dfe von der Anlagengr\u00f6\u00dfe ab, denn beim \u00dcbergang von klein- zu gro\u00dfskalierten Anlagen sind sinkende spezifische Investitionskosten zu erwarten. Eine \u00f6konomische Analyse der Wasserstoffbereitstellung erfordert au\u00dferdem die integrierte Betrachtung der Wasserstoffdistribution, deren Kosten je nach Lieferform und -distanz einen ma\u00dfgeblichen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen k\u00f6nnen. Vor diesem Hintergrund hat der Anlagenstandort einen ebenfalls nennenswerten Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Wasserstoffbereitstellung. Grunds\u00e4tzlich sind zwei Optionen denkbar:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Aufbau eines kleinskalierten, dezentralen Biomassevergasers in Kundenn\u00e4he, wie zum Beispiel am Rande eines urbanen Zentrums. Der gasf\u00f6rmige Wasserstoff wird aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden hochkomprimiert per Lkw transportiert.<\/li>\n<li>Die Installation eines gro\u00dfskalierten Vergasers zur zentralen Wasserstoffproduktion und Versorgung mehrerer Nachfragezentren. F\u00fcr einen wirtschaftlichen Transport \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Distanzen wird der Wasserstoff verfl\u00fcssigt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erste \u00f6konomische Analysen zeigen, dass die direkte Wasserstoffproduktion durch Vergasung fester Biomasse nur im gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstab wirtschaftlich darstellbar sein wird, das&#8201; hei\u00dft mit Feuerungsw\u00e4rmeleistungen von mindestens einigen zehn Megawatt. Der Grund hierf\u00fcr sind deutlich geringere spezifische Investitionskosten f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Anlagen, welche spezifischen Mehrkosten f\u00fcr die Rohstoffbeschaffung und die Wasserstoffdistribution \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Distanzen weit \u00fcberwiegen. Durch Integration gr\u00f6\u00dferer Einheiten in Standorte der konventionellen Wasserstoffproduktion lassen sich durch Nutzung vorhandener Infrastruktur zus\u00e4tzliche Synergien realisieren. Dar\u00fcber hinaus bietet Fl\u00fcssigwasserstoff neben einer volumeneffizienteren Vor-Ort-Speicherung den Vorteil, Wasserstoff in fl\u00fcssiger und gasf\u00f6rmig komprimierter Form abtanken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Je nach Standort \u00fcberwiegen die spezifischen Mehrkosten f\u00fcr die Rohstoffbeschaffung erst bei Anlagen mit einer Feuerungsw\u00e4rmeleistung von deutlich mehr als 100MW die Einsparungen an spezifischen Investitionskosten. Tendenziell zeichnet sich daher ab, dass besonders gr\u00f6\u00dfere Vergasereinheiten in Kombination mit der Fl\u00fcssigwasserstoffdistribution in mehrere Nachfragezentren wirtschaftlich \u00e4u\u00dferst sinnvoll sind. Allerdings d\u00fcrfen sozio-\u00f6kologische Aspekte bei der Realisierung solcher Vergaser nicht vernachl\u00e4ssigt werden, wie etwaige Auswirkungen sehr gro\u00dfer Anlagen auf die regionale Flora und Fauna als auch m\u00f6gliche Akzeptanzprobleme der umliegenden Bev\u00f6lkerung. Demnach ist davon auszugehen, dass der k\u00fcnftig m\u00f6gliche Beitrag der Biomassevergasung zur nachhaltigen Wasserstoffproduktion aus einer Kombination von sowohl gro\u00dfer zentraler, aber auch regionaler Produktionszentren erfolgen wird, je nach \u00f6rtlichen Gegebenheiten am potentiellen Produktionsstandort. <\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><br \/>Prinzipiell stehen biogene Rohstoffe f\u00fcr eine direkte und indirekte Wasserstoffproduktion in signifikanten Mengen zur Verf\u00fcgung. Die betrachteten Pfade stehen allerdings in direkter Konkurrenz zu alternativen Nutzungspfaden f\u00fcr die biogene Kraftstoffproduktion. Ganzheitliche Analysen einer biogenen Wasserstofferzeugung auf der Basis der knappen Ressource Fl\u00e4che zeigen indes, dass Biowasserstoff im Vergleich zu alternativen Nutzungsoptionen eine konkurrenzf\u00e4hige und gro\u00dfteils auch h\u00f6here fl\u00e4chenspezifische Mobilit\u00e4t erm\u00f6glicht. Nach derzeitigem Wissensstand ist eine mittelfristig verst\u00e4rkte Nutzung von Wasserstoff als Kraftstoff im mobilen Bereich, prim\u00e4r in urbanen Zentren wie Berlin, Hamburg und dem Ruhrgebiet zu erwarten. Biowasserstoff k\u00f6nnte hier einen signifikanten Beitrag leisten, um eine m\u00f6gliche k\u00fcnftig steigende Nachfrage nach Wasserstoff nachhaltig und flexibel zu decken.<\/p>\n<p><b>Kontakt<\/b><br \/>Alexander Stubinitzky<br \/>E-Mail: <a href=\"mailto:Alexander.Stubinitzky@linde-gas.com\">Alexander.Stubinitzky@linde-gas.com<\/a><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wasserstoff-aus-biomasse\/\" >2007-05-14<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wasserstoffreiches-produktgas-im-ipv-verfahren\/\" >2007-06-21<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Der Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff f&uuml;r mobile Anwendungen kann einen wichtigen Beitrag f&uuml;r eine energieeffizientere und &ouml;kologischere Mobilit&auml;t leisten. 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