{"id":10380,"date":"2007-08-22T00:00:00","date_gmt":"2007-08-21T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bio-based.eu\/news\/index.php?startid=20070822-05n"},"modified":"2007-08-22T00:00:00","modified_gmt":"2007-08-21T22:00:00","slug":"deutsche-bank-research-zeiten-billiger-nahrungsmittel-sind-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/deutsche-bank-research-zeiten-billiger-nahrungsmittel-sind-vorbei\/","title":{"rendered":"Deutsche Bank Research: Zeiten billiger Nahrungsmittel sind vorbei"},"content":{"rendered":"<p><b>Die Deutschen m\u00fcssen seit kurzem mehr f\u00fcr Lebensmittel bezahlen, die Butterpreise sind innerhalb weniger Tage um bis zu 50% gestiegen. Zwar werden etliche Verbraucher einen Preisanstieg um 10 Cent pro Liter Milch sicherlich sp\u00fcren und einzelne sogar schmerzhaft finden, Sorgen um die deutsche Konjunktur m\u00fcssen wir uns aber kaum machen. Selbst wenn sich die Jahresteuerung f\u00fcr Nahrungsmittel dieses Jahr verdoppelte, w\u00fcrde dies die Gesamtinflation um lediglich 0,15 Prozentpunkte erh\u00f6hen. Zudem ist der derzeitige Anstieg der Weltpreise f\u00fcr viele landwirtschaftliche Produkte zum Teil auf kurzfristige Faktoren wie Ernteausf\u00e4lle durch Trockenheit zur\u00fcckzuf\u00fchren (dies gilt z.B. 2006 f\u00fcr die Getreideernte in Australien, zurzeit f\u00fcr Europa).<\/b><\/p>\n<p><img SRC=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070822-05\/lebensmittelpreise.GIF\" align=\"left\" style=\"margin-right:10px;\" BORDER=\"0\" ALT=\"lebensmittelpreise.GIF\"\/>Aufgrund des harten Wettbewerbs im deutschen Einzelhandel sind die Nahrungsmittelpreise hier zwar niedriger als anderswo in Europa. Global gesehen wird der Preisanstieg jedoch von Dauer sein, er k\u00f6nnte sich aus strukturellen Gr\u00fcnden sogar noch weiter fortsetzen. In den entwickelten L\u00e4ndern wendete eine Durchschnittsfamilie zuletzt ca. 10% ihres Einkommens f\u00fcr Nahrungsmittel auf, vor 50 Jahren waren es noch 40%. Die Technisierung und die Industrialisierung der Landwirtschaft lie\u00dfen die realen Nahrungsmittelpreise kontinuierlich sinken. Gleichzeitig f\u00fchrte die zunehmende Arbeitsproduktivit\u00e4t zu steigenden L\u00f6hnen und damit h\u00f6heren Ausgaben f\u00fcr G\u00fcter jenseits des Grundbedarfs. Nun m\u00fcssen sich Verbraucher weltweit auf einen leichten Anstieg der Nahrungsmittelpreise einstellen: Mehrere Faktoren wirken dabei preistreibend.<\/p>\n<p><b>1. Die erh\u00f6hte Nachfrage weltweit.<\/b> Die Weltbev\u00f6lkerung w\u00e4chst weiter: Zudem nimmt seit kurzem in vielen Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern der Verbrauch von Milchprodukten und Fleisch signifikant zu. In zehn Jahren d\u00fcrften die Menschen in den nicht zur <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/\" >OECD<\/a> geh\u00f6renden L\u00e4ndern aufgrund wachsender Einkommen und zunehmender Orientierung am westlichen Lebensstil 60% mehr K\u00e4se, 30% mehr Butter und 40% mehr Fleisch verzehren (nach Berechnungen des OECD-UN Agricultural Outlook 2007-2016).<\/p>\n<p><b>2. Die zunehmende Bedeutung von Biokraftstoffen.<\/b> Bei den erneuerbaren Energien sto\u00dfen Biokraftstoffe auf breite Unterst\u00fctzung, versprechen sie neben der wirksamen Bek\u00e4mpfung der Erderw\u00e4rmung durch die Reduzierung von CO<sub>2<\/sub> \u2013Emissionen und einer breiteren Energieversorgung auch eine neue Einnahmequelle f\u00fcr Landwirte. In der EU ist Ethanol auf dem Vormarsch, das haupts\u00e4chlich aus Weizen und Getreide gewonnen wird, neben Biodiesel, der auf Pflanzen\u00f6len basiert. Auch bei einer teilweisen Versorgung \u00fcber Importe w\u00fcrde die Forcierung des Anbaus von Weizen und Raps zu einem scharfen Wettbewerb um Anbaufl\u00e4che f\u00fchren. Den deutschen Getreidebauern standen 2006 lediglich 55% der Gesamtagrarfl\u00e4che zur Verf\u00fcgung, der geringste Anteil seit 1995. Das Resultat waren steigende Getreidepreise.<\/p>\n<p>Zudem haben die aufgrund des rasanten Wirtschaftswachstums in Asien steigenden \u00d6lpreise die Preise f\u00fcr Biokraftstoffe in die H\u00f6he getrieben. Der Anreiz f\u00fcr Landwirte, nachwachsende Rohstoffe statt Nahrungsmittel anzubauen oder Vieh zu halten, verst\u00e4rkte sich damit weiter. <\/p>\n<p>Biokraftstoffe der zweiten Generation, die aus andern Biomasse-Quellen (Holzzellulose oder gar Bioabf\u00e4llen statt Futtersaat) gewonnen werden, k\u00f6nnten hier in vielleicht einem Jahrzehnt die L\u00f6sung bringen. Viel h\u00e4ngt dabei von der politischen F\u00f6rderung von Biodiesel ab. Die EU legte fest, dass bis 2020 10% der Kraftstoffe im Verkehrssektor durch Biokraftstoffe gedeckt werden m\u00fcssen. Angela Merkel strebt gar 17% an.<\/p>\n<p><b>3. Politische Ma\u00dfnahmen.<\/b> Die Agrar- und Handelspolitik in den industrialisierten L\u00e4ndern hat zu einem erfolgreichen Abbau von \u00dcbersch\u00fcssen und infolgedessen zu h\u00f6heren Preisen gef\u00fchrt. Das erwartete h\u00f6here Niveau der Weltmarktpreise k\u00f6nnte Anlass f\u00fcr weitere politische Reformen sein, weg von staatlicher Preisregulierung, hin zu weniger Importbeschr\u00e4nkungen (niedrigeren Z\u00f6llen) und weniger Produktionsbeschr\u00e4nkungen. Zurzeit gibt es Bestrebungen innerhalb der EU die Milchquote zu senken bzw. das System bereits vor 2015 auslaufen zu lassen. Derzeit zum ersten Mal seit Einf\u00fchrung der Regelung im Jahr 1968 werden die Preise wieder durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Wenn die Landwirte die Produktionsmenge selbst bestimmen k\u00f6nnen, wirkt dies langfristig preisd\u00e4mpfend.<\/p>\n<p>Neben politischen Reformen zur Liberalisierung der Agrarm\u00e4rkte d\u00fcrfte die Tatsache, dass in vielen L\u00e4ndern die Industrialisierung der Landwirtschaft gerade erst begonnen hat, Abw\u00e4rtsdruck auf die Preise aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Alles in allem m\u00fcssen sich die Verbraucher aber auf h\u00f6here Preise f\u00fcr Grundnahrungsmittel einstellen. Zwar war der j\u00fcngste Preisanstieg zum gro\u00dfen Teil auf kurzfristige Produktionsausf\u00e4lle und die resultierenden Angebot\/ Nachfrage-Ungleichgewichte zur\u00fcckf\u00fchren, aber es sind auch langfristige Faktoren wirksam. Die verst\u00e4rkte Nachfrage nach Nahrungsmitteln in den Entwicklungsl\u00e4ndern sowie die aufkeimende Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen wirken solange preistreibend, bis ein Gleichgewicht erreicht ist. Die <a href=\"http:\/\/www.fao.org\/\" >FAO<\/a> (Food and Agricultural Organization) erwartet, dass die Preise f\u00fcr Weizen und \u00d6lsaat mittelfristig unter die derzeitigen resp. j\u00fcngsten H\u00f6chstst\u00e4nde fallen werden. Die Preise f\u00fcr Fleisch und Milchprodukte hingegen werden nach Prognosen der FAO weiter steigen und dann auf hohem Niveau verharren. Zeitpunkt und Niveau des Marktgleichgewichts sind abh\u00e4ngig von der Umsetzbarkeit von Biokraftstoffen aus Zellulose, dem zuk\u00fcnftigen \u00d6lpreis sowie der Agrar- und Handelspolitik. In dieser politischen Debatte ist ein ganzheitlicher Ansatz gefragt: Nahrungsmittel, Energie und Umwelt sind ebenso betroffen wie die gro\u00dfen Nord\/ S\u00fcd, Arm\/ Reich, Stadt\/ Land-Themen.<\/p>\n<p><i><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/news-images\/20070822-05\/dbresearch-deutsch.pdf\" >Text als PDF-Dokument<\/a><\/i><\/p>\n<p>(Vgl. Meldungen vom <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/deutsche-bank-research-guenstige-perspektiven-fuer-die-zeit-nach-dem-oel\/\" >2006-12-11<\/a>, <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-bericht-dauerhaft-hoher-erdoelpreis-und-bald-neue-preisrekorde\/\" >2007-07-19<\/a> und <a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nova-buchbesprechung-alles-was-sie-ueber-rohstoffe-wissen-muessen\/\" >2007-08-22<\/a>.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><b>Die Deutschen m&uuml;ssen seit kurzem mehr f&uuml;r Lebensmittel bezahlen, die Butterpreise sind innerhalb weniger Tage um bis zu 50% gestiegen. 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