{"id":103707,"date":"2022-01-31T07:32:00","date_gmt":"2022-01-31T06:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=103707"},"modified":"2022-01-24T14:48:11","modified_gmt":"2022-01-24T13:48:11","slug":"sprossenschutzer-aus-heimischem-holz-einfach-aber-effektiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/sprossenschutzer-aus-heimischem-holz-einfach-aber-effektiv\/","title":{"rendered":"Sprossensch\u00fctzer aus heimischem Holz \u2013 einfach aber effektiv"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>Junge Forstpflanzen brauchen Schutz, damit sie nicht besch\u00e4digt werden. Deshalb sind in unseren W\u00e4ldern die bunten Kunststoffh\u00fclsen oft nicht zu \u00fcbersehen. Doch sie sind nicht sch\u00f6n und vor allem nicht nachhaltig, denn sie verbleiben h\u00e4ufig an Ort und Stelle. Die Bernd Schairer UG aus Albstadt hat Sprossensch\u00fctzer aus Holz entwickelt, die ohne Kunststoff, Metall oder chemische Mittel auskommen, nicht abgebaut und entsorgt werden m\u00fcssen und auch noch vorbildlich sozial produziert werden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_1.jpg\" alt=\"Der Forstwirt im Wald vor einem Sprossensch\u00fctzer\" class=\"wp-image-103715\" width=\"180\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_1.jpg 1400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_1-225x300.jpg 225w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_1-112x150.jpg 112w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_1-202x270.jpg 202w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_1-1320x1760.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><figcaption>Bernd Schairer hat die Sprossensch\u00fctzer aus Holz entwickelt und die gleichnamige Unternehmensgesellschaft gegr\u00fcndet. \u00a9 Bernd Schairer<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Bernd Schairer ist Schreiner, Forstwirt, Forsttechniker und Gr\u00fcnder einer gleichnamigen Unternehmensgesellschaft in Albstadt auf der Schw\u00e4bischen Alb. Schon vor vielen Jahren kam ihm die Idee, wie man den Wald von Wuchsh\u00fcllen aus Kunststoff und von Metall befreien k\u00f6nnte: \u201eAls ich im Lauf meines beruflichen Werdegangs mit Kollegen damit besch\u00e4ftigt war, den Wald und die verbliebenen Kulturen von den Sch\u00e4den des Orkantiefs Lothar zu befreien, ist mir pl\u00f6tzlich bewusst geworden, was dieser Sprossenschutz \u2013 Wuchsh\u00fcllen, Freiwuchsgitter oder Stachelb\u00e4ume aus Kunststoff und Metall &#8211; im Wald eigentlich anrichtet. Da war ganz viel eingewachsen, sodass sich die Pflanzen \u00fcberhaupt nicht richtig entfalten konnten. Das hat sich tief bei mir eingepr\u00e4gt.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zu viel Kunststoff in unseren W\u00e4ldern<\/h3>\n\n\n\n<p>Heute wie damals ist es g\u00e4ngige Praxis, Forstpflanzen im Wald \u2013 der immerhin mit \u00fcber 11 Mio. Hektar ein Drittel der Gesamtfl\u00e4che von Deutschland ausmacht \u2013 mit Kunststoffh\u00fclsen und Gittern zu sch\u00fctzen. Dies ist n\u00f6tig, um die jungen Pfl\u00e4nzchen vor Verbiss- und Fegesch\u00e4den zu bewahren. Und sicher auch einer der Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr, warum es sogar im Wald mittlerweile eindeutig nachweisbare Mengen von Mikroplastik gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEigentlich \u00fcberhaupt nicht n\u00f6tig\u201c, wie Schairer findet. \u201eDenn die Kunststoffh\u00fclsen sind an sich eine gute Sache \u2013 aber nur dann, wenn sie auch zur richtigen Zeit wieder abgebaut und sachgerecht entsorgt werden.\u201c Dies ist aber oft nicht der Fall; und auch verst\u00e4ndlich, wenn man bedenkt, dass vor dem Hintergrund knapper Finanzmittel f\u00fcr den Forst das Personal f\u00fcr solche Ma\u00dfnahmen h\u00e4ufig fehlt. \u201eDer Abbau ist eine aufwendige Sache\u201c, erkl\u00e4rt der Experte. \u201eDie H\u00fcllen und Freiwuchsgitter sind oft eingewachsen und nur schwer zu entfernen. Den Abfall sollte man nat\u00fcrlich auch nicht einfach liegen lassen, sondern sachgerecht entsorgen, bzw. durch Recycling wieder in den Kreislauf zur\u00fcckf\u00fchren. Aber auch dies passiert oft leider nicht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bei der Lebenshilfe Zollernalb werden Sprossensch\u00fctzer hergestellt<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_2.jpg\" alt=\"Die Sprossensch\u00fctzer aus Holz f\u00fcgen sich harmonisch in die Natur ein, m\u00fcssen nicht unbedingt wieder abgebaut werden und hinterlassen aber trotzdem keine anorganischen Abf\u00e4lle im Wald.\" class=\"wp-image-103717\" width=\"438\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_2.jpg 1400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_2-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_2-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_2-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_2-768x512.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_2-400x267.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Schairer_2-1320x880.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 438px) 100vw, 438px\" \/><figcaption>Die Sprossensch\u00fctzer aus Holz f\u00fcgen sich harmonisch in die Natur ein, m\u00fcssen nicht unbedingt wieder abgebaut werden und hinterlassen aber trotzdem keine anorganischen Abf\u00e4lle im Wald. \u00a9 Bernd Schairer<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Doch die Idee Schairers, die aus der t\u00e4glichen Arbeit mit den Pflanzen entstanden war, blieb erst einmal nur Idee. So lange, bis der Forstwirt 2016 wieder einmal mit den Plastikprodukten in Kontakt kam. Im Rahmen einer Sammelbestellung des damals gr\u00f6\u00dften Forstbetriebs des Landes Baden-W\u00fcrttemberg ForstBW wurden mehrere 100.000 Kunststoffsch\u00fctzer ausgeliefert. \u201eDa kommt man schon mal ins Gr\u00fcbeln, wenn man das alles auf einem Haufen sieht. Und mir wurde klar, dass jetzt etwas passieren muss\u201c, berichtet Schairer. \u201eZudem war ich viel im Ausland unterwegs gewesen, um unter anderem Robinienst\u00e4be f\u00fcr die Befestigung einzukaufen. Robinie ist das haltbarste europ\u00e4ische Holz. Die Wuchsgebiete liegen aber im Schnitt 1.000 km au\u00dferhalb Deutschlands. Mit solchen Projekten verschieben wir unser Problem nur ins Ausland \u2013 eine regionale L\u00f6sung musste her.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>So gr\u00fcndete der Forstwirt noch im gleichen Jahr die Bernd Schairer UG in Albstadt und begann mit der Herstellung von Sprossensch\u00fctzern aus heimischem Hartholz. Schon kurz darauf wurde das gerade erst entwickelte Produkt auf der Erfindermesse iNEA in N\u00fcrnberg mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Seit 2019 kooperiert die Firma zudem mit der Lebenshilfe Zollernalb, wo die Sprossensch\u00fctzer zusammengebaut werden. Auch ein Patent wurde angemeldet und 2020 erteilt. Die neueste Auszeichnung f\u00fcr Schairers Idee ist der Innovationspreis Bio\u00f6konomie Baden-W\u00fcrttemberg 2021, der ihm k\u00fcrzlich im Rahmen des 6. Bio\u00f6konomietages vom Ministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung, L\u00e4ndlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-W\u00fcrttemberg verliehen wurde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Regionales Eschen- oder Esskastanienholz ersetzt Kunststoff<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Holz f\u00fcr den Schutz der Jungpflanzen stammt von Eschen oder Esskastanien. Diesen Rohstoff kauft die UG grunds\u00e4tzlich regional ein, sodass m\u00f6glichst kurze Transportwege anfallen. \u201eUnser Esskastanienholz stammt aus dem gr\u00f6\u00dften deutschen Wuchsgebiet, dem Oberrheingraben. Die Esche haben wir bis vor zwei Jahren von der Schw\u00e4bischen Alb bezogen. Aber der Bedarf ist so gestiegen, dass wir nun auch mit einer Firma kooperieren, die Eschenholz verarbeitet und uns das Restholz \u00fcberl\u00e4sst. Das ist eine gute L\u00f6sung, denn die Reste werden normalerweise thermisch verwertet und nicht stofflich genutzt\u201c, sagt der Unternehmer. \u201eW\u00e4hrend wir 2020 noch ca. 80.000 Einheiten produziert haben, waren das 2021 schon 200.000.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Sprossenschuetzer_Schairer_34-1.png\" alt=\"Nahaufnahme der beiden Holz-Modelle.\" class=\"wp-image-103718\" width=\"400\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Sprossenschuetzer_Schairer_34-1.png 1400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Sprossenschuetzer_Schairer_34-1-300x225.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Sprossenschuetzer_Schairer_34-1-1024x767.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Sprossenschuetzer_Schairer_34-1-150x112.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Sprossenschuetzer_Schairer_34-1-768x575.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Sprossenschuetzer_Schairer_34-1-360x270.png 360w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/Sprossenschuetzer_Schairer_34-1-1320x989.png 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption>Drei verschiedene Modelle sind aktuell erh\u00e4ltlich, darunter: \u201eMono 120\u201c mit 8 Quersprossen und 2 Riegeln sowie \u201eDuo 120\u201c mit 26 Quersprossen. \u00a9 Bernd Schairer<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Das Kastanienholz \u2013 etwa 750 Festmeter im Jahr \u2013 kauft die Firma als Rundholz im Wald, l\u00e4sst es schneiden und anliefern. Das Eschenholz wird, je nachdem wie die Reste anfallen, einmal pro Woche abgeholt. Das Holz wird zun\u00e4chst auf dem Firmengel\u00e4nde vorkommissioniert, bevor es dann in trockener Form zur Lebenshilfe Zollernalb gebracht wird, wo die Sprossensch\u00fctzer zusammengebaut und verpackt werden. Den Vertrieb \u00fcbernimmt die Stingel Forst- und Handels GmbH in Albstadt, wo Schairer seit 2012 als Einsatzleiter besch\u00e4ftigt ist. Die Kooperation mit der Lebenshilfe sei eine gute Sache, wie der Forstwirt von seinen Erfahrungen berichtet. Dies besch\u00e4ftige dort etwa 35 Leute, das Holz sei angenehm zu verarbeiten und das Produkt einfach und qualit\u00e4tstechnisch nicht so streng zu pr\u00fcfen als wenn es f\u00fcr die Industrie bestimmt sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei verschiedene Modelle hat die Bernd Schairer UG bereits im Programm. Sie unterscheiden sich in L\u00e4nge und der Zahl der Quersprossen voneinander. Zwei weitere neue Modelle sind bereits entwickelt. \u201eAber wir kommen derzeit einfach zu nichts mehr\u201c, sieht der Experte sein Limit erreicht. \u201eWir werden definitiv unsere Produktionskapazit\u00e4ten im Zollernalbkreis nicht ausbauen, das Ziel war es von vornherein, alles regional zu betreiben.\u201c Daher sollen vom Standort Saarbr\u00fccken Kunden au\u00dferhalb der Versorgungsm\u00f6glichkeiten der Firma im heimischen Albstadt beliefert werden, etwa im Saarland, Rheinland-Pfalz oder Luxemburg, auch um die Wege der Sprossensch\u00fctzer zum Kunden kurz zu halten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachhaltiger Schutz nur auf den ersten Blick teurer<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Sprossensch\u00fctzer aus Holz sind ca. 1,5-fach teurer als die Kunststoffpendants. Allerdings muss ber\u00fccksichtigt werden, dass keine Arbeitszeit mehr anf\u00e4llt, um sie wieder abzubauen. \u201eEs sei denn, die Pflanzen wachsen sehr schnell, z. B. in feuchtem Milieu. Dann k\u00f6nnte man die Sch\u00fctzer sogar auch noch ein zweites oder drittes Mal verwenden\u201c, berichtet Schairer. \u201eDer Abbau ist sehr einfach und nicht mit den Kunststoffh\u00fcllen vergleichbar. Unsere kann man mit normalen Arbeitshandschuhen ganz problemlos und schnell auseinandernehmen. Die Konstruktion ist eben aus der Arbeit heraus entstanden. F\u00fcr die Kunststoffh\u00fcllen dagegen braucht man Spezialhandschuhe und verletzt sich trotzdem oft, weil sie manchmal so fest eingewachsen sind.\u201c Und er f\u00fcgt hinzu: \u201eAber leider ist das Problem unserer Forstwirtschaft, dass nur in Haushaltsjahren gedacht wird: Wenn das dieses Jahr billig ist, was interessiert mich n\u00e4chstes Jahr?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber er betont nochmals: \u201eDie Kunststoffh\u00fcllen an sich sind top. Das, was sie im Wald anrichten, geht lediglich auf Anwenderfehler zur\u00fcck. Sie werden einfach nicht zur rechten Zeit wieder abgebaut. Aber wie sich der Markt letztlich entwickeln wird, ist unklar.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den neuen Modellen, die man in den n\u00e4chsten Monaten noch auf den Markt bringen m\u00f6chte, soll auch ein neuer Rohstoff kommen: Holz aus Eiche. Hierf\u00fcr hat Schairer bereits Gespr\u00e4che mit einem Unternehmen im Spessart gef\u00fchrt, wo das Naturprodukt als Abfall bei der Parkettherstellung anf\u00e4llt und bislang ebenfalls nicht stofflich genutzt wird. Auch eine weitere Kooperation mit der Lebenshilfe Saarbr\u00fccken k\u00f6nnte hinzukommen. Hier w\u00fcrde man aber nur das Holz anfahren, weiteres Engagement \u00fcbersteige die M\u00f6glichkeiten der kleinen Firma. Vom Standort Saarbr\u00fccken sollen die Kunden im Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg beliefert werden, um die Wege der Sprossensch\u00fctzer zum Kunden kurz zu halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Junge Forstpflanzen brauchen Schutz, damit sie nicht besch\u00e4digt werden. 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