{"id":102848,"date":"2022-01-14T07:26:00","date_gmt":"2022-01-14T06:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=102848"},"modified":"2022-01-07T15:08:55","modified_gmt":"2022-01-07T14:08:55","slug":"nutzung-von-plastikmull-leben-einer-strase-verdoppeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nutzung-von-plastikmull-leben-einer-strase-verdoppeln\/","title":{"rendered":"Nutzung von Plastikm\u00fcll: \u201eLeben einer Stra\u00dfe verdoppeln\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">taz: Herr Varga, Herr Redwitz, warum steckt in Stra\u00dfen denn \u00fcberhaupt Plastik?<\/h3>\n\n\n\n<p>Jonas Varga: Kunststoffadditive werden bereits seit Jahrzehnten eingesetzt, um die Leistungsf\u00e4higkeit von Asphalt zu verbessern. In den letzten Jahren ist Kunststoffen durch steigenden G\u00fcterverkehr, der Stra\u00dfen st\u00e4rker abnutzt, eine wichtigere Bedeutung zugekommen.<br>Anzeige<\/p>\n\n\n\n<p>Max Redwitz: Der Asphalt besteht aus einer Mischung aus Gestein und Bitumen. Manches Bitumen wird mit neuwertigen Kunststoffen versetzt, wir hingegen verarbeiten bereits produzierte, nicht recycelbare Kunststoffe.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie funktioniert das?<\/h3>\n\n\n\n<p>Redwitz: In der Erstproduktion von Plastikwaren wie Joghurtbechern werden viele Plastiksorten miteinander verklebt oder verbunden. Die Kosten der Auftrennung \u00fcbersteigen jeglichen Rahmen, und die Kunststoffe werden am Ende nicht recycelt. Wir identifizieren die richtigen Kunststoffmischstr\u00f6me und verarbeiten und testen diese, sodass sie die beste Qualit\u00e4t f\u00fcr den Asphalt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Varga: Wir produzieren keinen Kunststoff neu, um unser Additiv zu fabrizieren. Dadurch, dass wir das Plastik vor der Verbrennung und Deponierung bewahren, arbeiten wir ressourceneffizienter, als es in der herk\u00f6mmlichen Produktion der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kann man den \u00f6kologischen Nutzen messen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Redwitz: Laut internen Berechnungen des Fraunhofer-Instituts k\u00f6nnten wir 1,1 Tonnen Kohlendioxid pro Tonne Asphaltzusatz einsparen. Die Technologie hat au\u00dferdem das Potenzial, den Lebenszyklus einer Stra\u00dfe zu verdoppeln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Setzen unsere Stra\u00dfen eigentlich Mikroplastik frei, also aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden gef\u00fcrchtete Kunststoff-Kleinstteilchen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Redwitz: Ja, das ist ein Problem. Der Kunststoff ist in die Stra\u00dfen eingearbeitet und jede Stra\u00dfe wird im Laufe der Zeit abgerieben, wodurch Mikroplastik erzeugt und freigesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Varga: Es gibt zwei gro\u00dfe Emittenten von Mikroplastik auf Stra\u00dfen, den Abrieb von Autoreifen und den Abrieb von Bitumen. Das Bitumen ist das von den Stra\u00dfen abgeriebene Material. Da unser Produkt den Asphalt widerstandsf\u00e4higer macht, gehen wir davon aus, dass unser Asphaltzusatz den Abrieb und damit die Emissionen von Mikroplastik nicht verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ist Ihr Produkt denn schon im praktischen Einsatz?<\/h3>\n\n\n\n<p>Varga: Wir haben eine Strecke in \u00d6sterreich bei einem Bauhof in Vorarlberg gebaut sowie eine Bundesstra\u00dfe bei Potsdam und eine Zufahrtsstra\u00dfe und Bushaltestelle in Aschaffenburg. Wir konzentrieren uns dabei auf h\u00f6her belastete Stra\u00dfen, da unser Produkt h\u00f6here Auslastungen vertr\u00e4gt. Bisher haben wir zehn Tonnen in einer Garage produziert, haben jedoch eine gr\u00f6\u00dfere Produktion in den Startl\u00f6chern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Rennen Sie mit Ihrem Ansatz offene T\u00fcren ein oder sto\u00dfen Sie eher auf Widerstand?<\/h3>\n\n\n\n<p>Redwitz: In Deutschland f\u00e4llt unser Produkt nicht in die typischen Normen. Im Ausland ist das anders. Die Pr\u00fcfverfahren hierzulande sind nicht auf solche Materialien ausgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Varga: In Deutschland misst man den Anteil an Bitumen, der dem Asphalt zugegeben wird. Das ist dann eine harte Grenze. In anderen L\u00e4ndern hat der Asphalt Performance-Werte. Au\u00dferdem ist der Staat der gr\u00f6\u00dfte Auftraggeber der Branche \u2013 und sowohl der Staat wie auch die Branche sind risikoscheu. Hier ist die Devise: Wir bauen mit dem, was wir haben. Die \u00f6ffentliche Hand k\u00f6nnte viel bewirken, indem man neuen Verfahren Chancen bietet und Pilotfl\u00e4chen ausschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Interview:<br>Maximilian Redwitz<br>hat nach seinem Psychologie-Studium in der Unternehmensberatung gearbeitet. Er hat EcoPals mitgegr\u00fcndet und ist dort f\u00fcr Marktpositionierung, Personal und Strategie zust\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Interview:<br>Jonas Varga<br>ist \u00d6konom und Mitgr\u00fcnder von EcoPals, einer Ausgr\u00fcndung des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Chemische Technologie. Dort hatte er begonnen, die Entwicklung des Asphaltzusatzes zu koordinieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>taz: Herr Varga, Herr Redwitz, warum steckt in Stra\u00dfen denn \u00fcberhaupt Plastik? Jonas Varga: Kunststoffadditive werden bereits seit Jahrzehnten eingesetzt, um die Leistungsf\u00e4higkeit von Asphalt zu verbessern. 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