{"id":102792,"date":"2022-01-12T07:37:00","date_gmt":"2022-01-12T06:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=102792"},"modified":"2022-01-07T12:24:08","modified_gmt":"2022-01-07T11:24:08","slug":"vom-hanffeld-ins-papier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/vom-hanffeld-ins-papier\/","title":{"rendered":"Vom Hanffeld ins Papier"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n\n\n<p>In Deutschland ist im vergangenen Jahr so viel Nutzhanf angebaut worden wie nie zuvor &#8211; insgesamt auf 5362 Hektar. Laut Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung hat sich der Hanfanbau in Deutschland in den vergangenen sechs Jahren versiebenfacht. Nutzhanf kann zu Textilien verarbeitet werden, zu D\u00e4mmstoffen f\u00fcr den Bau &#8211; aber auch als Zutat in der Papierherstellung dienen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"460\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/hanf-feld-101_v-gross20x9.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-102812\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/hanf-feld-101_v-gross20x9.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/hanf-feld-101_v-gross20x9-300x135.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/hanf-feld-101_v-gross20x9-150x67.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/hanf-feld-101_v-gross20x9-768x345.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2022\/01\/hanf-feld-101_v-gross20x9-400x180.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Allerdings z\u00e4hlt Hanfpapier auf dem Papiermarkt zu den Nischenprodukten. Bislang gibt es nur wenige Papierhersteller in Deutschland, die sich der Faser widmen. Einer von ihnen ist die nieders\u00e4chsische Papiermanufaktur Hahnem\u00fchle, die spezialisiert ist auf hochwertige K\u00fcnstlerpapiere und Spezialanfertigungen. Das Unternehmen konnte bereits einige Erfahrungen mit der Hanffaser sammeln.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Da haben wir schon mal Probleme gehabt&#8221;, sagt der Papiertechnologe Michael Eggers. &#8220;Am Anfang, als wir die ersten Fertigungen hatten, waren teilweise Chargen dabei, die sich kaum aufgel\u00f6st und versponnen haben.&#8221; Manchmal h\u00e4tten sich die Fasern um Propeller gewickelt oder irgendeinen Regler verstopft, und &#8220;hinterher geht es nicht durch den Sortierer&#8221;. Mittlerweile haben Eggers und sein Team die richtigen Einstellungen gefunden und das weltweit erste Hanfpapier f\u00fcr den digitalen Buchdruck entwickelt. Doch da Hanf ein Naturprodukt ist, rechnet er damit, den Prozess immer wieder an den Rohstoff anpassen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anforderungen an den Buchdruck<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den digitalen Buchdruck muss das Papier d\u00fcnner und flexibler sein. Das Hanfpapier aus Niedersachsen besteht deshalb auch noch zu 40 Prozent aus Baumwollfasern. Au\u00dferdem darf das Papier nicht zu durchsichtig oder uneben sein, damit Bilder und Texte im sp\u00e4teren Druckprozess gestochen scharf abgebildet werden k\u00f6nnen. Doch gerade durch die langen Hanffasern k\u00f6nnen Faser-Ansammlungen an einer Stelle im Papier entstehen, sogenannte Stippen.<\/p>\n\n\n\n<p>Worauf es ankommt, erkl\u00e4rt der technische Werksleiter der Papiermanufaktur Hahnem\u00fchle, Stefan M\u00fcller: &#8220;Um Stippen zu vermeiden, m\u00fcssen die langen Hanffasern, nachdem sie mit Quellwasser gemischt wurden, zerkleinert werden. Zus\u00e4tzlich muss sp\u00e4ter der richtige Zeitpunkt abgepasst werden, um dem Papier das Wasser wieder zu entziehen.&#8221; Nur wenn diese beiden Faktoren stimmen, verteilen sich die Fasern gleichm\u00e4\u00dfig und erzeugen das Papier f\u00fcr den Buchdruck.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anbau unter strenger Kontrolle<\/h3>\n\n\n\n<p>Nutzhanf darf in Deutschland seit 1996 nur von landwirtschaftlichen Betrieben und unter der strengen Kontrolle der Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung (BLE) angebaut werden. Nur ausgew\u00e4hlte Sorten mit einem Tetrahydrocannabinol-Gehalt (THC), der die berauschende Wirkung ausmacht, von unter 0,2 Prozent d\u00fcrfen angebaut werden. Die Ernte wird erst nach einer entsprechenden Kontrolle des THC-Gehalts durch das BLE freigegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich zu Holzzellstoff sind die Nutzhanf-Fasern vier- bis f\u00fcnfmal l\u00e4nger. Diese Faserl\u00e4nge sorgt in der Papierproduktion f\u00fcr sehr stabiles, rei\u00dffestes und langlebiges Papier. Allerdings sind es auch die langen Fasern, die den Hanf in der Verarbeitung anspruchsvoll machen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hohe Herstellungskosten<\/h3>\n\n\n\n<p>Bundesweit widmen sich 626 Betriebe der Papierherstellung. Die Erfahrungen in der Verarbeitung von Hanf zu Papier fehlen allerdings weitgehend. Als Rohstoff in der Papierindustrie geh\u00f6rt es zu den sogenannten &#8220;sonstigen Faserstoffen&#8221;, die gerade mal 0,4 Prozent Marktanteil ausmachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesumweltamt sch\u00e4tzt, dass die Herstellungskosten etwa viermal h\u00f6her sind als bei Papier aus Holzstoff. Denn die Maschinen und Produktionsabl\u00e4ufe sind auf Altpapier- oder Holzzellstoffverarbeitung eingestellt. Die Umstellung auf Hanf, vor allem aufgrund seiner Beschaffenheit und Faserl\u00e4nge, ist mit einem hohen Zeitaufwand verbunden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hanf in der \u00d6kobilanz<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Anbau von Nutzhanf f\u00f6rdert laut BLE die nachhaltige Landwirtschaft. Denn Hanf eigne sich gut als sogenannte Vorfrucht. Er sei recht anspruchslos anzubauen, robust und hole Wasser aus tiefen Bodenschichten dank seiner langen Wurzeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Umweltauswirkungen der Anbau von Hanf und die Weiterverarbeitung zu Papier haben, dazu gibt es laut Umweltbundesamt bisher keine wissenschaftlichen Belege. Solche Studien und ein Nachweis \u00fcber die Recyclingf\u00e4higkeit w\u00e4ren Grundvoraussetzungen f\u00fcr das Umweltzeichen &#8220;Blauer Engel f\u00fcr Papierprodukte&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland ist im vergangenen Jahr so viel Nutzhanf angebaut worden wie nie zuvor &#8211; insgesamt auf 5362 Hektar. 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